(1) Einordnung
Der Förderzeitraum des Smart City-Modellprojekts endet zum 31.12.2026; die Abrechnung gegenüber dem Fördermittelgeber erfolgt bis zum 02.06.2027. Die im Förderprogramm finanzierten Stellen laufen nach derzeitigem Stand zum 31.12.2026 aus. Für den Förderzeitraum steht ein Gesamtfinanzvolumen von 13.156.000 € zur Verfügung, davon 8.462.000 € Fördermittel und 4.694.000 € Eigenanteil (Förderquote: 64 %). Eine Neuauflage der „Modellprojekte Smart Cities“ auf Bundesebene erfolgt nicht. Stattdessen liegt der bundespolitische Fokus darauf, dass nicht geförderte Kommunen von den entwickelten Lösungen profitieren, die geförderten Vorreiterkommunen ihre erfolgreiche Arbeit als kommunale Daueraufgabe fortführen und an aktuelle Herausforderungen anpassen. Grundlage hierfür sind die europäischen Zielsetzungen zu Sicherheit, Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit, die bundespolitisch beschlossene Staatsmodernisierung (MPK) sowie die spezifischen Herausforderungen auf lokaler Ebene.
(2) Ausgangslage
Smart City ist der Weg, Digitalisierung nicht als Einzelvorhaben zu verstehen, sondern als Querschnitts- und integrale Zukunftsaufgabe. In einer von Technik und Daten geprägten Welt ist technologischer und datenbasierter Fortschritt zugleich Herausforderung und Lösungsansatz. Die Smart City Charta des Bundes betont, dass die Aufgabe „Smart City“ dauerhaft ist: Digitale Transformation wird darin als kontinuierlicher, langfristiger Prozess beschrieben, der dauerhaft Ziele, Strategien, Strukturen, Ressourcen und Kompetenzen in Kommunen erfordert. Mit der erfolgreichen Bewerbung als „Modellprojekt Smart Cities“ und der damit verbundenen Förderung durch das BMWSB (BDS Nr. 0536/2021), dem Beschluss der Smart City-Strategie für die LHH (BDS Nr. 1465/2023) sowie der Umsetzung der geförderten Maßnahmen mit dem Bezugsraum der hannoverschen Innenstadt, werden die positiven Effekte der Smart City-Initiative Restart: #HANnovativ sichtbar.
Auf Grundlage der zehn Handlungsfelder Data/Technologie, Demokratie, Gemeinwohl/Wirtschaft, Gesundheit, Kultur, Lebensraum, Lernen, Mobilität/Identität, Vielfalt und Zuhause wurden erfolgreich Infrastrukturen und Maßnahmen entwickelt:
- Aufbau von Prozessen, Strukturen und Kompetenzen für interdisziplinäre, agile und projektorientierte Zusammenarbeit (u. a. Lenkungsgruppe Digitalisierung und Smart City, #HANnovativ Fachteam, AG-Data, Meet-Ups) sowie Etablieren einer Innovationskultur in der Stadtverwaltung (u. a. durch Innenstadt.Dialog, Smart City.Werkstadt, aufhof, digital.KIOSK).
- Aufbau digitaler Infrastruktur (z. B. Digitaler Zwilling, Sensorik für Umweltdaten, Klimaagentenmodell, KI-gestützte Anwendungen, adaptive Beleuchtung, AR-Anwendungen), Etablieren von Standards der Datennutzung (Metadatenkatalog, Open Data, Datensouveränität usw.) und Erweiterung einer belastbaren Datenbasis für Verwaltung, Politik und Stadtgesellschaft.
- Stärkung lokaler und überregionaler Netzwerke mit Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtgesellschaft (z. B. hannoverimpuls, HMTG, Smart City DB, heise, UVN, IHK, HWK, Digitales Hannover, Nachwuchskraft, LUH, L3S, HSH) sowie interkommunale Zusammenarbeit zum Austausch von Wissen und Best Practices (z. B. AK Digitalisierung DST, NST, MPSC-Kommunen).
- Positionierung Hannovers als innovativer Standort auf Messen und Veranstaltungen (z. B. Smart City Expo World Congress in Barcelona, Smart Country Convention in Berlin, Hannover Messe) sowie durch den Erfolg und die nationale mediale Berichterstattung im BITKOM Smart City-Index 2025, in dem die LHH 2025 Platz 7 von 83 untersuchten Großstädten erreicht hat - eine Verbesserung um 34 Plätze.
- Umsetzung der geförderten Maßnahmen als Pilotprojekte, mit denen die Potenziale integrierter Stadtentwicklung und Digitalisierung – zunächst in der Innenstadt – sichtbar werden und in die Quartiere übertragen werden können.
Die Gesamtkoordination und Steuerung des Förderprojekts erfolgt im Smart City-Kernteam, bestehend aus der
Stabsstelle Smart City I Strategien und Projekte (VI-SC) im Dez. VI sowie dem
Bereich Grundsatzangelegenheiten (15.2) im Fachbereich Büro Oberbürgermeister. Die fachübergreifende und interdisziplinäre Umsetzung der geförderten Maßnahmen bis Ende 2026 liegt in den jeweils verantwortlichen Organisationseinheiten:
Umweltschutz (67.1),
Geoinformation (61.2),
Kulturmanagement (Dez VII),
IT-Koordination und Digitale Kulturstrategie (41.04),
Museen für Kulturgeschichte (41.3),
Verkehrsmanagement (66.13),
Stadtbeleuchtung (66.15) und
IuK-Organisation (18.51). Zentrale verwaltungsinterne Kooperationspartner*innen für gemeinsame Veranstaltungen, Austauschformate sowie Messe- und Kongressauftritte sind u.a. die
VHS (43.21),
Fachbereich Stadtbibliothek (42),
LernOase Vahrenwald (41.51.04) die
Koordinierungsstelle für Beteiligung (18.64) sowie der
Fachbereich Senioren (57).
