Drucksache Nr. 1840/2008 N1:
Zusammenlegung der Stadtteilbibliotheken Linden-Mitte und Linden-Nord
Sanierung und Umbau des Rathauses Linden zum neuen Bildungsstandort Lindener Rathaus

Informationen:

Beratungsverlauf:

Inhalt der Drucksache:

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Landeshauptstadt HannoverBeschlussdrucksacheBeschlussdrucksache
In den Stadtbezirksrat Linden-Limmer
In den Ausschuss für Arbeitsmarkt-, Wirtschafts- und Liegenschaftsangelegenheiten
In den Kulturausschuss
In den Ausschuss für Haushalt Finanzen und Rechnungsprüfung
In den Verwaltungsausschuss
 
Nr.
Anzahl der Anlagen
Zu TOP
1. Neufassung
1840/2008 N1
0
 
Neufassung wegen der korrekten Bezeichnung des Stadtbezirks Linden-Limmer und Änderungen zu formalen Begrifflichkeiten.,Die Drucksache wurde inhaltlich nicht verändert.

Zusammenlegung der Stadtteilbibliotheken Linden-Mitte und Linden-Nord
Sanierung und Umbau des Rathauses Linden zum neuen Bildungsstandort Lindener Rathaus

Antrag,

zu beschließen,

1. die Zusammenlegung der Stadtbibliothek im Rathaus Linden und der Stadtbibliothek im Freizeitheim Linden am neuen Standort im Rathaus Linden,
2. die Einrichtung eines Bürgeramtes im Rathaus Linden,
3. die Sanierung und den Umbau des Rathauses Linden für Nutzungen durch die VHS, ein (Selbst-)Lernzentrum, eine Stadtbibliothek und ein Bürgeramt,
4. die Verwaltung zu beauftragen zu prüfen, ob das Bauvorhaben in einer PPP-Variante zu realisieren ist,
5. die Verwaltung zu beauftragen, die Möglichkeiten der Folgenutzung der durch den Auszug der Stadtbibliothek frei werdenden Räume des Freizeitheims Linden zu überprüfen.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Gender-Aspekte werden von dieser Beschlussdrucksache nicht berührt. Durch die Zu-
sammenlegung der Stadtteilbibliotheken Linden und Limmerstraße am neuen Standort im Rathaus Linden sind keine Bevorzugungen oder Benachteiligungen bzgl. des Ge-
schlechtes oder des Alters der Betroffenen zu erwarten.

Kostentabelle

Es handelt sich um eine Grundsatzentscheidung für die Projekte. Finanzielle Auswirkungen können erst grob beziffert werden. Der Aufwand für die Sanierung des Rathauses Linden, aller technischen Anlagen, einer Umgestaltung der Gebäudeteile für die beabsichtigte multi-
funktionale Nutzung und die Einrichtung wird derzeit mit rd. 7-8 Mio. € angenommen.

Das Bauvorhaben und die konkrete Finanzierung werden den Ratsgremien in einer se-
paraten Drucksache zur Entscheidung vorgelegt.

Begründung des Antrages


1. Ausgangslage

Der Rat der Landeshauptstadt Hannover hat im Rahmen der Haushaltskonsolidierung
(HK V) am 26.02.04 die Zusammenlegung der Stadtteilbibliotheken Linden (im Lindener
Rathaus) und Limmerstraße (im Freizeitheim Linden) mit einem jährlichen Einsparvolumen in Höhe von 244.000 Euro beschlossen (Drucks. Nr. 2669/03).

Die Verwaltung hat daraufhin geprüft, wie bei gleichzeitiger Einsparung ein zeitgemäßes, ortsnahes kulturelles und bildungsgerechtes Angebot weiterentwickelt werden kann.

Der durch den Auszug von Mitarbeiter/innen des Fachbereichs Soziales teilweise leer stehende Gebäudekomplex „Lindener Rathaus“ soll umfassend saniert und als zentraler Standort im Stadtbezirk Linden-Limmer umgebaut werden für
  • eine Stadtbibliothek,
  • Angebote der VHS,
  • ein (Selbst-)Lernzentrum,
  • ein Bürgeramt.

Im Rathaus sollen unter einem Dach das Bürgeramt, die Volkshochschule, ein (Selbst-) Lernzentrum und die zusammengeführte Bibliothek mit einem auf einander abgestimmten Konzept ein Bildungszentrum bilden, das den Bürgerinnen und Bürgern im Stadt-
bezirk Linden-Limmer vielseitige Serviceleistungen und Bildungsangebote in modernen und technisch gut ausgestatteten Räumlichkeiten bietet.

Die Umsetzung des innovativen Konzepts kann durch Mittel aus dem EU-Strukturfonds (EFRE) in Höhe von 700.000 Euro gefördert werden.

