Drucksache Nr. 1318/2026:
Einrichtung des Projekts @home – zur Unterstützung junger volljähriger Menschen bei drohender oder bestehender Wohnungslosigkeit in der Landeshauptstadt Hannover

Informationen:

verwandte Drucksachen:

1318/2026 (Originalvorlage)

Beratungsverlauf:

  • 22.06.2026: Jugendhilfeausschuss: Einstimmig
  • 17.09.2026: Ausschuss für Integration Europa und Internationale Kooperation (Internationaler Ausschuss)
  • Zukünftig: Sozialausschuss
  • Zukünftig: Ausschuss für Haushalt Finanzen Rechnungsprüfung Feuerwehr und öffentliche Ordnung
  • Zukünftig: Verwaltungsausschuss
  • Zukünftig: Ratsversammlung

Inhalt der Drucksache:

Bitte beachten Sie, dass der folgende Text eventuell medienbedingte Formatabweichungen aufweisen kann. Eine formatgetreue Abbildung des Inhalts finden Sie in der Anlage "Druckversion.pdf".
Landeshauptstadt HannoverBeschlussdrucksache-ZeichenBeschlussdrucksache
In den Jugendhilfeausschuss
In den Sozialausschuss
In den Ausschuss für Integration, Europa und Internationale Kooperation (Internationaler Ausschuss)
In den Ausschuss für Haushalt, Finanzen, Rechnungsprüfung, Feuerwehr und öffentliche Ordnung
In den Verwaltungsausschuss
In die Ratsversammlung
 
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1318/2026
 

Einrichtung des Projekts @home – zur Unterstützung junger volljähriger Menschen bei drohender oder bestehender Wohnungslosigkeit in der Landeshauptstadt Hannover

Antrag,

1. die Einrichtung und Umsetzung des Projektes „@home“ zur Unterstützung junger volljähriger Menschen im Alter von 18 bis 21 Jahren, die von Wohnungslosigkeit bedroht oder bereits wohnungslos sind, für den Zeitraum vom 01.08.2026 bis 31.12.2028,

2. die Umsetzung der dafür erforderlichen organisatorischen Maßnahmen sowie

3. die Gewährung einer Zuwendung in Form eines Zuschusses zu den für die Durchführung des Projektes notwendigen Ausgaben bis zu einer Höhe von 1.329.166,66 Euro (2026: 229.166,66 Euro, 2027: 550.000,00 Euro, 2028: 550.000,00 Euro) an die Pro Beruf GmbH und die Jugendberufshilfe Diakonie Hannover gGmbH (juniver)

zu beschließen.

Die Förderung des Projektes steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung der Haushaltssatzungen für die Haushaltsjahre 2027 und 2028.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Die finanzierte Maßnahme richtet sich an junge Volljährige im Alter von 18 bis 21 Jahren unabhängig ihres Geschlechts und ihrer Herkunft.

Ergebnis der Klimawirkungsprüfung

Der Vorgang wird als klimaneutral bewertet.

Kostentabelle

Darstellung der zu erwartenden finanziellen Auswirkungen in Euro:
Teilergebnishaushalt 51 - Investitionstätigkeit
Produkt 36303
Jugendschutz
Angaben pro Jahr
Ordentliche ErträgeOrdentliche Aufwendungen
Zuwendungen und allg. Umlagen €0.00
Sonstige Transfererträge €0.00
Öffentlichrechtl. Entgelte €0.00
Privatrechtl. Entgelte €0.00
Kostenerstattungen €0.00
Auflösung Sonderposten (anteilige Zuwendungen) €0.00
Sonstige ordentl. Erträge €0.00
   
   
Personalaufwendungen €0.00
Sach- und Dienstleistungen €0.00
Abschreibungen €0.00
Zinsen o.ä. (TH 99) €0.00
Transferaufwendungen €229,166.66
Sonstige ordentliche Aufwendungen €0.00
   
Saldo ordentliches Ergebnis -€229,166.66
Außerordentliche Erträge €0.00
   
Erträge aus internen Leistungsbeziehungen €0.00
Außerordentliche Aufwendungen €0.00
  
Aufwendungen aus internen Leistungsbeziehungen €0.00

Im Jahr 2026 belaufen sich die Aufwendungen zunächst auf rund 229.200 €, wie in der Kostentabelle dargestellt.