Alle geförderten Maßnahmen beziehen sich auf den Innenstadtraum. Ihre Verstetigung, Weiterentwicklung und Skalierung auf das gesamte Stadtgebiet sowie die Übertragung auf weitere Verwaltungsbereiche werden mit dieser BDS angestrebt. Die nachfolgende Übersicht stellt Zielsetzung, Umsetzungsstand und Mehrwerte der Maßnahmen dar:
- Open.Urban.Data schafft mit der Urbanen Datenplattform (UDP) die technische Grundlage für Hannovers datenbasierte Stadtentwicklung – basierend auf Open Source, OGC-Standards, IoT-Daten und Digitalem Zwilling. Erste Funktionen wie Geodatenbereitstellung, Drohnenvermessung und neue Visualisierungen sind umgesetzt. Nächste Bausteine sind die Implementierung von Civitas/CORE (UDP), IoT-Datenverarbeitung, die fortschreitende Katalogisierung stadtweit vorhandener Geofachdaten, die Veröffentlichung eines Panoramaviewers und die Einführung von Mehrsprachigkeit. Open.Urban.Data ermöglicht im Digitalen Zwilling und zukünftig mit einer ausgebauten UDP einfachere und integrierte Planungsprozesse durch das Aufbrechen von Datensilos. Redundanzen werden reduziert, digitale Begehungen erleichtert sowie datenbasierte Entscheidungen und Beteiligung verbessert.
- Smart.Light erprobt moderne, sensorbasierte und bedarfsgerechte Beleuchtung in unterschiedlichen Stadträumen. Die Route vom Maschsee bis zur Innenstadt, das Smart.Light-Dashboard sowie KI-gestützte Insektenerkennung zur Erfassung des Insektenaufkommens sind erfolgreich etabliert. Bis Ende 2026 folgen die LED-Montage am Niedersachsenstadion mit verbesserter Ansteuerungsmöglichkeit durch die Polizei in Abhängigkeit vorhandener Situationen und eine Lichtkunstinstallation im Friederikentunnel. Das Projekt erhöht das subjektive Sicherheitsgefühl, reduziert Lichtverschmutzung – gerade in naturnahen Räumen – und senkt den Energieverbrauch. Öffentlich einsehbare Betriebsdaten schaffen zusätzliche Transparenz.
- Smart.Rad entwickelt den Ampelphasenassistenten (TrafficPilot-App) so weiter, dass Lichtsignalanlagen künftig aktiv auf den Radverkehr reagieren können. 24 Anlagen am City-Ring sind bereits modernisiert. Bis 2026 folgen die aktive Kommunikation zwischen LSA und App bzw. Radfahrenden sowie eine sukzessive Ausweitung auf weitere Bereiche der Innenstadt und andere Stadtteile bzw. Velorouten. Das System verbessert Verkehrsfluss, Sicherheit und Komfort und stärkt den Radverkehr als gleichwertiges Verkehrsmittel der Alltagsmobilität.
- Mit Hitze.Wasser.Management baut Hannover ein sensor- und datenbasiertes Hitze- und Wassermanagement auf, das Echtzeitdaten für Planung, Bewässerung und Hitzeschutz liefert. Das Klimamessnetz wächst auf rund 100 Stationen. Bis Ende 2026 folgen ein Dashboard mit KI-basierten Echtzeit-Temperaturkarten, die Skalierung des GIS-Klima.Agentenmodells in der Nordstadt sowie die Erprobung verschiedener klimawandelangepasster und sensorgesteuerter Bewässerungskonzepte. Das System ermöglicht präzisere Entscheidungen, effizientere Ressourcennutzung und eine verbesserte Kommunikation gegenüber Öffentlichkeit und Politik.
- Mit dem Kultur.Dreieck entsteht zwischen Oper, Künstlerhaus und Schauspiel ein smartes Kulturareal mit immersiven Installationen, Sounds & Screens und interaktiven Elementen. Erste Module wie das smarte Allwetterpiano werden sehr gut angenommen; weitere folgen bis Ende 2026. Das Kultur.Dreieck schafft neue Aufenthaltsqualität, öffnet Kultur für neue Zielgruppen und stärkt das Areal als attraktiver Innenstadt-Anker.
- Die App Historisch.Digital macht Hannovers Geschichte und Kultur vor Ort digital erlebbar – mit 3D-Scans, AR und künstlerischen Inszenierungen. Das Content-Management-System ist entwickelt und wird derzeit getestet; erste Touren entstehen im Verlauf 2026. Die Anwendung schafft einen niedrigschwelligen Zugang zu Kultur und stärkt die Teilhabe an stadtgeschichtlichen Diskursen.
(3) Weiterentwicklung ab 2027
Mit der Fortschreibung von Smart City #HANnovativ und mit dem Schwerpunkt der Urbanen Resilienz gelingt der Übergang von einem befristeten Innovationsprojekt zu einem modernen Steuerungs- und Modernisierungsansatz mit gesamtstädtischer Wirkung. Digitale Infrastruktur gehört – ebenso wie Wasser, Energie und Mobilität – zur kommunalen Daseinsvorsorge und ist zugleich ein zentraler Standortfaktor für eine innovative, wettbewerbsfähige und wirtschaftlich starke Stadt. Daten und Technologien sind dabei nicht nur Infrastruktur, sondern zentrale Bausteine, um Stadtentwicklung bedarfsgerecht, effizient, innovativ und sozial gerecht zu gestalten. Smart City #HANnovativ schafft dafür die strukturelle Grundlage: für eine strategische Steuerung von Daten und Digitalisierung, für transparente und integrierte Planung, für innovationsorientierte Verwaltungsmodernisierung und für eine transformationsfähige Stadt von morgen.
