Drucksache Nr. 2836/2017:
Stadtbahnstrecke C-Ost:
Barrierefreier Ausbau der Haltestelle Hannover Congress Centrum (HCC)

Informationen:

Beratungsverlauf:

Inhalt der Drucksache:

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Landeshauptstadt HannoverBeschlussdrucksacheBeschlussdrucksache
In den Stadtbezirksrat Mitte
In den Stadtentwicklungs- und Bauausschuss
In den Verwaltungsausschuss
 
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2836/2017
4
 

Stadtbahnstrecke C-Ost:
Barrierefreier Ausbau der Haltestelle Hannover Congress Centrum (HCC)

Antrag,

dass die Infrastrukturgesellschaft Region Hannover GmbH (infra) die Stadtbahnhaltestelle Hannover Congress Centrum (HCC) barrierefrei auf Grundlage der als Anlagen 1 bis 4 beigefügten Planunterlagen ausbaut.

- Anhörungsrecht des Stadtbezirksrates gem. § 93 (1) NKomVG i.V. mit der Hauptsatzung der LHH
- Entscheidungsrecht des Verwaltungsausschusses gemäß § 76 (2) NKomVG i.V. mit der Hauptsatzung der LHH.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Im Rahmen der Begleitmobilität mit Kindern sind besonders Frauen und ältere Menschen auf die Nutzung von öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angewiesen. Ein barrierefreier Ausbau von Stadtbahnhaltestellen bietet eine wesentliche Verbesserung beim Ein- und Ausstieg.

Die vorgelegte Planung berücksichtigt zudem ein besonderes Sicherheitsbedürfnis von Frauen. Neben den Einbauten von Notruf- und Informationssprechzellen erhält der geplante Hochbahnsteig auch barrierefreie Zugänge für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste.

Kostentabelle


Bezüglich des barrierefreien Ausbaus der Stadtbahnhaltestelle Hannover Congress Centrum (HCC) entstehen keine finanziellen Auswirkungen, da die Stadt Hannover nicht Maßnahmenträger ist.

Nicht stadtbahnbedingt sind die Seitenräume auf der West- und Ostseite inklusive der Bushaltestellen, sowie die Umlegung des Radweges auf der Ostseite bis zur Zufahrt zum Eilenriedestadion. Für diese Maßnahmen trägt die Stadt Hannover die Kosten, welche in einer separaten Drucksache aufgeführt werden.

Begründung des Antrages

1. Ausgangssituation

Der aktuelle Nahverkehrsplan 2015 der Region Hannover sieht in den kommenden Jahren den barrierefreien Ausbau der Haltestelle Hannover Congress Centrum (HCC) auf der Strecke C-Ost im Stadtteil Zoo vor. Hier soll ein Hochbahnsteig für die Stadtbahnlinie 11 errichtet und ein barrierefreier Ausbau der am Fahrbahnrand bestehenden Haltestelle der Buslinien 128 und 134 vorgenommen werden.

Die von der infra mit der Planung des Vorhabens beauftragte Firma TransTecBau hat eine Machbarkeitsstudie erstellt, in der Varianten für den zukünftigen Hochbahnsteig untersucht und bewertet wurden. Die Ergebnisse der Vorzugslösung sind in dieser Drucksache zusammengefasst.

2. Beschreibung der Maßnahme

Die Haltestelle HCC liegt auf der Stadtbahnstrecke C-Ost in Hannover-Zoo zwischen den Haltestellen Clausewitzstraße und Zoo im Bereich des Theodor-Heuss-Platzes.

