Der Förderzeitraum des Smart City-Modellprojektes endet zum 31.12.2026. Aussagen zur Einordnung, Ausgangslage, geplanten Weiterentwicklung ab 2027 und Umsetzung des Gesamtprojekt #HANnovativ wird in der Hauptdrucksache „
“ (Drucks. Nr. …./2026) getroffen.
Die nachfolgenden Ausführungen beziehen auf die Smart City-Maßnahme Hitze.Wasser.Management und die Fortführung dieser Maßnahme als Verstetigungsprojekt Klimafolgenanpassung.
Die Maßnahme Hitze.Wasser.Management soll als
Verstetigungsprojekt Klimafolgenanpassung eins von vier Verstetigungsprojekten werden und das Smart City-Handlungsfeld Lebensraum adressieren.
Die Koordination des Projektes liegt bei OE 67.10
Umweltplanung und Klimawandelanpassung. und dafür soll die bis 31.12.2026 befristete 0,5 SC-Stelle einer wissenschaftlichen Sachbearbeitung verstetigt werden.
Das Projekt umfasst drei Teilprojekte:
- Gesamtstädtische Hitzerisikobewertung durch Echtzeit-Monitorings des Klimamessnetzes und KI-basierter Echtzeittemperatur-Daten sowie Ermittlung des räumlichen Klimaanpassungsbedarfs/-potentials (OE 67.10),
- KI-basiertes Bewässerungsmanagement (OE 67.3) und
- KI-basiertes Management von Wasser-Extremereignissen und Kanalinspektionen der Stadtentwässerung (OE 68.41).
Teilprojekt 1: Gesamtstädtische Hitzerisikobewertung durch Echtzeit-Monitorings des Klimamessnetzes und KI-basierter Echtzeittemperatur-Daten sowie Ermittlung des räumlichen Klimaanpassungsbedarfs/-potentials
Als Basis umfasst das Teilprojekt die Koordination und Sicherstellung der dauerhaften Funktionsfähigkeit des stadtweiten Klimamessnetzes sowie die wissenschaftliche Auswertung der erhobenen Messdaten. Diese sollen unter anderem für das Smart-City-Dashboard aufbereitet und auf weitere Anwendungsfelder hin geprüft werden. Zudem wird der kontinuierliche Ausbau des Klimamessnetzes wissenschaftlich begleitet und koordiniert, wenn sich aufgrund neuer Fragestellungen das Erfordernisse zur Verdichtung des 100 Stationen-Netzes ergibt.
Die KI-basierten Echtzeittemperatur-Daten werden ab 2028 flächendeckend für das gesamte Stadtgebiet erzeugt. Dies ist erst 2028 möglich, weil die KI die Daten des flächendeckenden Messnetzes über den Jahresverlauf 2027 zum Lernen braucht. Mit den schon vorhandenen Datensätzen des Innenstadt-Messnetzes kann im Kleinen begonnen werden, was dann stadtweit ausgerollt und kontinuierlich verbessert werden soll. Parallel wird ein Konzept für eine räumlich differenzierte, gesamtstädtische Echtzeit-Hitzerisikobewertung entwickelt, koordiniert und umgesetzt.
Ziel ist es, eine
tagesaktuelle Hitzerisikobewertung bereitzustellen, die sowohl für Hitzewarnungen als auch für gesundheitliche Schutzmaßnahmen insbesondere für vulnerable Gruppen wie ältere Menschen über 65 Jahre, Kinder oder wohnungslose Personen, genutzt werden kann. Dafür sollen routinierte Kommunikationsprozesse etabliert werden, beispielsweise durch Kooperationen mit dem Fahrgastfernsehen der üstra, sowie durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit über soziale Medien und die Website der Stadt Hannover.
Für den Dauerbetrieb des Klimamessnetzes (LoRaWan-Gebühren, Ersatzteile, Dashboard-Anpassungen) sowie für externe Dienstleister werden jährliche Kosten von 45.000 € veranschlagt.
Neben der tagesaktuellen Hitzerisikobewertung geht es in dem Teilprojekt 1 um die
Darstellung des räumlichen gesamtstädtischen Klimaanpassungsbedarfs und -potentials für Hannover. Das Ziel ist die wissenschaftliche Entwicklung datenbasierter und strukturierter Prozessabläufe zur Ermittlung des stadtweiten Klimaanpassungsbedarfs sowie vorhandener Potenziale als Beitrag zur Stärkung der urbanen Resilienz. Ein zentraler Bestandteil ist dabei die Definition sogenannter Bedarfsräume, in denen gezielte Maßnahmen zur Kühlung, etwa durch Gebäudebegrünung oder blau-grüne Infrastruktur, erforderlich sind. Grundlage hierfür bilden die Auswertung von Daten des städtischen Klimamessnetzes sowie KI-gestützte Modellierungen.