Städte stehen zunehmend vor komplexen und dynamischen Risikolagen sowie geopolitischen Unsicherheiten. Urbane Herausforderungen wie Katastrophenschutz, öffentliche Sicherheit, Klimafolgenanpassung, demografischer Wandel, bezahlbarer Wohnraum, Gesundheitsschutz, Digitalisierung, Cybersicherheit, Mobilitäts- und Energiewende, gesellschaftlicher Zusammenhalt, digitale Gewalt, wirtschaftliche Stabilität und Transformationsdruck in zentralen Branchen wirken gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig. Die Bewältigung dieser Herausforderungen wird erschwert durch beschränkende Rahmenbedingungen, Ressourcenkonkurrenz, störungsanfällige Infrastrukturen und Investitionsstau oder fragmentierte Steuerung („Silodenken“). Gleichzeitig stehen Vertrauen in staatliches Handeln und die Legitimation politischer Entscheidungen unter Druck.
Bund und Europäische Union betonen in ihren Strategien zur Staatsmodernisierung und Resilienzstärkung, dass Vorsorge, Früherkennung und funktionsfähige Strukturen entscheidend sind, um handlungsfähig zu bleiben. Für Kommunen bedeutet das: Sie benötigen neue strategische Fähigkeiten, um souverän mit Risiken und Krisen umzugehen, wirtschaftliche Entwicklung zu sichern, Innovationen in Verwaltung und Stadtentwicklung zu verankern und Standortattraktivität sowie Lebensqualität langfristig zu stärken. Da diese Herausforderungen alle Städte gleichermaßen betreffen, kommt der kommunalen Politik (gerade auch im Verbund) eine zentrale Verantwortung zu, Resilienz aktiv zu gestalten und die notwendigen Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung zu schaffen.
Urbane Resilienz – kurz die Widerstands- und Anpassungsfähigkeit moderner Städte – bildet hierfür den übergeordneten Rahmen. Sie beschreibt die Fähigkeit einer Stadt, sich vorausschauend transformativ weiterzuentwickeln, sich flexibel und adaptiv an neue Bedingungen anzupassen, präventiv Risiken zu reduzieren und Krisen reaktiv besser zu bewältigen. Resiliente Städte verfügen über robuste Infrastrukturen, verlässliche Daten, lernfähige Organisationen, starke Netzwerke und eine enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtgesellschaft.
Genau hier setzt Smart City #HANnovativ an: Durch den Aufbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur, datenbasierte Entscheidungsgrundlagen, KI-basierte Mustererkennung, innovationsorientierte Arbeitsweisen und neue Kooperationsformen wird nicht nur die Handlungsfähigkeit der Landeshauptstadt Hannover sichergestellt. Auch Standortattraktivität, Sicherheit, Klimafolgenanpassung und gesellschaftliche Teilhabe werden weiter gestärkt. Smart City wird damit zur Ermöglicherin, um Resilienz praktisch umzusetzen – und die Rendite aus Daten und digitalen Technologien für die gesamte Stadt nutzbar zu machen, etwa durch Staureduzierung, Hitzeschutz, bessere Entscheidungsgrundlagen oder ein höheres subjektives Sicherheitsgefühl.
Diese Weiterentwicklung von Smart City #HANnovativ knüpft unmittelbar an übergeordnete Strategien der LHH an, wie die Smart City-Strategie (BDS Nr. 1465/2023), das integrierte Innenstadtkonzept (BDS Nr. 1904/2022 und 1554/2024), das integrierte Sicherheitskonzept (IDS Nr. 0057/2026), die IT-Strategie (IDS Nr. 1914/2024), die kinderfreundliche Kommune (BDS Nr. 1908/2024), Klimaneutralität 2035 (BDS Nr. 2469/2019), Masterplan Mobilität 2035 (BDS Nr. 1924/2025) sowie dem Kulturentwicklungsplan 2030 (BDS Nr. 0837/2020).
Drei Beispiele zeigen, wie Urbane Resilienz in Hannover zukünftig Wirkung entfalten kann:
1. Urbane Resilienz stärkt die Standortentwicklung und interkommunale Zusammenarbeit. Sie macht die LHH zu einer modernen, verlässlichen und innovationsfähigen Partnerin für Wissenschaft, Wirtschaft und andere Kommunen. Beispielsweise beteiligt sich die LHH – vorbehaltlich einer erfolgreichen Antragsstellung – am geplanten, vom BMFTR avisierten Verbundprojekt „Risikokompetenz – Krisenkommunikation – Selbsthilfefähigkeit“ (RISIKOplus/BIKRES), in dem die Stadt Freiburg die Koordination übernehmen soll. Gemeinsam mit der Feuerwehr (37) und #HANnovativ ist vorgesehen, dort entwickelte Modelle auf Hannover zu übertragen und weiterzuentwickeln. Das Projekt wird begleitet u.a. durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und die Pädagogische Hochschule Freiburg.
2. Urbane Resilienz löst Nutzungskonflikte im Stadtraum. Stadtentwicklung muss konkurrierende Anforderungen an begrenzte Flächen – z. B. Wohnen, Arbeiten, Freiraum, Klimaanpassung – miteinander vereinbaren. Gleichzeitig stehen zentrale Infrastrukturen der Grundversorgung (Wasser, Energie), Mobilität (Straßen, Brücken), Informations- und Kommunikationstechnik sowie sozialen Versorgung (Krankenhäuser, Altenheime, Schulen) unter hohem Nutzungsdruck und haben große Krisenrelevanz. Eine verlässliche und bezahlbare Wohnraumversorgung steht dabei nicht nur in Konkurrenz zu genannten Nutzungen, sondern wird zusätzlich durch soziale Ungleichheiten und unkontrollierte Kostenentwicklung erschwert. Diese Herausforderungen zeigen, wie wichtig integrierte, datenbasierte Stadtentwicklung und gute Datensätze sind: Mit Vorhersagemodellen, Simulationen und Szenarien lassen sich Nutzungskonflikte, Belastungen und Bedarfe frühzeitig erkennen und planerisch auflösen.
