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Mit dieser Informationsdrucksache informiert die Verwaltung über die Bedeutung und die Möglichkeiten der Ernährungsbildung im schulischen Ganztag.
Ausgangslage
Mit dem Inkrafttreten des Rechtsanspruchs auf ganztägige Förderung von Grundschulkindern gemäß § 24 Abs. 4 SGB VIII in Verbindung mit dem Ganztagsförderungsgesetz (GaFöG) ab dem 1. August 2026 werden deutlich mehr Kinder einen größeren Teil ihres Tages in Ganztagsschulen verbringen. Die Mittagsverpflegung wird damit noch stärker als bisher zu einem regelmäßig wiederkehrenden pädagogischen Handlungsfeld innerhalb des schulischen Alltags.
Gleichzeitig sind ernährungsbezogene Inhalte in einschlägigen pädagogischen Ausbildungs- und Studiengängen, beispielsweise für Erzieher*innen oder sozialpädagogische Fachkräfte, bisher nicht systematisch und speziell auf die Anforderungen des schulischen Ganztags ausgerichtet. Diese strukturelle Lücke bietet Anlass, entsprechende Qualifizierungsangebote gezielt auszubauen.
Die Verankerung von Ernährungsbildung im schulischen Umfeld entspricht zudem internationalen gesundheits- und bildungspolitischen Empfehlungen. Bereits die Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Gesundheitsförderung benennt Schulen als zentrale Lebenswelten für die Förderung gesundheitsrelevanter Kompetenzen. Aktuelle Konzepte gesundheitsfördernder Schulen greifen diesen Ansatz auf und betonen die Bedeutung von Ernährung als Bestandteil eines ganzheitlichen Bildungs- und Gesundheitsverständnisses.
Für die Umsetzung bietet sich die Entwicklung eines Schulungs- und Qualifizierungskonzeptes für pädagogische Fach- und Betreuungskräfte im Grundschulganztag an. Hierfür stehen bereits praxiserprobte Materialien des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) zur Verfügung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) stellt mit ihren Qualitätsstandards für die Schulverpflegung sowie ergänzenden Bildungsangeboten einen wissenschaftlich anerkannten Orientierungsrahmen bereit.
Darüber hinaus besteht bei verschiedenen regionalen Akteur*innen ein gemeinsames Interesse, Kindern Kompetenzen im Bereich einer regionalen, nachhaltigen und gesundheitsförderlichen Ernährung zu vermitteln. Hierzu zählen unter anderem das Landvolk Hannover, die Regionalbewegung, die Vereinigung Norddeutscher Direktvermarkter, die Landfrauen sowie ökologische Anbauverbände. Ernährungsbildung wirkt dabei nicht nur präventiv im Hinblick auf die Gesundheit von Kindern, sondern kann langfristig auch das Bewusstsein für regionale Wertschöpfungsketten und nachhaltige Lebensmittelproduktion stärken.
Zusätzliche Relevanz erhält das Thema durch den Ratsbeschluss zur Drucksache 0481/2026, mit dem die Verwaltung beauftragt wurde, ein Konzept für ein kostenfreies und qualitativ hochwertiges Mittagessen an Grundschulen zu entwickeln. Ein Schulungs- und Qualifizierungskonzept zur Ernährungsbildung könnte diesen Prozess pädagogisch begleiten und unterstützen.
Ziele
Ein Projekt zur Ernährungsbildung im schulischen Ganztag hätte in erster Linie präventiven Charakter und würde sich insbesondere an Grundschulen richten. Ziel ist es, Kinder frühzeitig in ihrer Ernährungs- und Gesundheitskompetenz zu stärken und damit gesundheitlichen Fehlentwicklungen vorzubeugen.
Mögliche Aufgaben eines solchen Projektes umfassen insbesondere:
· Entwicklung, Koordinierung und Umsetzung eines praxisnahen Schulungskonzeptes zur Ernährungsbildung für Betreuungs- und Leitungskräfte im Ganztag, das auf die spezifischen Anforderungen des Arbeitsfeldes abgestimmt ist.
· Durchführung modular aufgebauter Fortbildungsangebote bei den Trägern des Ganztags in Hannover.
· Organisation themenspezifischer Workshops sowie Vermittlung qualifizierter Referent*innen zu ausgewählten Themenfeldern, beispielsweise regionale Erzeugung, Saisonalität, nachhaltiger Konsum oder die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung.
Nach der Entwicklung eines entsprechenden Schulungskonzeptes könnte dieses schrittweise im schulischen Ganztag umgesetzt und dauerhaft verankert werden. Ziel ist es, pädagogische Fach- und Betreuungskräfte zu befähigen, Kinder bei der Entwicklung eines reflektierten, selbstbestimmten und verantwortungsvollen Umgangs mit Ernährung zu begleiten. Auf diese Weise sollen die Ernährungs- und Handlungskompetenzen von Schüler*innen nachhaltig gestärkt werden.
Der Ernährungsrat Hannover und Region e. V. könnte als zivilgesellschaftliches Netzwerk eine koordinierende Rolle übernehmen und dabei Akteur*innen aus Landwirtschaft, Bildung, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammenführen. Darüber hinaus verfügt der Ernährungsrat bereits über Erfahrungen und bestehende Strukturen im Bereich der Ernährungsbildung. Ergänzend wären Kooperationen mit der Volkshochschule Hannover sowie Familienbildungsstätten denkbar.
Evaluation
Der Projekterfolg könnte anhand qualitativer und quantitativer Indikatoren bewertet werden. Hierzu zählen insbesondere:
· Anzahl der durchgeführten Schulungen und Workshops,
· Anzahl der geschulten Betreuungs- und Leitungskräfte,
· Anzahl der vermittelten Referent*inneneinsätze,
· Anzahl der erreichten Ganztagsschulstandorte,
· Bewertung der Praxistauglichkeit und Akzeptanz des Schulungskonzeptes,
· Prüfung der Verstetigungsfähigkeit sowie der Übertragbarkeit auf weitere Träger und Standorte.
Durchführungszeitraum und Kosten
Für die Umsetzung wird ein Projektzeitraum von drei Jahren vorgeschlagen. Während dieser Zeit soll das Projekt kontinuierlich begleitet und evaluiert werden.
Für die Durchführung werden Kosten in Höhe von jährlich 50.000 Euro veranschlagt. Daraus ergibt sich ein Gesamtvolumen von 150.000 Euro über die gesamte Projektlaufzeit von drei Jahren.
Bei positiver Evaluation könnte im Anschluss eine Verstetigung des Angebotes sowie eine dauerhafte Verankerung entsprechender Qualifizierungsstrukturen geprüft werden.
Das Konzept zur Ernährungsbildung im Ganztag richtet sich generell an alle Geschlechter und dient der Ernährungsbildung und Gesundheitsförderung.
Es entstehen keine finanziellen Auswirkungen.
Ergebnis der Klimawirkungsprüfung
Es sind keine negativen Auswirkungen auf das Klima zu erwarten.