Drucksache Nr. 15-0523/2022 S1:
Erklärtafeln für das Gefallenendenkmal in Wettbergen (Hauptstraße) und die Gefalle-nendenkmale in Ricklingen (An der Bauerwiese)
Sitzung des Stadtbezirksrates Ricklingen am 03.03.2022
TOP 7.2.2.

Inhalt der Drucksache:

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Landeshauptstadt HannoverDrucksachen-Zeichen
An den Stadtbezirksrat Ricklingen (zur Kenntnis)
An den Verwaltungsausschuss (zur Kenntnis)
 
Nr.
Anzahl der Anlagen
Zu TOP
1. Entscheidung
15-0523/2022 S1
0
 
Stellungnahme der Verwaltung zu einem Initiativantrag eines Stadtbezirksrates

Erklärtafeln für das Gefallenendenkmal in Wettbergen (Hauptstraße) und die Gefalle-nendenkmale in Ricklingen (An der Bauerwiese)
Sitzung des Stadtbezirksrates Ricklingen am 03.03.2022
TOP 7.2.2.

Beschluss

Die Verwaltung wird aufgefordert, nahe den Gefallenendenkmälern in Wettbergen und in Ricklingen Erklärtafeln aufzustellen und für diese einen Text zu entwickeln. Dieser Text sollte insbesondere die Denkmale und deren Inschriften in einen historischen Kontext bringen, um in heutigen Zeiten den Bürgerinnen und Bürgern eine aktuelle Einordnung zu ermöglichen.

Der Entwurf der Texte ist dem Bezirksrat zur Beschlussfassung vorzulegen.

Entscheidung

Dem Antrag wird gefolgt.

Der Antrag der Bezirksratsfraktionen Ricklingen von SPD und Bündnis 90 / Die Grünen, die Gefallenendenkmäler in Wettbergen (Hauptstraße) und Ricklingen (an der Bauerwiese) mit Informationstafeln zu kontextualisieren, ist aus erinnerungskultureller Perspektive zu unterstützen. Denkmäler sind wichtige historische Zeichen im öffentlichen Raum mit hohem Aufmerksamkeitswert. Dies trifft insbesondere auf die Denkmäler zu, die für die Toten der beiden Weltkriege in fast allen deutschen Gemeinden errichtet worden sind, da viele Menschen persönliche Bezüge zu den Gefallenen haben. Beschriftung und Gestaltung der Denkmäler spiegeln den jeweiligen Geist der Zeit wider, zu dem die Denkmäler geplant und errichtet worden sind. So findet sich vielerorts eine monumentale Gestaltung und eine entkontextualisierte Heldenverehrung, bei der nicht berücksichtigt wird, für welche Zwecke die Soldaten kämpfen mussten. Viele Denkmäler entstammen noch einer Zeit, in der Krieg als Mittel der Politik weitgehend akzeptiert war.

Der heutige Blick auf das Gedenken an die Toten der Weltkrieg ist ein völlig anderer. Es herrscht Übereinstimmung darüber, dass ein reines Totengedenken nicht mehr zeitgemäß ist. Vielmehr wird bei Gedenkveranstaltungen auch thematisiert, welche politischen Entscheidungen zum Krieg geführt haben und welche Begleitumstände die Kriegführung hatte. Insbesondere beim Zweiten Weltkrieg, der vom nationalsozialistischen Deutschland begonnen worden ist und in dem die Wehrmacht an zahllosen Kriegs- und Menschheitsverbrechen beteiligt war, ist dies allein aus Respekt vor den Opfern des Nationalsozialismus und ihren Nachfahren zwingend. Aber es ergibt sich für ein demokratisches Gemeinwesen ebenso aus der Notwendigkeit, aus historischen Vorgängen zu lernen, um die Demokratie zu verteidigen und zu festigen.

Aus diesen Gründen heraus, ist die beantragte Kontextualisierung der Gefallenendenkmäler in Wettbergen und Ricklingen zu begrüßen, weil dadurch deutlich gemacht wird, dass die demokratische Gesellschaft im Sinne der Stärkung eines kritischen Geschichtsbewusstseins mit diesen Hinterlassenschaften umgeht.

Die konkrete Erarbeitung eines Textentwurfs ist ein mehrstufiger Prozess, der aus Grund- und Detailrecherche, Festlegung der darzustellenden Themen und der Textmenge, Auswahl geeigneter Abbildungen sowie redaktioneller Bearbeitung besteht. Angesichts der knappen Personalressourcen und der Fülle der zu erledigenden Aufgaben kann die Erarbeitung der Informationstafeln jedoch in diesem Jahr von der Verwaltung nicht geleistet werden. Die Erarbeitung eines Textentwurfs im Verlauf des 1. Halbjahrs 2023 wird in die Arbeitsplanung aufgenommen.