Die Haltestelle wird durch die Stadtbahnlinie 11 (Zoo – Haltenhoffstraße) bedient. Jeweils am Fahrbahnrand, entsprechend dem äußeren Rand des Theodor-Heuss- Platzes, liegen die Richtungshaltestellen der Buslinien 128 (Nordring – Peiner Straße) und 134 (ebenfalls Nordring – Peiner Straße). Die Stadtbahnhaltestelle wird an einem durchschnittlichen Werktag von ca. 1.400 Fahrgästen genutzt. An Tagen mit Veranstaltungen im HCC liegen die Nutzerzahlen teilweise weit darüber. Bei einzelnen Veranstaltungen werden von der ÜSTRA auch Verstärkungszüge zum HCC eingesetzt, die über die vorhandene Wendeschleife unmittelbar am Theodor-Heuss-Platz wenden.

Der Ein- und Ausstieg in bzw. aus den Stadtbahnen erfolgt heute über nicht barrierefreie Seitenniedrigbahnsteige mit wassergebundener Oberfläche. Auch die Bushaltepositionen sind derzeit noch nicht barrierefrei gestaltet. Als Standort des zukünftigen Hochbahnsteigs bietet sich die heutige Haltestellenlage zwischen den östlichen Fahrbahnen und der inneren Grünfläche des Theodor-Heuss-Platzes an (vgl. Übersichtslageplan in Anlage 1).

Die Notwendigkeit des vorhandenen Umfahrungsgleises wurde mit dem Ergebnis geprüft, dass auf vier bestehende Weichen sowie eine Gleiskreuzung und damit auf einige der bisher möglichen Fahrbeziehungen verzichtet werden kann. Das Umfahrungsgleis selbst muss aber aus betrieblichen Gründen bestehen bleiben und an das in der Clausewitzstraße liegende Streckengleis angebunden werden. Gründe dafür liegen in der begrenzten Kapazität der Kehrgleise am Endpunkt Zoo und innerhalb der Anforderung, das HCC im Nachtsternverkehr zu bedienen, ohne am Zoo einen zeitaufwändigen Fahrtrichtungswechsel vornehmen zu müssen. Auch nach der Renovierung des HCC wird künftig von der gleichen Anzahl von Veranstaltungen mit entsprechend verdichtetem Stadtbahnverkehr ausgegangen, wie heute. Zusätzlich dient die Schleife am HCC dazu, zwei der vier auf der Strecke C-Ost verkehrenden Stadtbahnlinien im Störungsfall (z.B. bei Streckensperrungen östlich der Clausewitzstraße) innenstadtnah kehren zu lassen und tagsüber den Takt auf der Linie 11 verdichten zu können.

Aus den notwendigen Eingriffen durch den Stadtbahnbau innerhalb des denkmalgeschützten Bereichs des Theodor-Heuss-Platzes ergibt sich seitens der Denkmalpflege und der Stadtgestaltung die Forderung, den geraden Gleisabschnitt auf der Westseite, sowie den gesamten äußeren Gleisbereich in der Umfahrung mit Rasen einzudecken.

Mit dem barrierefreien Ausbau erhält die Haltestelle HCC einen 70 m langen Mittelhochbahnsteig für den Einsatz von 3-Wagen-Zügen der Fahrzeugserien TW 2000 und TW 3000. Die Bahnsteighöhe liegt 82 cm über der Schienenoberkante. Mit einer Breite von 4,00 m ist der Bahnsteig auch für eine große Fahrgastnachfrage im Rahmen von Veranstaltungen geeignet.

Der Hochbahnsteig wird mit Witterungsschutz, Sitzmöglichkeiten, Fahrausweisautomat, Notruf- und Infosäule sowie dynamischen Zugzielanzeigern ausgestattet. Die Buspositionen werden im Bereich der heutigen Standorte als idealtypische Haltestellen barrierefrei ausgebaut. Sie erhalten einen 16 cm hohen Bord, Haltestellenschild, Witterungsschutz sowie taktile und visuell wahrnehmbare Leitelemente. Die Wartebereiche haben eine Nutzlänge von 18 m und eine Breite von 2,70 m.