Übersicht der Laufzeit:

Haushaltjahr
Kosten Pädagogik
Kosten Sicherheitsdienst
Gesamtkosten
08/2026
145.833,33 €
83.333,33 €
229.166,66 €
2027
350.000,00 €
200.000,00 €
550.000,00 €
2028
350.000,00 €
200.000,00 €
550.000,00 €
Gesamt
845.833,33 €
483.333,33 €
1.329.166,66 €

Die Kosten des Projektes für den Zeitraum 01.08.2026 – 31.12.2028 belaufen sich insgesamt auf 1.329.166,66 Euro. Hiervon entfallen 845.833,33 Euro auf die pädagogische Begleitung der jungen Menschen durch juniver und Prof Beruf und 483.333,33 Euro auf den Sicherheitsdienst.

Gegenfinanziert wird das Vorhaben in jedem Jahr durch zentrale Zahlungen der Region Hannover (vgl. Drucksache 0772/2025).

Das Objekt Cäcilienstraße 5 ist vom Fachbereich 56 seit 02.03/13.03.2012 und aktuell bis 31.05.2029 zum Zweck der Unterbringung angemietet und in Nutzung und wird für das Projekt zur Verfügung gestellt. Die Kosten für Miete, Instandhaltung und Reinigung werden entsprechend vom Fachbereich 56 übernommen. Die Verträge dazu sind aufgrund des bereits in Nutzung befindlichen Objekts für den benannten Zeitraum geschlossen und daher nicht Teil des Beschlusses. Mit der Drucksache wird die Nutzung des Objekts im angegebenen Projekt beschlossen. Die bis dato im Objekt untergebrachten 12 Personen erhalten mit Beschluss eine Neuzuweisung in andere Objekte, um die Nutzung für die benannte Zielgruppe der 18-21-Jährigen sowie als Notschlafstelle zu ermöglichen.

Begründung des Antrages

1. Ausgangslage


In der Landeshauptstadt Hannover besteht eine Versorgungslücke für junge Erwachsene zwischen 18 und 21 Jahren, die von Obdachlosigkeit bedroht oder betroffen sind. Hierzu zählen insbesondere junge Menschen in prekären Lebenslagen, Careleaver*innen sowie junge Geflüchtete mit gesichertem Aufenthaltsstatus.

Die Gründe hierfür sind vielfältig, z.B. finanzielle Probleme, seelische Probleme, Drogengebrauch, familiäre Konflikte usw. Durch diese Problemlagen geraten junge Volljährige (18- bis 21-Jährige) in die Situation der Wohnungslosig- und Obdachlosigkeit. Häufig kann diese Situation durch Übernachtungen bei Bekannten (“Couchhopping”) eine Weile kompensiert werden. Allerdings steht diese Ressource irgendwann nicht mehr zur Verfügung und reguläre Wohnmöglichkeiten sind nur sehr schwer für diese jungen Menschen zu finden.

Betroffene Personen benötigen einen geschützten Wohnraum sowie intensive sozialpädagogische Begleitung, um soziale Schwierigkeiten zu überwinden und eine gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Bestehende Angebote der Wohnungslosenhilfe werden von dieser Zielgruppe oft gemieden, da sie nicht spezifisch auf ihre Bedarfe ausgerichtet sind.

Fehlende Tagesstruktur, abgebrochene Bildungsbiografien, psychosoziale Belastungen sowie ungeklärte Leistungsansprüche erschweren die nachhaltige Integration in Wohnraum, Ausbildung und Arbeit.

Für junge Volljährige bestehen spezifische Bedarfe, insbesondere im Hinblick auf Verselbstständigung, Persönlichkeitsentwicklung, schulische und berufliche Integration sowie Stabilisierung sozialer Beziehungen. Die bisherigen Hilfestrukturen decken diese jugendhilfespezifischen Anforderungen nicht ausreichend ab.

Vor diesem Hintergrund ist eine passgenaue Ergänzung des bestehenden Jugendhilfe-Systems erforderlich.