Derzeit ist davon auszugehen, dass mit der Sanierung und dem Umbau des Lindener Rat- hauses konkret nicht vor 2010 begonnen wird. Die beiden Stadtteilbibliotheken im Rathaus Linden und im Freizeitheim Linden werden ihren laufenden Betrieb bis zum Umzug in den jetzigen Räumlichkeiten fortführen.


2. Die neue Stadtbibliothek Linden

Es ist vorgesehen, die neue Stadtteilbibliothek barrierefrei auf insgesamt ca. 890 m² im Rathaus Linden unterzubringen. Nach einer ersten Planungsskizze wird der Bibliotheks- bereich im Erdgeschoss und im ersten OG des Schwalenberger Flügels angesiedelt. Büro- und Nebenräume sowie ein Veranstaltungsraum für Bilderbuchkino, Klassenführungen, Lesungen etc. werden im Souterrain vorgesehen.

Der Zugang zur Bibliothek und zu den übrigen Einrichtungen am neuen Bildungsstandort soll über den Haupteingang zum Rathaus am Lindener Marktplatz über eine zentrale Ein- gangshalle erfolgen.

Mit diesem Raumprogramm verbessert sich das Flächenangebot der Bibliothek gegenüber heute deutlich. Zugleich erhöht sich die Nutzungsqualität für die Besucher/innen und das Personal. Denn bisher verfügen beide Bibliotheken weder über einen separaten Gruppen- und Veranstaltungsraum noch über befriedigende Mitarbeiterräume. Die neuen Räume wer- den behindertengerecht ausgestattet und sind damit anders als heute die Bibliothek im Egestorff-Flügel des Rathauses für in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen, aber auch für Eltern mit Kinderwagen bequem zugänglich.

In der neuen Bibliothek werden künftig 40.000 Medien zum Ausleihen und Arbeiten vor Ort (v. a. Bücher, Zeitschriften, CDs, DVDs) angeboten werden (bisher: Lindener Rathaus 25.000, Limmerstraße 24.500). Das Medienangebot wird abzüglich der jetzigen Über- schneidungen bzw. Doppelungen das Niveau beider Einrichtungen zusammen erreichen. Als Teil der Stadtbibliothek Hannover stehen den Nutzer/innen darüber hinaus alle Medien des gesamten Bibliothekssystems zur Verfügung. Sie können über den elektronischen Katalog recherchiert und nach Linden bestellt werden. Die Schulen und ihre Lehrkräfte können außerdem auf spezielle Angebote (Literatur in Klassensatzstärke, thematische Medienkisten für den Unterricht) zugreifen.

Für Schüler/innen und erwachsene Lernwillige wird es ruhige Arbeitstische sowie PC- Arbeitsplätze mit Internetzugang geben. Den Gruppenarbeitsraum im UG können Schul- klassen genauso wie Kita-Gruppen bei Bibliotheksbesuchen nutzen. Hier werden auch Veranstaltungen wie Bilderbuchkino, Lesungen oder Schulungen durchgeführt werden können.

Neben speziellen Bibliotheksbereichen für Kinder und für Jugendliche wird es einen Bibliotheksbereich zur Information zu allen Alltagsfragen vom Mietrecht über Steuerfragen bis zu Gesundheit und Ernährung geben sowie Bereiche zu Familie, Erziehung, Ausbildung und Beruf und zum lebenslangen Lernen geben. Daneben werden Bibliotheksbereiche für Literatur, Unterhaltungsmedien, zur sinnvollen Freizeitgestaltung (Reisen, Gärtnern) und zur kulturellen Bildung eingerichtet. Wie in allen Stadtteilbibliotheken werden tagesaktuelle Zeitungen und Zeitschriften ausliegen.

Die Ausleihe und Rückgabe der Medien soll automatisiert erfolgen, so dass das Per- sonal (6 Stellen gegenüber heute je Bibliothek 5,5 Stellen) für die direkte Beratung der Be- sucher/innen, für die Zusammenarbeit mit Schulen, Kitas und anderen Einrichtungen und Gruppierungen im Stadtbezirk und so auch für Aktivitäten im Bereich der Leseförderung eingesetzt werden kann. Weiterhin werden die Kooperationen im Stadtbezirk einen hohen Stellenwert haben.

Die Öffnungszeiten der neuen Bibliothek werden das Volumen der bisherigen Öffnungs- zeiten (je 29 Stunden pro Woche) nicht unterschreiten. Durch Buchrückgabeautomaten wird zumindest die Rückgabe entliehener Medien auch außerhalb der Bibliotheksöffnungszeiten in Selbstbedienung möglich sein.







