Informationsdrucksache Nr. 1107/2016:
Bericht über die Mittelverwendung „Antirassismus und Integration“ sowie „Initiativen zur kulturellen Bildung und Gewaltprävention für das Haushaltsjahr 2015“

Inhalt der Drucksache:

Bitte beachten Sie, dass der folgende Text eventuell medienbedingte Formatabweichungen aufweisen kann. Eine formatgetreue Abbildung des Inhalts finden Sie in der Anlage "Druckversion.pdf".
Landeshauptstadt HannoverInformationsdrucksacheInformationsdrucksache
In den Jugendhilfeausschuss
In den Ausschuss für Integration, Europa und Internationale Kooperation (Internationaler Ausschuss)
In den Verwaltungsausschuss
 
Nr.
Anzahl der Anlagen
Zu TOP
 
1107/2016
0
 

Bericht über die Mittelverwendung „Antirassismus und Integration“ sowie „Initiativen zur kulturellen Bildung und Gewaltprävention für das Haushaltsjahr 2015“

Gemäß Änderungsantrag zum Haushalt 2014 H-0240/2014 legt die Verwaltung diese Informationsdrucksache als Bericht zur Vergabe der Mittel Antirassismus und Integration vor.

Die Landeshauptstadt Hannover engagiert sich stark gegen rechtsextremistische Tendenzen. Im Fachbereich Jugend und Familie gibt es eine Stelle zur Koordination u.a. der Themenschwerpunkte Rechtsextremismus, Antidiskriminierung sowie gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Dort sind auch die Mittel für die Arbeit zur Bekämpfung von Rechtsextremismus angesiedelt. Mit dieser Anbindung soll eine stärkere Verzahnung mit anderen Aktivitäten der Stadt gegen rechtsextremistische Tendenzen erreicht werden.

Nach Beschlusslage der Landeshauptstadt Hannover werden 10.300 € vorrangig für Präventionsarbeit gegen Alltagsrassismus und Neonazis zur Verfügung gestellt. Diese Mittel sollen vorrangig den Mitgliedsverbände des Stadtjugendrings zu Gute kommen. Mit den Mitteln sollen neue Ideen gefördert und bestehende Projekte unterstützt werden. Im Jahr 2015 wurden viele Projektanträge an den Bereich der Kinder- und Jugendarbeit gestellt, die häufig eine hohe (Gewalt-)präventive Ausrichtung hatten. Diese Anträge wurden im Bereich Kinder- und Jugendarbeit aus den Mitteln „Initiativen zur kulturellen Bildung und Gewaltprävention“ in Höhe von 20.600 € finanziert. Über diese Mittelvergabe wird im Rahmen dieser Drucksache ebenfalls berichtet.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten
Die Projekte erreichen Jugendliche beiderlei Geschlechts, somit sind die Genderaspekte berücksichtigt.






Mittelvergabe im Jahr 2015
Maßnahmen und Projekte, die aus dem Etat „Antirassismus und Integration“ sowie aus Mitteln der Gewaltprävention gefördert werden sollten, mussten vom jeweiligen Träger jeder Maßnahme gesondert beantragt werden. Die Anträge wurden auf Grundlage der eingereichten Projektinformationen und im Gespräch mit den Antragstellern fachlich bewertet und geprüft, ob eine finanzielle Unterstützung gewährt werden konnte. Wichtige Voraussetzung für die Bewilligung der zentralen Mittel ist ein Bezug zum Thema Antirassismus, Integration oder gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit oder zum Themenfeld der (Gewalt-)Prävention.

Geförderte Maßnahmen
Insgesamt wurden im Jahr 2015 zwanzig unterschiedliche Projekte gefördert. Mit diesen Projekten wurden insgesamt mehr als 620 Jugendliche und junge Menschen erreicht. Die in den Haushalt eingestellten Mittel „Antirassismus und Integration“ in Höhe von 10.300 € sowie Mittel zu „Initiativen zur kulturellen Bildung und Gewaltprävention“ in Höhe von 20.600 € wurden im Jahr 2015 wie folgt verwendet:


