Drucksache Nr. 2658/2025:
Satzungsbeschluss über die Teilentlassung des Sanierungsgebietes Stöcken

Informationen:

Inhalt der Drucksache:

Bitte beachten Sie, dass der folgende Text eventuell medienbedingte Formatabweichungen aufweisen kann. Eine formatgetreue Abbildung des Inhalts finden Sie in der Anlage "Druckversion.pdf".
Landeshauptstadt HannoverBeschlussdrucksache-ZeichenBeschlussdrucksache
In die Kommission Sanierung Sozialer Zusammenhalt Stöcken
In den Stadtbezirksrat Herrenhausen Stöcken
In den Stadtentwicklungs- und Bauausschuss
In den Ausschuss für Haushalt, Finanzen, Rechnungsprüfung, Feuerwehr und öffentliche Ordnung
In den Verwaltungsausschuss
In die Ratsversammlung
An den Sozialausschuss (zur Kenntnis)
An den Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Grünflächen (zur Kenntnis)
 
Nr.
Anzahl der Anlagen
Zu TOP
 
2658/2025
1 (online)
 

Satzungsbeschluss über die Teilentlassung des Sanierungsgebietes Stöcken

Antrag,

die Satzung zur Teilentlassung des Sanierungsgebietes Stöcken gem. Anlage 1 zu beschließen:
Gemäß § 162 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und § 162 Abs. 1 Satz 2 BauGB i.V.m. § 10 Abs. 1 NKomVG wird die Satzung über die förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes Stöcken vom 17.01.2008, für die in dem Übersichtsplan näher bezeichneten Teilgebiete zum XX.XX.2026 aufgehoben.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Durch die Teilaufhebung der Satzung erfolgt keine Bevorzugung oder Benachteiligung bezüglich des Geschlechts oder des Alters der Betroffenen oder einzelner sozialer Gruppen.

Ergebnis der Klimawirkungsprüfung

Das Ergebnis der Klimawirkungsprüfung wird als neutral bewertet.

Kostentabelle

Darstellung der zu erwartenden finanziellen Auswirkungen in Euro:
Teilfinanzhaushalt 61 - Investitionstätigkeit
Investitionsmaßnahme I.51106.015
Sozialer Zusammenhalt Stöcken
EinzahlungenAuszahlungen
Beiträge u.ä. Entgelte für Investitionstätigkeit €2,190,000.00
   
Sonstige Investitionstätigkeit €1,460,000.00
   
Saldo Investitionstätigkeit €730,000.00

Mit Abschluss der Sanierung werden die Grundstückseigentümer*innen gem. § 154 (3) BauGB zu Leistungen herangezogen, mit denen die sanierungsbedingten Bodenwertsteigerungen ausgeglichen werden (Ausgleichsbetrag). Zwei Drittel dieser Einnahmen müssen an den Fördermittelgeber abgeführt werden.

Begründung des Antrages

Nach § 162 Abs. 1 Satz 1 Nr.1 BauGB ist die Sanierungssatzung aufzuheben, wenn die Sanierung durchgeführt ist, d.h. wenn alle Maßnahmen zur Durchführung der Sanierung abgeschlossen sind und kein sachlicher Grund für die sanierungsrechtlichen Verfügungsbeschränkungen der Eigentümer*innen oder sonstiger Sanierungsbetroffener mehr besteht.

Die Satzung über die förmliche Festsetzung des Sanierungsgebietes Stöcken wurde mit Ratsbeschluss vom 17.01.2008 (DS-Nr. 2283/2007) beschlossen.

Die städtebauliche Sanierung wurde im Programm „Sozialer Zusammenhalt“ (ehemals „Soziale Stadt“) begonnen. 2013 wurde der Bereich um den Stöckener Markt zusätzlich in das Programm „Lebendige Zentren“ (ehem. „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“) aufgenommen.

Die Aufhebung des Sanierungsgebiets ist in zwei Teilschritten vorgesehen. Der erste, weitaus größere Teilbereich ist Gegenstand dieser Drucksache und soll Anfang 2026 entlassen werden. Die zum Einleitungszeitpunkt vorhandenen städtebaulichen und funktionalen Missstände konnten im Teilentlassungsgebiet weitgehend behoben werden. Es wurden Voraussetzungen geschaffen, die eine selbsttragende positive Entwicklung erwarten lassen.

Der verbleibende Teilbereich umfasst die Brache der ehemaligen Corvinus Kirche sowie das Familienzentrum Corvinus. Die Grundstücke befinden sich im Eigentum der Emmaus-Kirchengemeinde. Gemeinsam mit dem Kirchlichen Immobilienmanagement (KIM) des ev.-luth. Kirchenkreises Hannover soll die Entwicklung der Grundstücke erfolgen. Nachdem die ursprüngliche Planung aufgrund von Kostensteigerungen sowie Veränderungen bei den Raumbedarfen gescheitert war, erarbeitet das KIM derzeit die organisatorischen Grundlagen zur weiteren Entwicklung der Fläche. Derzeit finden Zwischennutzungen auf dem abgeräumten Gelände statt.