3. Urbane Resilienz ermöglicht ein prädiktives und wirksames Krisen- und Lagemanagement. Mit dem Aufbau eines digitalen Lagemonitorings für Feuerwehr (37) und Entscheidungsträger*innen in Politik und Verwaltung können alltägliche Einsatzsituationen ebenso wie Krisenfälle – etwa Extremwetter, Bombenräumungen, Versorgungsausfälle – schneller und wirksamer bewältigt werden. Statt statischer Modelle entstehen dynamische und themenübergreifende Lagebilder, die historische und Echtzeitdaten integrieren und Frühwarnungen ermöglichen. Relevante Daten sind u. a. Wetterdaten, Pegelstände, Verkehrslage, Baustellen, Luftqualität, Klimadaten und zurückliegende Ereignisse (ggf. erweiterbar um Sozialdaten). Durch die Integration unterschiedlicher Wissens- und Datenquellen (37, 61, 66, 67, 68, VMZ NDS, Verkehrsbetriebe, Energieversorger, Social-Crowd-Daten) in der UDP entsteht ein gesamtstädtisches, sicheres Lagebild – unabhängig von proprietären Systemen. Ziel ist auch die Entwicklung prädiktiver Berechnungen (z. B. Hochwasserausbreitungsprognosen unter Berücksichtigung operativer Maßnahmen) im Digitalen Zwilling sowie Dashboards für interne Lageübersichten und externe Krisenkommunikation, z. B. im Rahmen eines Bevölkerungs-Informations-Zentrums (BDS Nr. 2202/2024). Der Aufbau eines prädiktiven Krisenmanagements wird wissenschaftlich begleitet. Hierzu befindet sich die LHH im Austausch mit der Wissenschaft, u. a. mit der HafenCity Universität Hamburg (HCU) zu Methoden der Resilienzbetrachtung, die für die Ukraine entwickelten wurden (ARTUR-Tool).
(4) Umsetzung
4.1. Smart City Management
Für die Weiterentwicklung von Smart City #HANnovativ ab 2027 sollen die bestehenden Strukturen und personellen Ressourcen in den mitwirkenden Fachbereichen und Dezernaten zunächst bis 31.12.2030 verstetigt werden. Dies ist Voraussetzung, um Wissen und Innovationskompetenzen zu sichern, Fachkräfte langfristig zu binden, Kooperationen mit Stadtgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft fortzuführen sowie den Fortbetrieb und die Skalierung bereits aufgebauter Strukturen und smarter Technologien zu gewährleisten.
Nur durch ein agiles, ineinandergreifendes Projektmanagement lässt sich verhindern, dass erneut isolierte, fachlich getrennte Lösungen entstehen, die technisch oder datenbezogen nicht kompatibel oder gar widersprechend sind. Die Organisationsstruktur von #HANnovativ beruht auf drei eng verzahnten Komponenten. Sie verbindet klare politische und fachliche Zuständigkeiten mit einem agilen Zusammenwirken, das Effizienz, Qualität und Innovationsfähigkeit steigert. Dieses Zusammenspiel war entscheidender Erfolgsfaktor für den öffentlich wahrgenommenen Erfolg der LHH im Bereich Smart City.
1. Die dezentrale Fachlichkeit ist die grundsätzlich von der Politik und Verwaltungsführung beauftragte Organisationseinheit. Sie stellt die notwendigen dezentralen Ressourcen bereit (Haushalt, Stellenplan), verfügt über die inhaltliche Expertise sowie das fachliche Innovationspotential und baut sukzessive technische und datenbezogene Kompetenzen weiter aus. Sie verantwortet die inhaltliche Weiterentwicklung und Umsetzung der Smart-City-Maßnahmen – insbesondere die Fortführung der Projekte Open.Urban.Data, Smart.Light, Smart.Rad, Kultur.Dreieck und Hitze.Wasser.Management ab 2027 (s. Abschnitt 4.3). Ergänzend bringt sie konkrete Problemstellungen und Innovationsbedarfe in die Smart City-Challenge ein (s. Abschnitt 4.2.2) und prüft die Überführung erfolgreicher Lösungen in den Regelbetrieb. Die konkrete Beteiligung der dezentralen Fachlichkeit ist abhängig von den jeweiligen Herausforderungen und Projektbedarfen.
2. Die Stabsstelle Smart City im Dezernat für Stadtentwicklung und Bauen verantwortet die stadtplanerischen und raumbezogenen Zielsetzungen, die planerische Machbarkeit sowie das inhaltliche Berichtswesen gegenüber dem Stadtentwicklungs- und Bauausschuss. Sie ist federführend für den Aufbau und die Weiterentwicklung der Urbanen Daten Plattform (UDP) zuständig und stellt gemeinsam mit der IuK (18.51 und 18.52) und der Geoinformation (61.2) die Kompatibilität von notwendigen technischen Schnittstellen sicher (s. Abschnitt 4.2.1.). Gemeinsam mit dem Bereich Grundsatzangelegenheiten verantwortet sie interne und externe Kommunikation und Beteiligungsprozesse. Sie vertreten die LHH auf relevanten Fach- und Austauschplattformen, etwa auf Messen und in überregionalen Smart-City-Netzwerken und stärken damit die Sichtbarkeit Hannovers als innovativen Standort.
