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Die finanzierte Maßnahme richtet sich an junge Volljährige im Alter von 18 bis 21 Jahren unabhängig ihres Geschlechts und ihrer Herkunft.
Der Vorgang wird als klimaneutral bewertet.
1. Ausgangslage
In der Landeshauptstadt Hannover besteht eine Versorgungslücke für junge Erwachsene zwischen 18 und 21 Jahren, die von Obdachlosigkeit bedroht oder betroffen sind. Hierzu zählen insbesondere junge Menschen in prekären Lebenslagen, Careleaver*innen sowie junge Geflüchtete mit gesichertem Aufenthaltsstatus.
Die Gründe hierfür sind vielfältig, z.B. finanzielle Probleme, seelische Probleme, Drogengebrauch, familiäre Konflikte usw. Durch diese Problemlagen geraten junge Volljährige (18- bis 21-Jährige) in die Situation der Wohnungslosig- und Obdachlosigkeit. Häufig kann diese Situation durch Übernachtungen bei Bekannten (“Couchhopping”) eine Weile kompensiert werden. Allerdings steht diese Ressource irgendwann nicht mehr zur Verfügung und reguläre Wohnmöglichkeiten sind nur sehr schwer für diese jungen Menschen zu finden.
Betroffene Personen benötigen einen geschützten Wohnraum sowie intensive sozialpädagogische Begleitung, um soziale Schwierigkeiten zu überwinden und eine gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Bestehende Angebote der Wohnungslosenhilfe werden von dieser Zielgruppe oft gemieden, da sie nicht spezifisch auf ihre Bedarfe ausgerichtet sind.
Fehlende Tagesstruktur, abgebrochene Bildungsbiografien, psychosoziale Belastungen sowie ungeklärte Leistungsansprüche erschweren die nachhaltige Integration in Wohnraum, Ausbildung und Arbeit.
Für junge Volljährige bestehen spezifische Bedarfe, insbesondere im Hinblick auf Verselbstständigung, Persönlichkeitsentwicklung, schulische und berufliche Integration sowie Stabilisierung sozialer Beziehungen. Die bisherigen Hilfestrukturen decken diese jugendhilfespezifischen Anforderungen nicht ausreichend ab.
Vor diesem Hintergrund ist eine passgenaue Ergänzung des bestehenden Jugendhilfe-Systems erforderlich.
Die Fachbereiche 51 Jugend und Familie, 56 Gesellschaftliche Teilhabe und 50 Soziales haben dazu nun gemeinsam mit den in der Jugendhilfe langjährig erfahrenen Trägern juniver Jugendberufshilfe Diakonie Hannover gGmbH und Pro Beruf GmbH das Angebot "@home" entwickelt, um diese Lücke zu schließen.
Das Angebot richtet sich an alle jungen Menschen aus der genannten Zielgruppe, die sich im Stadtgebiet der Landeshauptstadt Hannover aufhalten.
2. Zielsetzung des Projekts „@home“
Ziel des Projekts ist es, Wohnungslosigkeit bei jungen volljährigen Menschen frühzeitig zu verhindern bzw. nachhaltig zu beenden. Dabei stehen folgende Leitziele im Mittelpunkt:
· Schaffung eines niedrigschwelligen Schutzraums in akuten Krisenlagen
· Stabilisierung der Lebenssituation
· Entwicklung und Festigung von Wohnfähigkeit
· Aufbau einer tragfähigen Tagesstruktur
· Förderung schulischer und beruflicher Perspektiven
· Nachhaltige Integration in eigenen Wohnraum sowie in Ausbildung oder Beschäftigung
Das Projekt orientiert sich am Housing-First-Ansatz: Wohnraum wird als Grundlage für Stabilisierung und Integration verstanden.
3. Projektbausteine
Das Angebot beinhaltet zwei Projektbausteine:
1.) Notschlafstelle (3 Plätze)
2.) Wohnen im “Safe Space” @home (15 Plätze)
3.1 Notschlafstelle (3 Plätze)
Es wird ein niedrigschwelliger und sicherer Übernachtungsort als Schutzmaßnahme zur unmittelbaren Gefahrenabwehr mit insgesamt drei Plätzen für junge Volljährige eingerichtet, die sich in akuten Krisen- und Notlagen befinden und nirgendwo anders unterkommen können.
Ziel ist die kurzfristige Stabilisierung und Perspektivklärung durch die vor Ort installierte sozialpädagogische Begleitung. Hier kann die Jugendhilfe mit den jungen Erwachsen unkompliziert und vertrauensvoll in Kontakt kommen und ihnen Hilfe und Unterstützung bei der Bewältigung ihrer individuellen Problemlagen anbieten.
Die Belegungen der Zimmer erfolgt konkret über die Straßensozialarbeit OE 51.52, die dann die untergebrachten Personen sozialpädagogisch begleitet.
3.2 Wohnen in der betreuten Wohngemeinschaft Cäcilienstraße 5 - „Safe Space“ (15 Plätze)
Ergänzend zur Notschlafstelle werden 15 Plätze als betreute Wohngemeinschaft in der Cäcilienstraße 5 in fünf Wohnungen mit jeweils drei Plätzen geschaffen. In diesen geschützten Entwicklungsräumen können die jungen Menschen zur Ruhe kommen, Kraft schöpfen und sich sicher fühlen. Hier verbinden sich privater Rückzugsraum und gemeinschaftliches Miteinander.
