Drucksache Nr. 15-1353/2023 F1:
Antwort der Verwaltung auf die
Anfrage Gibt es ausreichend Senioreneinrichtungen im Stadtbezirk Ricklingen?
Sitzung des Stadtbezirksrates Ricklingen am 22.06.2023
TOP 8.9.

Inhalt der Drucksache:

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Landeshauptstadt HannoverDrucksachen-Zeichen
An den Stadtbezirksrat Ricklingen (zur Kenntnis)
 
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15-1353/2023 F1
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Antwort der Verwaltung auf die
Anfrage Gibt es ausreichend Senioreneinrichtungen im Stadtbezirk Ricklingen?
Sitzung des Stadtbezirksrates Ricklingen am 22.06.2023
TOP 8.9.

Im Stadtbezirk Ricklingen wird die Bevölkerung im Durchschnitt immer älter. Viele Menschen möchten auch im Alter in ihrem gewohnten Quartier wohnen bleiben, benötigen aber mehr Unterstützung. Wir wollen den Stadtbezirk zukunftsfähig machen.

Wir fragen die Verwaltung:
1. Welche Einrichtungen dieser Art mit welchen pflegerischen Angeboten gibt es bereits im Stadtbezirk?
2. Gibt es in Hinblick auf den demokratischen Wandel zukünftig ausreichend Plätze?
3. Gibt es Überlegungen, dass sich die Stadt Hannover als Träger im Stadtbezirk Ricklingen engagieren wird?

Text der Antwort

Zu Frage 1.
Insgesamt gibt es zurzeit im Stadtbezirk 9 und damit 572 stationäre und 26 teilstationäre pflegerische Angebote in Einrichtungen. Ab dem 01.07.2023 reduziert sich diese Zahl auf 501 stationäre und 12 teilstationäre Plätze.
Derzeit sind die folgenden Einrichtungen mit pflegerischen Angeboten zu benennen:














Einrichtung
Anschrift
Stadtteil
Angebote
Plätze
Altenzentrum Karl Flor
Bergfeldstr. 32
Wettbergen
Stationäre Pflege, Kurzzeitpflege, Betreutes Wohnen
70 (stat.)
Lavendio Seniorenresidenz
Göttinger Chaussee 275
Ober-
ricklingen
Stationäre Pflege, Kurzzeitpflege
131 (stat.)
GDA Pflegehaus*
Düsternstr. 3
Ricklingen
Stationäre Pflege
71 (stat.)
Johanniter Stift
Kreipeweg 11
Ricklingen
Stationäre Pflege, Kurzzeitpflege, Betreutes Wohnen, Offener Mittagstisch
96 (stat.)
Seniorenpension Keppler
Nordfeldstr. 13-15
Ricklingen
Stationäre Pflege
81 (stat.)
St. Monika
Hahnensteg 53
Ricklingen
Stationäre Pflege
123 (stat.)
GDA „Tag am Deichtor“*
Düsternstr. 3
Ricklingen
Tagespflege
14 (teilst.)
Tagespflege Altenzentrum Karl Flor
Bergfeldstr. 30/32
Wettbergen
Tagespflege, Betreuungsgruppe
12 (teilst.)
* Schließung zum 01.07.2023
In den einzelnen Stadtteilen des Stadtbezirks liegen folgende Zahlen für die Einwohner*innen 60 plus Jahre und pflegerische Angebote vor (Quelle: Senior*innenplan 2021):

Stadtteil
Anzahl Einwohner*innen im Alter von 60 Jahren und älter
Pflegerische Angebote in Einrichtungen
Bornum
335
keine
Mühlenberg
1.707
keine
Oberricklingen
2.974
131 stationäre pflegerische Angebote
Ricklingen
3.551
371 stationäre pflegerische Angebote
ein Tagespflegeangebot (14 Plätze)
(ab dem 01.07. sind es 300 stationäre
pflegerische Angebote und keine
Tagespflegeplätze)
Wettbergen
4.266
70 stationäre pflegerische Angebote mit einer Tagespflege mit 12 Plätzen in einer Einrichtung
In zwei Stadtteilen gibt es somit keine pflegerischen Angebote aus Einrichtungen (Bornum und Mühlenberg) und im Stadtteil Wettbergen eine Einrichtung mit einem stationären und der einzigen Tagespflege im Stadtbezirk.
Die Stadtteile Wettbergen, Oberricklingen und Ricklingen liegen mit ihren Senior*innenanteilen 60 plus an der Gesamtbevölkerung LHH deutlich über dem Durchschnitt und gehören damit stadtweit zu den von der Alterung stark betroffenen Stadtteilen (s. dazu Senior*innenplan 2021).

