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Mit dieser Drucksache schließt die Personalverwaltung an die Informationsdrucksache Nr. GA 02-07 an und legt den Bericht zur weiteren Implementierung von Gender Mainstreaming (GM) vor.
Ausgangslage
Nach dem Beschluss der DK von 2003, den GM-Ansatz in der Stadtverwaltung zu implementieren, wurde nach der Verabschiedung des Grundlagenkonzepts im Sommer 2005 der Umsetzungsprozess eingeleitet.
GM wurde in das Verwaltungsentwicklungsprogramm 2006 bis 2010 aufgenommen.
Mit der Vermittlung von theoretischem Genderwissen, dem Aufbau der Gender-Routine als Steuerungsgremium, der Einrichtung einer Koordinierungs- und Servicestelle und dem Aufbau von Informations- und Kommunikationsstrukturen wurden bis 2007 die Grundlagen zur Implementierung gelegt.
Bearbeitung_des_Umsetzungskonzepts
Im Umsetzungskonzept ist die Implementierung von GM in der Stadtverwaltung durch Qualifizierung und Schulungen für alle Führungskräfte sowie die Durchführung eines Gender-Projektes je Fachbereich festgelegt. Zur Erreichung dieser Ziele wurden in 2008/2009 schwerpunktartig folgende Themen bearbeitet:
1. Entwicklung von GM in der Führungskräfteentwicklung und der Aus- und Fortbildung
2. Einleitung und Durchführung der Fachbereichsprojekte
3. Entwicklung eines Controllingsystems für die Projekte
4. Öffentlichkeitsarbeit.
Entwicklung von GM in der Führungskräfteentwicklung und der Aus- und Fortbildung
GM ist in die Fortbildungsreihen der Führungskräfteentwicklung eingeführt und wird als Querschnittsthema laufend berücksichtigt. Alle Fachbereichs- und Bereichsleitungen sind geschult, in der dritten Führungsebene wurden praxisnahe Schulungen durchgeführt, die an die Fachbereichsprojekte gekoppelt waren.
Die Genderperspektive wurde in die Anforderungen zur Führung auf Zeit aufgenommen. Im allgemeinen Fortbildungsprogramm werden regelmäßig GM-Schulungen für Führungskräfte angeboten.
Der GM-Gedanke ist fester Bestandteil in der Auswahl und Besetzung der Ausbildungsplätze. Grundlagenkenntnisse zum GM wurden als Baustein in die theoretische Verwaltungsausbildung aufgenommen.
Für die Auswahl von internen und externen Dozentinnen und Dozenten wurden Anforderungskriterien entwickelt, zu denen auch die Vermittlung von Werten im Sinne des GM gehört.
Einleitung und Durchführung der Fachbereichsprojekte
Bis Ende 2010 wird in jedem Fachbereich ein Gender-Projekt durchgeführt. Für alle Projekte werden Projektvereinbarungen geschlossen. Für die Durchführung der Projekte wurden den Fachbereichen zur Unterstützung ein Leitfaden zum Projektmanagement und eine Muster-Projektvereinbarung zur Verfügung gestellt. Die Einleitung der Fachbereichsprojekte ist damit erfolgt.
Die Durchführung der Projekte hat begonnen. Zur Unterstützung steht ein Pool von 15 Moderatorinnen und Moderatoren zur Verfügung, die geschult wurden, um die Projekte in den Fachbereichen zu moderieren. Es ist zu erwarten, dass die Projekte bis Ende 2010 abgeschlossen sein werden. Die Dezernate haben sich für folgende Projekte entschieden:
Dez I: GM in der Personalauswahl
GM-Projekt im Rahmen des Lokalen Integrationsplans
GM und Personalmarketing
Gender-Preis für Sportvereine
Dez. II: Entwicklung eines Systems zur Teamentwicklung
Dez. III: Entwicklung einer qualifizierten Personalstatistik als Grundlage für eine
Bestandsanalyse
Qualifizierung von Führungskräften und interessierten Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern im Unterhaltsrecht
Geschlechtergerechtigkeit in den Hilfen zur Erziehung
Überarbeitung von Informationsmaterial nach interkulturellen und GM-Aspekten
Geschlechtsbewusste Pädagogik und GM in der Kindertagesstätte
Umsetzung der Leitlinien zur Förderung geschlechtsbezogener Jugendhilfe in
Einrichtungen der offenen Jugendarbeit
Alltagsbegleitung für Senioren
Dez. IV: Leseförderung: Wenn der Vater mit dem Sohne
Befragung von Besucherinnen und Besuchern
Dez. V: Geschlechterspezifische Gestaltung privater, im Eigentum der Stadt stehender
Parkflächen
Pädagogisches Konzept Waldstation
Optimierung von Öffentlichkeitsarbeit
GM und Veranstaltungsmanagement
Dez. VI: Zweite Stufe des Projekts „Bürgerservice Bauen“
Entwicklung eines Controllingsystems
Ein Controllingkonzept wurde entwickelt. In dem Konzept ist festgelegt, wie der Ablauf der Fachbereichsprojekte erfasst und ausgewertet wird. Mit der Festlegung des Verfahrens und der Entwicklung eines Rasters zur Auswertung ist eine Vergleichbarkeit der Projekte gegeben. Zum Abschluss eines jeden Projekts ist ein Abschlussbericht zu erstellen und über die Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse zu entscheiden. Damit wird eine Erfolgskontrolle ermöglicht.
