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Vorbemerkung
Mit dem Lokalen Integrationsplan (LIP) hat die Integrationsarbeit der Stadt Hannover im Juni 2008 einen Rahmen bekommen. ALBuM (steht für
Arbeiten -
Lernen -
Beraten mit
und für
Menschen mit Migrationshintergrund) ist ein Handlungsfeld im LIP und wird federführend im Fachbereich Bildung und Qualifizierung gemeinsam mit nicht-städti-schen Institutionen umgesetzt.
Ausgangssituation
Mitte 2004 hat die Verwaltung im Fachbereich Bildung und Qualifizierung zusammen mit vier Migrantenorganisationen und vier nach dem niedersächsischen Erwachsenenbildungsgesetz anerkannten Einrichtungen eine intensive Zusammenarbeit begonnen, die unter dem Motto „Gemeinsam interkulturelle Stärken leben“ steht. Wie die bisherigen Erfahrungen belegen, hat diese Kooperation neue Perspektiven in der Integrationsarbeit eröffnet.
Beteiligt sind
· der Fachbereich Bildung und Qualifizierung mit
o der Ada-und-Theodor-Lessing-Volkshochschule Hannover
o und der Koordinationsstelle ALBuM
· die Arbeitsgemeinschaft für MigrantInnen und Flüchtlinge Niedersachsen e.V. (AMFN)
· Arkadas e.V.
· die Bildungsvereinigung ARBEIT UND LEBEN Niedersachsen Mitte gGmbH
· der Bildungsverein für soziales Lernen e.V.
· der Bund Türkisch-Europäischer UnternehmerInnen e.V. (BTEU)
· kargah e.V.
· der Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. (VNB)
Von 2005 bis Ende 2007 haben die Einrichtungen gemeinsam ein umfangreiches Qualifizierungs- und Beratungsprogramm für Menschen mit Migrationshintergrund, für Migrantenbetriebe und für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren entwickelt und umgesetzt.
Die Finanzierung erfolgte im Rahmen des EQUAL-Programms über den Europäischen Sozialfonds und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. An den verschiedenen Angeboten konnten etwa 1.000 Personen, davon 62 % Frauen, und 90 Betriebe und Institutionen aus Hannover partizipieren. Für dieses Netzwerk wurde 2006 im Fachbereich Bildung und Qualifizierung eine Koordinationsstelle eingerichtet.
Die gemeinsame Arbeit wurde sowohl durch die Partner als auch extern durch die Teilnehmenden, die beteiligten Institutionen und Unternehmen, sehr positiv bewertet was auch eine externe Evaluation während des EQUAL-Projektes herausgearbeitet hat (vgl. dazu Evaluation der EQUAL-Entwicklungspartnerschaft ALBuM – Arbeitsprozessorientiertes Lernen und Beraten mit und für Migrantinnen und Migranten, hrsg. von resultat, Hannover 2008).
Seit Ende der Förderung (31.12.2007) sichert die Verwaltung die Fortsetzung der Netzwerkarbeit mit der dauerhaften Einrichtung der Koordinationsstelle im Fachbereich Bildung und Qualifizierung.
Alle acht Partner aus der Förderphase haben mit ihrer Unterschrift unter eine neue Kooperationsvereinbarung dokumentiert, dass sie weiterhin an den gemeinsamen Zielen arbeiten wollen. Es ist damit nach Ende der Förderphase gelungen, das bisherige Projekt ALBuM zu einer kontinuierlichen Aufgabe zu machen, ALBuM in seiner Netzwerkstruktur nachhaltig zu verankern und den Start in eine gemeinsame Zukunft zu eröffnen.
Ziele der Arbeit
Die Verwaltung will mit dem Netzwerk die integrationspolitische Diskussion in Hannover weiter bereichern, Entwicklungsimpulse für integrationspolitische Angebote bieten und langfristig eine dynamische Projektlandschaft sichern, die im Sinne des Lokalen Integrationsplans die Teilhabechancen aller Beteiligten und das Zusammenleben in der Stadt verbessert.