3. Der Bereich Grundsatzangelegenheiten im Fachbereich Büro Oberbürgermeister entlastet die Fachlichkeiten um das notwendige Gesamtprojektmanagement, monitort das Erreichen der gesamtstädtischen Zielsetzungen und berichtet gegenüber der Verwaltungsführung (u.a. LG Digitalisierung und Smart City). Er stellt die Vertretung in den übergeordneten kommunalen Netzwerken (NST, DST, EUROCITIES, Metropolregion, interkommunale Partnerschaften) sicher, prüft die Möglichkeit von Drittmitteln (zentrales Fördermittelmanagement, aktuell z. B. die European Urban Initiative (EUI)) und koordiniert gemeinsam mit den Projektpartner*innen die Innovationsinfrastruktur des digital.KIOSK sowie die geplanten Smart City-Challenges (s. Abschnitt 4.2.2.).
Ziel ist es, Verwaltung und Stadtentwicklung konsequent auf dem Weg der Transformation und Modernisierung zu unterstützen und voranzubringen. In diesem Prozess ist #HANnovativ Katalysatorin, die Verwaltungsprozesse entlastet, Umsetzungsprozesse beschleunigt und Innovationsfähigkeit von Stadt und Standort stärkt.
4.2. Infrastruktur
Der hannoversche Weg zur Urbanen Resilienz verbindet inhaltliche Expertise, digitale Werkzeuge, räumliche Gestaltung und eine interdisziplinäre Entwicklung von Lösungen. Die dafür notwendige Basisinfrastruktur besteht aus drei Bausteinen: der UDP als datenbezogene Basisinfrastruktur, dem digital.KIOSK als Innovationsinfrastruktur und GovTech Kommunal für eine beschleunigte Umsetzung.
4.2.1. Datenbezogene Basisinfrastruktur (UDP)
Die
Urbane Datenplattform (UDP) ist ein zentraler Baustein moderner kommunaler Daseinsvorsorge. Sie fungiert als „Betriebssystem“ für städtische Daten, verknüpft heterogene Quellen, standardisiert sie und stellt sie in Echtzeit bereit. Damit schafft sie die Grundlage für effiziente Verwaltung, resiliente Infrastrukturen und eine souveräne digitale Stadtentwicklung.
Der Ausbau der UDP ist aus mehreren Gründen erforderlich:
·
Überwindung von Datensilos: Die UDP ermöglicht die technische Verschneidung von Mobilitäts-, Energie-, Umwelt- und Verwaltungsdaten und schafft eine einheitliche Daten-Governance (Kernziel der Verwaltungsmodernisierung auf Bundesebene).
· Effizienz und Kostenkontrolle: Standardisierte Datenbereitstellung reduziert Redundanzen, beschleunigt Prozesse und senkt Betriebskosten. Dies entspricht den Vorgaben der nationalen Digitalstrategie.
· Datenbasierte Entscheidungsgrundlagen: Die Verfügbarkeit maschinenlesbarer (Live-)Daten ermöglichen evidenzbasierte Planung, erhöhen Transparenz und verbessern die Nachvollziehbarkeit politischer Entscheidungen.
· Digitale Souveränität: Klare bundesweite und europäische Standards von Schnittstellen und Datenformaten reduzieren Abhängigkeiten von proprietären Systemen und ermöglichen Anbieter*innenwechsel.
· Transparenz & Beteiligung: Offener Zugang zu Rohdaten stärken Partizipation, Vertrauen und Kooperation mit Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft
· Zukunftsfähigkeit: Die UDP bildet die Grundlage für KI-gestützte Analysen, Simulationen und innovative Anwendungen (erweiterbar um VR/AR-Elemente).
Ohne eine einheitliche UDP bleibt die LHH technisch und organisatorisch nicht anschlussfähig. Derzeit bestehen zahlreiche Insellösungen, z. B. Klimamessnetz, Bodenfeuchtesensorik, Smart.Light, Gewässerpegelnetz, Radzählstellen, Verkehrsdatenbank oder Sozialdaten. Unterschiedliche Standards bzw. proprietäre Datensilos, fehlende Schnittstellen und künstliche API-Begrenzungen verursachen unkalkulierbare Zusatzkosten, verhindern Skalierung und erschweren eine gesamtstädtische Datenstrategie. Gleichzeitig stoßen veraltete Fachanwendungen an ihre technischen Grenzen und erfüllen zentrale europäische Vorgaben und Pflichten (z. B. INSPIRE, High Value Datasets) nicht mehr.
Eine weitere Digitalisierung der Verwaltung ist ohne einheitliche Datenbasis kaum möglich: automatisierte Datenverknüpfungen, simulationsgestützte Stadtplanung im Digitalen Zwilling, KI-basierte Mustererkennung oder moderne Planungsprozesse lassen sich ohne UDP nicht realisieren. Die UDP bündelt städtische Daten souverän, kosteneffizient und zukunftssicher, verhindert Doppelstrukturen und schafft die technische Grundlage, um die Potenziale von Künstlicher Intelligenz auszuschöpfen und datenbezogene Synergien und Innovationen zu heben. Die UDP reduziert so nicht nur die technische Komplexität, sondern erzeugt messbare Rendite im Verwaltungshandeln und ermöglicht deutlich reibungslosere Abläufe. Dies zeigt sich z. B. in geringerem Rechercheaufwand, in der Reduzierung von Mehrfacherhebungen und Wartezeiten durch automatisierte Zugriffs- und Freigabeprozesse sowie in der automatisierten Datenaufbereitung und Nacharbeit durch standardisierte Daten und einheitliche Datenqualität.
UDP, Digitaler Zwilling und KI sind keine optionalen Zukunftsprojekte, sondern notwendige Infrastruktur, um die Modernisierungsziele von Bund und Ländern umzusetzen, die Leistungsfähigkeit der Verwaltung zu sichern und die Zukunftsfähigkeit des Standorts Hannover zu stärken. Digitale (Fach-)Zwillinge und Datenplattformen unterstützen eine Stadtentwicklung, die nicht nur reagiert, sondern vorausschauend gestaltet: Sie machen komplexe Zusammenhänge sektorenübergreifend sichtbar, entschärfen Nutzungskonflikte frühzeitig und unterstützen Maßnahmen, die Städte langfristig widerstandsfähiger, inklusiver, lebenswerter und nachhaltiger machen. Die UDP soll in enger Zusammenarbeit zwischen Stabstelle Smart City (VI-SC) sowie 18.52 und 18.51 weiterentwickelt werden.
