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Anfang des Jahres 2023 trafen immer wieder heftige Regenfälle den Süden Malawis. Vom 11. - 15. März 2023 verursachte der Zyklon „Freddy“ zusätzlich enorme Schäden. Besonders Hannovers Partnerstadt Blantyre wurde stark getroffen. 286 Todesfälle wurden im Stadtgebiet gemeldet, insgesamt waren 35% der Einwohner*innen von dem Zyklon betroffen, mehr als 38.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen und wurden z.T. in Notfallcamps untergebracht. Die malawische Regierung rief den Katastrophenfall aus. Durch die heftigen Regenfälle und den Zyklon wurden, Schulgebäude zum Teil zerstört und abgedeckt, oder Schulen wegen zerstörter Straßen gar nicht erst erreichbar, Toiletten und Sanitäreinrichtungen waren nicht mehr benutzbar. Letzteres führt insbesondere bei Mädchen dazu, nicht zur Schule zu gehen.
Der Rat der Landeshauptstadt Hannover hat am 27. April 2023 die Verwaltung mit einem Dringlichkeitsantrag (Antrag 0999-2023) beauftragt, eine Soforthilfe von 150.000€ für Hannovers Partnerstadt Blantyre aufzulegen und die notwendige Aufbauhilfe im Sinne einer nachhaltigen, entwicklungsorientierten Unterstützung insbesondere zur Wiederherstellung von Schulen und der damit direkt und indirekt betroffenen Infrastruktur zu leisten oder Projektmittel über die Servicestelle „Kommunen in der Einen Welt“ zu beantragen. In Folge des Ratsauftrags 0999-2023 Blantyre-Soforthilfe hat die Partnerstadt Blantyre detaillierte Bedarfslisten von weit über 150.000€ eingereicht, die zur Wiederherstellung von Schulen und betroffener Infrastruktur vor Ort benötigt werden. Da für Maßnahmen der Soforthilfe keine Drittmittel beantragt werden können, erfolgte die Unterstützung in Form einer Zuwendung ausschließlich seitens der Landeshauptstadt Hannover (s. Beschlussdrucksache 2319/2023 N1).
Ziel des Projekts war es, die durch den Zyklon beschädigten Schulen in Blantyre zu reparieren und die Infrastruktur nachhaltig zu verbessern. Die Maßnahme umfasste sowohl bauliche Reparaturen als auch umfassende Sensibilisierungs- und Schulungsmaßnahmen.
Im August 2024 konnte das
„Hannover-Blantyre Grundschulen Zyklon Freddy Wiederaufbauprojekt“ mit der Partnerstadt Blantyre erfolgreich abgeschlossen werden. Im Juli 2024 reichte die Stadt Blantyre alle Belege ein, die im August 2024 vom Kulturbüro geprüft wurden.
Projektbeschreibung
Das „Hannover-Blantyre Grundschulen Zyklon Freddy Wiederaufbauprojekt“ umfasste den Wiederaufbau von Schulen und deren Infrastruktur, wie z.B. Schuldächer, Grundstückseinfassungen und Schultoiletten - insbesondere für die am NAKOPA-Projekt (2021-2023) beteiligten öffentlichen Grundschulen in Blantyre. Das Hauptmerkmal lag hierbei auf der Verbesserung der sanitären Einrichtungen in den betroffenen Schulen.
Bis August 2024 baute die Stadt Blantyre die Mädchentoiletten an elf Grundschulen wieder auf und setzte drei Toiletten an einer Grundschule instand. In zwei Grundschulen wurden Klassenräume wiederaufgebaut, inkl. beschädigter Dachkonstruktionen. In zwei weiteren Grundschulen wurden Schulumzäunungen erneuert.