Folgende Basisdaten liegen der Zusammenlegung zugrunde:
Lindener Rathaus (alt)
Limmerstraße / FzH Linden
Lindener Rathaus (neu)
Fläche gesamt
484 m²
425 m²
890 m²
davon Publikumsfläche
384 m²
360 m²
davon Büros, Nebenräume
ca. 100 m²
ca. 70 m²
Personalstellen
5,5
5,5
6
Medienbestand
25.000
24.500
40.000
Ausleihzahlen
150.562 (2007)
121.678 (2007)
noch offen
Öffnungsstunden / Woche
29
29
noch offen
Öffnungstage / Woche
5
5
noch offen
öffentl. Internet-PCs
2
2
noch offen
Besucher/innen
49.090
42.185
noch offen
eingetragene Leser/innen
2.826
2.148
noch offen

2.1 Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten und Schulen

Kinder und Jugendliche sind wichtige Zielgruppen der Stadtbibliothek. Im Vordergrund der Bibliotheksarbeit stehen dabei die Sprach- und Leseförderung sowie die Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz als Schlüsselqualifikationen für selbst gesteuertes Lernen und Bildung. Hierbei arbeitet die Bibliothek eng mit den Kindertagesstätten und Schulen im Stadtbezirk zusammen. Diese Zusammenarbeit besteht insbesondere aus regelmäßigen Bibliotheksbesuchen, Gruppen- und Klassenführungen sowie der speziellen Medienausleihe von „Lesekisten“, „Medienboxen“, „Handapparaten“ und „Klassensätzen“ an die Erzieher/innen und Lehrer/innen. Veranstaltungen wie Bilderbuchkino, Lesenächte und Vorlesestunden ergänzen das Medienangebot und vermitteln den Kindern und Jugendlichen die Bibliothek als Ort, an dem man sich mit Freude und Gewinn aufhalten kann.

Derzeit kooperieren die beiden Lindener Bibliotheken mit jeweils über 20 Betreuungsein- richtungen für Kleinkinder (Krabbelgruppen, Kindergärten, Kindertagesstätten), wobei verschiedene Einrichtungen beide Bibliotheken parallel nutzen. Daneben kooperieren die Bibliotheken im Lindener Rathaus und Limmerstraße mit 15 verschiedenen Schulen im Stadtbezirk. Seitens der Bibliothek in Linden-Mitte bestehen Kontakte zu 3 Grundschulen,
1 Realschule, 2 Gymnasien, 2 Förderschulen, der IGS Linden sowie zu 2 Berufsschulen.
Die Bibliothek in Linden-Nord betreut 4 Grundschulen sowie die Haupt- und Realschule Fössefeld.

Im Rahmen der Zusammenlegung wird das Ziel verfolgt, die bestehenden Kooperationen und den besonderen Service für Kindertagesstätten und Schulen quantitativ und qualitativ zu sichern sowie möglichst auszubauen. Dies kann durch den Abschluss von Kooperations- verträgen geschehen, in denen Inhalt und Art der Zusammenarbeit definiert werden.

Die Zusammenarbeit kann verstärkt auch außerhalb der Bibliotheksräumlichkeiten in den Kindertagesstätten und Schulen erfolgen. Beispiele hierfür sind die Jugendbuchwoche und die daran anschließenden Jugendbuchwanderausstellungen in den Schulen sowie das erfolgreiche Projekt Lesementoring, das die Stadtbibliothek zusammen mit der Stadtteil- kultur in derzeit 4 Stadtbezirken durchführt. Um mit den betroffenen Schulen in einen Dialog über die Auswirkungen der Fusion auf die Zusammenarbeit zu treten, ist ein Treffen zwischen der Fachbereichsleitung Bibliothek und Schule und Schulvertreter/innen geplant.

2.2 Sonstige Angebote für Kinder und Jugendliche

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten und Familien mit finanziellen Schwierigkeiten sowie der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus nicht- deutschen oder Familien mit Migrationshintergrund ist im Stadtbezirk Linden-Limmer besonders hoch. Daher kommt der Bibliothek die wichtige Aufgabe zu, diese Zielgruppe mit einem auf ihre Interessen und Bedürfnisse abgestimmten Angebot für Freizeit und Bildung zu erreichen und zu fördern. Die Stadtbibliothek sieht es als besondere Herausforderung, dem Trend der Bildungsverarmung durch gezielte niedrigschwellige Angebote für Kinder und Jugendliche entgegen zu wirken und die Bibliothek nicht nur als Lernort, sondern auch als Aufenthaltsort und Treffpunkt attraktiv zu machen. Auf die Einrichtung und Ausstattung der Kinderbibliotheksräume und eines speziellen Jugendbereiches wird daher in der neuen Stadtteilbibliothek ein besonderes Augenmerk gerichtet werden.