Zu Frage 2.
Nach aktuellen Hochrechnungen des Statistischen Bundesamtes kann die Anzahl der Pflegebedürftigen allein durch die Alterung von derzeit rund 5 Millionen Menschen bis 2035 auf bis zu 5,6 Millionen Menschen ansteigen. Diese Entwicklung wird sich auch auf regionaler und lokaler Ebene widerspiegeln und insgesamt zu einem höheren Bedarf an Pflegeplätzen bei gleichbleibender Pflegequote, aber insbesondere auch bei anzunehmender steigender Pflegequote, führen. Ob es in Zukunft ausreichend Plätze geben wird, hängt von sehr vielen unterschiedlichen Faktoren ab und ist, insbesondere für einzelne Stadtbezirke, nicht abschließend zu beantworten. Ganz wesentlich für diese Betrachtung sind die Entwicklungen in der Trägerlandschaft der stationären Einrichtungen im Stadtgebiet. Es stellen sich in diesem Zusammenhang u.a. folgende Fragen:
- Kommt es zu weiteren Schließungen von stationären Einrichtungen?
- Werden sich Einrichtungen in den nächsten 5 – 10 Jahren neu aufstellen und quartiersnahe Versorgungskonzepte anbieten?
- Werden die Einrichtungen den ansteigenden Arbeitskräftemangel ggf. durch neue Konzeptionierungen auffangen können?
- Werden mehr Präventions- und Gesundheitsförderungsangebote aufgebaut, um die Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern?
- Welche gesetzlichen Änderungen sind in den nächsten Jahren zur Unterstützung in der stationären und ambulanten Pflege zu erwarten?
- Stehen die Pflegekassen Gesamtversorgungsverträgen aufgeschlossen gegenüber?
- Welche Priorität haben Projekte im Bereich Pflege älterer Menschen vor dem Hintergrund anderer Planungen?

Dieser Fragenkatalog erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll nur die Komplexität bei der Beantwortung der Frage nach ausreichenden Platzzahlen darstellen. Um einer möglichen fortschreitenden Entwicklung reduzierter stationärer und teilstationärer pflegerischer Angebote, insbesondere wegen Personalmangels, nicht abbildbarer Fachkraftquoten und auch aus finanziellen Gründen (z. B. auch wegen geringer Investitionskostenbeiträge in Niedersachsen), entgegenzuwirken, ist neben dem Erhalt und dem Ausbau der stationären Pflege auch die Förderung der sektorenverbindenden Versorgung maßgeblich. Das heißt, die Versorgung muss über die starren sektoralen Grenzen, stationäre Pflege und ambulante Pflege, hinausgedacht werden und sich durch moderne Quartiers- und Versorgungszentren in den Stadtbezirken neben weiteren Betreuungsangeboten verbindend in den Sozialraum und damit in die Gesellschaft einfügen.
Der beschriebene Versorgungsgedanke bedeutet in der Schlussfolgerung auch einen flexibleren Einsatz von Pflegekräften in verschiedenen vor Ort befindlichen Versorgungsformen, was mutmaßlich zu einer höheren Zufriedenheit der Arbeitskräfte in Pflegeeinrichtungen (z. B. wegen besserer Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben) und damit auch zu einer besseren Rekrutierung von Arbeitskräften führen würde.
Auch könnten die An- und Zugehörigen von pflegebedürftigen Menschen als die immer noch größte Gruppe derjenigen, die die pflegerische Versorgung sicherstellt, durch zukunftsorientierte quartiersnahe Wohn- und Versorgungskonzepte besser und gesundheitsförderlich unterstützt werden.

Zu Frage 3.
Die Stadt Hannover verfügt seit 2003 über einen Fachbereich Senioren, der aufgrund seiner Fachlichkeit sowohl die klassischen Altenhilfestrukturen als auch die pflegerischen Entwicklungen stadtweit im Blick hat und begleitet.
Die bereits in den Antworten 1 und 2 aufgezeigten Entwicklungen und auch angesprochenen Problemstellungen sind dem Fachbereich Senioren bekannt und werden entsprechend der ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten unterstützt. Beispiele hierfür sind die Schaffung von stadtbezirksweiten Angeboten sowie der Betrieb des Senioren- und Pflegestützpunkt Niedersachsen am Ricklinger Stadtweg. Es findet dabei eine Kooperation mit unterschiedlichen Anbietern im Stadtbezirk statt. Darüber hinaus erfolgt, sofern dies gewünscht und für erforderlich erachtet wird, gemeinsam mit anderen Fachbereichen die Beratung von Trägern und Investoren bei Planungen im Bestand und auch bei Neuvorhaben.