Für die Fortsetzung der Zusammenarbeit hat sich der Fachbereich Bildung und Qualifizierung zusammen mit seinen Partnern folgende Ziele gesetzt:
1. Im Wirtschaftsraum Hannover will ALBuM
· Gleichberechtigung und integrative Prozesse stärken
· zu neuer, sichtbarer Stärke im Bereich Bildung, Qualifizierung und Begegnung für die Wir-/Stadtgesellschaft kommen
2. ALBuM will die Strukturen der beteiligten Partner stabilisieren und ausbauen
3. ALBuM übernimmt Vorbildfunktion
· mit seiner Organisationsform (als Netzwerk)
· mit seiner Partnerstruktur (interkulturell)
Integration wird dabei als ein gemeinsamer Prozess der Menschen mit und ohne Migrationshintergrund verstanden, der einen gemeinsamen Dialog, gemeinsames Lernen und Arbeiten beinhaltet, um das Zusammenleben in Hannover positiv zu gestalten. ALBuM steht für die Stärkung der Kooperation unterschiedlicher Partner in der Inte-gra-tions-arbeit.
Die Arbeit unterteilt sich dabei in zwei zentrale Säulen:
1.
Gemeinsame Projekte, die Qualifizierungs-, Beratungs- und
Unterstützungsangebote bieten, um
a. Migrantinnen und Migranten die Integration in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt zu erleichtern,
b. die interkulturelle Öffnung der Strukturen in Hannover zu befördern und
c. den interkulturellen Dialog in unserer vielfältigen Gesellschaft im Wirtschaftsraum Hannover zu beleben.
2.
Gemeinsame Information und Sensibilisierung zum Beispiel durch Fachveranstaltungen, um den Prozess des interkulturellen Miteinanders im Sinne des Lokalen Integrationsplans aktiv voranzutreiben.
Diese Arbeit erfolgt z. B. in Kooperation mit dem JobCenter Region Hannover oder anderen integrationspolitischen Akteuren. Für die Finanzierung werden Drittmittel z.B. über Bundes- und Landesprogramme eingeworben.
Struktur des Netzwerkes
Das Netzwerk besteht im Kern aus
1. der
Koordinationsstelle ALBuM im Fachbereich Bildung und Qualifizierung, die
· das Netzwerk nach außen vertritt,
· den Austausch im Netzwerk moderiert und koordiniert,
· für gemeinsame Projekte die ggf. erforderliche Antragstellung übernimmt,
· für gemeinsame Projekte das Projektmanagement sicherstellt,
· die Partner bei Förderanträgen berät und unterstützt,
· inhaltliche Impulse in die Netzwerkarbeit einbringt und
· die Schnittstelle zwischen den externen Partnern und der Stadtverwaltung bildet.
2. den oben genannten
operativen Partnern, die
· die Angebote an verschiedenen Standorten gemeinsam umsetzen und dabei ihre spezifischen Kompetenzen einbringen,
· aus ihrer Sicht Impulse in die Netzwerkarbeit einbringen und
· die Schnittstelle in ein weit über die Stadtgrenzen hinausreichendes Netzwerk interkultureller Akteure bilden.
ALBuM ist nicht als starres Angebot sondern vielmehr als eine dynamische Angebotspalette zu verstehen, die je nach Bedarfen durch die Partner gestaltet und umgesetzt wird. Erfahrungen und Ergebnisse der Arbeit werden intern kontinuierlich ausgewertet und für die Weiterentwicklung der Angebote genutzt. ALBuM ist zudem offen für Impulse von außen und für weitere Kooperationen, die im Rahmen von konkreten Projekten und Initiativen angestrebt werden.
Anhand der Bilanz der Arbeit im Jahr 2008 und Perspektiven für 2009 ff. wird abschließend dargestellt, wie diese Struktur und ihre Ziele konkret mit „Leben gefüllt werden“.
Die (aktuelle) Projektlandschaft des ALBuM-Netzwerk
Nach der Förderphase bis Ende 2007 wurden aus dem Netzwerk heraus fünf neue Projekte initiiert und durchgeführt. Die erforderlichen Mittel dafür wurden über unterschiedliche Fördermöglichkeiten der EU, des Bundes und des Landes eingeworben. Es wurden keine städtischen Mittel für diese Maßnahmen in Anspruch genommen.
Drei Beratungs- und Qualifizierungsprojekte in Trägertandems
Anknüpfend an die Erfahrungen aus der EQUAL-Förderphase wurden folgende drei Beratungs- und Qualifizierungsprojekte für Migrantinnen und Migranten beantragt und jeweils im Projekttandem von einer Migrantenorganisation und einem Bildungsträger durchgeführt:
· Kompetenzentwicklung in Migrantenunternehmen (KiM), ein Kooperationsprojekt des Bildungsvereins und des BTEU, um Migrantenunternehmen und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Beratung und Qualifizierung zu unterstützen (Projekt ist beendet).
