Informationsdrucksache Nr. 1991/2014:
Bericht über den Einsatz von IntegrationslotsInnen 2007 - 2014

Inhalt der Drucksache:

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Landeshauptstadt HannoverInformationsdrucksacheInformationsdrucksache
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An den Ausschuss für Integration, Europa und Internationale Kooperation (Internationaler Ausschuss) (zur Kenntnis)
 
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1991/2014
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Bericht über den Einsatz von IntegrationslotsInnen 2007 - 2014


Der Rat hatte mit Beschluss der Drucks. Nr. 1118/2007 (Anlage 1) die Verwaltung beauftragt, sich an dem „Integrationslotsenprojekt“ des Landes Niedersachsen zu beteiligen. Mit dieser Drucksache soll über die bisherigen Arbeitsergebnisse berichtet werden.

Das von der Volkshochschule auf der Grundlage des Ratsauftrages erarbeitete Konzept wurde vom Niedersächsischen Innenministerium genehmigt und die Förderung des Projektes bewilligt. Seit 2007 hat die VHS Hannover insgesamt 138 IntegrationslotsInnen aus 33 Ländern in sieben Basislehrgängen qualifiziert und zertifiziert. Außerdem haben einige IntegrationslotsInnen in zwei Spezialisierungsmodulen zu den Themenfeldern „Öffentlichkeitsarbeit“ und “Umwelt“ 2008 und 2009 ihr Basiswissen vertieft. 2013 wurde die Qualifizierung mit Hilfe von Lernangeboten über die Lernplattform „Moodle“ vertieft.

Mit Qualifizierung und Einsatzkoordinierung von IntegrationslotsInnen trägt die VHS Hannover – auch im Sinne des Lokalen Integrationsplans - zu einer nachhaltigen Entwicklung der Stadt im Aufgabenfeld Einwanderung und Integration z. B. folgendermaßen bei:
  • Die bürgerschaftlich-ehrenamtliche Integrationsarbeit wird professionalisiert.
  • Angebot und Nachfrage werden zusammengeführt.
  • IntegrationslotsInnen als „Kulturvermittler“ helfen, Konflikte im Vorfeld zu erkennen und vorzubeugen.
  • IntegrationslotsInnen leisten einen Beitrag, Menschen mit Migrationshintergrund aus der Anonymität zu führen.
  • IntegrationslotsInnen unterstützen die Eingewanderten bei der Problembewältigung in strukturell benachteiligten Bereichen (Studium, Schule, Übergang in den Beruf, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben u. a.).
  • IntegrationslotsInnen entdecken und mobilisieren eigene ungenutzte Potenziale in Hinblick auf die Gestaltung ihrer Integration.
  • IntegrationslotsInnen mit oder ohne Migrationshintergrund tragen zur Sensibilisierung und interkulturellen Öffnung der Aufnahmegesellschaft bei und erhöhen deren Integrationsbereitschaft.
  • IntegrationslotsInnen interessieren sich für Kommunalpolitik und engagieren sich in den Integrationsbeiräten.
  • Durch das bürgerschaftliche Engagement von IntegrationslotsInnen wird interkulturelles Potenzial der Einwanderungsgesellschaft erschlossen und aktiviert.

Damit dieses Engagement der IntegrationslotsInnen erfolgreich und nachhaltig in Hannover gewährleistet werden kann, hat die VHS Hannover bereits 2008 aus eigenen Ressourcen eine Koordinierungsstelle (in Teilzeit) eingerichtet und besetzt.

Zu den Aufgaben der Koordinierungsstelle gehören:
  • zentrale Vermittlung der IntegrationslotsInnen in relevante Einsatzfelder (z. B. Kommunaler Sozialer Dienst, Familienzentren, Flüchtlingswohnheime, Nachbarschaftstreffs, Migrationsberatungszentren, Migrantenselbstorganisationen, Integrationsbeiräte u. a. m.),
  • pädagogische Begleitung und Betreuung der IntegrationslotsInnen mit Anleitung und Auswertung, konzeptionelle Arbeit, Betreuung des monatlichen Plenums der IntegrationslotsInnen,
  • Planen und Realisieren weiterführender und begleitender Qualifizierungsangebote (Basis–, Nachhaltigkeits- und Spezialisierungsmodule),
  • Auslagenerstattung und Versicherungen, Bereitstellung von Räumlichkeiten für Treffen der IntegrationslotsInnen, Teamzusammenstellung etc., Netzwerkarbeit

Profile der IntegrationslotsInnen
80% der 138 IntegrationslotsenInnen haben Migrationshintergrund, 80% sind Frauen. Die Altersspanne liegt zwischen 17 und 68 Jahren. 37% sind erwerbstätig, 63 % nicht erwerbstätig, 21 % Studierende und Schüler/-innen, 10 % Senior/-innen.

61 % der im Verlauf der Jahre geschulten IntegrationslotsInnen sind aktuell aktiv. Ca. 12% sind nicht aktiv (z.B. durch Wohnortwechsel, wegen Krankheit). 26 % müssen ihre Lotsentätigkeit aus familiären, beruflichen und gesundheitlichen Gründen längerfristig ruhen lassen. 50 % der aktiven IntegrationslotsInnen sind vorrangig in Migrantenselbstorganisationen aktiv.

