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Beide zu fördernden Projekte richten sich grundsätzlich und gleichermaßen an alle Geschlechter. Diversitätssensible Methoden und Zugänge finden Beachtung.
Das Ergebnis der Klimawirkungsprüfung ist neutral.
Allgemeines:
In Stadtentwicklungskonzepten wird der Quartiersentwicklung eine entscheidende Bedeutung zugemessen. Sie ist eines der wichtigsten Ziele und kommunalen Steuerungsinstrumente zur Prävention, Intervention und Entwicklung nachhaltiger Lösungsansätze im Rahmen der Stadtentwicklung. Durch den aktiven Fokus auf quartiersbezogene Konzepte, Maßnahmen und Projekte setzt die Landeshauptstadt Hannover (LHH) bereits seit vielen Jahren wichtige Impulse zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts. Mit dem Haushaltsantrag Nr. H-0315/2025 wurde die Landeshauptstadt Hannover beauftragt, einen Förderansatz aufzulegen, aus dem Maßnahmen des Quartiersmanagements von Vereinen, Verbänden und (gemeinnützigen) Unternehmen im Stadtgebiet Hannover gefördert werden. Zur Umsetzung wurden entsprechend dem politischen Beschluss für das Kalenderjahr 2025 100.000 € und ab dem Kalenderjahr 2026 250.000 € jährlich für diesbezügliche Zuwendungen im Haushaltsansatz eingestellt. Entsprechend dem politischen Beschluss liegt dabei ein wichtiger Schwerpunkt der Förderung auf Grund besonderer Handlungsbedarfe und im Sinne der Verstetigung erfolgreicher Maßnahmen auf ehemaligen Sanierungsgebieten sowie in neu entstehenden/ entstandenen Stadtquartieren.
Gemäß der Richtlinie der Landeshauptstadt Hannover zur Förderung von Maßnahmen des
Quartiersmanagements in ihrer aktualisierten Fassung vom 04.11.2025 (vgl. Anlage 1) werden alle eingehenden Förderanträge zu bestimmten Stichtagen gesammelt und anschließend kumuliert bearbeitet und entschieden. Der erste Stichtag für Anträge das folgende Kalenderjahr betreffend ist der 30. November. Nach den jeweiligen Stichtagen tagt ein interdisziplinär zusammengesetzter, verwaltungsinterner Beirat, u.a. zusammengesetzt aus Vertreter*innen aus OE 50.5, 50.08, der städtischen Sozialplanung, dem Stadtbezirksmanagement, 41.5 und 61.41, der dem Sozialausschuss des Rates und nachfolgend dem Verwaltungsausschuss eine Empfehlung zur Entscheidung vorlegt.
Die beiden Förderanträge, über die im Rahmen dieser Drucksache entschieden werden soll, lagen zum ersten Stichtag, dem 30.11.2025 vor. Vor Antragstellung erfolgte in beiden Fällen eine inhaltliche Beratung mit der zuständigen Verwaltungsstelle (Bereich Bürgerschaftliches Engagement und soziale Stadtteilentwicklung, OE 50.5) des Fachbereichs Soziales – gemäß Förderrichtlinie Voraussetzung für die Antragstellung. Am 17.12.2025 tagte der verwaltungsinterne Beirat und sprach nach eingehender Beratung seine einvernehmliche Empfehlung für beide vorliegenden Anträge aus.
Im Ergebnis spricht sich die Verwaltung sowohl für eine weitere Förderung des „Quartiersmanagements Linden-Süd“ der Antragstellerin hanova WOHNEN GmbH im Rahmen einer Projektförderung (Folgeantrag) in 2026 als auch für eine Förderung des „Quartiersmanagements Vitalquartier an der Seelhorst“ der Antragstellerin Diakovere - Annastift Leben und Lernen gGmbH im Rahmen einer Projektförderung (Erstantrag) in 2026 aus. Aus fachlicher Sicht erfüllen sowohl die inhaltlich-konzeptionelle Beschreibung beider Vorhaben, beide antragstellenden Träger als auch die adressierten Stadtteile die Voraussetzungen für die Förderung gemäß den auf der Basis des zu Grunde liegenden politischen Beschlusses (Haushaltsantrag Nr. H-0315/2025) im Rahmen der Förderrichtlinie beschriebenen Förderzielen.
Begründung in Bezug auf den Förderantrag der hanova WOHNEN GmbH für Linden-Süd (Folgeantrag, Zuweco-Antragsnummer 3500904):
Im Rahmen eines ausführlichen Beratungsgesprächs mit der hanova WOHNEN GmbH am 7. Oktober 2025 wurden im Sinne einer Zwischen-Evaluation die Maßnahmen des vom 01.07. bis 31.12.2025 bereits geförderten Quartiersmanagements in Linden-Süd evaluiert. Dabei wurden seitens des Trägers mit Blick auf 2026 die weitere Zielsetzung des Vorhabens und weiter geplante Maßnahmen und Handlungsfelder erläutert.