Projekt
Träger
Fördersumme
„Die Arier“ im Rahmen der Antirassismuswochen 2015
Bereich Kinder- und Jugendarbeit
1.180,90 €
„interkulturelles Fastenbrechen“
türkische Studentenjugend
1.200,00 €
„Mädchenfußball und Jugend-begegnung Dijarbakir/Hannover
SG 1874 und Bereich Kinder- und Jugendarbeit
1.498,41€
„Spuren suchen“
SJD Die Falken
1.200,00 €
Ausstellung über die kurdische Stadt Dijarbakir
Jugendumweltnetzwerk
JANUN e.V.
388,00 €
Projekt „Diskriminierung“
Jugendumweltnetzwerk
JANUN e.V.
879,11 €
Gründung der Arbeitsgemeinschaft türkischer Jugendverbände (ATJ)
Arbeitsgemeinschaft türkischer Jugendverbände (ATJ)
1.260,00 €
Interkultureller Rap- und HipHop-Workshop für Jugendliche
Jugendtreff GoHin und MusikIn im Quartier Gorch-Fock-Str./Hinrichsring
3.313,80 €
Bewegungsangebot für weibliche Jugendliche mit Fluchterfahrungen
Mädchenhaus KOMM
1.260,00 €

Projekt
Träger
Fördersumme
„Zwangsarbeit in der Fröbelstraße 1943 – 1945“
SJD Die Falken
550,00 €
„Lauf gegen Rassismus“
Türkische Jugend Deutschland
1.250,00 €
„Friedenslicht Bethlehem 2015“
Verband Christlicher Pfadfinder
1.300,00 €
„Mädchendemokratietag“
Mädchenarbeitskreis (MAK)
400,00 €
Andorra-Projekt
Olympic Sport Club Hannover und Jugendsportzentrum
2.500,00 €
„Grenzenlos“ – Seminar über Flucht
Jugendumweltnetzwerk
JANUN e.V.
325,00 €
Modellprojekt
ju:an - Praxisstelle antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit
Amadeo Antonio Stiftung
6.000,00 €
Fachtag zu diskriminierungs-sensibler Jugendarbeit
Modellprojekt ju:an
187,70 €
„Zukunft heißt Erinnerung“
Stadtjugendring Hannover
2.000,00 €
„Orte für Mädchen in Hannover“
Mädchenarbeitskreis (MAK)
1.600,00 €
./.


Gesamtausgaben

30.892,92 €


Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass im Jahr 2014 99,98 % der Mittel abgerufen wurden.

Die Projekte und Veranstaltungen befassten sich mit folgenden Inhalten:

„Die Arier“ im Rahmen der Antirassismuswochen 2015 (1.180,90 €)
Der Dokumentarfilm »Die ARIER« ist eine Tour de Force in die Abgründe des Rassismus. Noch nie hat sich jemand filmisch konkret an das Thema ARIER gewagt. Und das obwohl unter der vermeintlichen Marke ARIER in Deutschland gegen Menschen anderer Religion, Hautfarbe oder Geschlechtsorientierung gehetzt und gemordet wurde und wird. Auf einer persönlichen Reise versucht die Afrodeutsche Mo Asumang herauszufinden, was hinter der Idee vom »Herrenmenschen« steckt. Sie begibt sich zu Pseudo-Ariern auf Nazidemos, reist zu den wahren Ariern in den Iran, trifft sich in den USA mit weltweit berüchtigten Rassisten und begegnet dem Ku-Klux-Klan. Der Film wurde in der IGS List 9. und 10. Jahrgangsstufe sowie im Haus der Jugend vorgeführt. Anschließend bestand jeweils die Gelegenheit zur Diskussion mit der Regisseurin und (während der Abendveranstaltung) weiteren Gästen. Mit beiden Veranstaltungen wurden ca. 90 Personen erreicht.

Projekt interkulturelles Fastenbrechen der Arbeitsgemeinschaft der türkischen Jugendverbände (ATJ) und des türkischen Studentenbundes (1.200,00 €)
Das traditionelle Fastenbrechen der Muslime bietet sich sehr dazu an, einen Einblick in Glauben und Ritual von Muslimen in Deutschland zu vermitteln. Sich auf diese Art der Gesellschaft zu öffnen zeigt einen hohen Willen zu Verständnis und Verständigung innerhalb der Gesellschaft. Dies entspricht dem Integrationsgedanken und dient der Überwindung von Grenzen und Vorurteilen beim Gegenüber. Insgesamt 25 Personen nahmen an dem Projekt teil. Im Islam ist das Fastenbrechen der abendliche Abschluss eines Fastentages während des Ramadans mit dem Abendgebet bei Einbruch der Dunkelheit. Traditionell wird als erstes eine Dattel gegessen oder Wasser/Milch getrunken. Da das Abendessen zu diesem Zeitpunkt üblich ist, sind in islamischen Ländern alle Geschäfte und Lokale zu diesem Zeitpunkt geschlossen, werden danach aber meist wieder geöffnet. Das Id Al-Fitr am Ende des Ramadan beendet das Fasten dann ganz.