An beiden Enden des Hochbahnsteigs werden Rampen mit einer Neigung von 6 % sowie Zwischenpodesten angeordnet. Zusätzlich zur bestehenden signalisierten Querung über die östliche Fahrbahn des Theodor-Heuss-Platzes am nördlichen Bahnsteigende wird auch am südlichen Zugang eine signalisierte Querung eingerichtet. Von den Querungsstellen aus werden zudem Fußwegverbindungen auf die Westseite des Platzes vorgesehen. Im Anschluss kann dort die westliche Fahrbahn zukünftig ebenfalls an zwei Stellen signalisiert gequert werden. Zur besseren Erreichbarkeit des HCC wird auch die signalgesicherte Querung über die südliche Fahrbahn barrierefrei ausgebaut. Sämtliche Fahrbahnquerungen erhalten für Menschen mit Sehbehinderung zusätzlich akustische Signale sowie optische und taktile Leitelemente. Auch die Wegeverbindungen im Innenbereich des Platzes werden mit Leitelementen ausgerüstet (vgl. Lageplan Anlage 2 sowie Querschnitt Anlage 4).

Aus denkmalrechtlicher Sicht und aus Gründen der besseren Orientierung für blinde und sehbehinderte sowie für rollstuhl- und rollatorfahrende Menschen ist für den Theodor-Heuss-Platz ein Gestaltungskonzept vorgesehen, das die symmetrisch geometrische Figur des Platzes nachzeichnet und somit in der Erlebbarkeit vor Ort unterstützt. So werden die halbkreisförmigen Flächen an den Kopfenden des Platzes, über die die neuen Gehverbindungen geführt werden, befestigt und in einem einheitlichen Material (Naturstein) ausgeführt.

Um den Belangen des Denkmalschutzes weiter zu entsprechen und den bisherigen Platzcharakter mit den Alleen aus Kaiserlinden zu erhalten, muss das in Richtung Zoo verlaufende Gleis für den Bau des Hochbahnsteigs nach Osten verschoben werden. Als Folge sind die Verkehrsanlagen anzupassen, ohne Eingriffe in den Baumbestand am Rande des Platzes vorzunehmen. Die Fahrbahn auf der Ostseite erhält daher eine Breite von ca. 4,40 m.

Der Bereich des bisher hier neben der Fahrbahn verlaufenden Radwegs wird zukünftig als Fußweg und als Wartefläche für die Bushaltestelle genutzt. Östlich der Baumreihe wird ein neuer Radweg angelegt, welcher über eine Breite von 2,00 m verfügt. Da der Radweg hinter dem Wartebereich für die Busfahrgäste verläuft, werden künftig Konfliktsituationen zwischen Passanten, Wartenden und Radfahrern vermieden.



Die Fahrbahn westlich des Theodor-Heuss-Platzes erhält eine Breite von 4,60 m. Darauf wird ein Schutzstreifen für den Radverkehr mit einer Breite von 1,60 m markiert.

Eingriffe in den Baumbestand sind nicht erforderlich. Für den bestehenden Witterungsschutz am stadteinwärtigen Gleis, der als einer von neun über das Stadtgebiet verteilten, so genannten „Busstops“ künstlerisch gestaltet wurde, muss eine neue Verwendung gefunden werden, da er aufgrund seiner Breite nicht auf den Hochbahnsteig versetzt werden kann.

An geeigneten Stellen auf den Nebenanlagen sollen nachfragegerecht zusätzliche Abstellmöglichkeiten für Fahrräder vorgesehen werden. Die genaue Lage der Fahrradbügel wird in der Ausführungsplanung festgelegt.

3. Kosten und Finanzierung

Für den barrierefreien Ausbau der Stadtbahnhaltestelle Hannover Congress Centrum (HCC) hat die infra im Mai 2017 bei der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) einen Finanzierungsantrag zur Förderung durch das Land Niedersachsen nach dem Entflechtungsgesetz gestellt. Danach sollen 75 % der zuwendungsfähigen Kosten vom Land getragen werden. Die verbleibenden 25 % der zuwendungsfähigen sowie 100 % der nicht zuwendungsfähigen Kosten (größtenteils Planungskosten) stellen den Finanzierungsanteil der Region Hannover dar.