Die Unterbringung in der betreuten Wohngemeinschaft in der Cäcilienstraße 5 ist zeitlich auf max. 6 Monate befristet. In dieser Zeit soll für die Bewohner*innen eine Perspektivklärung stattfinden. Zudem sollen sie auch schrittweise an ein eigenverantwortliches Wohnen in der eigenen Wohnung herangeführt werden.
Durch die sozialpädagogische Betreuung vor Ort entsteht ein Umfeld, in dem Selbstbestimmung, Achtsamkeit und gegenseitiger Respekt im Mittelpunkt stehen.
Die sozialpädagogischen Fachkräfte betreuen die jungen Erwachsenen montags bis freitags von 12:00 Uhr bis 20:00 Uhr. Die Betreuung an Wochenend- und Feiertagen wird über eine Rufbereitschaft sichergestellt.
Ein Sicherheitsdienst vor Ort wird Sorge tragen, dass sich keine unbefugten Personen Zugang zur Einrichtung verschaffen können. Nur so können zudem auch der Handel mit Drogen, gewalttätige Konflikte oder andere, potentiell eskalierende Situationen verhindert bzw. eingehegt werden.
Der Sicherheitsdienst ist montags bis donnerstags von 18:00 Uhr bis 12:00 Uhr vor Ort. Von freitags 18:00 Uhr bis montags 12:00 Uhr ist er ebenfalls durchgängig vor Ort, ebenso an Feiertagen.
Die Zuweisung in die betreute Wohngemeinschaft erfolgt über OE 56.2 in Kooperation mit OE 51.2.
4. Ergänzende Angebote
4.1 Jugendwerkstattmaßname
An das Projekt @home wird eine Jugendwerkstattmaßnahme angebunden, welche das Ziel verfolgt, durch
· die Beschäftigung und Qualifizierung mit den Schwerpunkten Handwerk und Hauswirtschaft,
· die Unterstützung bei der Planung der schulischen oder beruflichen Abschlussperspektiven sowie
· durch das Training lebenspraktischer Fähigkeiten
eine verlässliche Tagesstruktur aufzubauen und alltagspraktische Kompetenzen zu vermitteln.
Dieses Angebot ist nicht Gegenstand des Projektes @home, ist aber eine sinnvolle und notwendige Ergänzung, um eine Tagesstruktur und eine berufliche Orientierung sicherzustellen.
Die Umsetzung der Maßnahme erfolgt am Standort Cäcilienstraße 5.
Dieses Angebot wird durch eine Kofinanzierung von OE 50.4 Beschäftigungsförderung realisiert und ist daher nicht Bestandteil der Projektkosten @home.
4.2 Mobile Wohnbetreuung
Die sozialpädagogische Begleitung “Wohnbetreuung” erfolgt sowohl in den Projektwohnungen als auch – nach Umzug – im eigenen Wohnraum. Ziele sind insbesondere die Entwicklung und Stabilisierung von Wohnfähigkeit, Unterstützung im Umgang mit Vermieter*innen, Konfliktbearbeitung im Wohnumfeld sowie die nachhaltige Vermeidung erneuter Wohnungslosigkeit.
Die mobile Wohnbetreuung ist nicht Gegenstand des Projektes @home, aber ein logischer Folgeschritt, um den eigenen Wohnraum zu sichern. Die mobile Wohnbetreuung erfolgt z.B. durch die Leine Lotsen des Diakonischen Werkes, Pro Beruf oder andere Anbieter.
Da es sich hierbei um ergänzendes und flankierendes Angebot zu dem Projekt @home handelt, entstehen für die Landeshauptstadt Hannover keine Kosten. Diese sind somit auch nicht in den oben dargestellten Projektkosten enthalten.
5. Anbindung an die Jugendberufsagentur Hannover und berufliche Orientierung
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die enge Kooperation mit der Jugendberufsagentur Hannover. Ziel ist die berufliche Orientierung und Integration in den ersten oder zweiten Arbeitsmarkt.
6. Sozialpädagogische Begleitung und Familienarbeit
Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf einer intensiven, ressourcenorientierten sozialpädagogischen Begleitung junger benachteiligter Menschen die zur Überwindung ihrer individuellen Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind (§ 13 Abs.1 SGB VIII). Inhaltliche Schwerpunkte sind unter anderem Alltagsbewältigung und Haushaltsführung, Schuldenregulierung, Gesundheitsvorsorge, Entwicklung schulischer und beruflicher Perspektiven sowie die Stärkung persönlicher und sozialer Kompetenzen.
Bei Bedarf wird ergänzend Eltern- und Familienarbeit geleistet, um familiäre Beziehungen zu stabilisieren, Unterstützungsressourcen im sozialen Umfeld zu aktivieren und – sofern sinnvoll – Rückkehr- oder tragfähige Kontaktkonzepte zu entwickeln.
7. Evaluation
Das Projekt wird regelmäßig evaluiert. Maßgebliche Indikatoren sind insbesondere die Anzahl der aufgenommenen und erfolgreich stabilisierten jungen Menschen, Übergänge in eigenen Wohnraum, Integration in Ausbildung oder Beschäftigung sowie die Vermeidung erneuter Wohnungslosigkeit. Über die Ergebnisse wird den zuständigen politischen Gremien berichtet.