Zur Qualitätssicherung werden die Modellergebnisse wissenschaftlich ausgewertet und durch regelmäßige, auch digitale Befragungen der Bevölkerung verifiziert. Diese dienen dazu, tatsächlich empfundene Belastungssituationen bei Hitze zu erfassen und gleichzeitig die Wirksamkeit umgesetzter Klimaanpassungsmaßnahmen zu überprüfen. Auf dieser Basis können prioritäre Interventions- und Handlungsräume identifiziert und klassifiziert werden, die als wichtige Informationsgrundlage für eine klimaresiliente Umwelt- und Stadtplanung dienen.
Der wesentliche Mehrwert liegt in der Bereitstellung einer fundierten, datenbasierten Entscheidungsgrundlage für eine zukunftsfähige und klimaanpassungsorientierte Stadtentwicklung. Dafür erfolgt eine systematische Zusammenführung vorhandener Datengrundlagen, das gezielte Schließen von Datenlücken sowie die Automatisierung von Prozessen sowie eine transparente Darstellung der Ergebnisse mit klarer Dokumentation von Datengrundlagen, Arbeitsabläufen, Aussagekraft und möglichen Limitationen durch die
Etablierung neuer digitaler Planungs- und Visualisierungstools für Maßnahmen zur Klimaanpassung und urbane Resilienz. Im Rahmen des Projekts erfolgt zunächst eine wissenschaftliche Recherche, Prüfung und Weiterentwicklung bestehender digitaler Planungstools für räumliche Klimaanpassungsmaßnahmen, wie beispielsweise den BGI (Blaugrüne Infrastruktur)-Planer des Kompetenzzentrums Wasser Berlin, mit dem Ziel, diese niedrigschwellig innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung nutzbar zu machen.
Die digitalen Tools sollen als zentrale Informations- und Kommunikationsgrundlage dienen, etwa zur Bewertung von Gestaltungsmaßnahmen, zur Erstellung von Stellungnahmen im Rahmen der Bauleitplanung oder zur Unterstützung von Beteiligungsverfahren der Stadtgesellschaft bei städtischen Vorhaben und Entwicklungsprozessen. Darüber hinaus ist eine Mitwirkung an der Entwicklung neuer Visualisierungsmöglichkeiten vorgesehen, insbesondere durch den Einsatz von Virtual und Augmented Reality, sowohl verwaltungsintern als auch für Beteiligungsformate.
Das Projekt richtet sich an die Kommunalverwaltung sowie die Stadtbevölkerung und zielt darauf ab, datenbasierte Informations- und Kommunikationsinstrumente für städtische Planungsvorhaben zu etablieren. Dadurch sollen Transparenz, Verständnis und Akzeptanz von Entscheidungsprozessen gefördert werden.
Die Umsetzung wird je nach eingesetztem Tool in einem Zeitraum von ein bis vier Jahren erwartet, wobei eine dauerhafte Pflege und Weiterentwicklung vorgesehen sind.
Für die Realisierung des Projekts werden Investitionskosten in Höhe von 50.000 € für die Beschaffung, Anpassung und Integration der Tools, insbesondere in die Urban Data Platform (UDP) und den Urbanen Digitalen Zwilling (UDZ), veranschlagt.
Strategisch wird das Projekt in die Hitzeaktionsplanung sowie in das Klimaanpassungskonzept der Stadt eingebettet.
Teilprojekt 2: KI-basiertes Bewässerungsmanagement
Das KI-basierte Bewässerungsmanagement verstetigt die Erkenntnisse aus dem laufenden
BMUKN-Förderprojekt BlueGreenCity-KI (Laufzeit bis 11/2027, im Rahmen des Förderaufrufs „KI-Leuchttürme für den Natürlichen Klimaschutz“ im Aktionsprogramm ANK). Das Projekt „BlueGreenCity-KI“ entwickelt ein KI-gestütztes Tool, das Sensordaten, Stadtklimakarten und bestehende Pflegekataster nutzt, um automatisierte, standortbezogene Empfehlungen für die Pflege und Bewässerung städtischer Grünflächen zu generieren. Ziel ist es, Grünpflegemaßnahmen zu priorisieren, Wassermengen gezielt zu berechnen und alternative Wasserquellen effizient einzubinden. Dies soll zur Reduktion von CO2-Emissionen, zum Schutz wertvoller Ökosystemleistungen und zu einem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen beitragen.
Teilprojekt 3: KI-basiertes Management von Wasser-Extremereignissen und Kanalinspektionen der Stadtentwässerung
Durch die hier beantragte Verstetigung der 0,5 Stelle soll die fachliche Bewertung, Erprobung und perspektivische Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Unterstützung (siedlungs-) wasserwirtschaftlicher Aufgaben bei der Stadtentwässerung Hannover weiter vorangetrieben werden.
