Drucksache Nr. 0706/2007 Straßenumbenennung im Stadtteil Südstadt

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 0706/2007 (Originalvorlage)


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Beratungsverlauf:
18.04.2007: Stadtbezirksrat Südstadt-Bult: Einstimmig
16.05.2007: Stadtentwicklungs- und Bauausschuss: Einstimmig
31.05.2007: Verwaltungsausschuss: Einstimmig
31.05.2007: Ratsversammlung: Einstimmig

Statischer Link:

Inhalt der Drucksache:
Bitte beachten Sie, dass der folgende Text eventuell medienbedingte Formatabweichungen aufweisen kann. Eine formatgetreue Abbildung des Inhalts finden Sie in der Anlage "Druckversion.pdf".

Landeshauptstadt Hannover Beschlussdrucksache
In den Stadtbezirksrat Südstadt-Bult
In den Stadtentwicklungs- und Bauausschuss
In den Verwaltungsausschuss
In die Ratsversammlung
 
Nr.
Anzahl der Anlagen
Zu TOP
 
0706/2007
1
 





Straßenumbenennung im Stadtteil Südstadt


Antrag,
folgende Straßenumbenennung zu beschließen:

Das Teilstück der Straße - Alte Döhrener Straße - , welches beginnend an der Straßenkreuzung in Höhe der Straße An der Engesohde in südliche Richtung abgeht, erhält den Namen Orli-Wald-Allee.

(Kartenausschnitt s. Anlage)


Berücksichtigung von Gender-Aspekten:
Der Vorschlag, das o.g. Teilstück der Alten Döhrener Straße in Orli-Wald-Allee umzubenennen, entspricht dem Ratsbeschluss vom 09.12.1999, welcher vorsieht, dass bei Neubenennungen und bei notwendigen Umbenennungen verstärkt weibliche Persönlichkeiten berücksichtigt werden sollen. Durch die eigenständige Benennung des südlichen Teilstücks der Straße soll ein leichtes und schnelles Auffinden aller Anliegerinnen und Anlieger gewährleistet werden.


Kostentabelle

Darstellung der zu erwartenden finanziellen Auswirkungen:







Investitionen
in €
bei HMK
(Deckungsring)/
Wipl-Position

Verwaltungs-
haushalt;
auch
Investitions- folgekosten
in € p.a.
bei HMK
(Deckungsring)/
Wipl-Position



Einnahmen

Einnahmen







Finanzierungs- anteile von Dritten

Betriebsein- nahmen







sonstige Ein- nahmen

Finanzeinnah- men von Dritten







Einnahmen insgesamt
0,00 €

Einnahmen insgesamt
0,00 €



Ausgaben

Ausgaben







Erwerbsaufwand

Personal-
ausgaben
2.175,00 €







Hoch-, Tiefbau
bzw. Sanierung

Sachausgaben
625,00 €







Einrichtungs-
aufwand

Zuwendungen







Investitionszu-
schuss an Dritte

Kalkulatorische
Kosten







Ausgaben
insgesamt
0,00 €

Ausgaben
insgesamt
2.800,00 €



Finanzierungs-
saldo
0,00 €

Überschuss/
Zuschuss
-2.800,00 €


Die Kosten für Straßenbenennungen sind als Durchschnittswerte zu betrachten.

Begründung des Antrages:
Aurelia (Orli) Wald, geb. Torgau, gesch. Reichert, am 01.07.1914 in Bourell bei Maubeuge (Frankreich) geboren, am 01.01.1962 in Ilten bei Hannover verstorben, Widerstandskämpferin, NS-Verfolgte. In den 20er Jahren war Orli Torgau in Trier Mitglied des kommunistischen Jugendverbandes. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde ihr Bruder sofort verhaftet, die Familie verfolgt, trotzdem arbeitete sie im politischen Widerstand weiter. 1935 heiratete sie Fritz Reichert. Diese Ehe scheiterte nach einem halben Jahr. Reichert reichte 1936 die Scheidung ein. Im Juni 1936 Verhaftung und Anklage wegen Hochverrats, im Dezember 1936 Verurteilung zu 4 Jahren und 6 Monaten Zuchthaus. Die Verhaftung war vermutlich aufgrund der Denunziation des Ehemanns erfolgt. 1939 wurde die Ehe geschieden, u. a. mit der Begründung, dass sich Reichert "zum Nationalsozialismus bekennt und der SA angehört". Trotz voller Verbüßung ihrer Haftstrafe im Frauenzuchthaus Ziegenhain bei Kassel kam sie anschließend ins KZ Ravensbrück und im März 1942 ins KZ Auschwitz. Sie wird im berüchtigten Häftlingskrankenhaus beschäftigt, besonders hier erlebt sie unfassbare Gräuel - SS-Ärzte, die Säuglinge "abspritzen" und Menschenversuche machen, die Kranke, statt zu versorgen, "ins Gas" schicken.




