Drucksache Nr. 15-0732/2024 F1:
Antwort der Verwaltung auf die
Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Zustand der Bäume im Ricklinger Holz
Sitzung des Stadtbezirksrates Ricklingen am 18.04.2024
TOP 5.1.

Inhalt der Drucksache:

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Landeshauptstadt HannoverDrucksachen-Zeichen
An den Stadtbezirksrat Ricklingen (zur Kenntnis)
 
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15-0732/2024 F1
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Antwort der Verwaltung auf die
Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Zustand der Bäume im Ricklinger Holz
Sitzung des Stadtbezirksrates Ricklingen am 18.04.2024
TOP 5.1.

Im Ricklinger Holz haben in den letzten Wochen umfangreiche Baumfällungen vor allem dicker, alter Eichen stattgefunden, die insbesondere im Bereich des südlichen Waldrandes sehr ins Auge fallen. Auffällig sind auch die vielen umgestürzten Bäume, insbesondere alte Eichen, mit sehr kleinen Wurzeltellern. Die Standfestigkeit hat offensichtlich stark gelitten.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Stadtverwaltung:
1. Warum hat die Stadt die Baumfällungen vorgenommen und wurde im Vorfeld die Standfestigkeit der betreffenden Bäume überprüft?
2. Wie beurteilt die Stadt den Zustand der Eichen im Ricklinger Holz allgemein?
3. Werden durch die Stadt im Ricklinger Holz gegebenenfalls sonstige Maßnahmen durchgeführt, um eine Verjüngung dieses naturnahen Auwaldes zu unterstützen?

Antwort der Verwaltung

Zu Frage 1.
Die beschriebenen Eichen im südlichen Bereich des Ricklinger Holzes waren aufgrund von Stürmen angeschoben und drohten auf benachbarte Grundstücke zu fallen. Dies war sowohl an dem angehobenen Boden rings um den Stammfuß, als auch an den nicht mehr nach oben (phototrop) wachsenden Kronenästen zu erkennen. Da solche angeschobenen Bäume nicht mehr kontrolliert werden können und somit ein mögliches Versagen jederzeit eintreten kann, mussten die Eichen umgehend gefällt werden. Solche alten Eichen werden nur zur Schadensabwehr (Verkehrssicherungspflicht) gefällt. Eine wie im Wirtschaftswald durch­geführte Zielstärkennutzung gibt es in den städtischen Wäldern nicht. Ein Grund für den augenscheinlich etwas stärkeren Holzeinschlag im Ricklinger Holz ist eine in diesem Jahr durchgeführte Durchforstung. Diese dient dazu, den verbleibenden Eichen mehr Raum für die Entwicklung einer gesunden Krone zu geben. Weiterhin wird dadurch der Konkurrenz­kampf um Nährstoffe und Wasser minimiert.

Zu Frage 2.
Die Eichen im Ricklinger Holz sind nicht mehr oder weniger geschädigt, als die Eichen in allen städtischen Wäldern. Die Dürreperioden aus den letzten Jahren und die starke Feuchtigkeit in diesem Winter haben deutliche Spuren hinterlassen. Die letztjährig durchgeführte Waldzustandserhebung zeigt unter anderem bei der Eiche nach wie vor erhebliche Schäden. 43 % der Eichen verzeichnen eine mittlere Kronenverlichtung, 6,4 % verzeichnen starke Schäden. Dennoch sind bei anderen Baumarten (Buche, Fichte) höhere Ausfallraten zu verzeichnen. Dabei hat auch das hohe Durchschnittsalter der Bäume Auswirkungen auf die Vitalität, da sich diese im Vergleich zu jüngeren Bäumen schwerer an ändernde Umweltbedingungen anpassen können und daher zu einer geringeren Vitalität neigen.

Zu Frage 3.
Der Stadtforst Hannover wird dieses Jahr in den städtischen Wäldern ca. 800 neue Eichen in verschiedenen Größen pflanzen. Die genauen Standorte der Pflanzflächen wurden noch nicht endgültig bestimmt. Die jungen Eichen können aufgrund ihres hohen Lichtbedarfs nur in relativ große Lichttrichter im Bestand gepflanzt werden. In den durch die erforderlichen Fällungen entstandenen Lücken, die zu klein für eine Aufforstung sind, wird sich Naturverjüngung einfinden. Diese besteht hauptsächlich aus den benachbarten/ angrenzenden Baumarten, die im Ricklinger Holz heimisch sind. Dazu gehören Buche, Berg- und Spitzahorn sowie Esche, Ulme und Erle. Ca. ¼ des Ricklinger Holzes ist eine Naturwaldparzelle. In diesen Parzellen soll sich der Wald selbstständig entwickeln und es wird nur bei sogenannten „Megagefahren“ eingegriffen. Eine solche stellt z.B. ein angeschobener Baum über einem Weg dar. Ansonsten können diese Waldflächen sich natürlich entwickeln und auch verjüngen. Daher werden in diesen Bereichen keine Aufforstungsmaßnahmen stattfinden. Abschließend ist zu sagen, dass der Erhalt des naturnahen Auwaldes im Ricklinger Holz gesichert ist.