Auch außerhalb der Schule werden heute beide Bibliotheken intensiv von Kindern und Jugendlichen besucht. Sie bilden die zahlenmäßig größte Nutzergruppe. Beide Bibliotheken erreichen einen großen Anteil der im Stadtbezirk lebenden Kinder und Jugendlichen. Die Zahl der Lesekarteninhaber/innen in beiden Bibliotheken beträgt in der Altersgruppe der
10- bis 15-Jährigen über 60 % der Bevölkerung im Stadtbezirk in diesem Alter. Bei den
6- bis 9-Jährigen sind es nahezu 50 % und bei den 16- bis 17-Jährigen immerhin noch
gut 35 %.




2.3 Integration und Migration

Der Stadtbezirk Linden-Limmer weist einen überdurchschnittlichen Anteil an Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund auf (im gesamten Stadtbezirk 30 % der Bevölkerung gegenüber 23 % im Durchschnitt der LHH). Mit knapp 42 % ist der Migrationsanteil in Linden-Süd am höchsten. Bibliotheken sind Orte der interkulturellen Bildung und Begegnung. Die interkulturelle Bildungsarbeit hat daher - wie auch bisher schon in den beiden Lindener Bibliotheken im Stadtbezirk Linden-Limmer - einen hohen Stellenwert für die neue Bibliothek im Lindener Rathaus. Durch die zentrale Lage im Stadtbezirk ist eine gute Erreichbarkeit sowohl aus Linden-Süd als auch aus Linden-Nord gegeben.

Es gilt den Austausch der verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu fördern, Bildungschan- cen zu verbessern sowie ein attraktives Angebot in der jeweiligen Muttersprache anzubieten. Die neue Bibliothek kooperiert weiterhin eng mit Vereinen und Verbänden zur Interessen- vertretung von Migrantinnen und Migranten (z.B. Kargah e.V.) und wird bilinguale Veranstal- tungen anbieten (Bilderbuchkino, Vorlesewettbewerbe, Elternwerkstätten). Mit den Koope- rationspartnern werden weitere gezielte Maßnahmen im Kontext des Lokalen Integrations- plans der Landeshauptstadt Hannover zu verabreden sein.


2.4 Angebote für Seniorinnen und Senioren

Die beiden Bibliotheken unterhalten diverse Kontakte zur Senioreneinrichtungen im Stadt- bezirk Linden-Limmer. Die Zahl der Seniorinnen und Senioren wird im Stadtbezirk Linden-Limmer wie bundesweit kontinuierlich steigen. Derzeit haben nur 3,5 % der Lindener Bevölkerung im Alter von 65 bis 74 Jahren eine Lesekarte, was unter anderem in der sinkenden Mobilität der Altersgruppe begründet liegt, aber auch an der schwierigen Zugänglichkeit (Treppen!) der Bibliothek im Rathaus Linden.

Um die Lebensqualität und Teilhabe der Altersgruppe an der Gesellschaft sowie deren Aktivierung und das lebenslange Lernen zu fördern, wird die fusionierte Bibliothek ent- sprechende Angebote für Seniorinnen und Senioren bereit halten. Gemeinsam mit den anderen Stadtteilbibliotheken soll erprobt werden, welche Dienstleistungen (z. B. ein mobiler Bring- und Holservice für Literatur bei den Senioreneinrichtungen im Stadtbezirk Linden-Limmer) für diese Nutzergruppe sinnvoll sein können.


2.5 Verkehrsanbindung

Der Standort am Lindener Markt ist zentral im Stadtbezirk gelegen und sowohl für die in Linden-Süd als auch für die in Linden-Nord wohnenden Menschen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Es besteht eine direkte Anbindung an die Linie 9 der Stadtbahn sowie an die Buslinien 120, 100 und 200. Über die genannten Buslinien ist in einer fußläufigen Entfernung von 300 Metern auch die Stadtbahnlinie 10 mit der Station „Küchengarten“ zu erreichen. Von hier aus gelangt man mit der Stadtbahn zum jetzigen Standort der Bibliothek im Freizeitheim Linden.

Damit ist die neue Bibliothek auch für die Bevölkerung aus Ahlem, Limmer und Linden-Nord gut erreichbar. Zwar verlängert sich der Weg für die Bewohner/innen aus diesen Stadtteilen, aber die größere Entfernung tritt hinter die verbesserte Ausstattung der neuen Bibliothek zurück.

Die beiden Lindener Bibliotheken im Stadtbezirk Linden-Limmer liegen nur knapp 2 km auseinander. In anderen Stadtbezirken sind größere Entfernungen bis zur jeweiligen Stadtteilbibliothek durchaus üblich.