Die Fachbereiche 51 Jugend und Familie, 56 Gesellschaftliche Teilhabe und 50 Soziales haben dazu nun gemeinsam mit den in der Jugendhilfe langjährig erfahrenen Trägern juniver Jugendberufshilfe Diakonie Hannover gGmbH und Pro Beruf GmbH das Angebot "@home" entwickelt, um diese Lücke zu schließen.

Das Angebot richtet sich an alle jungen Menschen aus der genannten Zielgruppe, die sich im Stadtgebiet der Landeshauptstadt Hannover aufhalten.


2. Zielsetzung des Projekts „@home“


Ziel des Projekts ist es, Wohnungslosigkeit bei jungen volljährigen Menschen frühzeitig zu verhindern bzw. nachhaltig zu beenden. Dabei stehen folgende Leitziele im Mittelpunkt:

· Schaffung eines niedrigschwelligen Schutzraums in akuten Krisenlagen

· Stabilisierung der Lebenssituation

· Entwicklung und Festigung von Wohnfähigkeit

· Aufbau einer tragfähigen Tagesstruktur

· Förderung schulischer und beruflicher Perspektiven

· Nachhaltige Integration in eigenen Wohnraum sowie in Ausbildung oder Beschäftigung


Das Projekt orientiert sich am Housing-First-Ansatz: Wohnraum wird als Grundlage für Stabilisierung und Integration verstanden.




3. Projektbausteine


Das Angebot beinhaltet zwei Projektbausteine:

1.) Notschlafstelle (3 Plätze)

2.) Wohnen im “Safe Space” @home (15 Plätze)





3.1 Notschlafstelle (3 Plätze)
Es wird ein niedrigschwelliger und sicherer Übernachtungsort als Schutzmaßnahme zur unmittelbaren Gefahrenabwehr mit insgesamt drei Plätzen für junge Volljährige eingerichtet, die sich in akuten Krisen- und Notlagen befinden und nirgendwo anders unterkommen können.

Ziel ist die kurzfristige Stabilisierung und Perspektivklärung durch die vor Ort installierte sozialpädagogische Begleitung. Hier kann die Jugendhilfe mit den jungen Erwachsen unkompliziert und vertrauensvoll in Kontakt kommen und ihnen Hilfe und Unterstützung bei der Bewältigung ihrer individuellen Problemlagen anbieten.

Die Belegungen der Zimmer erfolgt konkret über die Straßensozialarbeit OE 51.52, die dann die untergebrachten Personen sozialpädagogisch begleitet.


3.2 Wohnen in der betreuten Wohngemeinschaft Cäcilienstraße 5 - „Safe Space“ (15 Plätze)


Ergänzend zur Notschlafstelle werden 15 Plätze als betreute Wohngemeinschaft in der Cäcilienstraße 5 in fünf Wohnungen mit jeweils drei Plätzen geschaffen. In diesen geschützten Entwicklungsräumen können die jungen Menschen zur Ruhe kommen, Kraft schöpfen und sich sicher fühlen. Hier verbinden sich privater Rückzugsraum und gemeinschaftliches Miteinander.

Die Unterbringung in der betreuten Wohngemeinschaft in der Cäcilienstraße 5 ist zeitlich auf max. 6 Monate befristet. In dieser Zeit soll für die Bewohner*innen eine Perspektivklärung stattfinden. Zudem sollen sie auch schrittweise an ein eigenverantwortliches Wohnen in der eigenen Wohnung herangeführt werden.

Durch die sozialpädagogische Betreuung vor Ort entsteht ein Umfeld, in dem Selbstbestimmung, Achtsamkeit und gegenseitiger Respekt im Mittelpunkt stehen.

Die sozialpädagogischen Fachkräfte betreuen die jungen Erwachsenen montags bis freitags von 12:00 Uhr bis 20:00 Uhr. Die Betreuung an Wochenend- und Feiertagen wird über eine Rufbereitschaft sichergestellt.

Ein Sicherheitsdienst vor Ort wird Sorge tragen, dass sich keine unbefugten Personen Zugang zur Einrichtung verschaffen können. Nur so können zudem auch der Handel mit Drogen, gewalttätige Konflikte oder andere, potentiell eskalierende Situationen verhindert bzw. eingehegt werden.