4.2.2. Innovationsinfrastruktur (Smart City-Challenge Hannover)
Der
digital.KIOSK in der Röselerstraße ist öffentlicher Begegnungsraum und Lernort. Hier finden bereits heute zahlreiche Workshops, Co-kreative Prozesse und Veranstaltungen rund um die Themen Digitalisierung, Smart City, Innenstadtentwicklung sowie digitaler und gesellschaftlicher Teilhabe (insbesondere älterer Menschen) statt. Künftig soll der digital.KIOSK noch stärker Menschen zusammenbringen, die im Alltag selten miteinander in Kontakt kommen – ältere und jüngere Menschen, Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte, Start-ups, Verwaltung, Wissenschaft sowie vielfältige gesellschaftliche Interessensgruppen. Im Mittelpunkt stehen der Aufbau digitaler und zukunftsrelevanter Kompetenzen sowie die Möglichkeit interdisziplinär und generationenübergreifend voneinander und miteinander zu lernen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, vielfältiger Transformationsprozesse, sich verändernder Wohn-, Lebens- und Arbeitsverhältnisse sowie den Erfordernissen von Klima- und Umweltschutz soll der digital.KIOSK ab 2027 als interdisziplinärer Innovations- und Lernort weiterentwickelt und dauerhaft etabliert werden.
Die Smart City-Challenge Hannover fokussiert sich auf den Aufbau eines Innovationsökosystems und identifiziert konkrete Herausforderungen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft oder Stadtgesellschaft und entwickelt partizipativ daten- und technologiegestützte Lösungsansätze. Aus einem breiten Spektrum politischer Aufträge, kommunaler Best Practices und Impulsen aus Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft werden Challenges ausgewählt und gemeinsam mit Ideengeber*innen aus Stadtverwaltung, Gesellschaft, Wirtschaft, Start-Up-Szene und Wissenschaft weiterentwickelt. Die Ergebnisse werden in Pilotprojekten erprobt und anschließend auf Skalierbarkeit geprüft. Damit entsteht ein strukturierter Innovationsprozess, der sich an konkreten Bedarfen ausrichtet, neue Arbeitsweisen der in der Verwaltung erprobt und die Qualität neuer Lösungen sicherstellt. Es entsteht damit die Innovationsinfrastruktur für eine kooperative Entwicklung, Erprobung und Weiterentwicklung digitaler Lösungen.
Das Projekt stärkt die regionale Innovationsfähigkeit und verfolgt zwei miteinander verknüpfte Ziele:
1. Gemeinwohlorientierte Innovation:
· Aktivierung und Einbindung vielfältiger gesellschaftlicher Gruppen, inkl. Jugendbeteiligung
· Identifikation konkreter
Smart City-Challenges aus Gesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Wissenschaft sowie Entwicklung daten- und technikbasierter Ideen
· Aufbau eines Innovationsnetzwerks aus Start-Ups, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Verwaltung und weiteren gesellschaftlichen Akteur*innen (insb. generationsspezifisch)
· Ausbau des interkommunalen Erfahrungsaustausches und Wissenstransfer
· Entwicklung tragfähiger Anschlussperspektiven für Pilotprojekte, u.a. durch Fördermittel, interkommunale Kooperation und Zugänge zu Inkubatoren/Acceleratoren
Es geht um die gemeinsame Entwicklung neuer Lösungen, Ideen, Prototypen und Kooperationen.
2.
Digitale gemeinwohlorientierte Souveränität:
· Aufbau eines Kompetenzzentrum für digitale Souveränität, das insb. älteren und eingeschränkten Menschen den Zugang zur digitalen Welt erleichtert
· Aktivierung dieser Zielgruppen zur (digitalen) Mitgestaltung
· Entwicklung niedrigschwelliger Lern- und Beteiligungsformate zur Förderung von Zugang, Teilhabe und Selbstbestimmung
· Stärkung der Offenheit gegenüber digitalen Lösungen zur Bewältigung alltäglicher Herausforderungen
Es geht um die Befähigung der Menschen, digital teilzuhaben und Lösungen sicher und selbstbestimmt zu nutzen.
Die Smart City-Challenge erzeugt damit einen klaren Mehrwert: Teilhabe und digitale Souveränität werden gestärkt, Kompetenzen werden aufgebaut, das Schnittstellenmanagement zwischen Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft wird verbessert und idealerweise wird zudem die Innovationsfähigkeit des Standorts Hannover gesteigert.
Die Smart City-Challenge ist potenziell eingebettet in die Förderkulisse „Zukunftsregion Hannover-Hildesheim“. Ein Förderantrag der Stadtverwaltung mit einer Laufzeit vom 01.01.2027 bis 30.09.2029 befindet sich im Beantragungs- und Prüfverfahren.
4.2.3. GovTech Kommunal
GovTech Kommunal e.V. unterstützt Kommunen dabei, Digitalisierungsvorhaben trotz knapper Ressourcen wirksam umzusetzen. Grundlage ist die gemeinsame Entwicklung, Nutzung und Weiterentwicklung digitaler Lösungen sowie der gezielte Aufbau digitaler Kompetenzen in der Verwaltung. Vor dem Hintergrund der vom BMDS vorangetriebenen Staatsmodernisierung, der hohen Belastungen der Kommunen in Verwaltungsdigitalisierung und Stadtentwicklung sowie der dynamischen technologischen Entwicklungen – insbesondere im Bereich Künstlicher Intelligenz – gewinnt eine enge kommunale Zusammenarbeit und die Vernetzung mit Tech-Szene und Start-Ups weiter an Bedeutung.