Die Brachfläche sowie das dringend erneuerungs- und erweiterungsbedürftige Familienzentrum (Gemeinbedarfseinrichtung) stellen einen städtebaulichen Missstand dar, der eine Entlassung aus der Sanierung derzeit nicht rechtfertigt. Daher soll der für den Erfolg der Gesamtmaßnahme zentrale Bereich im Sanierungsverfahren verbleiben bis auch hier die Erreichung der Sanierungsziele gesichert ist.

Hierbei sind insbesondere zu nennen:


- Ausbau von Betreuungs- und Erziehungsangeboten
- Verbesserung der sozialen und kulturellen Infrastruktur
- Imagewandel und Standortprofilierung
- Schaffung von barrierefreiem Wohnraum, insbesondere für ältere und behinderte Menschen
Die Entlassung dieses letzten Teilbereichs aus der Sanierung ist Ende 2028 vorgesehen. Den Gremien wird dann erneut eine Drucksache zum Beschluss vorgelegt.

Sanierung Stöcken

Seit der förmlichen Festsetzung des Sanierungsgebietes Stöcken im Jahr 2008 sind eine Vielzahl von Projekten und Maßnahmen umgesetzt worden, die die Wohn- und Lebensqualität in Stöcken erheblich verbessert haben.

Im Programm „Sozialer Zusammenhalt“ sind rund 10,6 Mio. Euro und im Programm „Lebendige Zentren“ 8,7 Mio. Euro Städtebaufördermittel für das Gebiet Stöcken bewilligt worden. Zusätzlich wurden ergänzende Förderprogramme eingesetzt wie z.B. ESF und BIWAQ der EU, KfW-Förderungen des Bundes oder Wohnraumförderung des Landes Niedersachsen.

Zu den wichtigsten investiven Projekten, die unter Zuhilfenahme von Städtebauförderungsmitteln umgesetzt wurden, gehören:


· Umbau des Stöckener Markts
· Neubau des Stadtteilzentrums
· Grunderneuerung der Weizenfeldstraße, inklusive Neubau eines Verweilplatzes
· Grunderneuerung der Freudenthalstraße
· Bau des Bewegungsparks „Park im Wald“ und einer Calisthenics-Anlage für Jugendliche
· Bau eines neuen barrierefreien Eingangs zum Stöckener Friedhof
· Erneuerung der Spielplätze Hogrefestraße, Onnengaweg und Parlweg
· Umfassende Modernisierung von ca. 250 Wohnungen unter Zuhilfenahme von Städtebauförderung und Wohnraumförderung, vorrangig durch hanova WOHNEN
· Neubau von Wohnhäusern in der Weizenfeldstraße 61, 63, 65 unter Zuhilfenahme von Städtebauförderung und Wohnraumförderung

Der öffentliche Mitteleinsatz initiierte ein Mehrfaches von Investitionen, die von Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften, von privaten Eigentümer*innen, sowie von örtlichen Gewerbetreibenden getätigt wurden. Beispielhaft seien folgende Vorhaben genannt, die wesentlich zur Aufwertung von Stöcken beigetragen haben:


· Neubau und Erweiterung des Penny-Marktes am Stöckener Markt
· Neubau Christophorushaus der Heimatwerk Hannover eG
· Neubau des hanova WOHNEN PLUS in der Moorhoffstraße
· Neubau Seniorenpflegezentrum Integra, Auf der Klappenburg
· Modernisierung und energetische Sanierung der Wohngebäude in Baumgartenstr. und Onnengaweg der WGH
· Neubau von Wohngebäuden auf Gewerbebrachen, wie z.B. Ohebruchstr. 21 oder Baumgartenstr. 32

In Stöcken leben überdurchschnittlich viele Menschen mit Unterstützungsbedarf, darunter insbesondere Kinder und Jugendliche. Das Quartier war bisher ein guter Ort für Menschen, die vergleichsweise wenig Geld zur Verfügung haben und auf teilhabefördernde Rahmenbedingungen und vergleichsweise günstige Mieten angewiesen sind.



Die Bevölkerung im Gebiet Stöcken ist während der Sanierung deutlich gewachsen, internationaler, bunter und jünger geworden. Das Sanierungsgebiet wurde insbesondere für Familien und junge Erwachsene, darunter Studierende, attraktiv.

Neben vielen weiteren Orten in Hannover ist Stöcken ein bedeutender Ankunftsort für Einwandernde aus dem Ausland. Verdrängungsprozesse lassen sich anhand der Sozialdaten (bisher) nicht ablesen.

Dies ist als ein Sanierungserfolg zu bewerten, da die im Sanierungsgebiet Stöcken wohnenden Bevölkerungsgruppen dem Stadtteil erhalten geblieben und nicht verdrängt wurden.


Neben investiven Maßnahmen sind zwei wichtige Merkmale des Förderprogramms „Sozialer Zusammenhalt“ die Begleitung der Investitionen durch sozialintegrative Projekte sowie die Aktivierung und Beteiligung der Bevölkerung.

