Antrag Nr. 1099/2026:
Antrag der SGH-Fraktion: Verantwortung übernehmen – Zukunft gestalten: Neues Konzept für das Waldersee - Denkmal

Inhalt der Drucksache:

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Antrag der SGH-Fraktion: Verantwortung übernehmen – Zukunft gestalten: Neues Konzept für das Waldersee - Denkmal

Antrag

Die Verwaltung wird beauftragt:

1. unter Einbeziehung der zuständigen politischen Gremien sowie relevanter fachlicher und zivilgesellschaftlicher Akteur*innen ein Gesamtkonzept für den zukünftigen Umgang mit dem Walderseedenkmal in Hannover Mitte zu erarbeiten und vorzulegen.

2. Das Konzept soll verschiedene Handlungsoptionen darstellen und bewerten, insbesondere: eine deutlich sichtbare, künstlerisch gestaltete und denkmalschutzkonforme kritische Kontextualisierung des Denkmals, einen künstlerischen oder erinnerungskulturellen Umgang mit dem Denkmal, sowie die Verlagerung oder vollständige Entfernung des Denkmals aus dem öffentlichen Raum.

3. Das Konzept soll die rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere den Denkmalschutz, berücksichtigen, zugleich aber klare politische Entscheidungsoptionen aufzeigen und bewerten.

4. In die Konzepterarbeitung sind insbesondere einzubeziehen: o der Beirat für ein dekolonialisierendes Erinnerungskonzept der Landeshauptstadt Hannover, die Beiräte für Kunst im öffentlichen Raum, das Zeitzentrum Zivilcourage, o der Stadtbezirksrat Mitte, einschlägig tätige zivilgesellschaftlichen Initiativen und Organisationen aus den Bereichen Migration, Dekolonisierung, Antirassismus und Erinnerungsarbeit, sowie weitere externe wissenschaftliche, pädagogische und künstlerische Expertise.

5. Das Konzept ist dem Kulturausschuss sowie dem Stadtbezirksrat Mitte zur Beratung und politischen Entscheidung vorzulegen.

Begründung

Das Waldersee Denkmal stellt aufgrund der Person Alfred von Waldersee, der deutschen Kolonialverbrechen sowie der Errichtung des Denkmals im II. deutschen Kaiserreich einen hoch belasteten Ort im öffentlichen Raum dar. Es wurde im Frühjahr 1915, also während des ersten Weltkrieges, an seinem heutigen Ort in der Hohenzollernstraße errichtet. Mandatsträger*innen des Stadtbezirks Mitte forderten vor einiger Zeit den Abriss des Denkmals. Waldersee war unter anderem für die blutige Niederschlagung des Boxeraufstandes in China verantwortlich. Sein Fuß steht auf einem in Stein gegossenen chinesischen Drachen. Ein Symbol für blutige Unterwerfung. Die zu spät gekommene Nation, also das deutsche Kaiserreich, war nicht, wie Reichskanzler Bismarck zu einem früheren Zeitpunkt erhoffte, saturiert, sondern hungrig nach Weltgeltung im kolonialen Raum. Nach einer jahrelangen öffentlichen Debatte besteht Einigkeit darüber, dass ein bloßes Fortschreiben des Status quo keine tragfähige Lösung darstellt. Erforderlich ist vielmehr ein strukturierter, transparenter und politisch steuerbarer Prozess, der unterschiedliche Formen des Umgangs mit dem Denkmal – von einer kritischen Kontextualisierung bis hin zur vollständigen Entfernung – systematisch prüft. Mit der Erarbeitung eines Gesamtkonzepts schafft die Verwaltung die Grundlage dafür, dass die politischen Gremien auf Basis fundierter fachlicher Einschätzungen und unter Einbeziehung relevanter Akteur*innen eine bewusste erinnerungskulturelle Entscheidung treffen können.

Dirk Machentanz

Fraktionsvorsitzender