Eine Mitgliedschaft in GovTech Kommunal e.V. ermöglicht es Kommunen, digitale Lösungen anderer Kommunen leichter zu übernehmen und eigene Entwicklungen für andere verfügbar zu machen. Durch die Inhouse-Fähigkeit erhalten Kommunen einen vergabefreien Zugang zu moderner Technologie und sofort nutzbaren Softwarelösungen. Die Bündelung kommunaler Bedarfe reduziert Entwicklungsaufwand und Kosten und erleichtert die Nachnutzung digitaler Lösungen. Zusätzlich erhöht GovTech Kommunal die Digitalisierungsrendite, indem es Umsetzungsprozesse beschleunigt und die Wettbewerbsfähigkeit und digitale Souveränität der Verwaltung stärkt. Die Mitgliedschaft soll spätestens Ende 2030 evaluiert werden.
4.3. Projekte
Die Basisinfrastruktur (vgl. 4.2.1) ist Ausgangspunkt für vier Verstetigungsprojekte als Weiterentwicklung aus den geförderten Smart City-Maßnahmen. Mit ihnen werden verschiedene Stressfelder Urbaner Resilienz als Smart City-Handlungsfelder adressiert:
- Zuhause: Öffentliche Sicherheit (ehemals Smart.Light)
- Lebensraum: Klimafolgenanpassung (ehemals Hitze.Wasser.Management)
- Mobilität: Verkehrsmanagement (ehemals Smart.Rad)
- Kultur: Smarte Kulturräume für soziale Stabilität (ehemals Kultur.Dreieck)
Zentraler Bezugsraum ist weiterhin die
Innenstadt. Von dort aus entfalten die Projekte gesamtstädtische Wirkung und werden – wo sinnvoll – in die Quartiere übertragen.
Für die oben genannten und im Folgenden erläuterten Projekte 1 bis 4 werden ergänzende Drucksachen mit umfassenden Projektbeschreibungen und dafür erforderlichen personellen und finanziellen Ressourcen vorgelegt. Nach gegenwärtigem Planungsstand entstehen innerhalb des Zeitraums von 2027 bis 2030 für 3,75 Stellen Personalaufwendungen in Höhe von 2.140.647,00 €, Sachaufwendungen in Höhe von 480.000,00 € sowie Investitionskosten in Höhe von 6.420.000,00 €.
Das Projekt Öffentliche Sicherheit (66.15) widmet sich einer situationsangepassten und bedarfsorientierten Stadtbeleuchtung, d.h. unterschiedlicher Ein- und Ausschaltung je nach Anforderungsprofil über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Dazu gehören unter anderem die Erweiterung des Systems um zusätzliche Lichtsensoren, die Einteilung des Stadtgebiets in unterschiedliche Bedarfs- und Steuerungszonen sowie die Skalierung bestehender Sicherheitsbeleuchtung (etwa am Andrea-Hermes-Platz oder am Stadion). Sicherheitsbeleuchtung ermöglicht der Polizei, die Beleuchtung per App temporär zu erhöhen, um Gefahrenlagen besser einschätzen zu können. Für das Projekt sind insgesamt Investitionskosten in Höhe von 80.000 € geplant.
Das Projekt Klimafolgenanpassung legt künftig seine Schwerpunkte auf die gesamtstädtische Hitzerisikobewertung (67.10), die Ermittlung des räumlich bezogenen Klimaanpassungsbedarfs (67.10), KI-basiertes Bewässerungsmanagement (67.3) und Management von Wasser-Extremereignissen sowie neue Methoden der Kanalinspektionen der Stadtentwässerung (68.41).
Ziel der gesamtstädtischen Hitzerisikobewertung ist eine tagesaktuelle Einschätzung des Hitzerisikos als Grundlage für Warnungen und Schutzmaßnahmen für vulnerable Gruppen. Dafür werden das Klimamessnetz weiter ausgebaut, KI-gestützte Echtzeit-Temperaturdaten genutzt (auf Basis der UDP) und die Auswertung wissenschaftlich begleitet. Durch die Identifikation und Darstellung von konkreten Bedarfsräumen, wie „Coolspots“ oder Blau-Grüner Infrastruktur, wird räumlich bezogener Klimaanpassungsbedarf deutlich. Mit einem verbesserten Zugang zur (Geo-)Dateninfrastruktur über die UDP, das Schließen von Datenlücken und durch KI-gestützte Analysen entsteht eine belastbare Entscheidungsgrundlage für klimaresiliente Stadtentwicklung. Digitale Planungs- und Visualisierungstools unterstützen die klimaresiliente Planung und stärken Transparenz und Beteiligung zusätzlich. Dazu gehören Werkzeuge für räumliche Klimaanpassungsmaßnahmen (z. B. BGI-Planer), die Bewertung von Gestaltungsmaßnahmen, Stellungnahmen zu Bebauungsplänen sowie VR/AR-Visualisierungen.
Das KI-basierte Bewässerungsmanagement verstetigt die Erkenntnisse aus dem laufenden BMUV-Förderprojekt BlueGreenCity-KI (Laufzeit bis 12/2027, „KI-Leuchttürme für den Natürlichen Klimaschutz“ im Aktionsprogramm ANK) und ermöglicht eine optimierte, klimawandelangepasste Bewässerungs- und Pflegeplanung für das städtische Grün. KI-basiertes-Management von Wasser-Extremereignissen bedeutet die Erstellung eines Fachzwillings zur prognosegestützten Steuerung und datenbasierten Entscheidungsunterstützung im Extremfall sowie die Ableitung präventiver Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualität oder Überflutungssicherheit. Die ebenfalls KI-basierte Kanalinspektion ermöglicht eine frühzeitige Feststellung möglicher Schäden, reduziert dadurch Kosten und optimiert die kommunale Daseinsvorgabe im Hinblick auf Gewässerschutz (Grundwasser) und eine Reduzierung des Fremdwasserzuflusses zu den Klärwerken.
