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Stellungnahme der Verwaltung zu einem Initiativantrag eines Stadtbezirksrates
ENTSCHEIDUNG:
Gedenktafel Lützowstraße 3
Sitzung des Stadtbezirksrates Mitte am 30.05.2022
TOP 9.2.2.
Beschluss
Die Verwaltung wird beauftragt eine Gedenktafel, eine Stele o.ä. in der Lützowstraße 3 zu errichten, die an die Geschichte des vormals an dieser Stelle stehenden jüdischen Gemeindehauses (ca. 1875-1943) erinnert und insbesondere die Verwendung als eines von 15 „Judenhäusern" in Hannover, in denen die jüdische Wohnbevölkerung vor der Deportation in Vernichtungslager zusammengezwungen wurde, darstellt.
Entscheidung
Dem Antrag wird gefolgt.
Im Rahmen der sogenannten „Aktion Lauterbacher“ mussten aufgrund einer Verfügung der Stadt Hannover am 3./4. September 1941 rund 1.200 Jüdinnen und Juden in Hannover ihre Wohnungen räumen. Als neue Unterkunft wies ihnen die Stadt Hannover Plätze in 15 sogenannten „Judenhäusern“ im Stadtgebiet zu, wo sie auf beengtem Raum und unter katastrophalen Verhältnissen leben mussten. Die Zwangsghettoisierung war die Vorstufe für die am 15. Dezember 1941 beginnende Deportation der hannoverschen Juden.
Angesichts der historischen Bedeutung dieser Zwangsghettoisierung für die hannoversche Stadtgeschichte wird die Aufstellung einer Gedenktafel an der Lützowstraße 3 aus Sicht der hannoverschen Erinnerungskultur ausdrücklich befürwortet. Zur Umsetzung und zur inhaltlichen Erweiterung des Stadtbezirksratsbeschluss wird folgendes Konzept vorgeschlagen:
An der Lützowstraße 3 wird, dem Antrag folgend, eine unter Federführung des ZeitZentrum Zivilcourage erarbeitete Informationstafel aufgestellt. Diese Tafel informiert zum einen über die Geschichte des historischen Orts als jüdisches Schulgebäude, die spätere Nutzung als „Judenhaus“ und das Schicksal der ehemaligen Bewohner*innen. Zum anderen wird sie die Geschichte der der hannoverschen „Judenhäuser“ ganz allgemein darstellen sowie die Planung, Durchführung und Folgen der sogenannten „Aktion Lauterbacher“ erläutern.
Innerhalb eines städtischen Gesamtkonzepts zur Erinnerung an die hannoverschen „Judenhäuser“ würden die Lützowstraße 3 und die dortige Informationstafel die Funktion eines zentralen Ortes des Gedenkens und der Information einnehmen. Die prägnante Geschichte der Lützowstraße 3 und der früheren Bewohner*innen, über die ausreichend Material vorhanden ist, sollte beispielhaft für die anderen hannoverschen „Judenhäuser“ stehen. Außerdem würde sich der Ort aufgrund der Nähe zur Innenstadt besonders als Anlaufpunkt für (pädagogische) Stadtführungen, Angehörige von Betroffenen und interessierte Bürger*innen eignen.
Zur Einbindung der weiteren 14 ehemaligen „Judenhäuser“ würden an deren ehemaligen Standorten kurze historische Informationen anhand von Stadttafeln vermittelt werden, die u.a. über einen QR-Code auf eine zentrale Webseite zur Geschichte der hannoverschen „Judenhäsuer“ verlinkt und auch noch einmal auf die Informationstafel in der Lützowstraße 3 verweist. Zu einzelnen Orten sind bereits Stadttafeln vorhanden, wie z.B. zum Jüdischen Krankenhaus (Nr. 96) bzw. in Bearbeitung, z.B. Heinemanhof (Nr. 80) oder Friedhof an der Strangriede (Nr. 181). Diese Stadttafeln bzw. die Texte müssten ggfs. inhaltlich ergänzt und mit dem QR-Code versehen werden.