2.6 Erfahrungen mit Bibliothekszusammenlegungen

Die Stadtbibliothek Hannover kann auf positive Beispiele erfolgreicher Bibliothekszusam- menlegungen verweisen. Zuletzt und äußerst erfolgreich wurden 2003 die beiden Biblio- theken Vier Grenzen und Bonifatiusplatz zur Jugend- und Stadtteilbibliothek List im Podbi-Park fusioniert.

Ein weiteres positives Beispiel für eine erfolgreiche Bibliothekszusammenlegung erfolgte schon 1995 mit der Fusion der beiden Ricklinger Bibliotheken (Wallensteinstraße und August-Holweg-Platz) im Freizeitheim Ricklingen.

In beiden Fällen waren die Zusammenlegungen von Bürgerprotesten begleitet. Heute er- fahren beide Bibliotheken aufgrund der Kooperation mit dem Bürgeramt im Podbi-Park bzw. mit dem Freizeitheim in Ricklingen großen Zuspruch. Ebenso konnte die Zusammenarbeit mit den Schulen in beiden Stadtteilen intensiviert werden.


2.7 Fazit der Bibliothekszusammenlegung

Die größeren, modern ausgestatteten Bibliotheksräume sowie die Kooperation von Stadt- bibliothek, Volkshochschule, (Selbst-)Lernzentrum und Bürgeramt werden dazu beitragen, dass die Zusammenlegung der heutigen Bibliotheken am neuen Standort mehr wird als eine reine Addition zweier Einrichtungen.


3. Konzept des Bildungs- und Dienstleistungszentrums

Im Rathaus Linden soll eine in Hannover einzigartige Kooperation zwischen Volkshoch- schule, (Selbst-)Lernzentrum, Bürgeramt und Bibliothek - ein integraler Lern- und In- formationsstandort - entstehen. Die Bürgerinnen und Bürger im Stadtbezirk Linden-Limmer erhalten ein umfassendes kommunales Bildungs- und Serviceangebot unter einem Dach. So soll es z.B. einen gemeinsamen Eingangsbereich mit einer Anlauf- und Informationsstelle für alle Einrichtungen und mit umfangreicher Öffnungszeit geben. Dort wird Personal der verschiedenen Kooperationspartner des Hauses eingesetzt sein, das den Besucher/innen Informationen und Hilfestellung gibt sowie bestimmte Anliegen direkt erledigt. Das Bürgeramt wird dort insbesondere die schnelle Abholung von Dokumenten anbieten.

Ausgehend von den vorhandenen fachspezifischen Kernkompetenzen der vertretenen Bereiche werden für die unterschiedlichen Informations- und Lernbedarfe der Bevölkerung konkrete Angebote des informellen und formalen Lernens unterbreitet. Von der individuellen Lern- und Bildungsberatung über Erstinformationen hinsichtlich verschiedener Lernmög- lichkeiten bis zu konkreten Angeboten der Volkshochschule und anderer Bildungsanbieter im Stadtbezirk wird der Besucher des Zentrums ein breites Spektrum von Bildungsakti- vitäten für sich, seine Kinder und Freunde entdecken können. Durch die Verbindung mit den kundenorientierten Dienstleistungen des Bürgeramtes wird das Angebot abgerundet und es entsteht eine wertvolle Anlaufstelle im Stadtbezirk.

Konzeptionelle Schnittstellen zwischen den alten und neuen Medien, zwischen Buch und Internet, sollen unter Berücksichtigung altersspezifischer Belange die Anwendungs- kompetenz der Nutzerinnen und Nutzer stärken. Als ein moderner und zukunftsfähiger Informations-, Lern- und Qualifizierungsort wird der Standort Lindener Rathaus Impulse
für andere Bereiche der kommunalen Bildungs- und Dienstleistungslandschaft geben.


3.1 (Selbst-)Lernzentrum

Das (Selbst-)Lernzentrum versteht sich als Wegweiser in der Bildungslandschaft. Über einen Bildungsserver sind Informationen zu Bildungsangeboten im Stadtteil und für das gesamte Stadtgebiet abrufbar. Eine Servicekraft an der Anmeldung unterstützt die Kundinnen und Kunden bei ihrer Recherche. Die Bildungsberatung im (Selbst-)Lernzentrum richtet sich an Einzelpersonen, aber auch an Unternehmen und Organisationen.

Für das PC-gestützte Selbstlernen stehen 25 Einzelarbeitsplätze zur Verfügung. Hier kön- nen die Nutzerinnen und Nutzer individuell z. B. Deutsch als Fremdsprache, PC-Basis- wissen, Schul- und Allgemeinwissen und verschiedene Fremdsprachen erlernen oder be- rufsbezogene Themen bearbeiten. Dabei werden Sie durch eine Erstberatung, permanent verfügbare Lernbegleiter/innen und Abschlussgespräche in allen Phasen unterstützt.
In Gruppenräumen werden Blended Learning und andere innovative Bildungsangebote vorgehalten, darüber hinaus wird bei Themenabenden Wissen rund um die elektronischen Medien vermittelt.