Für das Projekt Klimafolgenanpassung sind jährliche Sachkosten in Höhe von 45.000 € sowie einmalige Investitionskosten in Höhe von 50.000 € geplant.
Im Projekt Verkehrsmanagement (66.13) werden Verkehrsdaten aus Parkhäusern, Dauerzählstellen und Detektoren zusammengeführt und automatisiert ausgewertet, um Lichtsignalanlagen dynamisch zu steuern und Informationen über den Verkehrsablauf den Verkehrsteilnehmenden z. B. über LED-Tafeln zur Verfügung zu stellen (BDS Nr. 0426/2024 u. BDS Nr. 1554/2024 – Punkt 58, 59 u. 61). Neue Dauerzählstellen und erweiterte Sensorik, die durch die UDP verfügbar gemacht werden, verbessern die Datengrundlage erheblich. Ergänzend werden städtische Betriebsfahrzeuge mit C-ITS-Technik ausgestattet, um Gefahrenmeldungen in Echtzeit zu senden und die Sicherheit sowohl der Mitarbeitenden als auch der Verkehrsteilnehmer*innen zu erhöhen.
Die Erneuerung des Parkleitsystems ist ein wichtiger Bestandteil für die zielgerichtete Lenkung des innerstädtischen Kraftfahrzeugverkehrs in die innerstädtischen Parkhäuser (BDS Nr. 1554/2024 – Punkt 69). Dadurch verringert sich das Verkehrsaufkommen und damit auch die Höhe der Lärm- (BDS Nr. 1905/2023 Luftreinhalteplan) und CO2-Emissionen. Zudem kann die kontrollierte Zielführung des Individualverkehrs als Synergieeffekt zur Neugestaltung der Verkehrsflächen innerhalb des Cityrings genutzt werden, indem durch die Vermeidung von Verkehren in bestimmten Bereichen die Aufenthaltsqualität zusätzlich gesteigert wird.
Mit Smart.Rad 3.0 als drittem Baustein und dem Ausbau des Testgebiets entlang der Veloroute 6 (BDS Nr. 1307/2020) steigen Attraktivität, Effizienz und Akzeptanz des Radverkehrs – ein Beitrag zu nachhaltiger Mobilität und Klimaschutz. Radfahrende erhalten dynamische, geschwindigkeitsabhängige Grünzeitinformationen und profitieren von intelligentem Routing. Zentrales Element ist der TrafficPilot, der kontinuierliche Informationen zum erwarteten Schaltzustand liefert und auch in einem gewissen Rahmen die bedarfsabhängige Berücksichtigung des Radverkehrs in der Signalsteuerung ermöglicht.
Als vierter Baustein soll ein integriertes, datenbasiertes Baustellenmanagement (BDS Nr. 1001/2025) für die Planung von Baustellen entstehen. Die räumliche und zeitliche Erfassung der Maßnahmen ermöglicht deren Auswirkungen modellgestützt und auch in Kombination zu bewerten. Über Schnittstellen zu Verkehrsmanagement und Verkehrsbehörden entsteht eine enge operative Verzahnung; aufbereitete Informationen können auch externen Akteur*innen wie Navigationsdiensten bereitgestellt werden. Ergänzend dazu liefern aktive Baustellenbaken über die UDP Echtzeitdaten zu Standort und Dauer aktuell bestehender Baustellen und erhöhen die Sicherheit.
Für die Bausteine des Verkehrsmanagements sind in Summe Investitionskosten in Höhe von 5.790.000 € geplant. Sie sind z.T. Bestandteil eines gestellten Förderantrages beim Programm „Resiliente Innenstädte“ mit einer Förderquote von 40 %. Die konkrete Förderhöhe ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht zu beziffern.
Das Projekt Smarte Kulturräume (Kulturmanagement VII) stärkt zentrale innerstädtische Plätze als kulturelle, soziale und sichere Aufenthaltsräume. Aufbauend auf den Erfahrungen am Andreas-Hermes-Platz setzt das Projekt auf soziale Präsenz, kulturelle Aktivierung und Beteiligung, um eine nachhaltige soziale Stabilisierung als Bestandteil Urbaner Resilienz zu erreichen. Ein zentraler Baustein ist der Hauptbahnhof als kulturelles Entrée: Eine interaktive, gestalterisch markante Installation macht Hannover als Kulturstadt sichtbar, bündelt kulturelle Angebote, verweist auf Freiräume und Veranstaltungen und ermöglicht niedrigschwellige Interaktion. Technisch kann sie an die im Vorgängerprojekt „Sounds & Screens im Kulturdreieck“ entwickelte Software angebunden werden und erweitert so die bestehende Infrastruktur.
Mit dem kulturellen Resilienzlabor wird das Kultur.Dreieck – einschließlich angrenzender Plätze wie dem Georgsplatz – zu einem integrierten Entwicklungsraum weitergeführt. Der Ansatz verbindet kulturelle Sichtbarkeit mit sozialen, räumlichen und steuernden Komponenten. Ziel ist es, präventiv zur Sicherheit beizutragen, die Innenstadtbelebung zu stärken, kulturelle Vielfalt sichtbar zu machen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Kultur wird damit als aktive Gestalterin Urbaner Resilienz positioniert – verbindend, strukturgebend und langfristig wirkend.
Für das Projekt Smarte Kulturräume sind jährliche Sachkosten in Höhe von 75.000 € sowie Investitionskosten in Höhe von insgesamt 300.000 € geplant.