In den nächsten Jahren betrifft dies zum einen das KI-unterstütze Management von Wasser-Extremereignissen sowie den Einsatz von KI bei der Kanalinspektion.
KI-unterstütztes Management von Wasser-Extremereignissen:
Im BMFTR-Forschungsvorhaben ZwillE (Digitaler Zwilling zum KI-unterstützten Management von Wasser-Extremereignissen im urbanen Raum (Laufzeit: 02/2022 - 07/2025) erfolgte die Entwicklung und Erprobung eines Digitalen Fach-Zwillings für die Stadtentwässerung Hannover bzw. das Einzugsgebiet der LHH. Ziel des Projektes war es, mit Hilfe eines Digitalen Zwillings ein System zu schaffen, das Echtzeitdaten verarbeitet, Simulationen durchführt und daraus Handlungsempfehlungen ableitet. Ergebnis des Projektes ist ein Demonstrator, der nicht nur die aktuelle Betriebssituation (z.B. Kanalauslastung) abbildet, sondern auch Prognosen (z.B. Überflutungssituation auf Basis einer Regenradarvorhersage), ermöglicht und so die Grundlage für eine optimierte Steuerung und Maßnahmenplanung bietet.
Im Rahmen des Teilprojektes soll der entwickelte Digitale Zwilling und das darum entwickelte System in die dauerhafte Umsetzung und Nutzung überführt werden.
Vor einer Umsetzung („Scharfschaltung“) ist zunächst eine Aktualisierung und Verbesserung der Datengrundlagen zielführend. Diese erfolgt derzeit und ist voraussichtlich 2027 abgeschlossen.
Alle zusätzlich um den Digitalen Zwilling im System erforderlichen Arbeitsschritte (organisatorisch wie auch technisch) können bei einer Verstetigung der SmartCity-Stelle schon vorher starten.
Einsatz von KI bei der Kanalinspektion:
Im Rahmen der Kanalinspektion wird der Zustand der Kanäle regelmäßig erfasst, um mögliche Schäden frühzeitig festzustellen.
Der Betrieb der Kanäle, aber auch äußere Einflussfaktoren wie beispielsweise Unwetter können zu Mängeln in bzw. an den Kanälen führen. Diese wiederum können u.a. zu Grundwassereintritt (höhere verdünnte Klärwerkszuflüsse und negative Auswirkungen auf den Wasserhaushalt und das Grundwasserdargebot) oder Abwasseraustritt (negative Auswirkungen auf das Grundwasser) führen. Daher ist eine genaue Untersuchung der Kanäle unumgänglich, aber auch sehr aufwendig und zeitintensiv. Hierzu wird eine auf einem Kanalbetriebswagen befestigte Kanalkamera durch die Kanäle gesteuert.
Bei der Sichtung der Kanalvideos muss das Personal derzeit mühsam jeden Schaden erfassen. Um das Personal zu entlasten, soll im Rahmen dieses Projektes eine automatisierte Kanalinspektion erprobt und ggf. später eingeführt werden.
Der Zustand des Kanals einschließlich der Schäden wird direkt über ein vorgegebenes Kodierungssystem dokumentiert. In den letzten Jahren wurden Softwarelösungen entwickelt, die maschinelles Lernen zur automatischen Erkennung von Schäden in Kanalinspektionsvideos nutzen. Das künstliche System lernt aus Beispieldaten und erkennt selbstständig ein Muster. Wenn man die KI immer wieder mit Bildern und Videos trainiert, wie zum Beispiel eine Pfahlwurzel oder eine Reparatur mit Injektionsverfahren aussieht, wird sie dies nach der oben erwähnten Methode jedes Mal besser erkennen und erlernen können. Durch den Einsatz der künstlichen Intelligenz soll sowohl die Effizienz bei der Schadenserfassung gesteigert als auch eine objektive und vergleichbare Auswertung ermöglicht werden. Ziele und Mehrwerte des Vorhabens sind die schnellere Bearbeitung der Kanalinspektion und somit eine Optimierung der Aufgaben der kommunalen Daseinsvorgabe.
Zur Umsetzung des Teilprojektes 3 ist die Verstetigung der derzeit befristeten 0,5 Stelle Wissenschaftliche Sachbearbeitung bei OE 68.41 Generalplanung erforderlich.
Zudem sollen perspektivisch weitere Einsatzmöglichkeiten von KI bei der Stadtentwässerung identifiziert und erarbeitet werden. Die zunehmende Verfügbarkeit hochaufgelöster Mess-, Betriebs- und Zustandsdaten eröffnet dabei neue Möglichkeiten für datengetriebene Auswertungen und Prognosen. Dabei ist jedoch immer zu beachten und zu prüfen, dass die zu entwickelnden Anwendungen an sicherheitsrelevanten Infrastrukturen hohe Anforderungen an Transparenz, Robustheit, Sicherheit und Kontrollierbarkeit stellen.