Drucksache Nr. 15-2208/2025 F1:
Antwort der Verwaltung auf die
Anfrage Graffiti und Tags im Stadtbezirk
Sitzung des Stadtbezirksrates Nord am 10.11.2025
TOP 11.3.1.

Inhalt der Drucksache:

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Landeshauptstadt HannoverDrucksachen-Zeichen
An den Stadtbezirksrat Nord (zur Kenntnis)
 
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15-2208/2025 F1
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Antwort der Verwaltung auf die
Anfrage Graffiti und Tags im Stadtbezirk
Sitzung des Stadtbezirksrates Nord am 10.11.2025
TOP 11.3.1.

Anfrage gem. § 14 der Geschäftsordnung des Rates der Landeshauptstadt Hannover in die nächste Sitzung des Stadtbezirksrats Nord am 10.11.2025

Im Stadtbezirk Nord werden bereits seit geraumer Zeit auf Gebäuden und Fassaden Garaffiti angebracht. Neben einzelnen Auftragsarbeiten handelt es sich überwiegend um bildhafte Darstellungen und insbesondere um Tags, die ohne bzw. gegen den Willen der Hauseigentümer und Eigentümerinnen aufgetragen werden, was den Tatbestand der Sachbeschädigung erfüllt. Da die Sprayerinnen und Sprayer in der Regel nicht ermittelt werden, müssen letztlich die Eigentümer die Beseitigungskosten tragen. Die hierdurch bundesweit entstehen jährlichen Kosten summieren sich lt. einer Studie des Deutschen Städtetags auf ca. 200 Millionen Euro.

Unter den Sprayerinnen und Sprayern dürften allerdings auch solche sein, die einen Qualitätsanspruch an die künstlerische Gestaltung ihrer Graffiti und Tags haben. Ein Ansatz, dieses Potential zu heben, die Entwicklung ihrer Kunst zu fördern und ihnen damit ggf. auch die Möglichkeit einer Kommerzialisierung der Werke zu ermöglichen könnte darin liegen, kostenfreie Angebote zu Schulungen und Weiterbildungen zu schaffen. Ihnen könnte die Möglichkeit eröffnet werden, sich mit kostenfrei zur Verfügung gestellten Materialien an Übungsflächen auszuprobieren. Denkbar ist es auch, dass städtische Fassaden bzw. öffentliche Flächen oder von Eignern zur Verfügung gestellte Fassaden hierfür Verwendung finden. Hier käme z.B. die Alte Kofferfabrik in Betracht, zumal dort bereits Künstler tätig sind.

Dieser Ansatz hätte möglicherweise den Effekt, dass sich die Anzahl der ungewollten Graffiti und Tags reduziert, da den Menschen neue, identitätsstiftende Perspektiven abseits der Illegalität eröffnet werden, was wiederum andere anspornen kann, es ihnen gleichzutun. Zudem werden künstlerisch gestaltete Flächen auch nicht mehr mit ungewollten Tags übersprüht. Es könnte also ein Vorteil für alle Seiten sein.

Dies vorausgeschickt fragen wir die Verwaltung:

1. Ist der Verwaltung bekannt, ob es im Stadtbezirk Nord oder auch in anderen Stadtbezirken bereits entsprechende Initiativen gibt und falls ja, werden diese Projekte bereits durch die Stadt selbst initiiert oder zumindest seitens der Stadt (wie?) unterstützt?

2. Falls nein, wäre es für die Verwaltung vorstellbar, ein entsprechendes Projekt zu initiieren bzw. zu unterstützen?

Die Verwaltung beantwortet die Anfrage wie folgt:


1. Das Sachgebiet Junge Kultur im Kulturbüro hat zusammen mit der Graffiti Szene in den letzten Jahren eng zusammengearbeitet und auch innerhalb der Stadt mit dem Fachbereich Tiefbau, Umwelt und Stadtgrün und der Stadtplanung. Ein Ergebnis ist die Ihme-Hall, eine legale Graffitiwand am Ihmeufer zwischen Spinnereistrasse und Faustgelände. Diese ca. 1000 qm große Wand wird seit 2018 gut genutzt. Weitere frei nutzbare Flächen befinden sich am UJZ Glocksee mit der sogenannten Glockseegasse, am Bunker an der Celler Str. und in Vahrenwald am Bahndamm an der Hüttenstr. beim Gleis D.
Durch diese Zusammenarbeit hat sich das https://www.graffiti-netz-hannover.de/ gegründet und ist seither Ansprechpartner für die Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro. Mit der Förderung des Sketch Circle unterstützt das Kulturbüro die Vernetzung innerhalb der Szene. Es werden auch Workshops angeboten.
Darüber hinaus wird seit 2018 in Kooperation mit dem Graffiti-Netzwerk-Hannover das Urban Nature Festival veranstaltet, bei dem gemeinsam mit der Szene und ca. 60-70 Künstler*innen die Ihmehall einmal im Jahr neugestaltet wird. Dieses Festival wächst von Jahr zu Jahr und lädt auch Künstler*innen aus den hannoverschen Partnerstädten ein. Seit 2019 wird auch der Ihmeuferweg am Ihmezentrum zwischen Spinnereistr. und Ida Arenhold Brücke jährlich auf einer Länge von ca. 400 m neugestaltet.
Mit dem Hola Utopia! Street Art Festival ist ein weiteres Event hinzugekommen, bei dem Hausfassaden in Hannover mit Murals gestaltet werden und das seit 2020 jährlich stattfindet. Das zeigt, dass es eine wachsende Akzeptanz für Graffiti und Street Art in Hannover gibt und immer mehr Flächen für diese Kunstform zur Verfügung gestellt werden. Aktuell werden weitere städtische Flächen auf ihre Nutzbarkeit geprüft.
Auch in der Nordstadt werden immer mehr Hausfassaden mit Murals versehen und bieten damit einen Schutz vor „illegaler“ Graffiti und Tags. Auch Hausbesitzer*innen kommen auf das Sachgebiet Junge Kultur zu und werden mit Künstler*innen vernetzt.

Im Kulturentwicklungsplan Hannovers ist das Thema Urban Art auch mit einer konkreten Maßnahme aufgenommen worden. Es geht dabei um die Entwicklung eines internationalen Urban Art Festival.
2. siehe oben