Informationen:
Beratungsverlauf:
Antragsteller(in):
Gemeinsamer Antrag von SPD-Fraktion und CDU-Fraktion
Gemeinsamer Antrag von SPD-Fraktion und CDU-Fraktion
Stattdessen wird die Verwaltung beauftragt, folgende Maßnahmen umzusetzen:
Eine breite Debatte, die gehört werden muss
Seit dem Spätsommer 2025 hat die Ankündigung der Teileinziehung eine intensive öffentliche Diskussion ausgelöst. Dem Stadtbezirksrat sind zahlreiche Eingaben zugegangen – von Befürwortenden wie von Gegnerinnen und Gegnern der geplanten Sperrung. Online-Petitionen wurden auf beiden Seiten gestartet und von vielen Bürgerinnen und Bürgern unterzeichnet. Wie die Verwaltung selbst einräumt, ist eine klare Mehrheit in der Bevölkerung für die eine oder andere Entscheidung nicht erkennbar. Die Fraktionen haben in diesem Zeitraum ausführliche Gespräche mit beiden Seiten geführt, insbesondere mit der Bevölkerung vor Ort in Lahe. Im Ergebnis zeigt sich deutlich, dass die vollständige Sperrung des Laher Kamps den Alltag vieler Menschen stärker trifft, als bei der ursprünglichen Beschlussfassung absehbar war, und mit spürbaren Kollateralschäden verbunden ist. Diese Einschätzung wurde insbesondere von zahlreichen Anwohnerinnen und Anwohnern sowie den Gegnern der Sperrung eindrücklich geschildert. Gleichzeitig haben auch Befürworter der Sperrung ihre Argumente vorgetragen und halten an der ursprünglichen Zielsetzung fest. Insgesamt überwiegen jedoch die Hinweise darauf, dass eine vollständige Sperrung in ihrer jetzigen Form den Alltag vor Ort unverhältnismäßig belastet.
Kein Unfallschwerpunkt – aber ein klares Geschwindigkeitsproblem
Die Antwort der Verwaltung auf die Anfrage Nr. 15-2535/2025 hat die Lage auf Basis objektiver Daten klargestellt. Im Zeitraum von 2015 bis 2025 wurden auf dem Laher Kamp zehn Verkehrsunfälle registriert. Die Polizeidirektion Hannover, die den Vorsitz der Unfallkommission innehat, stuft den Abschnitt als „äußerst unauffällig" ein. Das Polizeikommissariat Lahe bewertet den Bereich als „weitestgehend ungefährlich". Eine Unfallhäufungsstelle existiert nicht.
Gleichzeitig belegt die Verkehrsuntersuchung aus dem Jahr 2021 ein anderes, konkretes Problem: Die V85-Geschwindigkeit liegt auf dem Laher Kamp bei rund 60 km/h. Auf einer Fahrbahn von lediglich 4,5 Metern Breite, auf der Fußgängerinnen und Fußgänger, Schulkinder, Radfahrende und Kraftfahrzeuge gemeinsam unterwegs sind, ist das ein ernst zu nehmendes verkehrliches Problem. Die Verwaltung selbst bezeichnet die Geschwindigkeitsentwicklung als „besorgniserregend". Das eigentliche Gefährdungspotenzial auf dem Laher Kamp liegt also nicht in der Existenz des Kfz-Verkehrs als solchem, sondern in seiner Geschwindigkeit und in der fehlenden Trennung der Verkehrsflächen. Genau dieses Problem adressiert der vorliegende Antrag – gezielt, verhältnismäßig und ohne einen Stadtteil vom anderen abzuschneiden.
Der Alltag der Menschen in Lahe
In den Gesprächen mit der Bevölkerung ist unmissverständlich deutlich geworden, wie stark der Laher Kamp in den Alltag der Menschen integriert ist. Familien in Lahe sind auf diese Verbindung angewiesen, um ihre Kinder täglich in Bothfelder Krippen, KITAS und Schulen zu bringen – denn entsprechende Einrichtungen fehlen in Lahe weitgehend. Ältere Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität nutzen den Laher Kamp, um Einkaufsmöglichkeiten im benachbarten Bothfeld zu erreichen, insbesondere den dortigen Einkaufspark. Für sie ist eine Umfahrung über deutlich längere Alternativstrecken keine zumutbare Option.
