Drucksache Nr. 1820/2023:
Verbesserung der Gesamtsituation auf den bahnhofsnahen Plätzen – zusätzliche soziale Hilfen und weitere Belebung des Raschplatzes mit einem Winter Open Air

Informationen:

Beratungsverlauf:

Inhalt der Drucksache:

Bitte beachten Sie, dass der folgende Text eventuell medienbedingte Formatabweichungen aufweisen kann. Eine formatgetreue Abbildung des Inhalts finden Sie in der Anlage "Druckversion.pdf".
Landeshauptstadt HannoverBeschlussdrucksache-ZeichenBeschlussdrucksache
In den Stadtbezirksrat Mitte
In den Ausschuss für Haushalt, Finanzen, Rechnungsprüfung, Feuerwehr und öffentliche Ordnung
In den Sozialausschuss
In den Verwaltungsausschuss
In die Ratsversammlung
 
Nr.
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1820/2023
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Verbesserung der Gesamtsituation auf den bahnhofsnahen Plätzen – zusätzliche soziale Hilfen und weitere Belebung des Raschplatzes mit einem Winter Open Air

Antrag zu beschließen, für den weiteren Ausbau der sozialen Hilfsangebote, die Fortsetzung der Sportangebote auf dem Raschplatz und die Durchführung eines Raschplatz Winter Open Air städtische Finanzmittel von bis zu 777.500€ bereit zu stellen.

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Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Das Raschplatz Winter Open-Air richtet sich mit der Kombination von Sport- und Gastronomieangebot an die verschiedenen Nutzer*innengruppen aller Geschlechter in der Stadt. Eine Verbesserung und Verstetigung der Gesamtsituation inklusive einer Steigerung der Attraktivität der bahnhofsnahen Plätze ist aus Gleichstellungsperspektive weiterhin geboten. Insbesondere bei der Gestaltung der sozialen Hilfsangebote wird ein besonderes Augenmerk auf die Belange der betroffenen Frauen gerichtet. Wohnungslose Frauen sind gerade beim nächtlichen Aufenthalt im öffentlichen Raum besonders gefährdet. Die in dieser Drucksache beschriebenen Nachtöffnungsangebote stehen allen Menschen zur Verfügung. Auch Frauen – allein oder mit Partner*in – finden hier ein witterungsgeschütztes Aufenthaltsangebot.

Ergebnis der Klimawirkungsprüfung

Bei der Maßnahme des Winter Open Air wird zur Reduzierung des Energie- und Wasserverbrauchs auf eine Natureisfläche verzichtet und als Alternative eine Kunststoffeislaufbahn installiert. Die Maßnahme hat keine maßgeblichen Auswirkungen auf das Klima.

Kostentabelle

Darstellung der zu erwartenden finanziellen Auswirkungen in Euro:
Teilfinanzhaushalt 32 - Investitionstätigkeit
EinzahlungenAuszahlungen
Zuwendungen für Investitionstätigkeit €0.00
Beiträge u.ä. Entgelte für Investitionstätigkeit €0.00
Veräußerung von Sachvermögen €0.00
Veräußerung von Finanzvermögensanlagen €0.00
Sonstige Investitionstätigkeit €0.00
  
  
  
Erwerb von Grundstücken und Gebäuden €0.00
Baumaßnahmen €0.00
Erwerb von bewegl. Sachvermögen €0.00
Erwerb von Finanzvermögensanlagen €0.00
Zuwendungen für Investitionstätigkeit €0.00
Sonstige Investitionstätigkeit €0.00
  
Saldo Investitionstätigkeit €0.00
€0.00

Teilergebnishaushalt 32 - Investitionstätigkeit
Produkt 12205
Ordnungsrechtsaufgaben
Angaben pro Jahr
Ordentliche ErträgeOrdentliche Aufwendungen
Zuwendungen und allg. Umlagen €0.00
Sonstige Transfererträge €0.00
Öffentlichrechtl. Entgelte €0.00
Privatrechtl. Entgelte €0.00
Kostenerstattungen €0.00
Auflösung Sonderposten (anteilige Zuwendungen) €0.00
Sonstige ordentl. Erträge €0.00
  