Die hanova WOHNEN GmbH, die im Stadtteil Linden-Süd (als ehemaligem Städtebauförderungs- bzw. Sanierungsgebiet) für ca. 1.000 Wohneinheiten
verantwortlich zeichnet, was ca. 2.000 Menschen und damit ca. 1/5 der Bewohner*innen
von Linden-Süd entspricht, beabsichtigt, mit Hilfe einer erneuten Förderung auch in 2026 das bestehende, etablierte und aus Sicht der Verwaltung sehr gut vernetzte und erfolgreiche Quartiersmanagement mit 20 Wochenstunden im Stadtteil fortzusetzen. Doppelstrukturen zu anderen bestehenden, analogen sozialräumlichen Ansätzen sind aus Sicht der Verwaltung nicht gegeben.
Ziel des Folgeantrags ist es, das Quartiersmanagement weiter als zentrale, flexible und anpassungsfähige Informations- und Koordinationsstelle im Stadtteil aufrecht zu erhalten. Das bestehende Quartiersbüro in der Deisterstraße 66 liegt zentral im Stadtteil und in der Hauptentwicklungsachse Linden-Süds, dem sogenannten Deisterkiez. Es besteht eine enge und eingespielte Zusammenarbeit u.a. mit Schulen, KiTas, der Jugendhilfe, Polizei, den Kirchengemeinden, Nachbarschaftstreffs und Begegnungsstätten wie bspw. dem Café Allerlei (Caritasverband Hannover e.V.) oder dem "Normal in Linden" (Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung gGmbH), Kulturinitiativen, Sportvereinen, lokaler Wirtschaft, Hauseigentümer*innen, der Stadtverwaltung und weiteren lokalen Akteur*innen.
Die Stadtteilstrukturen, Bewohner*innen und ehrenamtlich Aktive sollen durch das Quartiersmanagement auch in 2026 auf vielfältige Weise gestärkt werden und Räume sowie Angebote der Begegnung, Teilhabe und Beratung neu geschaffen und/oder ausgebaut werden. Das Quartiersmanagement plant auch in 2026, mit ca. drei Präsenztagen pro Woche als zentrale Moderations- und Anlaufstelle aktuelle Themen und Herausforderungen aufzugreifen, eigene quartiersbezogene Handlungsansätze zu entwickeln und Drittmittel zur Umsetzung von Projekten und Maßnahmen einzuwerben.
Darüber hinaus führt die hanova als Fokusthemen für die Quartiersarbeit in Linden-Süd in 2026 u.a. an:
1. Stärkung des café allerlei als zentralem Anlaufpunkt für bürgerschaftliches Engagement und Gemeinwesenarbeit im Stadtteil mit über 30 Gruppen, die sich dort jeden Monat treffen,
2. Umsetzung von Projekten zum Thema „Junges Engagement“ und entsprechende Anpassungen im Bereich Kommunikation,
3. Bearbeitung und Moderation des schwelenden Dauerthemas Verlagerung von Teilen der „Szene“ des Schwarzen Bären (wohnortnaher Raum rund um die Drägerwiese) in Richtung Rondell (Roesebeckstraße).
Die Laufzeit des zu fördernden Vorhabens/Projekts der hanova ist vom 01.01.2026 bis 31.12.2026. Die Verwaltung befürwortet den Zuwendungsantrag.
Die beantragte Finanzierung wird über eine Zuwendung in Höhe von bis zu 47.000,00 Euro gemäß den städtischen Zuwendungsrichtlinien bis zum genannten Höchstbetrag bewilligt und ausgezahlt. Die Mittel stehen im Haushalt 2026, Teilhaushalt 50, Produkt 35102, im Sammelansatz "Externes Quartiersmanagement" zur Verfügung.
Begründung in Bezug auf den Förderantrag der Diakovere - Annastift Leben und Lernen gGmbH für das Vitalquartier (Erstantrag, Zuweco-Antragsnummer 3500903):
Seitens der Antragstellerin Diakovere - Annastift Leben und Lernen gGmbH erfolgte im Vorfeld der Antragstellung ab Oktober 2025 eine mehrfache Abstimmung bzw. ausführliche Beratung mit der zuständigen Verwaltungsstelle im Bereich 50.5. Hierbei wurden die passgenaue Zielsetzung des Vorhabens, geplante Maßnahmen und Handlungsfelder sowie die spezifische Ausgangslage und individuell besonderen Merkmale des adressierten Vitalquartiers und entsprechende lokale Netzwerkstrukturen ausführlich besprochen. Auch die Frage der fachlichen Kompetenzen des geplanten Quartiersmanagements, die strukturelle Eignung des Trägers, das Vorhandensein bzw. die Verortung eines zentralen und niedrigschwelligen Quartiersbüros sowie mögliche Doppelstrukturen zu anderen bestehenden, analogen sozialräumlichen Ansätzen wurden thematisiert.