Die Stadt Hannover setzt seit Beginn des Städtebauförderungsprogramms „Sozialer Zusammenhalt“ deshalb auch kommunale Mittel ein, um die soziale und kulturelle Infrastruktur in den Gebieten zu verbessern und nachhaltig zu stärken.

Der Quartiersfonds aus dem Fachbereich Planen und Stadtentwicklung wirkte hierbei vorrangig als Antrieb für die Akteur*innen und Menschen, um für das Quartier tätig zu werden und ihre Ideen und Projekte einzubringen und gemeinsam umzusetzen.

Die Mittel des Dezernates für Soziales und Integration wurden gezielt für soziale und gemeinwesenorientierte Projekte sowie als Anschubfinanzierungen zum Ausbau der sozialen Infrastruktur eingesetzt. Als Ergänzung zu den investiven Städtebauförderungsmitteln waren die kommunalen Mittel essenziell für die Erreichung der Sanierungsziele.
Die Mittel wurden über das Quartiersmanagement in Abstimmung mit anderen Akteur*innen im Stadtteil, mit Netzwerkrunden und anderen Fachbereichen der LHH gezielt im Quartier eingesetzt.

Für die gesamte Sanierungszeit von 2008 bis 2025 wurden im Sanierungsgebiet Stöcken annähernd 1,5 Mio. Euro kommunaler Mittel aus den Fachbereichen Soziales und Planen und Stadtentwicklung investiert. Innerhalb des Handlungsfeldes „Soziale und kulturelle Angebote und Infrastruktur“ wurden insgesamt etwa 140 Projekte für unterschiedliche Alters- und Zielgruppen zu vielfältigen Themen mit niedrigschwelligem Zugang umgesetzt. Darunter waren z.B. Musik-, Theater-, Sport- und Gesundheitsangebote sowie Sprachlernkurse und Beratungsangebote.



Beispielhaft für die im Sanierungsgebiet Stöcken durchgeführten sozialintegrativen Projekte seien hier genannt:

Im Sozialkaufhaus Stöber-Treff Stöcken des Werkstatt-Treffs Mecklenheide e. V. (WTM) werden neue und gebrauchte Waren, wie z.B. Textilien, Haushaltsartikel, Spielzeug etc. angenommen, gesichtet, aufbereitet und für ein geringes Entgelt an Bewohner*innen verkauft. Der Stöber-Treff Stöcken hat an sechs Wochentagen für jeweils fünf Stunden geöffnet. Mit der Implementierung und Förderung des Sozialkaufhauses Stöber-Treff konnte ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der sozialen Infrastruktur in Stöcken geleistet werden. Über den Förderzeitraum hinweg hat sich der Stöber-Treff in Stöcken zu einem gut besuchten Treffpunkt im Quartier entwickelt und fördert durch den Verkauf von Gebrauchtwaren die Umweltbildung und die nachhaltige Nutzung von Ressourcen im Quartier.

Der Stadtteilladen Stöcken ist ein niedrigschwelliger Treffpunkt für die Bewohner*innen im Quartier. Durch seine offene Struktur und die verschiedenen, zielgruppenorientierten Angebote trägt der Stadtteilladen wesentlich zur Vernetzung, dem sozialen Zusammenhalt und zur sozialen Entwicklung im Quartier Stöcken bei. Ziel ist dabei auch, die Menschen und Einrichtungen für das Thema Gesundheit weiter zu sensibilisieren und über die Umsetzung bedarfsorientierter Projekte die Prävention und die Gesundheitsförderung im Quartier auch langfristig voranzubringen. Der Stadtteilladen Stöcken hat sich insgesamt zu einer zentralen Anlaufstelle für das nachbarschaftliche Miteinander im Quartier entwickelt.



Das Leckerhaus hat sich als ein wichtiges Angebot für Grundschulkinder im Quartier Stöcken etabliert. Zu den Angeboten zählen u. a. ein Mittagstisch, die Hausaufgabenunterstützung, die Sprachförderung sowie verschiedene Freizeit- und Kreativangebote. Von dem alltagsunterstützenden Angebot profitieren sowohl die Kinder als auch ihre Familien im Quartier. Das Leckerhaus bietet für sie einen verlässlichen Ort, an dem die Kinder pädagogisch betreut werden und gemeinsam lernen, essen und spielen können.

Weitere Hinweise zur Verstetigung des Sanierungsgebiets Stöcken finden Sie in der Informationsdrucksache Nr. 1384/2024: Verstetigungskonzept Stöcken, welches Akteur*innen aus dem Stadtteil, Verwaltungsmitarbeiter*innen und der Lokalpolitik als Hilfestellung für die weitere Entwicklung Stöckens nach der städtebaulichen Sanierung dienen soll.


Weitere Informationen zum Sanierungsgeschehen im Sanierungsgebiet Stöcken seit 2008 finden Sie in den Integrierten Handlungskonzepten (IHK) Stöcken und Marktplatz Stöcken unter den Informationsdrucksachen 1158/2021, 0230/2021, 0062/2017, 1724/2015, 0299/2014, 1801/2012, 2301/2011 und 1957/2010.

61.41 
Hannover / Dec 4, 2025