Außerordentliche Erträge €0.00
  
Erträge aus internen Leistungsbeziehungen €0.00
Personalaufwendungen €0.00
Sach- und Dienstleistungen €433,500.00
Abschreibungen €0.00
Zinsen o.ä. (TH 99) €0.00
Transferaufwendungen €344,000.00
Sonstige ordentliche Aufwendungen €0.00
  
Saldo ordentliches Ergebnis (€777,500.00)
Außerordentliche Aufwendungen €0.00
Saldo außerordentliches Ergebnis €0.00
Aufwendungen aus internen Leistungsbeziehungen €0.00
Saldo aus internen Leistungsbeziehungen €0.00
Saldo gesamt (€777,500.00)

Die dargestellten Maßnahmen lösen einen städtischen Finanzierungsbedarf von bis zu 777.500 € aus. Die Mittel sind im städtischen Haushalt 2023/2024 veranschlagt und werden dem Teilhaushalt des Fachbereiches Öffentliche Ordnung zur Finanzierung zur Verfügung gestellt.



Berücksichtigung urbaner Sicherheit sowie präventiver Aspekte im öffentlichen Raum

Der Innenstadtbereich und insbesondere die bahnhofsnahen Plätze sind ein Schwerpunkt der Präsenz von Polizei, Städtischem Ordnungsdienst, sonstigen Sicherheitskräften sowie aha und erfordern einen hohen personellen wie materiellen Aufwand, um das objektive wie subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen an diesen Orten in Balance zu halten. Der Bereich befindet sich schon aufgrund der Lage und der im Zentrum dieses Areals liegenden Funktion des Bahnhofs (vor allem Mobilitäts- und Konsumfunktion, Arbeitsplatz) in einem Transformationsprozess im Rahmen der Innenstadtentwicklung und rückt mit Fragen der Sicherheit und Ordnung auch dadurch immer mehr in den Fokus. Die Erfahrungen in allen Bahnhofsvierteln zeigen, dass formelle Kontrolle allein keine zufriedenstellende Lösung ist. Neben der realen ist auch die gefühlte Sicherheitslage entscheidend dafür, ob öffentliche Räume von den Menschen einer Stadt angenommen werden. Die Belebungsmaßnahmen sowie der Ausbau der sozialen Hilfsangebote in der Landeshauptstadt Hannover zielen darauf ab, Unordnungserscheinungen zu minimieren, den Drogenhandel an diesen öffentlichen Orten zu reduzieren sowie Nutzungskonflikte mit Anlieger*innen bzw. Passanten zu verringern; gleichzeitig aber auch Möglichkeiten zu schaffen, das Miteinander an diesen Orten zu stärken sowie eine Orientierung an Orte mit zielgerichteten und akzeptierten Hilfen sicherzustellen.

Im Ergebnis wird durch die Maßnahmen die Attraktivität des Areals mit diversifizierten Nutzungsangeboten erhöht und die angstfreie Nutzung des öffentlichen Raums ermöglicht. Die Maßnahmen zur Erhöhung der Sauberkeit beeinflussen die informelle Sozialkontrolle. Ein sauberes Umfeld erhöht die Eigenmotivation der Nutzer*innen, die Orte nicht zu verschmutzen und ist ein bedeutsamer Faktor für die wahrgenommene Aufenthaltsqualität und Quartiersaufwertung.


Der regelmäßige, institutionalisierte Dialog mit Akteur*innen wie Anlieger*innen fördert:
- den bedarfsgerechten Einsatz von Maßnahmen,
- die Aktivierung des zivilgesellschaftlichen Potentials,
- die Erhöhung des Verantwortungsbewusstseins,
- die Identifikation von gemeinsam getragenen, ausbalancierten Lösungsstrategien sowie
- begleitenden Strategien für mögliche Verlagerungstendenzen, z. B. im Bereich der Straßenkriminalität, die zwangsläufig entsteht, wenn das Ausmaß der sozialen Kontrolle zunimmt.

