Drucksache Nr. 1623/2026 F1:
Antwort der Verwaltung auf die
Anfrage der CDU-Fraktion zur Zukunft der Deutschen Messe AG
in der Ratssitzung am 24.09.2026, TOP 3.1.1.

Inhalt der Drucksache:

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1623/2026 F1
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Antwort der Verwaltung auf die
Anfrage der CDU-Fraktion zur Zukunft der Deutschen Messe AG
in der Ratssitzung am 24.09.2026, TOP 3.1.1.

Die Deutsche Messe AG zählt zu den bedeutendsten öffentlichen Beteiligungen der Landeshauptstadt Hannover und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region. Die langfristige Entwicklung des Messegeschäfts wird jedoch zunehmend kritisch diskutiert. Während die Deutsche Messe AG nach den Verlusten der Corona-Pandemie zwar wieder positive Zahlen schreiben konnte, steht sie zugleich vor beachtlichen strukturellen Herausforderungen. Dazu zählen rückläufige Aussteller- und Besucherzahlen, ein verändertes Geschäftsverhalten vieler Unternehmen sowie die wirtschaftliche Unterhaltung des großen Messegeländes, dessen mögliche Verkleinerung unlängst in der Presse diskutiert worden ist. Zudem stellt sich die Frage, welche neuen Veranstaltungsformate und Geschäftsfelder künftig zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen können. Vor diesem Hintergrund ist von Interesse, wie die Stadtverwaltung die Zukunftsperspektive der Deutschen Messe AG, an der die Landeshauptstadt mit 50 Prozent beteiligt ist und durch Oberbürgermeister Belit Onay im Aufsichtsrat Verantwortung trägt, bewertet.

Wir fragen die Verwaltung:

  1. Wie haben sich die Besucherzahlen, die Anzahl der Aussteller sowie die vermietete Ausstellungsfläche auf dem Messegelände Hannover seit dem Jahr 2019 entwickelt, und welche Schlussfolgerungen zieht die Verwaltung daraus für die zukünftige Entwicklung des Messegeschäfts?
  2. Welche Auswirkungen haben die Größe und die Unterhaltungskosten des Messegeländes auf die wirtschaftliche Gesamtsituation der Deutschen Messe AG, und welche Maßnahmen sollen ergriffen werden, um die Wirtschaftlichkeit der vorhandenen Infrastruktur z. B. durch eine Verkleinerung des Messegeländes zu verbessern?
  3. Welche neuen Strategien, Projekte oder Veranstaltungsformate verfolgt der Vorstand der Deutschen Messe AG, um zusätzliche Wachstumspotenziale zu erschließen und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Messestandorts Hannover sicherzustellen?

Text der Antwort

1. Wie haben sich die Besucherzahlen, die Anzahl der Aussteller sowie die vermietete Ausstellungsfläche auf dem Messegelände Hannover seit dem Jahr 2019 entwickelt, und welche Schlussfolgerungen zieht die Verwaltung daraus für die zukünftige Entwicklung des Messegeschäfts?

Die vergangene Pandemie war ein gravierendes Ereignis, welche für den gesamten Veranstaltungssektor eine schwere Krise verursacht hat. Diese ist zwar überwunden, hat aber zu einem nachhaltigen Umdenken für Veranstaltungsformate geführt.

In 2019 besuchten rd. 1,3 Mio. Personen die Veranstaltungen auf dem Messegelände in Hannover, auf denen 18 Tsd. Aussteller eine Fläche von 1,1 Mio. qm belegten. Aufgrund der Pandemie waren diese Zahlen in 2020 rückläufig und erreichten ihren Tiefpunkt in 2021 mit 92 Tsd. Besucher, 2 Tsd. Aussteller und 14 Tsd. qm. Eine Geschäftserholung zeichnete sich in 2022 mit 681 Tsd. Besucher, 11 Tsd. Aussteller und 645 Tsd. qm ab. 2023 bis 2026 ergibt sich ein Jahresmittelwert von 955 Tsd. Besucher, 13 Tsd. Aussteller und 773 Tsd. qm.

Hieraus wird deutlich, dass sich das Veranstaltungsgeschäft in Hannover auf einem geringeren Niveau als vor der Pandemie stabilisiert hat. Dies gilt auch für den Messestandort Deutschland insgesamt, allerdings zeichnet sich hier ein Trend zur Rückkehr auf das Niveau vor der Pandemie ab.

Daraus ergibt sich aus Sicht der Verwaltung die Notwendigkeit einer kritischen Überarbeitung des Veranstaltungsportfolios und eine dem entsprechende Flächengestaltung. Ziel sollte die Entwicklung eines zukunftsorientierten Geschäftsmodells, welches einen eigenwirtschaftlichen Geländebetrieb ermöglicht sein.