Darüber hinaus hat sich der örtliche Wirtschaftsverband, die Gemeinschaft Bothfelder Kaufleute, zu Wort gemeldet und eindringlich auf die wirtschaftliche Bedeutung dieser Verbindung hingewiesen. Eine dauerhafte Sperrung des Laher Kamps würde dazu führen, dass Laher Bürgerinnen und Bürger für ihre Versorgung verstärkt auf Einrichtungen außerhalb des Stadtbezirks und in Nachbargemeinden ausweichen. Das schadet der lokalen Wirtschaft in Bothfeld und schwächt den inneren Zusammenhalt des Stadtbezirks Bothfeld-Vahrenheide. Beides liegt nicht im Interesse dieses Stadtbezirksrats und der LHH.
Die Verwaltung setzt auf eine Einheitslösung – der Stadtbezirksrat auf Alternativen
Wir stellen fest, dass die Verwaltung bislang kaum Bereitschaft gezeigt hat, ernsthaft Alternativen zur Teileinziehung zu prüfen. Verwaltungsseitig wird darauf gesetzt, dass die förmliche Teileinziehung der einzig gangbare Weg ist – obwohl in Fachgesprächen deutlich wurde, dass durchaus Möglichkeiten bestehen, die Geschwindigkeitsproblematik wirksam zu adressieren, ohne den Kfz-Verkehr vollständig auszusperren. Diese Möglichkeiten wurden bislang nicht ernsthaft verfolgt, weil die Teileinziehung als gesetzter Rahmen galt und auch in den zahlreichen Anfragen im Bezirksrat wiederholt darauf hingewiesen wird. Der vorliegende Antrag korrigiert diesen Rahmen. Es ist Aufgabe des Stadtbezirksrats, den politischen Auftrag zu definieren – und dieser Auftrag lautet nun: Alternativen umsetzen, Kompromiss realisieren.
Pragmatismus statt Ideologie
Dieser Antrag versteht sich ausdrücklich nicht als politisch-ideologische Absage an den Rad- und Fußverkehr oder die Veloroutenplanung. Der Bezirksrat bekennt sich zur Förderung des Radverkehrs und zur Stärkung nachhaltiger Mobilität im Stadtbezirk.
Mit diesem Antrag wird jedoch die Entscheidung getroffen, den rund einen Kilometer langen Abschnitt des Laher Kamps nicht als Teil des Veloroutenausbaus – Strecke 03 – zu realisieren und die ursprüngliche Drucksache der Verwaltung, die Veloroute 03 – ohne den Laher Kamp als Bestandteil der Route – umzusetzen. Dennoch verfolgt dieser Antrag das Ziel den LAHER Kamp sicherer und attraktiverer für Radfahrer zu machen.
Die für diesen Abschnitt vorgesehenen Mittel sollen stattdessen für konkrete Maßnahmen eingesetzt werden, die unmittelbar wirken: ein sicherer Fußweg, eine Lichtsignalanlage an einer neuralgischen Kreuzung, die Ausweisung als Fahrradstraße einschließlich Tempo 20, eine manipulationssichere Schranke für die erweiterte Wochenendsperrung.
Das ist der Laher Kompromiss: Verkehr beruhigen, Sicherheit schaffen, Fußgängerinnen und Fußgänger auf eine eigene Trasse bringen, die lokale Wirtschaft unterstützen, die Lebensrealität und Alltag der Menschen hinreichend berücksichtigen – und dabei Lahe und Bothfeld als zusammengehörige Stadtteile erhalten.
Der Bezirksrat ist überzeugt, dass diese Lösung wirksamer, gerechter und dauerhaft tragfähiger ist als eine Radikallösung, die die Bevölkerung spaltet und den Alltag in Lahe nachhaltig erschwert.