Informationsdrucksache Nr. 1345/2011:
Sachstandsbericht zum Thema Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Transgender im Alter

Inhalt der Drucksache:

Bitte beachten Sie, dass der folgende Text eventuell medienbedingte Formatabweichungen aufweisen kann. Eine formatgetreue Abbildung des Inhalts finden Sie in der Anlage "Druckversion.pdf".
Landeshauptstadt HannoverInformationsdrucksache-ZeichenInformationsdrucksache
In den Sozialausschuss
In den Gleichstellungsausschuss
 
Nr.
Anzahl der Anlagen
Zu TOP
 
1345/2011
0
 

Sachstandsbericht zum Thema Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Transgender im Alter

1. Ratsauftrag
Mit Ratsbeschluss Nr. 2452/2008 wurde die Verwaltung beauftragt, unter Einbeziehung möglichst vieler Beteiligter in der Seniorenarbeit ein Konzept zum Thema Homosexualität, Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Transgender im Alter zu erarbeiten (im Folgenden mit LSBT oder LSBT-Community bezeichnet).
Ziel sollte ein verbessertes Verständnis auf allen beteiligten Seiten sein.

In Gang gesetzt werden sollte daher ein eher längerfristiger Prozess, insoweit kann über einen gelungenen Start berichtet und der Ratsauftrag als erfüllt angesehen werden. Das Konzept kann nicht in einer abzuarbeitenden Checkliste bestehen, sondern ist zu verstehen als strukturierter ständiger Dialog möglichst vieler Beteiligter in der Seniorenarbeit mit und über LSBT, um mehr Bewusstsein zu schaffen und oft unbewusste Ausgrenzungen der LSBT zu vermeiden. Dazu gehören auch besondere Angebote und Veranstaltungen für und mit der älteren LSBT-Community. Intendiert ist letztlich eine offenere und tolerantere Haltung gegenüber LSBT in der Stadtgesellschaft, dies ist eher als Daueraufgabe zu verstehen. Von daher kann nur ein Sachstandsbericht über bisherige Schritte und weitere Planungen gegeben werden.

2. Feldbeschreibung
Der demografische Wandel mit dem die Gesellschaft umzugehen hat, wird häufig mit den Schlagworten „älter, weniger und bunter“ umschrieben. Damit verbunden sind steigende Lebenserwartung, sinkende Geburtenziffern und eine zunehmende Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund. Zum Erscheinungsbild des demografischen Wandels gehören aber auch selbstbewusste ältere Menschen, die ihre Bedürfnisse, Wünsche, Ideen und Neigungen stärker zum Ausdruck bringen, als dies vor einigen Jahren noch der Fall war. Auch ältere Menschen der LSBT -Community, die vormals vielen Ausgrenzungen ausgesetzt waren, werden zunehmend selbstbewusster und bringen ihre Vorstellungen von einem würdevollen, frei von Diskriminierungen und Ausgrenzungen bestimmten Leben in unterschiedlichen gesellschaftlichen Zusammenhängen ein.
Dennoch darf nicht verkannt werden, dass gerade ältere LSBT in der Vergangenheit häufig mit Intoleranz, Verstoßensein aus einem überwiegend heterosexuell geprägten Arbeits- und Wohnumfeld sowie mit Einsamkeit zu tun hatten und auch im Alter immer noch haben. Manche Ältere aus der LSBT-Community verloren Freunde durch Aids. Viele LSBT leiden unter Alterseinsamkeit, da in der Regel keine Nachkommen und oft nur wenige Familienangehörige vorhanden sind. Die Angebote der Seniorenarbeit grenzen die älteren LSBT zwar nicht bewusst aus, sind aber für ältere LSBT (gefühlt) oftmals nicht attraktiv, nur ganz vereinzelt sind Angebote auf diese Personen zugeschnitten. Um hier Lücken zu schließen, muss die ältere LSBT-Community bewusst in den Blick genommen werden und es sind für diese Community besondere, zielgruppenorientierte Angebote zu entwickeln.

