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Antwort der Verwaltung auf die
Anfrage der CDU-Fraktion zu Alkoholproblemen im Alter
in der Ratssitzung am 17.06.2010, TOP 2.3.5.
Seit geraumer Zeit wird diskutiert, dass die Alkoholkrankheit in zunehmendem Maße auch ältere Menschen betrifft und dass möglicherweise zunehmend auch Senioren unter Alkoholproblemen leiden. Möglicherweise kompensieren Senioren damit altersspezifische Belastungen wie z.B. soziale Isolation.
Wir fragen daher die Verwaltung:
1. Hat die Stadtverwaltung ein Alkoholproblem unter älteren Bürgern festgestellt? Wenn ja, wie schätzt die Stadtverwaltung die Situation in Hannover ein?
2. Führt die Stadtverwaltung spezifische Programme zur Bekämpfung von Alkoholismus im Alter durch? Wenn ja, welche?
3. Bestehen fachliche Sensibilisierungen der in der Altenhilfe tätigen Fachkräfte für den Problemkreis „Sucht im Alter“?
Jens Seidel
Vorsitzender
Text der Antwort
Wie Sie alle wissen, ist problematischer Alkoholkonsum ein gesamtgesellschaftliches Thema; auch wenn zuletzt immer besonders Jüngere im Focus der Diskussion standen, sind grundsätzlich auch ältere Menschen betroffen. Im letzten Bericht zur Sucht- und Drogenproblematik in Hannover wurde den Senioren bereits ein eigener Abschnitt gewidmet, sowohl unter dem Gesichtspunkt der Alkoholabhängigkeit als auch unter dem bei Senioren noch gewichtigerem Gesichtspunkt der Medikamentenabhängigkeit.
Die Gründe für eine Suchtproblematik im Alter sind vielschichtig; in der Anfrage wird mit der möglichen Gefährdung durch soziale Isolation einer davon bereits benannt. Wenn Sie wissen, dass 54 % aller Haushalte in der Stadt aus nur einer Person bestehen, dann ahnen Sie zumindest auch die Dimension dieses Faktors. Immer mehr Senioren leben allein in einer eigenen Wohnung, können sich sozialer Kontrolle daher leichter entziehen, depressive Stimmung auf Grund von Verlust der Partnerin/des Partners oder des sozialen Umfeldes wird dann nicht selten mit Alkohol oder Medikamenten zu bekämpfen versucht. Hinzu tritt, dass die Abstinenzquote in den jetzt alt werdenden Jahrgängen abnimmt, und die Medizin auch langjährig Alkoholabhängigen die Verlängerung der Lebenszeit ermöglicht. Dies vorausgeschickt, beantworte ich die einzelnen gestellten Fragen noch wie folgt:
Antwort zu Frage 1:
Es ist grundsätzlich nicht Aufgabe der Stadtverwaltung, Gesundheitsdaten der Bevölkerung – und dazu gehört auch z. B. eine Alkoholkrankheit – zu erheben. Wie eingangs bemerkt, ist allerdings davon auszugehen, dass ein Alkoholproblem auch bei Senioren in Hannover existiert. Allerdings sind dazu keine belastbaren statistischen Erhebungen bekannt. Es gibt eher die vage Schätzung, dass zwischen 0,5 und 1 % der Senioren ein deutliches Alkoholproblem haben, hinzugerechnet werden muss noch eine wahrscheinlich größere Gruppe mit immerhin riskantem Alkoholverbrauch. Das würde bedeuten, dass für Hannover geschätzt mit mehr als 2.000 älteren Menschen mit mindestens riskantem Alkoholgebrauch gerechnet werden müsste.
Auch unter den Bewohnerinnen und Bewohnern der städtischen Alten- und Pflegezentren gibt es alkoholkranke Menschen, bei den demenziell Erkrankten leidet ein Teil am sogenannten Korsakow-Syndrom, welches durch Alkoholmissbrauch hervorgerufen wird. Bereits im ausführlichen Aufnahmegespräch und durch Biographieerfassung wird in der stationären Pflege festgehalten, ob Süchte vorhanden sind, um diese gegebenenfalls in der Planung der Pflege und Betreuung berücksichtigen zu können.
Antwort zu Frage 2:
Nein, die Alkoholproblematik ist dem Bereich Gesundheit zuzuordnen, auf diesem Feld hat die Stadtverwaltung keine speziellen Kompetenzen oder Zuständigkeiten. Gefordert sind hier die Organisationen des Gesundheitswesens, z. B. die Krankenkassen, die Ärzteschaft oder auch das öffentliche Gesundheitswesen. Auch bei alkoholkranken Bewohnerinnen und Bewohnern in den städtischen Alten- und Pflegezentren findet eine bedarfsgerechte pflegerische Versorgung, aber keine spezielle Suchttherapie statt, da Therapieerfolge regelmäßig nicht zu erwarten wären. Die von der Stadt geförderten Maßnahmen der Altenhilfe und die Arbeitsschwerpunkte der offenen Seniorenarbeit im Kommunalen Seniorenservice des Fachbereiches Senioren zielen aber darauf ab, einer Vereinsamung älterer Menschen entgegen zu wirken und entfalten insoweit auch präventiven Charakter. Zu nennen sind hier die zahlreichen Gruppenangebote, aber auch der Partnerbesuchsdienst und die Alltagsbegleitung nach Krisenintervention: Aufgabenfelder, in denen in hohem Maße ehrenamtliches Engagement zum Tragen kommt.
Antwort zu Frage 3:
Ja, das Thema „Sucht im Alter“ ist Gegenstand in der Aus- und Fortbildung und im fachlichen Austausch insbesondere bei den in der Krisenintervention des Fachbereichs Senioren tätigen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern und bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der stationären Pflege. Die Sensibilisierung zur Suchtproblematik ist auch Gegenstand der Altenpflegeausbildung.
Der Kommunale Seniorenservice und die städtischen Alten- und Pflegezentren sind mit der Step gGmbH Partner bei einem federführend von der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin erarbeiteten Projekt mit dem Titel: „Kompetenzentwicklung Sucht- und Altenhilfe Hannover“.
Dieses Projekt befindet sich in der Phase, die für die Durchführung notwendigen Projektmittel einzuwerben; das Bundesministerium für Gesundheit hat zu diesem Generalthema gerade eine Projektausschreibung eröffnet. Die Verwaltung hofft, hier partizipieren zu können.