· Fachkraft für Bürokommunikation und Wirtschaft, ein Kooperationsprojekt von ARBEIT UND LEBEN und AMFN. Bisher arbeitslose Migrantinnen und Migranten erhielten Sprachförderung, berufliche Qualifizierung und einen ersten Einstieg in den Arbeitsmarkt in Form eines Praktikums. Das Projekt läuft bis September 2009
· Qualifizierung im Hotelgewerbe, ein Kooperationsprojekt des Bildungsvereins und kargah. Junge Migrantinnen und Migranten wurden auf eine Ausbildung bzw. eine Beschäftigung im Hotelgewerbe vorbereitet. Das Projekt läuft noch 2009
Mit diesen Projekten erhalten etwa 100 Menschen in der Region neue Qualifizierungs- und Unterstützungsmöglichkeiten. Für die etwa 50 zuvor arbeitslosen Personen eröffnet sich mit der Teilnahme an den Projekte – erstmals in Deutschland – ein Kontakt zum Arbeitsmarkt und ein erster Einblick in die Unternehmen.
In den 13 beteiligten Unternehmen am Projekt KiM konnte die Personalentwicklung systematisiert und die Motivation zur beruflichen Fortbildung gestärkt werden. Für die verschiedenen Seminare wurden 138 Zertifikate an 56 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgegeben. Zudem haben sich in den Regionen Hannover und Lehrte betriebliche Netzwerke der Geschäftsführer zur nachhaltigen Sicherung der beruflichen Qualifikation der Beschäftigten sowie zur Durchsetzung von Energiesparzielen gebildet.
Das Netzwerk ALBuM hat sich dabei als geeignete Plattform für die partnerschaftliche Umsetzung der Projekte bewährt. Gewachsenes Vertrauen und Verlässlichkeit im Netzwerk bilden die Basis für eine Arbeit, in der die Migrantenorganisationen und die Bildungseinrichtungen gemeinsam die Verantwortung für die erfolgreiche Umsetzung der Projekte tragen. Aufgrund der formalen Rahmenbedingungen der Förderprogramme, die für Migrantenorganisationen häufig strukturelle Hürden darstellen, ist dies keine Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig wird durch die Kooperation auch kleineren Organisationen wie den Migrantenvereinen ein erweiterter Zugang zu Förderprogrammen eröffnet.
ALBuM initiiert zwei neue Projekte mit längerfristigen Perspektiven
Im Laufe des Jahres 2008 wurden aus dem ALBuM-Netzwerk heraus folgende zwei Projektanträge auf den Weg gebracht, die inzwischen bewilligt wurden und längerfristige Perspektiven für die Integrationsarbeit in Hannover bilden.
„Vielfalt und Dialog -– Gemeinsam interkulturelle Stärken leben!“ (XENOS-Projekt)
Mit dem Ziel der Bekämpfung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit hat ALBuM ein ganzheitliches Konzept entwickelt, das ein breites Spektrum von Arbeitsfeldern eröffnet und von allen ALBuM-Partnern gemeinsam umgesetzt wird. Die Arbeit in diesem Projekt findet in folgenden fünf Teilprojekten statt:
· Aufsuchende Bildungsarbeit in Linden. Hier wird mit niedrigschwelligen Angeboten Migrantinnen und Migranten die gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht und eine Brücke in das bestehende Bildungssystem aus Schule, Erwachsenbildung u. a. ermöglicht.
· Unterstützung beim Übergang Schule-Beruf über Berufsparcours, die jungen Menschen die berufliche Orientierung erleichtern und sie bei der Berufswahl unterstützen, und Ausbildungscoaching für junge Migrantinnen und Migranten, die eine Ausbildung begonnen haben.
· Stärkung des Selbsthilfepotenzials von Migrantenorganisationen durch Seminare zu Themen wie Finanzen, Kommunikation, Recht und Politik für Personen, die in Migrantenorganisationen und Vereinen aktiv tätig sind.
· Trainings für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Lehramt, in Kindertageseinrichtungen, in Job Centern und in beratenden Einrichtungen
Alle Projekte wollen gleichermaßen den interkulturellen Dialog initiieren und stärken. Sie sind in der Umsetzung darauf angelegt, einen gemeinsamen Lernprozess von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund anzulegen.