Die Philosophie des (Selbst-)Lernzentrums sieht vor, die vielfältigen bestehenden Bil- dungsangebote für eine konsequente Orientierung an den individuellen Bedarfen der Nutzerinnen und Nutzer zu vernetzen und zu verknüpfen. Um Kommunikation und Enga- gement in Bildungsprozessen im Stadtbezirk zu unterstützen, stellt das (Selbst-)Lern-
zentrum auch ein Projektbüro für Dritte zur Verfügung. In Kooperation mit der Bibliothek sollen, begünstigt durch die räumliche Nähe von Buch und PC-Arbeitsplatz, medien-
übergreifende Angebote entwickelt werden.

3.2 Volkshochschule

Die Ada-und-Theodor-Lessing-Volkshochschule als Trägerin des (Selbst-)Lernzentrums beteiligt sich am neuen Bildungsstandort Lindener Rathaus außerdem durch ihr Sachgebiet „Integration und Beratung“, das drei Schwerpunkte umfassen soll:
  • kommunale Weiterbildungsberatung
  • Integrationsangebote im Stadtbezirk
  • (Selbst-)Lernzentrum (s. o.)

Damit unterstützt die VHS das lebenslange Lernen, das in vielen Lebenssituationen der Unterstützung durch gezielte Bildungsberatung bedarf. Die Anforderungen an zielgruppen- spezifische Beratung zur Bestimmung individueller Bildungswege sind so vielseitig und die vorhandenen Bildungslandschaften so unübersichtlich, dass eine trägerunabhängige, kom- munale Bildungsberatung für die Bürger/innen der LHH im Verbund und im Austausch mit dem regionalen Qualifizierungsnetzwerk der Lernenden Regionen in Niedersachsen als Orientierungs- und Anlaufstelle dringend erforderlich ist.

Das Beratungsangebot wird qualifizierte Informationen, Orientierungs- und Entscheidungs- hilfen bei der Suche und Auswahl von passenden Weiterbildungsangeboten umfassen und an den individuellen Kompetenzen und Fähigkeiten der Klientinnen und Klienten ansetzen. Realisiert werden soll dieses Angebot sowohl als offene Beratung als auch in der Verschrän- kung mit den beiden anderen Schwerpunkten im Sachgebiet, der aufsuchenden und be- gleitenden Beratung in den Integrationsangeboten und im (Selbst-)Lernzentrum.

Darüber hinaus werden am neuen Standort umfangreiche Kursangebote "Deutsch als Fremdsprache" (DaF) und Angebote der beruflichen Bildung und Qualifizierung besondere Bedeutung erhalten.

Der bereits bestehende VHS-Angebotsteil „stadtteilorientierte und zielgruppenspezifische Kurse“ wird im Lindener Rathaus ergänzt und erweitert, indem die Zielgruppen „allein er- ziehende Frauen“ und „Menschen mit Migrationshintergrund“ in der Form von aufsuchender und begleitender Beratung zukünftig in allen Fragen des lebenslangen Lernens betreut werden.

Eine intensivierte Kursbetreuung besonders in den Kursen für Menschen mit Migrations- hintergrund soll die Integrations- und Teilhabemöglichkeiten durch Fort- und Weiterbildung sowie die Beteiligung von Migrantengruppen an der Gremienarbeit im Stadtbezirk stärken.

Die Sicherung der Qualität wird über die regionale Vernetzung mit anderen Beratungsstellen und dem zertifizierten Qualitätsmanagement der Volkshochschule gewährleistet sein. Dazu soll auch die angedachte Einrichtung eines gemeinsamen Bildungsservers dienen, der einerseits die örtlichen Angebote präsentieren soll, andererseits aber auch die virtuelle Vernetzung der Beratungsstellen in Niedersachsen gewährleisten würde und zusätzlich auch noch eine Online-Beraterplattform für alle Beratungsstellen ermöglichen könnte.

Ein in diesem Zusammenhang besonders ausgewiesenes Angebot wird der „ProfilPASS“ sein, für den die VHS das regionale Dialogzentrum ist und nicht nur Begleitseminare zur Anwendung des „ProfilPASS“ durchführt, sondern auch Beratende und Weiterbildner/innen qualifiziert.