Begründung des Antrages


I. Ausgangslage

Die Beschaffenheit bahnhofsnaher Bereiche, insbesondere deren baulich-räumliche Struktur, deren verschiedenartige Nutzungen sowie deren sozialräumliche Verortung stellt viele Großstädte vor besondere Herausforderungen. Mit der DS-Nr. 0239/2023 hat die Verwaltung ein umfassendes, multiperspektivisches Handlungskonzept zur Verbesserung der Nutzbarkeit der bahnhofsnahen Plätze in der Stadt Hannover einerseits und zur Steigerung des Sicherheitsgefühls für alle Menschen andererseits vorgelegt.
Parallel zu den Belebungsmaßnahmen wurden auch die sozialen Hilfsangebote ausgeweitet. Hierzu zählt insbesondere die Erhöhung der Aufenthaltsqualität im Bereich des Stellwerks der Paritätischen Gesellschaft für Sozialtherapie und Pädagogik mbH, die Schaffung einer sog. Kooperationsfläche vor dem Kontaktladen Mecki sowie die Erprobung einer weiteren Akzeptanzfläche in Bahnhofsnähe, aber vor allem auch der Ausbau der straßensozialarbeiterischen Angebote. Ziel ist es, in unmittelbarer Nähe vor allem zu den etablierten Strukturen, u.a des Stellwerks der STEP und den Angeboten des Diakonischen Werkes, ein bedarfsgerechtes und zugleich niedrigschwelliges Hilfesystem zu etablieren. Im Einzelnen wurden zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der vulnerablen Gruppen mit den Informationsdrucksachen 0170/2023 N1 vorgestellt und beginnend ab Frühjahr 2023 gemeinsam mit den Kooperationspartner*innen schrittweise umgesetzt.

Neben den Belebungsmaßnahmen und dem Ausbau der Hilfsangebote ist die Intensivierung der Kontrollintervalle der Kooperationspartner des Projekts „bahnhof.sicher“ erfolgt. Zudem wurde die Einsatzplanung für den städtischen Ordnungsdienst (SOD) so ausgestaltet, dass eine stündliche Bestreifung der bahnhofsnahen Plätze durch den SOD sichergestellt ist. Die Vernetzung der Sicherheits- und Sauberkeitsakteure auf den Plätzen sowie wöchentliche Arbeitstreffen der Sicherheitspartner*innen (Polizei, Städtischer Ordnungsdienst und Sicherheitsdienste) sorgen dafür, dass (Fehl)entwicklungen frühzeitig erkannt werden und umgehend Gegensteuerungsmaßnahmen ergriffen werden können. Regelmäßige Umsetzungsgespräche innerhalb der interdisziplinären Arbeitsgruppe gewährleisten, dass sich die Einzelmaßnahmen möglichst reibungslos zusammenfügen und dass auf Veränderungen zeitnah reagiert werden kann.
Die Reinigungsaktivitäten auf den verschiedenen Plätzen wurden gebündelt oder so ausgestaltet, dass die Plätze eng abgestimmt gereinigt werden. Teil der verstärkten Bemühungen um mehr Sauberkeit ist auch, dass mit den Umbaumaßnahmen bei den Damen von Messina und dem Einsatz von widerstandsfähigerem Bodenmaterial die Voraussetzungen für eine intensivierte maschinelle Reinigung geschaffen worden sind.

Zur Information der betroffenen Nutzer*innen, der Anwohner*innen, der Geschäftsleute und des Stadtbezirksrats Mitte wurden seit Projektbeginn zwei Dialogveranstaltungen im Pavillon durchgeführt. Um zusätzlich Anregungen und Hinweise aus der Bevölkerung aufzunehmen, ist eine monatliche Sprechstunde eingerichtet worden, die jeweils am letzten Donnerstag im Monat ihren Stand auf dem Weißekreuzplatz aufbaut. Die Formate werden weiterhin beibehalten.


Mit einer Nutzer*innenbefragung (auch zu den sozialen Angeboten), deren Ergebnisse voraussichtlich Ende September vorliegen werden, sollen weitere Hinweise zur Akzeptanz und Bedarfsgerechtigkeit der Angebote eingeholt und Verbesserungspotentiale identifiziert werden.


II. Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der Wohnungslosen und Drogenkonsumierenden

Menschen in prekären sozialen und schwierigen persönlichen Lebenslagen sind Teil unserer Gesellschaft. Sie befinden sich in schwierigen Lebenskonstellationen und häufig wird der öffentliche Raum zum Lebensraum, Kontaktpunkt und Aufenthaltsraum. Mit den Informationsdrucksachen Nr. 0239/2023 sowie der Informationsdrucksachen Nr. 0170/2023 wurden flankierende soziale Maßnahmen vorgestellt. Wie beschrieben wurden niedrigschwellige Angebote ausgebaut, die zur Unterstützung und Verbesserung der Lebenssituation obdachloser und suchtkranker Menschen beitragen sollten. Die getroffenen Maßnahmen werden im weiteren Verlauf der Drucksache beschrieben.