Dieses Projekt wird im Rahmen des XENOS-Programms über den Europäischen Sozialfonds und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bis Ende März 2012 mit etwa 700.000 € gefördert. Die Verwaltung unterstützt das Projekt durch Personalkapazitäten der Koordinationsstelle, zusätzliche städtische Mittel werden zur Umsetzung nicht eingesetzt.
Deutsch für den Beruf für Migrantinnen und Migranten (BAMF-ESF-Programm)
Unter Federführung der Koordinationsstelle ALBuM bieten die ALBuM-Kooperationspartner zusammen mit fünf regionalen Volkshochschulen und der AWO Region Hannover Deutschkurse an, die die Brücke zwischen der allgemeinen Sprachförderung im Rahmen der Integrationskurse und der beruflichen Qualifizierung bilden. In Kooperation mit dem JobCenter Region Hannover und der Agentur für Arbeit werden entsprechende Kurse vorbereitet und umgesetzt. Daneben können auch Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Migrationshintergrund die Möglichkeit zur Teilnahme bieten. Ein Kurs soll in Vollzeit bis zu sechs Monate und in Teilzeit bis zu 12 Monate dauern und neben dem berufsbezogenen Sprachunterricht ein Praktikum beinhalten.
Gefördert werden diese Angebote durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Bis Mitte 2010 sollen in der Region Hannover bis zu 500 Migrantinnen und Migranten erreicht werden. Die Verwaltung unterstützt das Projekt durch Personalkapazitäten der Koordinationsstelle, städtische Mittel werden bis zu einer Höhe von maximal 7.000 € aus den vorhandenen Haushaltsmitteln des Fachbereiches eingesetzt.
Über diese beiden großen Projekte hinaus bieten die beteiligten Partner ein breites Spektrum an Integrationsprojekten, aus denen beispielhaft folgende Ansätze zu nennen sind:
· Interkulturelle Bildungslotsinnen – kargah
· Trainings zur Förderung der interkulturellen Kompetenz von (arbeitslosen) Erzieherinnen und Erziehern -– Bildungsverein
· Neue Konzepte in der Elternarbeit mit und für Menschen mit Migrationshintergrund
– kargah und AMFN
· JobStarter zur Verbesserung der Ausbildungssituation – BTEU
· Internationale (Transfer-)Projekte – VNB
Ausblick und Perspektiven für die weitere Arbeit
Die Bilanz nach den ersten 1 ½ Jahren nach der Modellphase belegt, dass es nicht nur gelungen ist, das Netzwerk formal zu verankern sondern auch aktiv mit Leben zu füllen. Aus ALBuM heraus werden weitere Projekte initiiert werden, um das Angebotsspektrum weiterzuentwickeln und zu erweitern.
Neben der Umsetzung der Projekte in diesem und in den nächsten Jahren will ALBuM auch weitere integrationspolitische Themen aufgreifen und bearbeiten. Folgende Aspekte werden in diesem Zusammenhang als mögliche Aktionsfelder gesehen:
· quartiersbezogene Integrationsarbeit
· Weiterentwicklung zielgerichteter Angebote und Wirksamkeitsdialog
· Transfer von Konzepten und Ansätzen im bundesweiten und europäischen Netzwerken
Der Prozess ist auf eine kontinuierliche Entwicklung hin ausgerichtet und soll auch weiterhin in den unterschiedlichsten integrationspolitischen Bereichen mit anderen Akteuren und Aktivitäten verzahnt werden.
In der bisherigen Arbeit wurde ein Diversity Konzept entwickelt, das sich in dem Motto „Gemeinsam interkulturelle Stärken leben“ ausdrückt und Gender Mainstreaming mit einschließt. Für das Netzwerk ALBuM richtet sich das Augenmerk einer differenzierten Betrachtung im Sinne des Gender Mainstreamings unweigerlich sowohl auf die Strukturen, die geschlechterspezifische Benachteiligungen nach sich ziehen als auch die, die Menschen mit Migrationshintergrund, ohne anerkannte Schul- oder Berufsabschlüsse oder andere Merkmale benachteiligen. Wir haben uns daher für ein Mainstreamkonzept entschieden, dass nicht nur die Betrachtung nach dem Geschlecht differenziert, sondern auch nach den Kriterien wie Ethnie, Religion, Sprache, (Aus) Bildung u.a.m.
Es entstehen keine finanziellen Auswirkungen.