Informationsdrucksache Nr. 2631/2019:
10 Jahre Integrationsbeiräte - Bericht über die Evaluations-Workshops

Inhalt der Drucksache:

Bitte beachten Sie, dass der folgende Text eventuell medienbedingte Formatabweichungen aufweisen kann. Eine formatgetreue Abbildung des Inhalts finden Sie in der Anlage "Druckversion.pdf".
Landeshauptstadt HannoverInformationsdrucksacheInformationsdrucksache
In den Ausschuss für Integration, Europa und Internationale Kooperation (Internationaler Ausschuss)
In den Verwaltungsausschuss
An die Ratsversammlung (zur Kenntnis)
An die Stadtbezirksräte 01 - 13 (zur Kenntnis)
 
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2631/2019
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10 Jahre Integrationsbeiräte - Bericht über die Evaluations-Workshops

Der Lokale Integrationsplan (LIP) für die Landeshauptstadt Hannover besteht im Jahr 2018 bereits seit zehn Jahren! Der Gesellschaftsfonds Zusammenleben (GFZ) nahm dieses Jubiläum zum Anlass, elf Projekte zu fördern, die entsprechend der Fragestellung „Erfahrung für die Zukunft! Zehn Jahre Lokaler Integrationsplan – wie soll es weitergehen?“ den LIP und seine Umsetzung in den letzten zehn Jahren bewerten sollten. Mit den nun vorliegenden vielgestaltigen Ergebnissen wurde nicht allein das Vergangene bilanziert, sondern eine vorausschauende Analyse geleistet - denn der LIP wird demnächst im Lichte einer gewandelten Lebenswirklichkeit neu aufgelegt.

Auf der Grundlage des vom Rat beschlossenen Lokalen Integrationsplans wurden 2009 in allen 13 Stadtbezirken der Landeshauptstadt Hannover örtliche Integrationsbeiräte (IB) eingerichtet. Das Jubiläum besteht folglich auch für die IBs und die GFZ-Projektförderung bot diesen die Gelegenheit, ihre Arbeit und ihr Selbstverständnis als Integrationsbeiräte konzertiert zu überprüfen.

Im Zeitraum von Februar bis Juni 2019 wurden deshalb in 12 IBs mit den jeweiligen Mitgliedern moderierte Evaluations-Workshops durchgeführt. Die Präsentation der Ergebnisse fand im Rahmen einer Feierlichkeit am 07.09.2019 im Neuen Rathaus statt. Eingeladen waren neben den Mitgliedern der 13 Integrationsbeiräte auch alle Ratsmitglieder. Die vorliegende Info-Drucksache basiert auf den Ergebnissen der Moderatorin; diese Information stellt daher keine Empfehlungen der Verwaltung zu Veränderungsbedarfen dar.

Die Ergebnisse dienen auch der selbstständige Weiterentwicklung der einzelnen Beiräte. Manche IBs nutzten dies bereits und setzten einzelne Positionen in die Tat um, beispielsweise „Patenschaften für die Einarbeitung neuer Mitglieder“ oder „Überlegungen zu informellen Treffen“.


Motivation und Zufriedenheit

Die Motivation der einzelnen IB-Mitglieder ist die tragende Säule eines jeden IBs; sie zu ergründen ist ein Ziel der Workshops. Ob aus eigener Betroffenheit, dem Wunsch anderen Menschen zu helfen, Einheimische und Zugewanderte zusammen zu bringen, sein Umfeld friedvoll mitzugestalten, den eigenen Horizont zu erweitern, Kritik an nicht ausreichender Integrationspolitik zu äußern, populistischen Tendenzen etwas entgegen zu setzen – so facettenreich die Motive sind, so selbstverständlich ist für viele dieses Ehrenamt.

Eine Aufgabe, die den Workshopteilnehmer*innen gestellt wurde, war es, die eigene Zufriedenheit im Zeitverlauf der IB-Mitgliedschaft plastisch in einer Kurve darzustellen (als diskrete Einzelarbeit an einem Einzeltisch). Den einzelnen Kurven wurden etwa 10 zusammenfassende Varianten zugeordnet. Die vier häufigsten Varianten sind in dieser Grafik zu sehen:



Auffälligstes Ergebnis ist, dass unter diesen vier Varianten keine vorgekommen ist, bei der die Zufriedenheit im Laufe der Mitgliedschaft anstieg – sich positiver entwickelt hat. Wir erkennen hingegen Varianten einer leicht und stark absteigenden Motivation.