Sie wird hier Lagerälteste, vor allem in dieser Funktion hilft sie unter Gefährdung ihres eigenen Lebens. Orli Reichert wird von ihren Mithäftlingen aufgrund ihrer selbstlosen Hilfe und ihres mutigen Einsatzes für jüdische und andere Häftlinge, bis hin zur Rettung vor den Gaskammern, als "Engel von Auschwitz" bezeichnet. Sie überlebt den Todesmarsch von Auschwitz (Januar 1945) in das KZ Ravensbrück und in das Außenlager Malchow. Von hier gelingt ihr im April 1945 die Flucht. Infolge ihrer Haft konnte sie den Namen Reichert nicht ablegen. Im November 1947 heiratet sie Eduard Wald und kommt im gleichen Jahr nach Hannover. Sie leidet bis zu ihrem Tod an den Folgen der Inhaftierung. Das Grab von Frau Orli Wald befindet sich auf dem Engesohder Friedhof.


Im Jahr 1984 wurde in den Stadtteilen Wettbergen und Mühlenberg ein Benennungsgebiet nach WiderstandskämpferInnen mit ca. 62 Straßennamen beschlossen, u.a. auch der Reicherthof, benannt nach der o.g. Persönlichkeit. Im Nachhinein wird diese Benennung nicht mehr als Ehrung empfunden.

Mit der Benennung der Straße in der Südstadt könnte nunmehr Frau Orli Wald in unmittelbarer Nähe zu ihrer Grabstätte mit einem Straßennamen geehrt werden.

Die Alte Döhrener Straße geht von der Bürgermeister-Fink-Straße in südliche Richtung ab. In Höhe der Straße An der Engesohde verläuft die Alte Döhrener Straße in östliche Richtung bis zur Hildesheimer Straße. Das weiter in südliche Richtung verlaufende Straßenstück entlang des Engesohder Friedhofes gehört derzeit ebenfalls zur Alten Döhrener Straße.

Die Straßenführung weist keinen gradlinigen Verlauf auf und es ist für Ortsunkundige nicht eindeutig, dass sowohl das Straßenstück in Verlängerung der Straße An der Engesohde als auch die südliche Verlängerung der Bezeichnung - Alte Döhrener Straße - zugeordnet ist. Mit der Umbenennung des südlichen Teilstücks der Alten Döhrener Straße in Orli-Wald-Allee wird auch für Ortsunkundige eine leichtere Orientierung erreicht.

Die Benennung macht die Änderung der postalischen Adresse eines Gewerbetreibenden (Gärtnerei) notwendig. Ferner wird der Stadtfriedhof Engesohde postalisch der zukünftigen Orli-Wald-Allee zugeordnet.
Die Zustimmung des Gewerbetreibenden liegt der Verwaltung bereits vor.

Nach den Grundsätzen für die Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen sollen Umbenennungen u.a. nur erfolgen zur einwandfreien Orientierung und Zielfindung nach wesentlichen baulichen Veränderungen, die zur örtlich erheblichen Trennung bisheriger Zusammenhänge führen. Wie oben näher beschrieben, dient die Umbenennung des Teilstücks der Alten Döhrener Straße in Orli-Wald-Allee der besseren Orientierung.

Der Stadtbezirksrat Südstadt-Bult hat die Finanzierung eines Legendenschildes angekündigt. Es ist folgender Text vorgesehen:

Orli (Aurelia) Wald (1914 - 1962) Widerstandskämpferin,
NS-Verfolgte, 1936-1945 inhaftiert, u.a. im KZ Auschwitz,
Mithäftlinge nannten sie "Engel von Auschwitz"

61.2
Hannover / 03/26/2007


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