Das Vitalquartier an der Seelhorst in Hannover-Mittelfeld ist ein inklusives und generationenübergreifendes Neubaugebiet, das seit 2020 bezogen wird. Es vereint vielfältige Wohn-, Bildungs- und Unterstützungsangebote für Menschen mit Behinderung, Senior*innen, Familien sowie Einzelpersonen jeden Alters. Auf dem Gelände befinden sich Einrichtungen von Diakovere - Annastift Leben und Lernen gGmbH, u.a. stationäre und ambulante Wohnformen, ein Berufsbildungswerk, eine inklusive Kindertagesstätte, schulische Angebote, eine Tagesförderstätte, eine Tagespflege, Servicewohnungen sowie pflegerische und assistierende Dienste. Ergänzt wird dies durch barrierearme Mietwohnungen verschiedener Wohnungsanbieter, öffentlich geförderten Wohnraum, Eigentumsobjekte sowie wohnortnahe Infrastruktur wie Discounter, Praxisangebote, Gastronomie, Sport- und Schwimmmöglichkeiten, Veranstaltungsräume und Dienstleistungsangebote.
Seit Januar 2021 setzt die Diakovere im Vitalquartier ein Quartiersmanagement ein, das als zentrale Anlaufstelle („Kümmerer vor Ort“) für die Bewohner*innen und Einrichtungen fungiert. Die Angebote sind öffentlich und richten sich im Sinne eines zielgruppenübergreifenden Ansatzes auch an Menschen außerhalb des Quartiers. Ziel des Quartiersmanagements ist es, die Teilhabe aller Bewohner*innen zu stärken, Nachbarschaften zu fördern und dabei den besonderen Bedarfen des inklusiven Quartiers gerecht zu werden. Im besonderen Fokus stehen dabei Menschen, die aufgrund von Behinderung, Alter, Krankheit oder geringer Mobilität auf sozialraumnahe Angebote angewiesen sind, aber auch Familien, Alleinstehende, Zugezogene und Menschen mit wenigen Sozialkontakten. Das Quartiersmanagement gestaltet ein inklusives, barrierearmes und generationenübergreifendes Veranstaltungsprogramm, das bedarfsorientiert geplant wird. Viele Angebote werden dabei durch Ehrenamtliche unterstützt, deren Gewinnung, Begleitung und Förderung ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des Quartiersmanagements ist. Weitere Aufgaben umfassen eine enge Vernetzung mit lokalen Akteur*innen in Mittelfeld und Döhren-Wülfel, die Teilnahme an verschiedenen Arbeitskreisen sowie die Vermittlung zwischen Einrichtungen, Bewohner*innen und städtischen Stellen. Das Quartiersmanagement unterstützt bei Konflikten, fördert Partizipation und stärkt die Identifikation der Quartiers-Bewohner*innen mit ihrem Wohnumfeld. Die Qualitätsstandards orientieren sich an sozialraumorientierten Grundsätzen: Partizipation, Erreichbarkeit, Barrierefreiheit, Einbindung benachteiligter Gruppen, flexible Angebotsplanung und Kooperation.
Das Quartiersmanagement der Diakovere verfügt über ein Quartiersbüro im Vitalquartier, das sich im Annastift-Hochhaus (An der Weidenkirche 10) befindet. Darüber hinaus stehen mehrere barrierearme Veranstaltungsräume, eine barrierearme Küche, Besprechungsräume und weitere Räumlichkeiten für die Quartiersarbeit sowie ein großes Außengelände zur Verfügung.
Ohne eine (zukünftige) Förderung über eine entsprechende städtische Zuwendung müsste das Quartiersmanagement gemäß Auskunft des Trägers ab 2026 eingestellt werden. Da es sich beim Vitalquartier um ein Neubaugebiet handelt, ist aus Sicht der Verwaltung allerdings eine längere Präsenz des bereits etablierten Quartiersmanagements äußerst zu begrüßen und im Rahmen der Stadtentwicklung als kommunales Instrument zur Prävention und Entwicklung nachhaltiger Lösungsansätze besonders erfolgsversprechend.
Die Laufzeit des zu fördernden Vorhabens/Projekts der Diakovere ist vom 01.01.2026 bis 31.12.2026. Die Verwaltung befürwortet den Zuwendungsantrag.
Die beantragte Finanzierung wird über eine Zuwendung in Höhe von bis zu 50.000,00 Euro gemäß den städtischen Zuwendungsrichtlinien bis zum genannten Höchstbetrag bewilligt und ausgezahlt. Die Mittel stehen im Haushalt 2026, Teilhaushalt 50, Produkt 35102, im Sammelansatz "Externes Quartiersmanagement" zur Verfügung.