Drucksache Nr. 15-0547/2023 S1:
Park- und Ladekonzept für die dicht besiedelten Wohngebiete
in der Südstadt
Sitzung des Stadtbezirksrates Südstadt-Bult am 15.03.2023
TOP 9.2.3.

Inhalt der Drucksache:

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Landeshauptstadt HannoverDrucksachen-Zeichen
An den Stadtbezirksrat Südstadt-Bult (zur Kenntnis)
An den Verwaltungsausschuss (zur Kenntnis)
 
Nr.
Anzahl der Anlagen
Zu TOP
1. Entscheidung
15-0547/2023 S1
0
 
Stellungnahme der Verwaltung zu einem Initiativantrag eines Stadtbezirksrates

Park- und Ladekonzept für die dicht besiedelten Wohngebiete
in der Südstadt
Sitzung des Stadtbezirksrates Südstadt-Bult am 15.03.2023
TOP 9.2.3.

Beschluss

Die Verwaltung wird gebeten, gemeinsam mit großen Parkflächeninhaber*innen und Ladesäulenbetreiber*innen ein Park- und Ladekonzept für die dicht besiedelten Wohngebiete in der Südstadt zu entwickeln.

Entscheidung

Dem Antrag wird nicht gefolgt.

Begründung:
Die Ablehnung des Antrags erfolgt aus mehreren Gründen. Vorrangig ist keine personelle Kapazität verfügbar, um Ladeinfrastruktur-Konzepte für einzelne Stadtteile oder Stadtbezirke zu erstellen.

Zudem gehen Stadtverwaltung und enercity beim Aufbau der Ladeinfrastruktur nicht nach einem starren Standortkonzept vor, sondern reagieren auf bekanntwerdende Bedarfe. Solche Bedarfe ergaben sich zunächst aus Örtlichkeiten, die Autofahrer*innen als Ziel dienen und Grund für eine gewisse Aufenthaltsdauer, die sogenannte Ladeweile, bieten. Dies waren in den Stadtteilen vor allem die Marktorte, die Einkaufszentren und bedeutende Erholungsgebiete wie der Maschsee. Diese Bedarfe sind zunächst weitestgehend bedient. Hinweise auf noch nicht bediente Bedarfsorte prüft die Klimaschutzleitstelle im Fachbereich Umwelt und Stadtgrün gern.

Zum anderen können mehrere Elektroauto-Nutzer*innen in enger Nachbarschaft, denen keine eigenen Stromquellen zum Laden zur Verfügung stehen, ein Grund für die Aufstellung einer öffentlich zugänglichen Ladesäule sein. Dazu müssen sich die Elektromobilist*innen bei enercity oder der Verwaltung melden. Auch hieraus sind bereits viele Ladestandorte entstanden.

Mit diesem System konnte Hannover bisher schneller als fast alle anderen Großstädte ein hinreichend dichtes Ladenetz aufbauen. Gleichzeitig wurde verhindert, dass Ladeinfrastruktur nach Plan, aber am falschen Ort aufgebaut wird. Da der Aufbau mit enercity stetig fortgesetzt wird und auch andere Akteur*innen sehr aktiv für halb-öffentliche Ladeinfrastruktur in Hannover sorgen, sollte es gelingen, das gute Ladeangebot bei steigenden Elektrofahrzeug-Zahlen zu halten. Derzeit liegt die hannoversche Quote bei gut zehn zugelassenen Elektrofahrzeugen zu einem öffentlich zugänglichen Ladepunkt (10 : 1), bundesweit empfohlen wird für Großstädte ein Verhältnis von 14 : 1 (was viele Städte nicht anbieten können).

Im Rahmen der Konzession wird bei allen Bedarfsorten zunächst geprüft, ob private, öffentlich zugängliche Parkplätze für die Installation von Ladeinfrastruktur im nahen Umkreis genutzt werden können, bevor eine Ladesäule im öffentlichen Verkehrsraum aufgestellt wird. Dazu müssten diese halb-öffentlichen Plätze 24/7 (an allen Tagen rund um die Uhr) zugänglich sein und ihre Betreiber*innen mit enercity zusammenarbeiten. Dies gelingt enercity immerhin so häufig, dass 57 % der Konzessions-Ladeinfrastruktur im halb-öffentlichen Raum betrieben werden. Zählt man die bei der Bundesnetzagentur gelistete, sonstige Ladeinfrastruktur in Hannover hinzu, sind sogar 77 % aller öffentlich zugänglichen Ladepunkte halb-öffentlich.

Folglich haben Verwaltung und enercity viele Erfahrungen mit den Betreiber*innen von großen Parkplätzen und Parkhäusern. Mit der Deutsche Messe AG und der hanova Gewerbe GmbH z. B. arbeitet enercity eng zusammen, um weitere Ladeeinrichtungen auf Messeparkplätzen und in den hanova-Parkhäusern zu installieren. Die Stadt selbst stellt gern ihre halb-öffentlichen Parkplätze bei Behörden, Bädern und Sportstätten sowie an einigen Schulen für Ladeinfrastruktur zur Verfügung, muss diese aber ausschreiben. Auch etliche hannoversche Immobilienbesitzende lassen von enercity Ladeeinrichtungen auf ihren Parkplätzen errichten.

Die meisten überregionalen Unternehmen, die lokale Einkaufszentren, Nahversorgungs- oder Fachmärkte betreiben, haben jedoch zur Ladeinfrastruktur ihre eigenen Vorstellungen und ggf. Verfahren, die sie selten mit lokalen Interessen abstimmen möchten. Wann immer die Verwaltung Kontakt zu solchen Unternehmen hat, ermuntert sie sie zum Ausbau von Ladeinfrastruktur auf ihren Parkplätzen.

Die Klimaschutzleitstelle der Stadt freut sich auf weitere Hinweise zu möglichen Bedarfsorten.