1. Akzeptanzfläche

Mit Beginn der Belebungsangebote auf den bahnhofsnahen Plätzen erhöhte sich wie erwartet die Anzahl der Menschen auf dem Vorplatz Fernroder Straße. Die veränderten räumlichen Bedingungen betrafen auch die suchtkranken und wohnungslosen Menschen. Die Anzahl an drogengebrauchenden und Drogenhandel betreibenden Menschen an einem Ort nahm im Verhältnis zu und führte zu einem erhöhten Aggressionspotential auf dem Gelände. In der Folge war zu beobachten, dass dadurch die Schwächeren gezwungen wurden, an einen anderen Ort auszuweichen.


Der Forderung nach räumlicher Trennung der verschiedenen Szenen, seitens der Träger*innenstrukturen und der Nutzer*innen, wurde mit der Überlegung zur Schaffung einer weiteren sog. Akzeptanzfläche Rechnung getragen. Um die Nähe zum Stellwerk - und damit zur fachlichen Betreuung - nicht aufgeben zu müssen, wurde deshalb geprüft, ob künftig eine definierte Fläche auf der rückwärtigen Seite des Stellwerkgebäudes an der Augustenstraße nutzbar gemacht werden kann. Zweck der Überlegungen ist die Erprobung einer weiteren Fläche im Innenstadtbereich zur Entlastung der Situation auf dem Stellwerk-Vorplatz („Fernroderplatz“). Die Akzeptanzfläche ist ein Angebot an drogengebrauchende Menschen, und richtet sich weder gezielt an einzelne Gruppen noch an Geschlechter, um eine Teilhabemöglichkeit so niedrigschwellig wie möglich zu gewährleisten. Für den Erprobungszeitraum besteht ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf aus dem städtischen Haushalt in Höhe von zunächst 10.000 €.

2. Kooperationsfläche vor dem Kontaktladen Mecki unter der Raschplatzhochbrücke

Der Kontaktladen Mecki erweitert sein Angebot um eine Kooperationsfläche vor dem Eingang, so dass sie als Aufenthaltsfläche für obdachlose Menschen im Rahmen der Öffnungszeiten nutzbar ist. In diesem Zeitraum wird auch die Vermittlung und Einhaltung von Nutzungsregeln, wie z. B. Untersagung von Alkohol- und Drogenkonsum entsprechend den Regeln des Kontaktladens oder Gewährleistung des erforderlichen Durchgangs- und Fluchtwegs durch Mitarbeiter*innen des Kontaktladens bzw. des Sicherheitsdienstes sichergestellt. Die Öffnungszeiten werden ausgeweitet: zusätzlich zum Vormittag wird eine erweiterte Öffnungszeit von 14.00 bis 18.00 Uhr mit dem vollständigen Hilfsangebot gewährleistet. In diesem Kontext wurden mit dem Diakonischen Werk Hannover gGmbH, als Trägerin der Einrichtung, und der Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG), als Grundstückseigentümerin, verbindliche Nutzungsregelungen für die Fläche vor dem Mecki vereinbart. Sitzmöglichkeiten sind allerdings in diesem Bereich wegen der Durchgangs- und Fluchtwegsituation des Raschplatzes nicht vorgesehen.