Projekt „Mädchenfußball und Jugendbegegnung Dijarbakir/Hannover“ (1.498,41 €)
Der Sportverein SG von 1874 Hannover e.V. hat in Kooperation mit der städtischen Jugendferienservicestelle eine internationalen Jugendbegegnung mit jungen Frauen aus Dijarbakir durchgeführt. Diese Jugendbegegnung mit insgesamt 31 Teilnehmerinnen stand unter dem Fokus der kulturellen Bildung, indem sich thematisch über den Alltag und das Leben der jeweils anderen Gruppe ausgetauscht wurde. Durch die aktuelle politische Entwicklung in der Türkei und dem Konflikt zwischen der türkischen Regierung und der Arbeiterpartei PKK wurden während des Aufenthalts der angedachte inhaltliche Rahmen stark in Richtung Gewaltprävention ausgeweitet, indem vielfach über Ausgrenzungsmechanismen und friedliches Zusammenleben diskutiert wurde.

Projekt Ausstellung über die kurdische Stadt Dijarbakir von JANUN e.V. (388,00 €)
Seit 2012 findet ein jährlicher Jugendaustausch zwischen jungen Erwachsenen der Umweltorganisation JANUN e.V. aus Hannover und einer kurdischen Jugendorganisation aus Dijarbakir statt. Die jungen HannoveranerInnen haben ihre Erfahrungen und Eindrücke von dem Austausch nun im Rahmen einer Ausstellung festgehalten, die bei kargah e.V. gezeigt wurde. Fotos und Texte erzählen von den Besonderheiten der Millionenmetropole aus Sicht von jungen Menschen. Insgesamt wurden sieben Tafeln produziert. Die Ausstellung dauerte drei Wochen.

Projekt Diskriminierung von JANUN e.V. (879,11 €)
Das Projekt des Jugendumweltbüros JANUN e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, während der Jugendbegegnung in Hannover mit dem Thema "Diskriminierung" auseinander zu setzen. Während der letzten Jugendbegegnung, die im Oktober 2014 in Dijarbakir stattfand, war schnell klar, dass dies das Thema sein soll, mit dem die Beteiligten sich 2015 gemeinsam beschäftigen wollen. Kurdinnen und Kurden leiden aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit seit langer Zeit unter Diskriminierung. Der Besuch in einem Flüchtlingslager bei Dijarbakir, in das sich Jesiden aus dem Irak gerettet haben, hat allen TeilnehmerInnen vor Augen geführt, wie brutal sich Diskriminierung auswirken kann. Auch die zunehmende Diskussion um steigende Flüchtlingszahlen in Deutschland hat dazu beigetragen, das Thema auszuwählen. Die Pegida-Proteste bestätigen, dass dies ein wichtiges Thema ist. Schnell haben sich alle Beteiligten aber dafür entschieden das Thema "Diskriminierung" nicht alleine auf das Thema Flucht & Asyl zu beschränken. Die 24 TeilnehmerInnen werden sich auch mit der Diskriminierung von Frauen und sexuellen Minderheiten beschäftigen.

In Hannover wie auch in Dijarbakir werden Menschen aus unterschiedlichsten Gründen diskriminiert. Gemeinsam wird während der Jugendbegegnung ergründet, warum Menschen andere Menschen überhaupt diskriminieren und welchen staatlichen/kommunalen wie auch gesellschaftlichen Initiativen es dagegen gibt und wie diese wirken. Abschließend wurden die TeilnehmerInnen selber aktiv, produzieren Videoclips, Postkarten und Poster. Diese werden sowohl in Hannover, als auch in Dijarbakir Verbreitung finden. Die Poster werden aufgehängt, die Postkarten verteilt, die Videoclips im Lokalfernsehen gesendet. Auf diese Weise wollen die TeilnehmerInnen und die beteiligten Organisationen einen Beitrag zum Kampf gegen Diskriminierung leisten.