3.3 Bürgeramt

Das Lindener Rathaus ist seit seiner Errichtung im Jahre 1898 der Ort in Linden, wo u. a. Pässe ausgestellt und Meldeangelegenheiten bearbeitet werden. Zurzeit befindet sich dort die Nebenstelle Linden des Fachbereiches Recht und Ordnung. Es ist die letzte Dienststelle dieser Art und auch sie soll jetzt in ein Bürgeramt umgewandelt werden.

Es gibt zurzeit 7 Bürgerämter in Hannover. Das Angebotsspektrum eines Bürgeramtes geht weit über die erwähnten Melde- und Passangelegenheiten hinaus, umfasst heute viele bür- gerorientierte Leistungen aus dem Verwaltungsbereich, z. B. Annahme von Anregungen und Beschwerden, Antragsabgabe für andere städtische Dienstellen, Beglaubigungen, Behin- derten-WC-Schlüssel, Elektroschrottplaketten, Führerschein, Fundsachenannahme, Gewer- bezentralregisterauskunft, Lohnsteuerkartenangelegenheiten, straßenverkehrsrechtliche Ausnahmegenehmigungen. Darüber hinaus ist das Bürgeramt Anlaufpunkt für Informations- und Serviceangebote der Stadtverwaltung.

Es wird eine enge Kooperation mit den weiteren Nutzer/innen des Gebäudes geben. Ähn- liches gibt es bereits zwischen der Stadtbibliothek und dem Bürgeramt an den Standorten im Podbi-Park und in Döhren.

Wenn das Bürgeramt geschlossen ist, werden an der Anlauf- und Informationsstelle z. B. Personalausweise oder Reisepässe durch Mitarbeiter/innen der Bibliothek ausgegeben. Umgekehrt ist es z. B. möglich, bei den Mitarbeiter/innen des Bürgeramtes an der Anlauf- und Informationsstelle Medien zurückzugeben. Dadurch ergeben sich für einige Anliegen günstigere Ansprechzeiten für die Kundinnen und Kunden. Eine Erweiterung der Aufgaben- felder kann sich noch entwickeln.




Die Besucher/innen des Bürgeramtes in Linden werden während eventuell auftretender Wartezeiten Angebote der Kooperationspartner nutzen oder entdecken können. Dadurch wird eine eventuelle Wartezeit kurzweiliger sein und die Besucher/innen werden zu einem erneuten Besuch angeregt, um Bildungsangebote wahrzunehmen.

Das Bürgeramt Linden wird sich, verglichen mit der derzeitigen Nebenstelle, nach dem Um- bau des Gebäudes und der Anpassung der Ausstattung in Verbindung mit den Koopera- tionspartnern in eine erheblich attraktivere Anlaufstelle für Einwohner/innen mit den ver- schiedensten Anliegen verändern.


4. Sanierung und Umbau

Der Gebäudekomplex Rathaus Linden besteht aus den drei Gebäudeflügeln (Egestorff- straße, Lindener Markt, Schwalenberger Straße), die teilweise unter Denkmalschutz stehen und alle extrem sanierungsbedürftig sind.

Als wesentliche Sanierungspunkte sind zu benennen:
  • technische Gebäudeausrüstung
Die technischen Anlagen sind auf Grund ihrer Lebensdauer in vielen Bereichen abgängig und entsprechen nicht mehr den heutigen Standards.
Heizung: abgängige Heizzentrale, Rohrleitungsnetze und Heizflächen
Sanitär: Bleirohrsanierung im Bereich des Trinkwassernetzes /
Erneuerung von Objekten und Armaturen
Elektro: abgängige Leitungsnetze und Verteilungen /
Austausch von Beleuchtungssystemen
Lüftung: abgängige Lüftungszentrale und Lüftungskanäle
  • energetische Standards
Mangelnde bzw. fehlende Dämmung im Bereich von Dach- und Wandflächen, Einfachverglasung in Teilbereichen.
  • Gebäudehülle und Raumoberflächen
Durchfeuchtete Kellerumfassungswände / schadhafte Wand- und Dachflächen.
  • Sicherheitsstandards
Die Flucht- und Rettungswege entsprechen nicht den neusten Anforderungen.
Die Brand- und Rauchabschnitte sind neu zu definieren.
  • Barrierefreiheit
Die barrierefreie Zugänglichkeit und Erschließung innerhalb des Gebäudes ist zurzeit nicht gegeben.

Der Aufwand für eine umfassende Sanierung des Hochbaus und aller technischen Anlagen sowie einer Umgestaltung der Gebäudeteile für die beabsichtigte multifunktionale Nutzung auf der Grundlage einer Planungsskizze wird derzeit mit rd. 7-8 Mio. € angenommen.