2. Welche Auswirkungen haben die Größe und die Unterhaltungskosten des Messegeländes auf die wirtschaftliche Gesamtsituation der Deutschen Messe AG, und welche Maßnahmen sollen ergriffen werden, um die Wirtschaftlichkeit der vorhandenen Infrastruktur z. B. durch eine Verkleinerung des Messegeländes zu verbessern?

Aktuell ist ein eigenwirtschaftlicher Betrieb des Messegeländes mit dem vorhandenen Veranstaltungsportfolio nicht möglich. Das Kerngeschäft der DMAG weist eine starke Abhängigkeit von wenigen Großveranstaltungen verbunden mit einer zu geringen Geländeauslastung auf. Hierbei ist die jährliche Hannover Messe mit der höchsten Flächenprofitabilität die wichtigste Veranstaltung. Die zweijährige AGRITECHNICA benötigt als einzige Veranstaltung das gesamte Messegelände. Diese wird als sogenannte Gastveranstaltung vom Fachverband DLG organisiert, welcher pauschal das gesamte Messegelände anmietet.

Insofern ist zur finanziellen Entlastung der DMAG sowie einem zukünftigen wirtschaftlichen Geländebetrieb eine Verkleinerung des Messegeländes erforderlich. Unter Berücksichtigung verschiedener Prämissen (Veranstaltungsportfolio, Abwanderungsrisiko, mögliche Verkaufserlöse, Abriss- und Erschließungskosten) werden hierzu seitens der DMAG verschiedene Szenarien in einer Arbeitsgruppe unter Einbindung städtischer Vertreter der Bauverwaltung (Stadtplanung und Stadtentwicklung) sowie der Wirtschaftsförderung (Industrie- und Gewerbeflächen) geprüft.


3. Welche neuen Strategien, Projekte oder Veranstaltungsformate verfolgt der Vorstand der Deutschen Messe AG, um zusätzliche Wachstumspotenziale zu erschließen und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Messestandorts Hannover sicherzustellen?

Für die Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit des Messestandortes Hannover ist neben der Geländeverkleinerung die Anpassung des vorhandenen Veranstaltungsportfolios zur Erhöhung der Wertschöpfungstiefe (z. B. durch die Erweiterung von Serviceangeboten) sowie die Etablierung neuer Veranstaltungen erforderlich.

Für die Entwicklung des Neugeschäftes wurde der Vorstand ab dem 01.05.2026 um Dr. Holger Feist erweitert, welcher den Unternehmensbereich „New and Global Business Development“ verantwortet und hierfür seine Erfahrung aus den vorherigen Tätigkeiten bei der Messe München sowie der Münchner Strategieberatung Nunatak Group mitbringt.

In 2027 sind folgende neue Veranstaltungen in Hannover geplant:

- ITMA, Textil- und Bekleidungstechnologie,
- DSEI, Verteidigung und Sicherheit,
- Didacta, Bildungswirtschaft,
- Partnermessen als Co-Location parallel zur Hannover Messe:
9 European Energy Week, Energiewirtschaft,
9 next Generation metalworking, Metallverarbeitung
Allerdings ist die Etablierung neuer Veranstaltungen ein langfristiger Prozess, aus dem sich kurzfristig lediglich geringe Deckungsbeiträge erzielen lassen.

Insofern kommt der Anpassung des vorhandenen Veranstaltungsportfolios für die Herstellung der Wettbewerbsfähigkeit eine besondere Bedeutung zu. Aus diesem Grund erarbeitet der seit Mai 2026 tätige Restrukturierungsvorstand (CRO) Herr Kühl einen Maßnahmenplan, in dem u. a. deutliche Kosteneinsparungen sowie der Ausbau von Serviceangeboten zur Verbesserung der Deckungsbeiträge im aktuellen Veranstaltungsportfolio berücksichtigt werden.

Ein weiteres Potential zur Ergebnisverbesserung sieht der CRO in der Optimierung der internen operativen Prozesse.

Insgesamt fließen alle Aspekte (Geländeentwicklung, Kosteneinsparungen, Veranstaltungsportfolio, Prozessoptimierung) in einen sog. „robusten Masterplan“, welcher als Grundlage zur Ermittlung des Finanzierungsbedarfes dient. Daraus folgend sind Finanzierungsbausteine zu entwickeln, die zusammen mit dem o. g. Maßnahmenplan ein finales Gutachten gem. IDW S6 (1) der PwC mit positiver Fortführungsprognose ermöglichen.


(1)Standard des Institutes der Wirtschaftsprüfer (IDW) zu den Anforderungen für die Erstellung eines Sanierungskonzeptes