Folgeprojekt „Spuren suchen“ Desserteure auf dem Fössefeldfriedhof, SJD Die Falken (1.200,00 €)
Das Projekt vermittelte Jugendlichen einen Einblick in historische Zusammenhänge und sensibilisierte für die Themen Missachtung und Herabsetzung von Menschen und Menschengruppen. Dazu wurde sich mit Gründen und Motiven von Desserteuren auseinandergesetzt und mit deren Biographien beschäftigt. In der Diskussion um Männlichkeitsbilder aus nationalsozialistischer Sicht steht zu erwarten, dass Jugendliche in der Selbstwahrnehmung gestärkt und somit widerstandsfähig gegen rechtsgerichtete Ideologien werden. Im Jahr 2015 wurden verschiedene Objekte gefertigt und diese am Fössefeldfriedhof installiert. Begleitend konnten Besucherinnen und Besucher einer Gedenkveranstaltung die Installation vor Ort wirken lassen und sich auf die Suche nach den letzten Spuren der Opfer begeben.

Gründung der Arbeitsgemeinschaft türkischer Jugendverbände, AJT (1.260,00 €)
Im Rahmen der interkulturellen Öffnung in der Jugendverbandsarbeit haben sich die in Hannover ansässigen Jugendgruppen und – initiativen mit türkischem Migrationshintergrund zu einer Arbeitsgemeinschaft entwickelt. Das Projekt zielte auf die Durchführung der Vollversammlung und Gründung des neuen Dachverbandes hin. Dazu wurden Vertreter aus Politik, Verwaltung und Einzelpersonen eingeladen, die sich für die interkulturelle Öffnung in der Jugendarbeit interessieren. Über 70 Personen kamen der Einladung nach. Die Jugendlichen sind ausschließlich ehrenamtlich aktiv und organisieren die komplette Veranstaltung ohne Unterstützung oder Hilfe ihrer Erwachsenenorganisationen. Sie planen das erste Mal eine Vollversammlung in dieser Größenordnung. Dadurch werden sie mit demokratischen Spielregeln vertrauter und üben sich in Partizipation und Teilhabe.

Projekt Interkultureller Rap- und HipHop-Workshop für Jugendliche (3.313,80 €)
In dem Rap- und HipHop-Workshop ging es verstärkt darum, das soziale Miteinander in der Gruppe und die Toleranz anderen gegenüber zu stärken. Es können auf diese Weise neue Netzwerke entstehen, da Jugendliche aufeinandertreffen, die sonst unter Umständen nicht zueinander finden würden. Die TeilnehmerInnen lernten zudem produktiv und kreativ mit dem Medium Rap umzugehen, indem sie Rap- und Gesangstechniken lernten und in die Lage versetzt wurden, eigene Texte zu komponieren und einen eigenen Song aufzunehmen. Eigene Kompetenzen werden in andere Bahnen gelenkt. Die Jugendlichen sollen diese Musikform als ein Medium begreifen, über das sie sich selbst ausdrücken und ihre Probleme, Freuden und Ängste ihrer Umwelt mitteilen können. Persönliche Erfahrungen mit oder Gedanken über Gewalt, Arbeitslosigkeit, Diskriminierung oder Drogen, aber auch Liebe und Freundschaft konnten von den TeilnehmerInnen in ihren eigenen Songs und in ihrer eigenen Sprache kreativ verarbeitet werden. Die Jugendlichen konnten ihren Sprachfundus ausbauen, indem sie neue Wörter lernten und Sätze auf kreative Weise bildeten und zusammensetzten. Insbesondere die TeilnehmerInnen mit Migrationshintergrund konnten darin unterstützt werden, spielerisch und mit Spaß ihre Sprachkompetenz zu erweitern. Sich öffnen durch eigene geschriebene Texte, ein gewaltfreies Ventil finden durch Rap, sich zu präsentieren ohne zu provozieren sind nur einige Ziele, die durch den Workshop erreicht werden sollen.

Projekt Get2gether – Jugendtheater (2.000,00 €)
Das Projekt verbindet hier lebende und neu angekommene Jugendliche mit dem Medium Theater. Inhaltlich werden z.B. Diskriminerungs-Erfahrungen reflektiert und sich mit Kulturen, Gesellschaftsformen und Werten beschäftigt. Unter anderem leistet das Projekt einen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen. Gegenseitiges Kennenlernen und Verständigung ist ein wesentlicher Baustein im Rahmen von Gewaltprävention. Unterschiede werden erfahrbar gemacht und werden nicht (mehr) als Bedrohung wahrgenommen. Persönlichkeit von Jugendlichen werden gestärkt, Meinungsbildung und das Vertreten der Meinung unterstützt. Die Präsenz und die Sicherheit im Auftreten werden gestärkt. Positive Erfahrungen stärken die Motivation sich künstlerisch, sozial und politisch zu engagieren. Ein in das Projekt integriertes Patenschaftsprojekt schafft Nachhaltigkeit indem weitergehende Kontakte in die bestehende urbane Gesellschaft hergestellt und begleitet werden. Insgesamt werden mit dem Projekt 35 Jugendliche beiderlei Geschlechts erreicht.