Die Mittel des Vermögensplans des Fachbereichs Gebäudemanagement sind mittelfristig vor allem auf die Sanierung von Schulen und Kindertagesstätten konzentriert und lassen eine zusätzliche Finanzierung dieser besonderen Baumaßnahme nicht zu.



Die Verwaltung untersucht deshalb, ob die Bauaufgabe durch eine PPP-Variante zu realisieren ist. Eine Veräußerung oder vermögensrechtliche Übertragung der Gesamt- immobilie wäre dafür nicht notwendig und ist auch nicht vorgesehen.

Im Rahmen der Ausschreibung soll den Interessenten auch angeboten werden, andere von der bisherigen Planungsskizze abweichende planerische Lösungen anzubieten. Anstelle einer umfassenden Sanierung sollen auch Teilneubauten unter Berücksichtigung des Denk- malschutzes zugelassen werden.

Ein Baubeginn wird für Ende 2009/Anfang 2010 angestrebt.

Das Bauvorhaben und die konkrete Finanzierung werden den Ratsgremien in einer sepa- raten Drucksache zur Entscheidung vorgelegt.


5. Künftige Nutzung der durch den Auszug der Stadtbibliothek Limmerstraße im
Freizeitheim Linden frei werdenden Flächen

Wenn die Stadtbibliothek im Freizeitheim Linden mit der Stadtbibliothek im Lindener Rat- haus zusammengelegt wird, dann können aus Sicht der für das Freizeitheim zuständigen Fachverwaltung die frei werdenden Flächen im Freizeitheim Linden für Aktivitäten im Bereich der kulturellen Bildung genutzt werden.

Folgende Räumlichkeiten könnten entstehen:
  • Bewegungsraum (150 m²) für Zirkus, Theater, Tanz, interdisziplinäre Projekte
  • Kreativraum (80 m²) für Bildende Kunst, Film und Medien
  • Musik- und Sprachraum (60 m²) für Musik, Sprache, Philosophieren
  • Requisitenraum (40 m²)

Mögliche Nutzungszeiten von Montag bis Freitag bzw. an Wochenenden könnten sein:
  • vormittags Kindertagesstätten und Grundschulen,
  • nachmittags Ganztagsschulen, Horte, außerschulische Anbieter für Kinder,
  • abends Gruppen und Initiativen des Stadtteils, Nutzer des Freizeitheims.

Insbesondere für die möglichen Vormittags- und Nachmittagsangebote für Kindertages- stätten, Grundschulen und Ganztagsschulen sowie Horte wird es erforderlich sein, die ohnehin schon im Stadtteil tätigen Akteure zu koordinieren und die bereits vorhandene Fachkompetenz durch weitere Aktivitäten verschiedenster Partner zu ergänzen. Dabei können auch Angebote im Bereich der Literatur und der Leseförderung integriert werden.

Insgesamt besteht die Chance, differenziert auf die Bedürfnisse der Kindertagesstätten und insbesondere der Grundschulen eingehen und unterrichtsbegleitend bzw. unterrichtser- gänzend wirken zu können.

Damit könnte sich ein vielfältiges Spektrum kultureller Bildung für Kinder entwickeln. Dieses Spektrum bedarf einer permanenten konzeptionellen Weiterentwicklung, erfordert jedoch auch verlässliche Grundstrukturen. Das Freizeitheim Linden könnte einen Beitrag zu diesen verlässlichen Grundstrukturen leisten und bereits vorhandene und künftige Aktivitäten ko- ordinieren.





Die von der AG des Stadtbezirksrates entwickelten Vorschläge zur konzeptionellen Weiter- entwicklung und baulichen Sanierung werden auf Realisierbarkeit zu prüfen und einzube- ziehen sein. Hierbei muss jedoch immer einschränkend berücksichtigt werden, dass der durch die Zusammenlegung der Stadtteilbibliotheken Linden und Limmerstraße erzielte HK V-Effekt in Höhe von 244.000 € nicht durch neu entstehende Sachmittel- und Personal- mehrbedarfe reduziert wird.


6. Zusammenfassung

Das Rathaus Linden setzt einen neuen Akzent im Stadtbezirk Linden-Limmer und wird ein attraktiver Publikumsmagnet am Lindener Markt. Als Generationen übergreifender Ort der Information, als Treffpunkt ohne Verzehrzwang, als Ort des selbst gesteuerten Lernens (Bibliothek, (Selbst-)Lernzentrum), des Lernens in Kursen (Volkshochschule) und als Anlaufstelle für kommunale Dienstleistungen verschiedener Art trägt die neue Einrichtung auch zur Entwicklung des Standortes Linden-Mitte, zur Integration von Menschen verschiedenen Alters und verschiedener Kulturen und zur Steigerung der Lebensqualität im Stadtbezirk Linden-Limmer bei.


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Hannover / 11.09.2008