3. Gründung des Arbeitskreises gleichgeschlechtliche Beziehungen im Alter
Nach zunächst interner Vorbereitung hat die Verwaltung zu Beginn des Jahres 2010 alle stationären Pflegeeinrichtungen, ambulanten Pflegedienste, Einrichtungen des Seniorenwohnens und verschiedene Beratungsstellen angeschrieben, um Interessensbekundungen für einen Arbeitskreis „gleichgeschlechtliche Beziehungen im Alter“ einzuholen.
Einige der angeschriebenen Akteure meldeten ihr Interesse an einer Mitwirkung in einem solchen Arbeitskreis an. Daraufhin kam es im Mai 2010 zur Gründung des Arbeitskreises, dem etwa 20 Teilnehmende unterschiedlicher Institutionen angehören. Vertreten sind die stationäre und ambulante Pflege, die Pflegeausbildung, pro familia-Landesverband Niedersachsen, die Beratungsstelle Hannover-Osterstraße, Befah e. V., Seniorenwohneinrichtungen sowie Verbände der LSBT-Community und die Landeshauptstadt (LHH) mit dem Kommunalen Seniorenservice Hannover (KSH – OE 57.2), den städtischen Alten- und Pflegezentren (OE 57.3) und den Ansprechpartner/Innen für Lesben und Schwule (OE 18.F).

Seitdem kommt der Arbeitskreis zu regelmäßigen Sitzungen zusammen.
In den ersten Sitzungen wurden zunächst Informationen ausgetauscht, um bei allen Beteiligten einen etwa gleichen Wissensstand beim Thema ältere LSBT zu erreichen. In diesem Zusammenhang wurden weitere Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner aus dem städtischen Umfeld benannt und angefragt. Eine Literaturauswahl ist erarbeitet und allen Interessierten zur Verfügung gestellt worden.
Im Arbeitskreis ist das nachfolgend näher beschriebene World-Café ausgearbeitet worden, um die spezifischen Bedürfnisse der älteren LSBT-Community zu bestimmten Fragestellungen zu erfragen und anschließend zu bearbeiten.


4. „Selbstverständlich selbstbewusst“, World-Café am 4. Februar 2011
Um zielgruppenorientierte Aktivitäten für ältere LSBT durchführen zu können, wurden mit der Methode „World-Café“ die Bedürfnisse der Zielgruppe, deren Erfahrungen, Erwartungen und Anregungen zu zuvor im Arbeitskreis formulierten Fragestellungen erfragt. Die Diskussionsergebnisse der Veranstaltung sind festgehalten und im Internet unter www.seniorenberatung-hannover.de unter der Rubrik „Nachrichten“ sowie auf www.hannover.de abrufbar.

Die Ergebnisse des World-Café werden von den Teilnehmenden des Arbeitskreises inhaltlich ausgewertet und fließen, soweit möglich, in Maßnahmen und Projekte ein. So ist beispielsweise der Wegweiser für Schwule und Lesben in Hannover mit dem Internetberatungsführer (IBF) des KSH verlinkt worden, das Regenbogensymbol der LSBT-Community wird im Veranstaltungskalender und im IBF aufgenommen, so dass erkennbar wird, bei welchen Veranstaltungen und Themenbereichen ein Schwerpunkt auf ältere LSBT gelegt wird. Benannt wurde ein besonderer Bedarf (auch Informationsbedarf) an Veranstaltungen für ältere LSBT, daher werden Veranstaltungen ausschließlich für ältere LSBT in den Veranstaltungskalender aufgenommen. Die Mitarbeitenden des KSH werden über ein entsprechendes Schulungsprogramm informiert und sensibilisiert. Der Sportverein Leinebagger der LSBT-Community wird bei der Erstellung der stadtweiten Informationsflyer „Bewegte Begegnung“ einbezogen. Im Arbeitskreis „Wohnen im Alter“ wirkt eine Interessensvertreterin der LSBT-Community mit. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und dem damit einhergehenden Anstieg der Zahl älterer Menschen innerhalb der Bevölkerung ist es erforderlich, sich zunehmend auch mit Fragenstellungen pflegebedürftiger LSBT und deren Angehörigen zu befassen. Damit ist dem Thema „Pflege älterer LSBT“ und dem sensiblen Umgang mit älteren LSBT zukünftig sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Auch hier werden Schulungen und Informationsveranstaltungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zukünftig stattfinden.
Die Ergebnisse des World-Cafés führten auch dazu, dass sich der Deutsche Verband für Leitungskräfte für Alten- und Behinderteneinrichtungen in Niedersachen stärker als bisher diesem Thema öffnen und entsprechende Kompetenzen auf allen Hierarchieebenen ausbilden wird.