Projekt Mädchenhaus KOMM „Bewegungsangebot für weibliche Jugendliche mit Fluchterfahrungen“ (1.260,00 €)
Das Besondere an dem Projekt ist, dass es sich spezifisch mit weiblichen Jugendlichen (mit Fluchterfahrung) beschäftigt und so einen Erfahrungsraum für die Verarbeitung des Erlebten eröffnet. Insbesondere dass psychomotorische Elemente mit Sprachförderung kombiniert werden, sollte die Persönlichkeiten der Jugendlichen festigen helfen. Als mögliche Betroffene von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in einer fremden Kultur bedürfen die jungen Frauen besonderer Unterstützung. Die genannten Aspekte stellen Schritte zur Integration in Deutschland dar.

Projekt Zwangsarbeit in der Fröbelstraße 1943 – 1945 von SJD Die Falken (550,00 €)
Die ehemalige Albert-Schweitzer Schule in der Fröbelstraße 5 ist ein denkmalgeschütztes Gebäude mit einer vielseitigen Geschichte als weltliche Schule, Ersatzhospital, ZwangsarbeiterInnen-Lager gegen Ende des 2. Weltkriegs und Lager für deutsche Arbeitstrupps zur Versorgung der lokalen Industrie und Handwerk. In der Nachkriegszeit wurde es wieder eine Schule. Ziel ist es, in mehreren Workshops mehr über die Geschichte des Gebäudes zu erarbeiten und dabei die Themen Bildung und Zwangsarbeit vor, während des und nach dem Nationalsozialismus im Fokus zu haben. Langfristig möchten die Falken in Kooperation mit dem Stadtteilleben e.V. (STL e.V.) einen Raum der Erinnerung schaffen und eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses erarbeiten, sowie zu den o.g. Themen mit lokalen Gruppen, Initiativen und Verbänden kooperieren. Das Besondere des Projektes liegt darin, dass Jugendliche die Geschichte der Schule bearbeiten können, die kaum aufgearbeitet ist, und ein besonderes Augenmerk auf das Thema „ZwangsarbeiterInnen“ richten, zu dem es nur wenige Informationen gibt.

Projekt Lauf gegen Rassismus der türkischen Jugend Deutschland ( 1.250,00 €)
Das Ziel ist es durch eine gemeinsame, sportliche Aktivität den Kontakt von verschiedenen Bevölkerungsgruppen zueinander herzustellen, um Vorurteile abzubauen. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen zum Thema Flüchtlingspolitik in Hannover möchten wir gemeinsam mit den jungen Flüchtlingen laufen. Diese Personengruppe sollte ebenfalls auf eine unkomplizierte Art und Weise am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Etwa 120 Menschen nahmen an dem Lauf teil.

Projekt Friedenslicht Bethlehem 2015 des Verbandes der Christlichen Pfadfinderinnen und Pfadfinder e. V., VCP (1.300,00 €)
Das Friedenslicht wird jährlich von Bethlehem aus in die Welt getragen. In Hannover hat der VCP die Verteilung organisiert, unter anderem mit einer Sternfahrt in historischen Straßenbahnen. Inhaltlich trifft der Projektgedanke Elemente der Gewaltprävention, indem Begegnung gefördert wird, sich Menschen unterschiedlicher religiöser und kultureller Herkünfte austauschen und voneinander erfahren. Der Gedanke eines friedlichen Miteinanders steht im Mittelpunkt der Aktivitäten rund um das Friedenslicht aus Bethlehem. Gruppen junger Migranten und Geflüchteter stehen verstärkt im Fokus der Durchführenden. Somit kann dieses Projekt einen Beitrag zur Integration leisten. 30 Kinder und Jugendliche beteiligten sich an der Verteilung des Friedenslichts. Das Friedenslicht selbst erreichte über 300 Personen in Hannover.