Dieses Angebot, das zunächst durch eine private, großzügige Spende bis Mitte Juli ermöglicht wurde, wurde zunächst für drei Monate probeweise bis Herbst 2023 erweitert, um die Attraktivität und Frequentierung des Angebots einerseits, die Kooperationspotentiale des vom Kontaktladen Mecki beauftragten Sicherheitsdienstes im Hinblick auf Regelvermittlung und –einhaltung andererseits zu erproben und etwaige Hürden in der Zugänglichkeit abzubauen. Für den Erprobungszeitraum entstehen Kosten in Höhe von 50.000€, die aus städtischen Finanzmitteln zu decken sind. Sollte sich die Erprobungsphase bewähren, wird vorgeschlagen, für ein erweitertes Winterangebot bis Ende März 2024 weitere finanzielle Mittel in Höhe von bis zu 50.000€ bereit zu stellen.
Begleitend dazu soll das Stundenkontingent für Straßensozialarbeit in Zusammenarbeit zwischen dem Tagesaufenthalt Nordbahnhof (SeWo) und dem „Kontaktladen Mecki“ (DW) erweitert werden. Im Vordergrund steht die Anbindung an das etablierte Hilfesystem, die Verstärkung dezentraler Angebote sowie die gezielte Ansprache einer Personengruppe unter den obdachlosen Menschen, der die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten schwerfällt. So sollen wohnungslose Menschen mit Hilfemaßnahmen erreicht werden, die an ihre besondere Situation angepasst sind. Gleichzeitig soll so dafür Sorge getragen werden, dass besonders in den Wintermonaten die unmittelbare Abwendung einer eventuellen Gefahrensituation ermöglicht werden kann.
Dafür wird für das Jahr 2023 eine Summe in Höhe von 7.000,00 € und für das Jahr 2024 eine Summe von 17.000 € bereitgestellt.

3. Nachtangebote für wohnungslose Menschen im Winter

Wohnungslose Personen sind beim nächtlichen Aufenthalt im öffentlichen Raum


besonders gefährdet. Bereits in der Wintersaison 2021/2022 wurde in den Räumen des Kontaktladens Mecki 2 (Lister Meile) – erstmalig als Kooperationsprojekt – gemeinsam von Diakonischem Werk Hannover gGmbH und der Obdachlosenhilfe Hannover e.V. ein „Nachtcafé“ umgesetzt. Das Angebot stieß auf sehr positive Resonanz und führte dazu, dass zu Beginn des letzten Winters ab November 2022 erneut ein Nachtangebot für den Winter konzipiert und umgesetzt wurde. Diesmal hatte das Angebot zwei Komponenten:
· Nachtlicht / Diakonisches Werk gGmbH (Lister Meile) und
· Café Mensch / Obdachlosenhilfe Hannover e.V. (Podbielskistraße).
Aus fachlicher Sicht ist ein Nachtangebot im Winter dringend erforderlich und wird auch in der kommenden kalten Jahreszeit als ein Baustein der städtischen Winternothilfe und parallel zum Raschplatz Winter Open Air umgesetzt werden. Die Realisierung von zwei verschiedenen Projekten hat sich bewährt, denn es werden diverse Nutzer*innengruppen angesprochen und auch räumlich können unterschiedliche städtische Einzugsbereiche abgedeckt werden. Weniger mobile Menschen, die sich eher im Bereich der Innenstadt aufhielten, nutzten so zum Beispiel eher das Angebot der Diakonie. Und doch waren in der Vergangenheit beide Angebote jeweils gut frequentiert.

Vor diesem Hintergrund sollen beide Angebote auch für den Winter 2023/2024 vorgehalten werden. Hierfür kann auf eine bestehende Zuwendung in Höhe von 35.000€ für das Cafe Mensch der Obdachlosenhilfe zurückgegriffen und damit ein Betrieb im Zeitraum November´23 bis März´24 sichergestellt werden. Für den gleichen Zeitraum auch das Angebot Nachtlicht der Diakonie aufrecht zu erhalten, werden hierfür weitere 85.000€ bereit gestellt.



4. Mobile Toiletten und Duschen

Die hygienische Situation rund um den Hauptbahnhof ist nicht zufriedenstellend. Zur Verbesserung dieser Situation wurden kurzfristig mobile Toiletten auf dem Platz vor dem Stellwerk an der Fernroder Straße und ein Urinal in unmittelbarer Nähe zur Grünfläche zwischen dem Hauptbahnhof und dem zentralen Busbahnhof aufgestellt. Die hygienischen Bedingungen auf dem Vorplatz des Stellwerks und an der o.g. Grünfläche konnten seit Juli deutlich verbessert werden.