Einsatzfelder der IntegrationslotsInnen
Die IntegrationslotsInnen kommen in der Regel über die Anfragen kommunaler und freier Beratungseinrichtungen an die Koordinierungsstelle zum Einsatz. Mit über die Koordinierungsstelle vermittelten Einsatzstellen bekommen die IntegrationslotsInnen eine institutionelle Anbindung. Sie werden fachlich von der anfragenden Institution begleitet und erhalten eine schriftliche Vereinbarung zum befristeten Einsatz. In der Einsatzvereinbarung werden das Ziel, die Aufgabe und die voraussichtliche Dauer des Einsatzes gemeinsam mit der anfragenden Institution, der Hilfesuchenden und IntegrationslotsInnen festgelegt. Durch die konkrete Vereinbarung werden sie vor eventuellen selbst- und fremd verursachten Grenzüberschreitungen oder vor Über- und Unterforderung geschützt. Die pädagogische Begleitung des Einsatzes wird durch die Volkshochschule in Einzelgesprächen und über den Erfahrungsaustausch im monatlichen IntegrationslotsInnen - Plenum gewährleistet.

Die Aufgabe der IntegrationslotsInnen ist in erster Linie Brücken zu bauen, indem sie die Hilfesuchenden an kompetente Stellen begleiten und ihnen Alltagsstützen geben. Ihr Grundprinzip lautet: „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Im Jahr 2013 wurden ca. 400 Einsätze über die Koordinationsstelle vermittelt. Bedarf und Interesse an Einsätzen von IntegrationslotsInnen steigt insbesondere wohnortnah in den Stadtteilen. Besonders gefragt sind sprachlich vermittelnde Begleitung zu Behörden, Ärzten und Beratungsstellen, Hilfen bei der Wohnungssuche und Unterstützung bei dem Erlernen der deutschen Sprache.

IntegrationslotsInnen unterstützen nicht nur Einwanderer und Aufnahmegesellschaft bei der Integration, sondern nehmen auch aktiv teil an demokratischen Prozessen. Motiviert durch Qualifizierung und ermuntert durch die Koordinierungsstelle wirkt eine beträchtliche Zahl (11) sowohl in Integrationsbeiräten der Stadtbezirksräte als auch im Integrationsrat Hannover (IRH) engagiert mit. Sie partizipieren als EinwohnerInnen an der Kommunalpolitik. Dadurch fließt das Erfahrungswissen der IntegrationslotsInnen in den lokalen Integrationsprozess ein.

Die ehrenamtlich aktiven IntegrationslotsInnen erfahren Anerkennung und werden abgesichert durch:
  • Aufwandsentschädigung im Sinne einer Fahrkostenerstattung inkl. einer Versicherung als Anerkennung der Leistungen
  • gesicherte Weiterbildung zur Qualitätssicherung, mit Nachweis
  • kostengünstige Nutzung der Angebote im Stadtleben,ggf. Ehrenamtscard
  • einem jährlichen Treffen mit VertreterInnen der relevanten Fachbereiche der Stadt
  • Empfang durch den Oberbürgermeister zum jährlichen Tag des Ehrenamtes.

Kosten und Finanzierung:
Den jährlichen Sachaufwendungen von ca. 15.000 € stehen ca. 50 % Erträge gegenüber, die sich aus Teilnahmeentgelten der Integrationslotsen an der Qualifizierungsmaßnahme und Fördermitteln des Landes Niedersachsen für Honorar- und Sachkosten der Qualifizierungsmaßnahme zusammensetzen.

Fazit und Ausblick
Zwar werden IntegrationslotsInnen mit der Bildungsmaßnahme qualifiziert und modular fortgebildet. Doch erst durch die koordinierten Einsätze können sie sich einbringen, das gelernte Wissen anwenden und Erfahrungen sammeln. Die Koordinierungsstelle für Integrationslotsen ist ein Alleinstellungsmerkmal in der Hannoverschen Erwachsenenbildung. Sie garantiert eine inzwischen von den Einrichtungen der LHH wertgeschätzte qualifizierte ehrenamtliche Integrationsarbeit von und für EinwohnerInnen im Sinne des Lokalen Integrationsplans.

Mit der Unterstützung der Koordinationsstelle erweitern IntegrationslotsInnen ihre Kompetenzen und entwickeln neue und kreative Ideen zur Integration. Für einige ergeben sich dabei berufliche Perspektiven, andere lassen sich als künftige KursleiterInnen für die VHS weiterqualifizieren, wieder andere engagieren sich in den Integrationsbeiräten und werden für die Kommunalpolitik entdeckt.

Das erfolgreiche Angebot IntegrationslotsenInnen wird fortgesetzt. Als zusätzliches Einsatzfeld für IntegrationslotsenInnen ist 2014/ 2015 die Begleitung des Pilotprojektes „Ankommenskurse in Flüchtlingseinrichtungen“ vorgesehen.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Das Angebot richtet sich gleichermaßen an Frauen und Männer.

Kostentabelle

Durch diese Informationsdrucksache entstehen keine finanziellen Auswirkungen.

43.1 /43.0
Hannover / Sep 15, 2014