Projekt Mädchendemokratietag (400,00 €)
Insbesondere jungen Menschen Demokratie näher zu bringen, Abläufe und Verfahren demokratischer Prozesse und –Entscheidungsfindungen zu vermitteln ist eine hervorragende Prävention gegen extremistische Einstellungen. Die hergestellte Transparenz schafft Verständnis und Akzeptanz für demokratische Handlungen und Vorgehensweisen und stärkt den Willen gegen verfassungsfeindliche und undemokratische Haltungen, Handlungen und Äußerungen. 51 Mädchen nahmen am Mädchendemokratietag 2015 teil.

Projekt „Andorra-Projekt“ OSC Hannover und des Jugendsportzentrums (2.500,00 €)
Das Projekt richtet sich insbesondere an Jugendliche zwischen 14 und 27 Jahren in schwierigen Lebenslagen mit Migrationshintergrund und dem besonderen Interesse an Kampfsport vorwiegend aus den Stadtteilen Vahrenheide, Alte Heide, Sahlkamp, Roderbruch, Groß Buchholz. Ziel des Projektes ist es Reflexionsfähigkeit zu erlangen und darauf aufbauend sich die eigene Herkunft, Lebenslage, Sozialisation, Lebenswelt bewusst zu machen, sich mit bestehenden gesellschaftlichen Vorurteilen auseinander setzen, die eigene Haltung zu überprüfen und weiter zu entwickeln. Verschiedene, thematisch konzipierte Workshops wurden durchgeführt. Den Höhepunkt des Projektes bildete eine Alpenüberquerung auf dem Fernwanderweg E5 Obersdorf – Meran mit den 10 teilnehmenden Jugendlichen.

Der sogenannte „Andorra-Effekt“ besagt, dass sich Menschen oft an die Vorurteile und Behauptungen der Gesellschaft anpassen und dies unabhängig davon, ob diese zutreffen oder nicht der Wahrheit entsprechen. Der Effekt beschreibt damit eine sich selbst erfüllende Vorhersage, bei der sich eine Person mit der Zeit genauso verhält, wie man es ihr die ganze Zeit vorausgesagt hat, dies ohne diese Vorhersage aber vielleicht nicht getan hätte. Gesellschaftlich spielt dieser Effekt eine Rolle, wenn gegen eine gesellschaftliche Randgruppe wie Beispielsweise benachteiligte Familien, Harz-IV Empfänger, Jugendliche in schwierigen Lebenslagen oder andere Minderheiten bestimmte Vorurteile vorliegen und Personen dieser Randgruppe deswegen anfangen sich tatsächlich entsprechend den Erwartungen zu verhalten.

Projekt Grenzenlos – Seminar über Flucht von JANUN e.V. (325,00 €)
Vom 11. - 13.12. fand das Seminar zum Thema „Flucht“ im Harz statt. An dem Seminar nahmen 21 junge Menschen ab 18 Jahren teil, darunter sechs Flüchtlinge und drei junge MigrantInnen, die erst seit Sommer in Hannover leben. Das Wochenendseminar hatte zum Inhalt, Gespräch zu führen über die Situation von Geflüchteten in Deutschland unter Berücksichtigung der Fragestellungen: Wie nehmen Geflüchtete Deutschland wahr? Was ist ihnen hier fremd, was überrascht sie am Meisten? Wie nehmen die Deutschen ihr eigenes Land wahr? Wie ist die aktuelle Stimmung gegenüber Geflüchteten in Deutschland? Weiterhin gab es Erfahrungsberichte & Austausch über Fluchtgründe, Fluchtwege, und das Leben davor. Ein Referat über globale Fluchtbewegungen in Vergangenheit und Gegenwart und ein Ideenworkshop rundeten das Seminar ab. Junge Menschen wurden für das Thema Geflüchtete sensibilisiert, Vorurteile konnten abgebaut werden. Einheimische und Geflüchtete konnten Kontakt zu einander knüpfen, Besonders der gegenseitige Kontakt ist ein wesentlicher Baustein von Integration.