Auf dem Vorplatz am Stellwerk konnten als Übergangslösung für den notwendigen Witterungsschutz zusätzlich mobile Container ohne Seitenwände aufgestellt werden. Diese werden aktuell durch fest installierte Wetterschutzdächer und Sitzgelegenheiten ersetzt. Perspektivisch entstehen dort 60 überdachte Sitzplätze, die die Aufenthaltsqualität erheblich verbessern werden. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich Mitte/Ende Oktober abgeschlossen sein. Bis Ende des Jahres 2023 werden dadurch Kosten in Höhe von 23.500 € für mobile Toiletten, ein Urinal und die Container entstehen. Die Stadtverwaltung schlägt darüber hinaus vor, das Angebot zur Verbesserung der hygienischen Situation im Jahr 2024 fortzusetzen. Für den laufenden Doppelhaushalt 2023/2024 werden daher über die bereits genannten Kosten hinaus weitere finanzielle Mittel in Höhe von 50.000 € bereitgestellt.

Die Stadtverwaltung sieht ihre Aufgabe darin, gemeinsam mit den freien Trägern neben den bisherigen Angeboten der Wohnungslosen- und Suchthilfe, auch konzeptionell neue Maßnahmen zu entwickeln. Zu diesen neuen Möglichkeiten gehört auch die Implementierung eines Dusch-Trailers, der ab Anfang 2024 werktags unterschiedliche Orte in der Stadt anfährt und Menschen anbietet, zu duschen und die Wäsche zu wechseln. Zum Betrieb des Dusch-Trailers gehört neben der Bereitstellung von Hygieneartikeln auch die Möglichkeit, sich mit frischem Trinkwasser zu versorgen.
Für diesen Zeitpunkt ist auch der Start der Um- und Ausbaumaßnahmen des Gebäudes an der Augustenstr. 11 zum Kontaktladen Mecki 2.0 (KLM) geplant. Neben dem als Tagestreff mit medizinischer Versorgung konzipierten Kontaktladen entsteht dort eine Notschlafstelle, deren Betrieb die Landeshauptstadt Hannover ausschreiben wird.


5. Verstärkung der Straßensozialarbeit

Seit dem 01. August sind die städtischen Straßensozialarbeiter*innen der Stabsstelle für Streetwork und Suchthilfe im Dienst. Ihre Aufgabe ist es, die obdachlosen und/oder suchtkranken Menschen auf den bahnhofsnahen Plätzen und weiteren dezentralen Orten anzusprechen und mit ihnen erste Schritte zur Verbesserung ihrer Lebensumstände anzugehen. Parallel dazu werden tragende Strukturen für ein koordiniertes Zusammenwirken zwischen der städtischen Straßensozialarbeit und dem langjährigen, und auf vielen fundierten Erfahrungen basierendem Streetwork der freien Träger geschaffen. Dies gilt in besonderer Weise auch für die Zusammenarbeit mit der Sozialarbeit der STEP gGmbH.


Die Inbetriebnahme des Crack-Konsumraums am Stellwerk soll bis Ende 2023 abgeschlossen sein. Für den Betrieb wird der STEP gGmbH für die Jahre 2023/´24 eine Projektstelle im Volumen von insgesamt 75.000€ refinanziert. Im Sinne der oben genannten Intensivierung der Straßensozialarbeit im Schwerpunkt Suchthilfe werden für das Jahr 2024 zudem zwei entsprechende Vollzeitstellen bei der STEP eingerichtet. Die hierfür erforderlichen Finanzmittel in Höhe von 120.000€ werden hälftig durch die Umwandlung von Personalmitteln des Dezernates III finanziert.


III. Bilanz zu den Maßnahmen

Rückblickend auf die letzten Monate prägten Sport, Musik und Konzerte das Bild auf den hergerichteten Gastronomie-, Strand- und Sportflächen des Raschplatzes. Die Rückansicht des Bahnhofs hat ein einladendes, belebtes Gesicht angenommen. Die Initiative, die bahnhofsnahen Plätze zu beleben und für die Hannoveraner*innen attraktiv und sicherer zu gestalten, ist erfolgreich gewesen und hat viel positive Resonanz der Nutzer*innen, anliegenden Unternehmen und ihrer Mitarbeiter*innen, Anwohner*innen und Reisenden erhalten. Langfristig soll daher mit weiteren Aktionen auf den Plätzen eine Perspektive für den erfolgreichen Auftakt geschaffen werden, um die Attraktivität und Sicherheit des Raschplatzes nachhaltig zu steigern und als Treffpunkt für die Hannoveraner*innen zu etablieren.

