Informationen:
verwandte Drucksachen:
| 2091/2024 (Originalvorlage) |
| 2091/2024 (Originalvorlage) |
![]() | Informationsdrucksache | |||||||||
In den Sozialausschuss An die Ratsversammlung (zur Kenntnis) |
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In einem Zeitraum von bis zu fünf Jahren (maximale Dauer einer Erlaubnis für ein wissenschaftliches Modellprojekt durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) soll volljährigen Studienteilnehmende ein legaler Zugang zu Cannabisblüten und weiteren THC-haltigen Produkten ermöglicht werden. Studienziel ist es, die Auswirkungen eines kontrollierten Cannabiszugangs wissenschaftlich zu analysieren. Wesentliche Fragestellung ist dabei die Überprüfung, ob ein legaler Zugang zu einer Schadensminderung (z. B. Umstieg auf schadensminimierendere Produkte, Konsumhäufigkeit, veränderter THC-Gehalt der gekauften Produkte) beiträgt. Darüber hinaus wird untersucht, ob Verkaufsstellen zu einer besseren Integration in das Hilfesystem bei riskantem Cannabiskonsum, einem verbesserten Jugendschutz sowie zur Verdrängung des illegalen Marktes beitragen. Die Ergebnisse sollen die Basis für Entscheidungen der zukünftigen Drogenpolitik bilden.
Sanity Group
Im Laufe des Jahres 2024 gingen bei der Landeshauptstadt Hannover (LHH) diverse Angebote zur Zusammenarbeit im Rahmen eines Modellprojektes ein. Nach Durchsicht der Unterlagen und einigen Gesprächsrunden wurde entschieden das Vorhaben mit der Sanity Group GmbH weiter zu verfolgen. Die Sanity Group überzeugte durch die bereits vorzuweisenden Erfahrungen in der Schweiz, in der bereits zwei Geschäfte betrieben werden. Darüber hinaus konnte die Sanity Group für die wissenschaftliche Begleitung Prof. Dr. Müller-Vahl (MHH), Prof Dr. Stoever (Uni Frankfurt am Main) und Dr. Thomas Peschel (patrida MVZ/Diamorphinbehandlung) gewinnen. Insbesondere mit Herrn Dr. Peschel besteht im Zuge des Betriebs der Diamorphinambulanz bereits eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der LHH. Des Weiteren weist die Sanity Group positive Referenzen aus der Zusammenarbeit mit dem Drogenreferat der Stadt Frankfurt am Main auf und setzt bei ihrem Ansatz auf die Abgabe von Teileinnahmen an die Kommune, sodass Finanzmittel für Prävention und Kontrolle zur Verfügung stehen. auf eine Mitgestaltung der beiden Kommunen am Prozess dieses Modellprojekts.
Rahmenbedingungen der Studie:
Voraussetzung zur Teilnahme an der Studie
Es dürfen nur volljährige Personen an der Studie teilnehmen, die einen ersten Wohnsitz im Stadtgebiet von Hannover aufweisen können. Darüber hinaus muss eine Bereitschaft bestehen, durch eine regelmäßige Teilnahme an den wissenschaftlichen Befragungen aktiv mitzuwirken. Liegt diese Bereitschaft nicht vor, erfolgt ein Ausschluss von der Studie und damit ein Ausschluss vom Kauf in den Verkaufsstellen. Ebenso führt eine Weitergabe von gekauften Produkten an Dritte zu einem sofortigen Ausschluss.
Im Rahmen der Studie wird eine Studien-Kontrollgruppe eingesetzt. Diese wird sich aus Mitgliedern des Cannabis Social Club Hannover e. V. (CSC) zusammensetzen. Mit dem Verein besteht seitens der LHH und Fachstellen der Suchthilfe ein enger Austausch und eine Kooperation.
Für die LHH entstehen keine Kosten für die Erhebung und Auswertung der Daten, die im Rahmen der Studie erhoben werden. Die Sanity Group wird die Ergebnisse der Studie sowohl in Zwischenschritten, als auch in Form einer abschließenden Auswertung beiden Kommunen zur Verfügung stellen.
Verkaufsstellen
Es ist geplant in Hannover bis zu drei Verkaufsstellen einzurichten, die insgesamt an bis zu 4.000 Studienteilnehmenden Genusscannabis abgeben. Die Verkaufsstellen werden in verschiedenen Stadtteilen verortet, um eine Ballung zu vermeiden. Die konkrete Verortung wird in Rücksprache mit der LHH vorgenommen.
Um sicherzustellen, dass nur Studienteilnehmenden in den Verkaufsstellen einen Einkauf tätigen können, wird den Studienteilnehmenden ein Projektausweis ausgestellt. Über diesen Projektausweis kann ausgelesen werden, in welcher Verkaufsstelle welche Cannabismengen im aktuellen Monat bereits gekauft wurden. Ermöglicht wird dies durch einen QR-Code, der auf der Produktverpackung aufgedruckt ist und beim Verkauf eingescannt wird. So kann zum einen sichergestellt werden, dass sich die Abgabemenge auf die gesetzlich zulässige Menge beschränkt. Zum anderen kann bei einem Auffinden der Verpackung registriert werden, ob die mitführende Person auch tatsächlich selbst der Käufer des Produkts war. Die von der Polizei formulierte Anforderung zur direkten Auslesung des QR-Codes durch die Beamten vor Ort wurde von der Sanity Group aufgenommen und wird eingearbeitet.
Die Abgabe der Cannabismengen und der THC-Werte erfolgt im Rahmen der gesetzlich zulässigen Mengen. Demnach gilt für Studienteilnehmende im Alter von 18 bis 21 Jahren eine geringere Abgabemenge mit angepasster THC-Höchstgrenze (siehe § 19 Abs. 3 KCanG).
Um in den Verkaufsstellen eine niederschwellige Interventionsmöglichkeit zu bieten, wird das Personal entsprechend geschult. Das Personal soll den Konsumierenden sowohl bei Fragestellungen zur Verfügung stehen als auch bei Auffälligkeiten im Konsumverhalten und –mustern das Gespräch suchen, um einen Übergang in Beratungsangebote zu ermöglichen. Durch die niederschwellige Ansprache in den Verkaufsstellen vor Ort soll ermöglicht werden, frühzeitig auf die Studienteilnehmenden einzuwirken, bevor es zu schädlichen Abhängigkeitsmustern kommt. Die zentrale zu verwendende Software, die die Verkaufsmengen dokumentiert, ermöglicht dabei eine individuelle Datenauswertung individueller Konsummuster. Um die Studienteilnehmenden bereits von Anfang an für einen bewussten und reflektierten Cannabiskonsum sensibilisieren, ist es vorgesehen, „Safer-Use und Konsumkompetenz” Workshops durchzuführen.
Es wird angestrebt die Beratungs- und Präventionsangebote weiter auszubauen. Dabei soll ein besonderer Fokus auf Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegen. Hierzu besteht ein direkter Austausch mit dem Dezernat IV und VII, um das Modellvorhaben gesamtstädtisch zu betrachten und alle betroffenen Personengruppen im Blick zu behalten.
Für eine medizinische Begleitung stehen am Standort Hannover durch Prof. Dr. Müller-Vahl (MHH) und Herrn Dr. Peschel (patrida MVZ/Diamorphinbehandlung) kompetente medizinische Ansprechpartner*innen zur Verfügung. Insbesondere mit Herrn Dr. Peschel besteht seitens der LHH bereits seit vielen Jahren im Rahmen der Diamorphinambulanz eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.
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