Am 31.05.2011 hat die Koordinatorin des Arbeitskreises „gleichgeschlechtliche Beziehungen im Alter“ des KSH auf einer Fachtagung zum Thema „Sexualität in der Altenpflege“ (veranstaltet vom pro familia-Landesverband Niedersachsen und der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V. - LVG) im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit anderen Institutionen über die Arbeit des Arbeitskreises, die Ergebnisse des World-Cafés und die weitere Vorgehensweise mit dem Thema ältere LSBT berichtet. Die Teilnehmenden der Fachtagung haben diesen Beitrag zu älteren LSBT positiv kommentiert und stellten Fragen zu weiteren Planungen des Arbeitskreises.


5. Maßnahmen für die städtische Seniorenarbeit
(umgesetzt bzw. zur Umsetzung vorgesehen)
· Änderungs- und Ergänzungswünsche der Teilnehmenden des Arbeitskreises zum Internetberatungsführer des KSH www.seniorenberatung-hannover.de können an das Funktionspostfach 57.2P@Hannover-Stadt.de übermittelt werden.

· Das Regenbogensymbol wird auf die Startseite der genannten Website als öffentliches Zeichen einer toleranten Haltung gegenüber LSBT aufgenommen. Konkrete Angebote für LSBT Menschen, die uns gemeldet werden, stellt das Redaktionsteam der Website an entsprechender Stelle mit Symbol ein.

· Zur Sensibilisierung im Umgang mit älteren LSBT wird eine Fortbildung der Mitarbeitenden sowohl in den städtischen Alten- und Pflegeheimen als auch im KSH stattfinden.

· Der schwul-lesbische Wegweiser für die Stadt Hannover wird mit der Website des KSH verlinkt und der KSH trägt sich im schwul-lesbischen Wegweiser ein.

· Angebote für ältere LSBT werden von den Teilnehmenden des Arbeitskreises an den KSH übermittelt, finden Aufnahme in den Informationsbroschüren und –flyern des KSH und werden mit dem Regenbogensymbol deutlich gemacht.

· Der KSH wird seine Angebotsstruktur soweit möglich, um Generationen gemischte und geschlechtsspezifische Angebote erweitern. Es soll mindestens ein weiteres Angebot mit Austauschcharakter für ältere LSBT Menschen geschaffen werden, so dass ein gegenseitiges Kennenlernen möglich ist.

· Soweit künftig Pflegestützpunkte eingerichtet werden, könnten auch dort Fachberatungen zu LSBT Themen angeboten werden. Die Themen würden im Arbeitskreis für die relevanten Stadtbezirke festgelegt.

· Um bürgerschaftliches Engagement von Lesben für ältere Lesben wird noch stärker als bisher geschehen geworben. Angebote für ehrenamtliches Engagement für LSBT werden gemeinsam mit dem Arbeitskreis entwickelt.
6. Weitere Planungen

Das Thema „Wohnen im Alter“ wird in der nächsten Sitzung des Arbeitskreises am 30.06.2011 behandelt.

Voraussichtlich im Juli oder August 2011soll ein Informationsbrief an alle Teilnehmenden des World-Café verschickt werden, mit dem über die Planungen auf der Grundlage der Dokumentation des World-Café und über die bereits erfolgten Umsetzungen berichtet wird.

Ab September 2011 wird mit der Planung und Organisation eines Fachtages „Ältere LSBT in der Stadt Hannover“ (Arbeitstitel), der Anfang 2012 stattfinden soll, begonnen. Der Fachtag richtet sich an Vertreterinnen und Vertreter der LSBT-Community sowie bundesweit tätiger LSBT-Institutionen. Inhaltlich wird sich der Fachtag mit den Themenstellungen aus dem World-Café befassen (Information und Netzwerke, Wohnen im Alter sowie stationäre und ambulante Pflege). Beispiele guter Praxis sollen in Foren vorgestellt werden.


7. Schlussbemerkung
Das Thema ältere LSBT wird im Arbeitskreis kontinuierlich weiter behandelt, findet dadurch
auch Platz und Raum in der alltäglichen Arbeit nicht nur des Fachbereiches Senioren.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Das Thema betrifft prinzipiell Frauen und Männer gleichermaßen, nimmt jedoch insbesondere die LSBT-Community in den Blick.

Kostentabelle

Eine Entscheidung über Kosten ist mit diesem Bericht nicht verknüpft.

57 
Hannover / Jun 9, 2011