Beginnend ab Mai bis Mitte Juli buchten rund 20.000 Sportler*innen für Freizeit- und Vereinssport ca. 2300 Sportangebote über das extra eingerichtete Online-Buchungsportal. Die Sport- und Platzaktivitäten waren nahezu ausgelastet.



Zu den sportlichen Highlights auf der Multicourtfläche zählte Mitte Juni 2023 das international besetzte FIBA 3x3 Basketballturnier mit der Qualifikation zu den deutschen Meisterschaften. Bei den Abend-und Eventveranstaltungen, wie der 90er Flashbackparty oder dem NP Kinderfest zogen mehrere tausende Besucher*innen zum Raschplatz. Eine besonders intensive Nutzung durch junge Menschen konnte an vielen Nachmittagen und Abenden wahrgenommen werden.

Auf dem Andreas-Hermes-Platz sorgte der neue Pop-Up Lesegarten der Stadtbibliothek mit öffentlichen Lesungen für Kinder und Erwachsene, Theateraufführungen und die Tanzveranstaltungen mit Tango und Swing-Tanz für einen regen Publikumszulauf. Der Palettengarten wandelte einen Teil des grauen Platzes in eine kleine grüne Oase. Der notwendige Rückbau des Brunnens für eine Neugestaltung und Umnutzung des Platzes wird planmäßig im Frühjahr 2024 abgeschlossen.

Der Weißekreuzplatz lädt die Hannoveraner*innen mit neuen gastronomischen Angeboten zum Verweilen oder zum kreativen Mitmachen bei Kunstprojekten wie zum Beispiel dem Schwarmkunstprojekt ein. Die Umsetzung des Zonierungskonzeptes der Beschlussdrucksache Nr. 0522/2023 mit der Einbindung einer Außengastronomie, eines Sport- und Spielangebotes, kultureller Nutzungen sowie nicht kommerziell genutzter Flächen wird bis Ende Oktober 2023 abschließend baulich umgesetzt.
Die zusätzliche Übernahme der Reinigung des WKP und AHP durch den Zweckverband Abfallwirtschaft aha stellte sich als weiterer wichtiger Schritt für mehr Sauberkeit auf allen drei Plätzen heraus. Als Sofortmaßnahme stellte aha größere Abfallbehälter auf. Mit verdichteten Reinigungsintervallen und zusätzlich bedarfsorientierten Sonderreinigungen auf allen drei Plätzen konnte die Gesamtsituation der Sauberkeit in den letzten Monaten deutlich verbessert werden.

Die bisherigen Erkenntnisse aus der Nutzer*innenbefragung der bahnhofsnahen Plätze zeigen, dass die Belebungsangebote, das Sicherheitsgefühl und die Sauberkeit durch die Nutzer*innen und Anwohner*innen positiv bewertet werden.



Auf der anderen Seite ist deutlich geworden, dass es für die Hilfsangebote der vulnerablen Personengruppen weitere Handlungserfordernisse gibt. Aus diesem Grund wird die Suche nach einem neuen Standort für die Diamorphinambulanz verstärkt. Inzwischen sind alle 80 Plätze am Standort Odeonstraße belegt. Damit sind, räumlich gesehen, keine weiteren Kapazitäten verfügbar, so dass ohne Zweifel ein neuer Standort gefunden werden muss, um die Kapazitäten mindestens auf täglich 150 Behandlungsplätze zu erhöhen.
Darüber hinaus besteht ein akuter Bedarf an weiteren Übernachtungsplätzen für Suchtkranke. Die bisherigen Kapazitäten sind seit längerem ausgeschöpft. Regional und überregional haben sich Angebote als zielführend erwiesen, die Unterkunft, Tagesstruktur und medizinische Versorgung miteinander kombinieren.

Mit dem Erfolg der Belebungsaktionen an den Bahnhofsnahen Plätze und insbesondere am Raschplatz konnte die nachhaltige Platznutzung, seit dem 24.07.23 mit einem Sportangebot, ohne Bühne und Gastronomiestände, in eine „Nachspielzeit“ starten. Der verbliebene Multicourt und das Basketballfeld können nach dem Rückbau des gastronomischen Angebots seit dem 26.07.23 wieder über das bekannte Online-Buchungsportal reserviert werden, gleichzeitig sind auch Spontanbesuche für verfügbare Zeiten möglich. Ein privater Sicherheitsdienst ist mit reduzierter Personalstärke vor Ort, um Sportutensilien auszugeben und die Platznutzungsregeln der Sportflächen sicherzustellen.


