Antrag Nr. 15-2051/2007 N1:
Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Allee

Inhalt der Drucksache:

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Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Allee

Antrag,

Im März 2007 ist die Landeshauptstadt Hannover der „Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus“ beigetreten. Deshalb schlägt der Bezirksrat Ahlem-Badenstedt-Davenstedt dem Rat der LHH vor, die Lettow-Vorbeck-Allee umzubenennen.

Änderungsvorschläge:

Jakobus Morenga wurde um 1875 in Deutsch-Südwestafrika geboren und starb am 19.09.1907 bei Eenzamheid. Er war einer der wichtigsten Anführer im Aufstand der Herero und Nama von 1904 bis 1908. Die Aufstände der Herero und Nama führten in Berlin zu einer Regierungskrise und lösten eine Neuwahl des Reichstags aus, die so genannte Hottentottenwahl am 25. Januar 1907.

Jokobus Morenga war das Kind einer Hererofrau und eines Nama. Er sprach fließend Deutsch, Englisch und Afrikaans. In seinen letzten Lebensjahren war er ein Volksheld für die Südwest- und Südafrikaner und einer der Hauptfeinde der deutschen Kolonialmacht.

Hendrik Witbooi wurde *~1830 in Südafrika geboren und starb am 29.10.1905 in Karrasbergen, Südwest-Afrika. Mit einen hohen Grad der Intelligenz ausgestattet, vertiefte er sich in den christlichen Glauben, darüber hinaus erlernte er mehrere europäische Sprachen. 1875 ernannte ihn Johannes Olpp (Missionar) zum Ältesten der Kirchengemeinde Gibeon.

Omaruru ist eine Stadt in Namibia. Der Name der Stadt leidet sich Omaere, einem tradionellen namibischen Milchprodukt, ab. Omaruru ist zurückzuführen auf die Rheinische Misiion, die 1872 hier verschiedene Gebäude errichten ließ. Der missionar Gottlieb Viehe schrieb in Omaruru die erste Bibelübersetzung ins Hereo, viele der damals heidnischen Hereros der Region wurden damals zu Christen.

Wangari Maathai wurde am 01. April 1940 in Nyeri/Kenia geboren. Sie ist eine kenianische Professorin und Wissenschaftlerin und seit 2002 stellvertretende Ministerin für Umweltschutz. Im Jahre 2004 erhielt die Umweltaktivistin Wangari Maathei als erste Afrikanerin den Friedensnobelpreis.

Gertrude Mongella wurde am 13.09.1945 auf Ukewere, Viktoriasee in Tansania geboren. Seit September 2004 ist Frau Mongella die erste Präsidentin des Panafrikanischen Parlaments innerhalb der Afrikanischen Union. Von 1993 bis 1995 war Diplomatin der Vereinten Nationen und leitete unter anderen die UN-Weltfrauenkonferenz.

Begründung

Nach dem Beitritt der LHH zur „Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus“ ist es an der Zeit, Straßennamen in Hannover, die nach Rassisten benannt sind, umzubenennen.

Paul von Lettow-Vorbeck, nach dem die Lettow-Vorbeck-Allee in Badenstedt benannt ist, trat im Februar 1888 als Fähnrich ins „4. Garde-Regiment zu Fuß“ ein und erlebte bis 1901 eine steile Karriere. Als Hauptmann nahm er 1900/01 an der Unterdrückung der Boxerbewegung in China teil. In der Kolonie Deutsch-Südwestafrika hatte er zwischen 1904 und 1908 ein Kommando bei der Niederschlagung der Aufstände der Herero und der Nama inne. Er begrüßte die Ermordung von Männern, Frauen und Kindern der aufständischen Nama.

Die Gefangenen der Herero und die der Nama wurden in eigens für sie errichtete "Konzentrationslager" gebracht. Die ersten dieser Lager wurden in den Jahren 1904/1905 nach dem Vorbild der britischen Buren-Lager in Südafrika errichtet. Durch ständige Überbelegung, schlechte klimatische Bedingungen, schlechtes Trinkwasser und einseitige Ernährung breiteten sich Krankheiten wie Skorbut, Typhus und Ruhr in den Lagern schnell aus und forderten trotz notdürftiger ärztlicher Versorgung tausende Todesopfer. Gesunde Gefangene wurden zur Zwangsarbeit im Straßen-, Wege- und Bahnbau eingesetzt. Die Arbeitsbedingungen waren dermaßen hart, dass nicht einmal die Hälfte der Arbeiter die Strapazen überlebten.

Berühmt wurde Lettow-Vorbeck mit dem „Durchhaltekrieg“ in Ostafrika. Unter seinem Kommando haben die deutschen Truppen gefangene und verwunderte Gegner ermordet, Frauen vergewaltigt und Dörfer geplündert. Die Deutschen zwangen Tausende von Afrikanern als Trägersklaven zu schuften, was viele nicht überlebten. Flüchtende Träger und desertierende afrikanische Soldaten ließ Lettow-Vorbeck erschießen.

Im Sommer 1919 kommandierte Lettow-Vorbeck ein Freikorps und beteiligte sich 1920 als Kommandeur am Kapp-Putsch gegen die Weimarer Republik. Der fehlgeschlagene Umsturzversuch brachte Lettow-Vorbeck das Ende seiner militärischen Karriere. Danach betätigte sich der Ex-Offizier in deutschnationalen Verbänden wie dem Stahlhelm, trat für den "Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund" als Redner auf und saß für die Deutschnationale Volkspartei (DNVP), die 1933 mit Hitler koalierte, im Reichstag.