Drucksache Nr. 15-1732/2019 F1:
Antwort der Verwaltung auf die
Anfrage Baustopp auf dem Gelände der Gartenstadt Hannover-Nord
Sitzung des Stadtbezirksrates Bothfeld-Vahrenheide am 26.06.2019
TOP 5.3.5.

Inhalt der Drucksache:

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Landeshauptstadt Hannover
An den Stadtbezirksrat Bothfeld-Vahrenheide (zur Kenntnis)
 
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Antwort
15-1732/2019 F1
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Antwort der Verwaltung auf die
Anfrage Baustopp auf dem Gelände der Gartenstadt Hannover-Nord
Sitzung des Stadtbezirksrates Bothfeld-Vahrenheide am 26.06.2019
TOP 5.3.5.

Mit dem Projekt „Gartenstadt Hannover-Nord“ der Niedersächsischen Landgesellschaft mbH wird auf dem Gelände der ehemaligen Freiherr-von-Fritsch-Kaserne voraussichtlich eines der größten Neubaugebiete in Hannover entstehen. In der Sitzung am 22.05.19 wurde dem Stadtbezirksrat von Einwohner*innen überraschend mitgeteilt, dass bereits Mitte Februar ein sofortiger Baustopp durch die Untere Naturschutzbehörde für das Gelände verhängt wurde. Grund hierfür war die mangelnde Beachtung artenschutzrechtlicher Belange gemäß Bundesnaturschutzgesetz im Rahmen von Fäll-/Rodungsarbeiten. Dies betraf insbesondere das (mögliche) Vorkommen von Igeln. Mit Zustimmung der NLG konnten einige ehrenamtliche Igelhelfer*innen das bereits in weiten Teilen abgeholzte Gelände kurzfristig teilweise sichten. Dabei sollen zwar keine unmittelbaren Hinweise auf getötete Igel gefunden worden sein, allerdings soll die Population im näheren Umfeld stark zurückgegangen sein.

Vor diesem Hintergrund fragt die Grüne Bezirksratsfraktion die Verwaltung:

1. Wie lautet der aktuelle Sachstand zu dem genannten Vorgang und warum wurden scheinbar weder der Stadtbezirksrat Bothfeld-Vahrenheide noch die ihm zugeordneten Verwaltungsmitarbeiter*innen über einen solch bedeutenden Vorgang offiziell informiert?

2. Wann genau und mit welcher Begründung wurde der Baustopp beendet und wurde er nach Kenntnis der Verwaltung während des gesamten Zeitraums vollständig eingehalten? Falls nicht, welche Konsequenzen folgen für die Beteiligten daraus?
3. Welche Rückschlüsse zieht die Verwaltung aus dem genannten Vorgang für künftige Bauvorhaben, etwa mit Blick auf die Erteilung von Auflagen an Bauherren?

Die Verwaltung beantwortet die Anfrage wie folgt:

Die NLG hat zu den Fragen wie folgt Stellung genommen:
Die Baumfällungen auf dem Areal der ehemaligen Freiherr von Fritsch Kaserne sind aufgrund des flächendeckenden Kampfmittelverdachts durch die Landeshauptstadt Hannover angeordnet worden. Am 15.02.2019 erteilte die LHH die Fällgenehmigung. Am 16.02.2019 begannen die Fällarbeiten.
Die NLG hat mit der ökologischen Baubegleitung frühzeitig den Fachbereich Naturschutz der Mull und Partner Ingenieurgesellschaft mbH beauftragt. Im Vorfeld der Fällarbeiten ist das Gelände (inkl. der Baumhöhlen) auf sich in der Winterruhe befindliche Tiere untersucht worden. Igel sind nicht gefunden worden.
Am 18.02.2019 erreichte u.a. uns eine Mail der Igelfreunde Lüneburg an die UNB mit der Aufforderung, die Fällarbeiten einzustellen, da sie auf dem Gelände Igel vermuteten. Die UNB kam der Aufforderung der Igelfreunde nach und verhängte am 19.02.2019 den Baustopp. Bereits ab dem frühen Morgen des 20.02.2019 wurden alle Flächen auf das Vorkommen von Igeln untersucht. Ebenfalls am 20. Februar (16.37 Uhr) erfolgte durch die UNB die Freigabe erster - igelfreier - Bereiche, so dass die Fällarbeiten in diesen Bereichen fortgeführt werden durften. Die Suche nach Igeln in der Winterruhe wurde auf Wunsch der Igelfreunde Lüneburg am darauffolgenden Wochenende (23. und 24. Februar) unter deren Beteiligung fortgeführt. Es fanden sich jeweils ca. 8 Personen mit 3-4 ausgebildeten Igelsuchhunden auf dem Kasernengelände ein.

Die Untere Naturschutzbehörde hat diese Stellungnahme wie folgt ergänzt:
Auf dem Gelände der Freiherr-von-Fritsch-Kaserne in Bothfeld sollten mit der Begründung „Kampfmittelsondierung“ vor dem 1. März sämtliche Gehölze gerodet werden. Im Vorfeld der Fällungen wurden durch die von der Grundstückseigentümerin beauftragte Umweltbaubegleitung die Gehölze entsprechend den Auflagen in der städtischen Fällgenehmigung kontrolliert. Dabei wurde lediglich ein Siebenschläfer gefunden.

Wann die Fällarbeiten genau begannen, ist der Naturschutzbehörde nicht bekannt. Auf alle Fälle meldete sich am 18. Februar eine Anwohnerin, die auch im Igelschutz aktiv ist, mit dem Hinweis, dass auf dem Gelände eine größere Zahl von Igeln lebe.

Diese befanden sich zu der Zeit natürlich noch im Winterschlaf. Da sie dem besonderen Artenschutz unterliegen, hat die Untere Naturschutzbehörde die sofortige Einstellung der Fällarbeiten (nicht Bauarbeiten!) veranlasst.

Zum weiteren Vorgehen wurde verabredet, dass eine systematische Untersuchung aller als Winterquartier geeigneten Habitatstrukturen stattfindet. Das ist so auch geschehen, an einigen Tagen auch mit Unterstützung von fachkundigen Mitgliedern des Vereins für Igelhilfe Lüneburger Heide, zum Teil unter Zuhilfenahme von Hunden. Igel wurden nicht gefunden.

In den nach Untersuchung freigegebenen Geländeabschnitten konnten die Fällarbeiten fortgesetzt werden.