IV. Winter Open Air

Ab November 2023 bis Februar 2024 soll das Konzept zur Belebung und Attraktivierung des Raschplatzes mit der – soweit bekannt - größten synthetischen und energieneutralen Eislauffläche im norddeutschen Raum und zwei Eisstockschießbahnen sowie ergänzenden gastronomischen Angeboten fortgesetzt werden. Die Aktivitäten zur weiteren Belebung des Platzes sollen erneut ein attraktives Angebot für ein vielfältiges Publikum bereithalten und so die erreichte Aufwertung des Platzes stabilisieren.

Ab Ende November heißt es „Auf die Kufen am Raschplatz“ mit einem Wintererlebnis auf über 500qm Fläche und zwei angegliederten Eisstockschießbahnen. Das ergänzende, winterliche Gastronomieangebot sowie die weihnachtliche Dekoration wird den Raschplatz in ein besonderes Ambiente mit Schlittschuhbahn verwandeln.
Das gesellige Eisstockschießen ist eine ideale Sportart für ein Firmen-Winterevent und kann kostenpflichtig über das bekannte Online-Buchungssystem reserviert werden. Die erforderlichen Materialien werden bereitgestellt.
Für die Kunsteisfläche wird ein kostenpflichtiger Schlittschuhverleih angeboten. Die Schlittschuhe werden nach jeder Benutzung desinfiziert, gereinigt und falls erforderlich geschliffen.


Als erste Angebote und Programmbausteine sind geplant:

· kostenfreies Schlittschuhlaufen für alle Schulen der LHH und Region Hannover von 10 bis 14 Uhr unter der Woche
· Show-Trainingseinheiten sowie Eishockey-Schnupperkursen für Anfänger und Interessierte vom Kooperationspartner Hannover Scorpions
· Eis-Disko mit DJs und Live-Acts an ausgewählten Tagen
· Firmen- und Gruppenevents (Eisstockschießen & gastronomisches Angebot)

Das Winter Open Air ist vom 24.11.2023 – 24.02.2024 geplant und wird an mindestens fünf Tagen der Woche nach der Öffnung für die Schulen für alle Menschen geöffnet sein. Weitere Öffnungstage sind je nach Besucherfrequenz und Nachfrage geplant.


Die Werbung für das Winter Open Air liegt in der Verantwortung der HMTG, die für das Projekt auch die sog. Road-Screens von Stroer zum Einsatz bringen wird.
Veranstalterin des Winter Open Air wird erneut die HVG sein, die das unternehmerische Risiko trägt und kalkulierte Gesamtkosten für diese Belebungsmaßnahme inkl. Auf- und Abbau, Sicherheit, Werbung und Gastronomie von rund 540.000 € zzgl. MwSt. für den gesamten Zeitraum ermittelt hat.

Für das gastronomische Begleitangebot wird ein Gesamtgastronomiekonzept aller anliegenden Gastronomen und – soweit nicht ausreichend – auch weiterer Anbieter erstellt. Die HVG wird hierfür eine marktgerechte Ablöse verlangen. Die Kosten des Winter Open Air werden refinanziert aus kalkulierten Einnahmen.
Die Kosten werden refinanziert aus kalkulierten Einnahmen (Eintrittsgelder für das Schlittschuhlaufen und Eisstockschießen, Einnahmen aus der Vergabe von Gastronomierechten an Dritte sowie Einwerbung von Drittmitteln und Sponsoringbeiträgen), die bei der Veranstalterin verbleiben. Zur Herstellung der notwendigen Umsetzungssicherheit ist darüber hinaus ein eigener Beitrag der Landeshauptstadt Hannover erforderlich. Dessen Höhe wird abschließend erst nach Abschluss der Drittmittelakquise feststehen, jedoch eine Summe von maximal 350.000€ nicht übersteigen. Die Bereitstellung der Mittel erfolgt aus vorhandenem Ansatz.


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Hannover / Sep 5, 2023