Die Gesamtkosten für die Nachrüstung des Hochbahnsteigs an der Haltestelle HCC betragen gemäß Kostenschätzung der infra von April 2017 insgesamt rund 5,7 Mio. €. Davon sind voraussichtlich ca. 2,3 Mio. € von der Region zu tragen.

Der Ausbau bzw. die Umnutzung des Fuß- bzw. Radweges, die Wartefläche für die Bushaltestelle östlich sowie der barrierefreie Ausbau der bestehenden Bushaltestelle westlich des Theodor-Heuss-Platzes sind Maßnahmen, die stadtbahnbedingt nicht erforderlich sind, aber seitens der Stadt aus Gründen der Sicherheit, Barrierefreiheit und Stadtgestaltung als notwendig angesehen werden (vgl. Anlage 3 Kostenanteil LHH). Zu dieser Maßnahme wird die Verwaltung eine separate Drucksache vorlegen.

4. Beteiligung der Beauftragten für Menschen mit Behinderung

Die Beauftragte für Menschen mit Behinderung der Stadt Hannover wurde an der Planung beteiligt. Die ÖPNV-Erschließungsqualität für mobilitätseingeschränkte Menschen wie z. B. rollstuhl- und rollatorfahrende Menschen, Senioren*innen und Personen mit Kinderwagen wird durch den Bau von Hochbahnsteigen erheblich verbessert. Aber auch blinden und sehbehinderten Personen wird durch entsprechend ausgerüstete Fußgängerfurten an Lichtsignalanlagen (Blindensignalgeber) sowie durch taktile Leitstreifen an den Furten und auf den Bahnsteigen der Einstieg erleichtert.

5. Weiteres Verfahren, Realisierung

Zu den stadtbahnbedingten Maßnahmen wird es eine separate Beschlussdrucksache geben.

Die Planung erfolgt in enger Abstimmung mit der Region Hannover, der Infrastrukturgesellschaft Region Hannover GmbH (infra) und der ÜSTRA Hannoversche Verkehrsbetriebe.



Der Regionsausschuss hat in seiner Sitzung am 13.06.2017 den Beschluss über die Einleitung der Planfeststellung gefasst.

Nach Einleitung des Planfeststellungsverfahrens durch die NLStBV erfolgt eine öffentliche Auslegung der Planunterlagen. Alle betroffenen Anliegerinnen und Anlieger können im Rahmen des Verfahrens ihre Einwände vorbringen. Sollten sich im Verfahren grundlegende Änderungen ergeben, so werden die politischen Gremien darüber informiert.

Die Einhaltung der Termine ist neben der Beschlussfassung durch die politischen Gremien davon abhängig, dass das Planfeststellungsverfahren zügig durchgeführt werden kann und dass der Zuwendungsbescheid der LNVG rechtzeitig vorliegt.

Die vorläufige Planung der infra sieht vor, Anfang 2019 mit den Bauarbeiten zu beginnen. Die stadtbahnbedingten Baumaßnahmen, sowie die zur Stadtbahn straßenseitig ergänzenden Maßnahmen erfolgen parallel als Gemeinschaftsprojekt.

Die Inbetriebnahme des Hochbahnsteigs HCC soll möglichst zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 erfolgen.

6. Anlagen

Anlage 1: Übersichtsplan Hochbahnsteig HCC
Anlage 2: Lageplan Hochbahnsteig HCC
Anlage 3: Lageplan Hochbahnsteig HCC – Kostenanteil LHH
Anlage 4: Querschnitt Hochbahnsteig HCC
66.11 
Hannover / Nov 21, 2017