Bis Ende 2010 wird auf der Grundlage der Erfahrungen aus den Projekten ein Berichtswesen entwickelt.
Öffentlichkeitsarbeit
Der Anfang 2007 eingerichtete Intranetauftritt wird laufend aktuell gehalten. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nicht die Möglichkeit haben, sich im Intranet zu informieren, wird ein Flyer mit Grundinformationen entwickelt und bis Anfang 2010 veröffentlicht.
Hannover_im_Vergleich_mit_anderen_Städten
Das Ergebnis eines 2009 durchgeführten Seminars des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) mit dem Titel „GM – Wo stehen die Städte und Gemeinden?“ hat gezeigt, dass in den 25 beteiligten Kommunen die Einführung von GM voranschreitet. Die Vorgehensweisen der Implementierung ähneln sich. Allerdings wird das Thema mit sehr unterschiedlichen Kapazitäten bearbeitet: Während in anderen Kommunen bis zu drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter daran arbeiten, bildet die Stadt Hannover mit der Bearbeitung in zwei relativ kleinen Stellenanteilen eine Ausnahme. Trotzdem steht die Stadt Hannover in ihren Erfolgen den anderen Kommunen nicht nach. Es wurde der gleiche und zum Teil sogar ein höherer Standard erreicht.
Organisatorisch ist die Bearbeitung von GM in anderen Kommunen anders angebunden als in Hannover: Es wird in vielen Städten von den Gleichstellungsbeauftragten bearbeitet, in mehreren Fällen in Stabsstellen, in einem Fall von einer/einem Genderbeauftragten und nur in einer weiteren Stadt außer Hannover ist GM der Zentralen Steuerung zugeordnet. Allein in Hannover ist das Thema in der Verwaltungsentwicklung angesiedelt und wird hier in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten bearbeitet. Die hiesige Arbeitsstruktur hat sich bewährt.
Ausblick
Die im Umsetzungskonzept beschriebene Implementierung von GM wird in 2010 abgeschlossen sein.
In der Arbeit mit den Fachbereichen hat sich gezeigt, dass GM in Arbeitsbereichen, in denen Männer und Frauen arbeiten oder in denen mit Kundinnen und Kunden gearbeitet wird, in vielfältiger Form einsetzbar ist. In Arbeitsbereichen wie z. B. in den städtischen Häfen oder der Stadtentwässerung, in denen wegen der schweren körperlichen Arbeit nahezu ausschließlich Männer einsetzbar sind und kein direkter Kontakt zu Kundinnen und Kunden besteht, gibt es weit weniger Anknüpfungspunkte.
Nach der erfolgten Implementierung von GM könnte daher in einem nächsten Schritt ermittelt werden, wo GM in der praktischen Arbeit einsetzbar ist. Durch die Weiterarbeit mit GM in Arbeitsgebieten, die viele Möglichkeiten für den Einsatz bieten, kann das Thema zügig in das Tagesgeschäft übernommen werden.
Daneben gilt es, den Lernprozess und die Informationsstränge nicht abreißen zu lassen, damit die Denkweise des GM auf Dauer in der täglichen Arbeit aller Fachbereiche gelebt wird.
18.10
Hannover /21.10.2009