Weiter wurden die teilnehmenden Mitglieder gefragt, wie die „Wahrnehmung [der IBs] im Rathaus“ ist (bewusst so unpräzise formuliert, dass damit sowohl Politik, als auch Verwaltung gemeint sein können). 30 Prozent der Mitglieder gaben zu dieser Frage an, dass „die Leute im Rathaus mehrheitlich keine Ahnung haben, was wir hier machen“. Lediglich 26 Prozent antworteten, „die Leute im Rathaus interessieren sich und wertschätzen uns“.

Ein ähnliches Bild ergab sich bei der Fragestellung zur Wahrnehmung des Integrationsbeirates bei den Menschen mit Zuwanderungsgeschichte im Stadtbezirk. 46 Prozent der Workshopteilnehmer*innen gaben an, dass „die Menschen mit Zuwanderungsgeschichte im Stadtbezirk mehrheitlich keine Ahnung haben, was wir hier machen“. Lediglich 14 Prozent wählten die Antwort „die Menschen mit Zuwanderungsgeschichte im Stadtbezirk sind interessiert und wertschätzend“.

Diese Antworttendenzen zur Wahrnehmung des IBs deuten auf ein Problem hin, das höchstwahrscheinlich einen starken Einfluss auf die Motivation und Zufriedenheit der Mitglieder hat.


Folgende Einzelprobleme in den Integrationsbeiräten wurden außerdem genannt:
• Etat für Projekte wird nicht abgerufen
• Aufwandsentschädigungen / Fahrtkosten für Mitglieder dringend erforderlich


• Besonders hohe Fluktuation der Mitglieder
• Fester Sitzungsraum wäre hilfreich
• Lagerraum für Materialien erforderlich
• Fehlender (neuer) Flyer
• Mangelnde Migrant*innenorganisationen im Stadtbezirk
• Ghettoisierung eines bestimmten Gebietes

Folgende grundlegenden Probleme wurden in der Einzel- und Kleingruppenarbeit genannt:
• Bekanntheitsgrad (insbesondere bei der Zielgruppe)
• fehlende Kenntnisse bzw. Kapazitäten für Pressearbeit / Neue Medien
• ungenügende Beachtung seitens „der“ Politik / Gesellschaft
• mangelnde Eigenständigkeit / Abhängigkeit vom Bezirksrat
• Reduzierung auf Projektförderung
• Etat für Projekte zu gering
• zu geringe Anzahl von Projektanträgen (insbesondere ‚nachhaltigen‘)
• Veränderung von Integrations- zu Flüchtlingsarbeit
• unregelmäßige Teilnahme vieler IB-Mitglieder an den Sitzungen (und weiteren
Aktivitäten)
• Nachwuchsmangel
• zu wenig Migrant*innen in den IBs vertreten
• unzufrieden stellende Sitzungsabläufe und -form
• zu wenig Kommunikation unter den Mitgliedern eines IBs
• zu wenig Strukturen der Vernetzung der IBs untereinander
• Langfristig unklare Ziele / Fehlen inhaltlicher Diskussionen um Veränderung


Fazit

Im Zuge der Workshops wurde in mehreren IBs betont, dass es weniger um die Umsetzung einzelner Aspekte geht, sondern dass das Konzept der Integrationsbeiräte insgesamt neu durchdacht und koordiniert werden müsste, um damit auch der sich stetig verändernden Stadtgesellschaft besser gerecht zu werden bzw. effektiver arbeiten zu können.


Ideen / Wünsche / Empfehlungen

Mit den Integrationsbeiräten existiert ein einmaliges Instrument, das mit Fachkompetenz und persönlichem Engagement zahlreiche Projekte in der Stadtgesellschaft ermöglicht und damit Ziele des LIP maßgeblich umgesetzt hat. Auf der Basis der Workshops kann abgeleitet werden, dass für eine erfolgreiche Weiterarbeit die IBs und andere Instrumente neugestaltet werden sollten:
1. Zusammensetzung, Struktur und Koordination der IBs sollten überdacht werden, insbesondere bezüglich einer stärkerer Beteiligung von Migrant*innen.
2. Verbesserung der Wahrnehmung, Wertschätzung und Vernetzung durch und von Politik, Institutionen und Stadtgesellschaft.
3. Kontinuierliche stadtweite gemeinsame Entwicklung längerfristiger Ziele.
4. Professionelle Unterstützung bei Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
5. Eigenständigkeit einzelner IBs, Spielraum, Etats für eigene Projekte.
6. Gemeinsame Fortbildungen und mehr Austausch.


7. Aktives Zugehen auf und Einbeziehung von Zugewanderten.
8. Alternative Formen der Beteiligung zu klassischen Sitzungen und einzureichenden Projektanträgen.
9. Anreize für jüngere Teilnehmende.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Die Informationen gelten für alle Geschlechter gleichermaßen.

Kostentabelle

Es entstehen keine finanziellen Auswirkungen.

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Hannover / Nov 12, 2019