Bitte beachten Sie, dass der folgende Text eventuell medienbedingte Formatabweichungen aufweisen kann. Eine formatgetreue Abbildung des Inhalts finden Sie in der Anlage "Druckversion.pdf".
Antwort der Verwaltung auf die
Anfrage der Gruppe Die Linke/PDF Einsatz quelloffene Software
Sitzung des Stadtbezirksrates Döhren-Wülfel am 15.05.2025
TOP 4.4.
Mit Blick auf die aktuelle geopolitische Lage und der starken Abhängigkeit von Hard- und Softwareprodukten amerikanischer Firmen besteht die akute Gefahr von Sanktionen der USA gegenüber der BRD und damit auch der Stadt Hannover. Gerade auch unter Betrachtung der Sanktionen der USA gegen Venezuela 2019 und der daraus resultierenden Kündigung aller venezolanischen Konten durch Adobe.
Für die jährlichen Lizenzkosten alleine der Stadt Hannover für Microsoftprodukte in Höhe von ca. 5.000.000 € ließen sich bspw. über 50 Stellen schaffen um die Abhängigkeit von Software amerikanischer Konzernen zu reduzieren und das Geld dadurch lokal in der Region zu halten.
Daher frage ich die Verwaltung1. Sind Maßnahmen geplant oder in der Durchführung um die Abhängigkeit von amerikanischen Firmen zu reduzieren oder ganz zu beenden, wenn ja welche?
2. Wurde in der Verwaltung ein Wechsel auf freie und quelloffene Software geprüft und zu welchem Ergebnis ist man gekommen? Falls keine Prüfung durchgeführt wurde, ist eine Solche generell und im Hinblick auf die oben aufgeführten Punkte geplant?
3. Bestehen Notfallpläne falls durch einen kurzfristigen Ausfall der Hard- und Softwareprodukte, ausgelöst durch die USA oder anderer Akteure, die Nutzung bspw. sämtlicher Microsoftprodukte kurzfristig nicht mehr möglich ist?
Antwort der Verwaltung
Zu Frage 1.
Die Verwaltung hat in der Vergangenheit wiederholt den Einsatz von Open-Source-Produkten als Alternative zu Closed-Source-Anwendungen kommerzieller Marktanbieter geprüft und setzt sie dort ein, wo sich in einer Gesamtbetrachtung von Leistung und Aufwänden Vorteile herausgestellt haben. Es gibt keine aktuellen Aktivitäten um dies zu intensivieren.
Zu Frage 2.
Die Verwaltung setzt Open-Source-Produkte im Rechenzentrumsumfeld in vielfältiger Weise für die Bereitstellung von Fachanwendungen ein. Neben Linux kommen dabei viele Serverprodukte wie Apache, NGINX, Tomcat oder PostgreSQL zum Einsatz. Auf der Anwenderseite wurden Alternativen zu Microsoft Office Professional und Microsoft 365 geprüft. Diese Alternativen stehen im Bereich der gewohnten Office-Funktionen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsgrafik zur Verfügung, haben aber Nachteile bei Ergonomie und Funktionsumfang. Im Bereich von Kommunikations- und Kollaborationsfunktionen existieren über verschiedene Produkte verteilt Alternativen, die anders als Microsoft 365 keine durchgehende Nutzererfahrung bieten und funktional deutliche Nachteile haben. Mit Microsoft 365 wurde die Entscheidung für ein einheitliches Paket getroffen, das durch seine funktionsübergreifende Integration erhebliche Vorteile bei Ergonomie und Effizienz bietet. Die Anforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt können hiermit besser abgedeckt werden. Hierzu wird auch auf die Erfahrungen verwiesen, die z.B. die Stadt München hierbei gemacht hat. Ferner weisen wir darauf hin, dass es bei Softwarelösungen egal ob US-Hersteller oder Open-Source immer Abhängigkeiten und Risiken gibt. Auch bei dem Einsatz von Open Source Lösungen bestehen Risiken durch versteckten Schadcode oder Abhängigkeiten zu Dienstleistern oder Organisationen, die diese Software pflegen und weiter entwickeln.
Zu Frage 3.
Die Verwaltung befindet sich am Anfang einer Migration zu Microsoft 365. Hierbei wird neben der inhaltlichen Arbeit eine sog. Carve-Out-Strategie erstellt, innerhalb derer Planungen für eine Rückführung von IT-Prozessen aus der Cloud in einen Eigenbetrieb erarbeitet werden. Da die Cloudprodukte funktional Vorteile gegenüber den bekannten Produkten für den Eigenbetrieb bieten, wird es sich hierbei um Strategien handeln, deren Umsetzung ggfs. mit einer zumindest zeitweiligen funktionalen Einschränkung verbunden wären. Die Verwaltung erstellt hierzu neben den spezifischen Plänen für Microsoft 365 eine generelle Cloudstrategie.