Fachtag zu diskriminierungssensiblen Jugendarbeit der Amadeo Antonio Stiftung, Jugendarbeit und Antisemitismus, ju:an (187,70 €)
Im letzten Jahr sind etwa 31 Prozent der Asylanträge von Kindern und Jugendlichen gestellt worden - über die Hälfte aller Menschen mit Fluchterfahrung in Deutschland sind unter 25 Jahre alt. Die Zahl der ankommenden Menschen – eben auch der Kinder und Jugendlichen – hat sich in den letzten Monaten vervielfacht. Bis Ende 2015 werden etwa 30.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leben, die ohne Eltern oder Familienangehörige hier sind. Dies stellt die Kinder- und Jugendarbeit und die Jugendsozialarbeit vor vielfältige Herausforderungen: Welche Unterstützung und Perspektiven bietet die Offene Kinder- und Jugendarbeit Jugendlichen mit Fluchterfahrung? Was können diejenigen, die keine eigenen antisemitischen und/oder rassistischen Diskriminierungserfahrungen machen, durch Sensibilisierung für ihre professionelle Praxis lernen und wie können sie betroffene Jugendliche stärken? Welche erfolgreichen Beispiele aus der Praxis gibt es bereits, um Diversity und Gleichwertigkeit in der Jugendarbeit umzusetzen? Diese Fragen diskutierten über 70 Teilnehmende Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit.

Projekt „Zukunft heißt Erinnerung“ des Stadtjugendring Hannover (2.000,00 €)
Jugendliche und junge Erwachsene aus dem pädagogischen Feld der Erinnerungs-arbeit hannoverscher Jugendverbände haben einen antifaschistischen Stadtrundgang für die Landeshauptstadt erarbeitet. Orte der Verfolgung und des Widerstandes wurden zunächst textlich beschrieben und durch Bild- und Audiodateien ergänzt. In einem dritten Schritt wurde daraus ein von den (jugendlichen) Nutzerinnen und Nutzern selbst organisierter GPS-gestützter Stadt-Erkundungsrundgang. Die technische Umsetzung des Projektes wurde finanziert.

Projektfinanzierung Amadeo Antonio Stiftung, Jugendarbeit und Antisemitismus, ju:an (6.600,00 €)
Das Bundesmodellprojekt Praxisstelle für antisemitismus- und Rassismus-kritische Jugendarbeit wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durchgeführt. Örtlicher Träger ist die Amadeo Antonio Stiftung, welche in Hannover in 2015 ein Büro eröffnet. Die Praxisstelle antisemitismus- und Rassismus-kritische Jugendarbeit, ju:an, bündelt die Expertise aus drei Jahren Projekterfahrung. Sie berät, schult und coacht MultiplikatorInnen bei der Umsetzung nachhaltiger antisemitismus- und Rassismus-kritischer Jugendarbeit.

Projekt Orte für Mädchen in Hannover (1.600,00 €)
Im Rahmen des Projektes „Mädchen in der Stadt – Mein Hannover 2030“ fanden im ersten Halbjahr 2015 verschiedene Veranstaltungen für Mädchen und junge Frauen statt. Im Mai gab es eine große Stadtrallye mit anschließender Party im Mädchenhaus KOMM mit über 100 Teilnehmerinnen. Die Stadtrallye stand unter dem Motto „Da kann ich hin, wenn... Orte für Mädchen in Hannover“. Begleitend zu der Rallye wurde eine Broschüre mit dem gleichnamigen Titel erstellt. Diese gibt einen Überblick über qualifizierte Angebote für Mädchen und junge Frauen, Beratungsstellen, Freizeitangebote und Treffpunkte u.v.m. Die Broschüre leistet einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit des Projektes „Mädchen in der Stadt“. Mädchen und junge Frauen, die nicht an der Rallye teilgenommen haben, können sich mit Hilfe der Broschüre einen sehr guten Überblick über die Angebote für Mädchen in Hannover machen. Soziale Fachkräfte, MultiplikatorInnen und andere Fachdienste der Jugendhilfe und Beratungsstellen sind sehr interessiert an der Broschüre, um Mädchen über die Angebote zu informieren und ihnen somit den Zugang zu Hilfs- und Unterstützungsangeboten zu erleichtern. Insofern wird mit dem Druck und der Verteilung der Broschüre ein wichtiger Beitrag zur Prävention für Mädchen und junge Frauen geleistet. Die Auflage der Broschüre beträgt 2.500 Exemplare.

Kostentabelle

In 2016 stehen die Fördermittel in Höhe von 10.300,00 € für Projekte aus dem Themenfeld Integration und Antirassismus sowie 20.600 € aus den Mitteln zu Initiativen zur kulturellen Bildung und Gewaltprävention wieder zur Verfügung.

51.5 
Hannover / May 13, 2016