Der Sicherheitsdienst ist montags bis donnerstags von 18:00 Uhr bis 12:00 Uhr vor Ort. Von freitags 18:00 Uhr bis montags 12:00 Uhr ist er ebenfalls durchgängig vor Ort, ebenso an Feiertagen.

Die Zuweisung in die betreute Wohngemeinschaft erfolgt über OE 56.2 in Kooperation mit OE 51.2.

4. Ergänzende Angebote

4.1 Jugendwerkstattmaßname

An das Projekt @home wird eine Jugendwerkstattmaßnahme angebunden, welche das Ziel verfolgt, durch


· die Beschäftigung und Qualifizierung mit den Schwerpunkten Handwerk und Hauswirtschaft,

· die Unterstützung bei der Planung der schulischen oder beruflichen Abschlussperspektiven sowie

· durch das Training lebenspraktischer Fähigkeiten


eine verlässliche Tagesstruktur aufzubauen und alltagspraktische Kompetenzen zu vermitteln.

Dieses Angebot ist nicht Gegenstand des Projektes @home, ist aber eine sinnvolle und notwendige Ergänzung, um eine Tagesstruktur und eine berufliche Orientierung sicherzustellen.

Die Umsetzung der Maßnahme erfolgt am Standort Cäcilienstraße 5.

Dieses Angebot wird durch eine Kofinanzierung von OE 50.4 Beschäftigungsförderung realisiert und ist daher nicht Bestandteil der Projektkosten @home.


4.2 Mobile Wohnbetreuung


Die sozialpädagogische Begleitung “Wohnbetreuung” erfolgt sowohl in den Projektwohnungen als auch – nach Umzug – im eigenen Wohnraum. Ziele sind insbesondere die Entwicklung und Stabilisierung von Wohnfähigkeit, Unterstützung im Umgang mit Vermieter*innen, Konfliktbearbeitung im Wohnumfeld sowie die nachhaltige Vermeidung erneuter Wohnungslosigkeit.

Die mobile Wohnbetreuung ist nicht Gegenstand des Projektes @home, aber ein logischer Folgeschritt, um den eigenen Wohnraum zu sichern. Die mobile Wohnbetreuung erfolgt z.B. durch die Leine Lotsen des Diakonischen Werkes, Pro Beruf oder andere Anbieter.

Da es sich hierbei um ergänzendes und flankierendes Angebot zu dem Projekt @home handelt, entstehen für die Landeshauptstadt Hannover keine Kosten. Diese sind somit auch nicht in den oben dargestellten Projektkosten enthalten.


5. Anbindung an die Jugendberufsagentur Hannover und berufliche Orientierung


Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die enge Kooperation mit der Jugendberufsagentur Hannover. Ziel ist die berufliche Orientierung und Integration in den ersten oder zweiten Arbeitsmarkt.

6. Sozialpädagogische Begleitung und Familienarbeit


Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf einer intensiven, ressourcenorientierten sozialpädagogischen Begleitung junger benachteiligter Menschen die zur Überwindung ihrer individuellen Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind (§ 13 Abs.1 SGB VIII). Inhaltliche Schwerpunkte sind unter anderem Alltagsbewältigung und Haushaltsführung, Schuldenregulierung, Gesundheitsvorsorge, Entwicklung schulischer und beruflicher Perspektiven sowie die Stärkung persönlicher und sozialer Kompetenzen.

Bei Bedarf wird ergänzend Eltern- und Familienarbeit geleistet, um familiäre Beziehungen zu stabilisieren, Unterstützungsressourcen im sozialen Umfeld zu aktivieren und – sofern sinnvoll – Rückkehr- oder tragfähige Kontaktkonzepte zu entwickeln.


7. Evaluation


Das Projekt wird regelmäßig evaluiert. Maßgebliche Indikatoren sind insbesondere die Anzahl der aufgenommenen und erfolgreich stabilisierten jungen Menschen, Übergänge in eigenen Wohnraum, Integration in Ausbildung oder Beschäftigung sowie die Vermeidung erneuter Wohnungslosigkeit. Über die Ergebnisse wird den zuständigen politischen Gremien berichtet.
51.2 
Hannover / Jun 9, 2026