Die Projektpartner*innen in Blantyre mussten sich der Herausforderung von steigenden Materialkosten stellen. Die Kursschwankungen des Malawischen Kwacha zum Euro und anderen ausländischen Währungen erschwerten die Kalkulation
Das Projekt gliederte sich in fünf Phasen:
1. Planungsphase
2. Bauabschnitt 1
3. Bauabschnitt 2
4. Bauabschnitt 3
5. Monitoring
1. Planungsphase
Die Planungsphase fand im August 2023 statt. Hierbei wurden Schulen ausgesucht und das Ausmaß der Beschädigung aufgenommen. Für das Wiederaufbauprojekt wurden sechszehn Grundschulen ausgewählt, deren Gebäude und sanitäre Anlagen durch den Zyklon besonders stark beschädigt worden waren und zu denen bereits ein Kontakt über das laufende NAKOPA-Projekt aufgebaut worden war. Ein weiteres Kriterium für die Auswahl war, dass die umliegenden Gemeinden ebenfalls Bereitschaft zeigten, am Wiederaufbauprojekt und den dazugehörigen Schulungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen teilzunehmen.
Das Bildungsbüro der Stadt Blantyre führte an sechzehn Grundschulen vom 28. August bis 13. September 2023 Fortbildungs- und Sensibilisierungsveranstaltungen zum Thema Toilettenbau für Schulleiter*innen und Verantwortliche durch. Das Hauptziel der Schulung bestand darin, Schulleiter*innen, Schulverwaltungsausschuss, Eltern- und Lehrer*innenvereinigungen, Müttergruppen und Vertreter*innen der Schülerschaft mit dem Projektmanagement und der Nachhaltigkeit der Toiletten, Zäune und Klassenzimmer vertraut zu machen, die im Rahmen des Projekts instandgesetzt bzw. neu gebaut wurden.
An denselben Schulen fanden vom 4. bis 8 September 2023 Capacity Buildings statt, die sich hauptsächlich auf den gesamten Bauprozess und das Management des Projekts konzentrierten. In einem Ausschreibungsverfahren im Dezember 2023 wurde das durchführende Bauunternehmen DAALO Building Contractor seitens der Stadt Blantyre ausgewählt und am 4. Januar 2024 beauftragt.
Die neu errichteten Toilettenanlagen sind mit einer verbesserten Belüftung ausgestattet, um die Geruchsbelästigung zu verringern. Außerdem wurde auf Wasserspülungen verzichtet, da diese häufig verstopften. Die neuen Toiletten haben stattdessen nur ein Fallloch, wodurch sie robuster sind. Zusätzlich wurde mit Unterstützung von Müttergruppen über die richtige Entsorgungsweise von Hygieneartikeln an den Schulen aufgeklärt und Entsorgungsbehälter in den Toiletten aufgestellt. Der Beauftragte für Schulgesundheit und Ernährung des Bildungsministeriums führte Info-Rundgänge durch und vermittelte den Schüler*innen die hygienische und sachgemäße Nutzung der neuen Sanitäranlagen.
2. Bauphase 1
Die Zahlungsanweisung für die erste Rate der Soforthilfe wurde am 15. Dezember 2023 durch das Kulturbüro angewiesen.
Im ersten Bauabschnitt errichtete Daalo Building Contracter insgesamt drei Mädchentoiletten an den Grundschulen Kapeni, Mzamba und Namalimwe. Die Kosten pro Toilette beliefen sich auf 11.488,45€. Am 4. Januar 2024 erhielt der Bauunternehmer eine Anzahlung für die erste Bauphase von 20% der veranschlagten Kosten. Nach Fertigstellung der drei Toiletten zahlte die Stadt Blantyre die ausstehenden Mittel am 15. Februar 2024 aus.
Zusätzlich zu den Toiletten wurden Begrenzungsmauern an den Grundschulen Nayizi und St. Kizito erbaut. Die Zahlung für die Baumaßnahmen erfolgte am 15. Februar 2024 durch die Stadt Blantyre.
Es liegen eine Belegliste sowie die Belege im Original vor. Nach Prüfung der Belege wurde die zweite Rate angewiesen.
3. Bauphase 2
Die Zahlungsanweisung für die zweite Rate der Soforthilfe wurde am 6. März durch das Kulturbüro angewiesen.
Im zweiten Bauabschnitt errichtete Daalo Building Contracter insgesamt vier Mädchentoiletten an den Grundschulen Namilango, Likhubula, Zingwangwa und Mayera. Die Kosten pro Toilette beliefen sich auf 11.031,78€. Am 19. März 2024 erhielt der Bauunternehmer eine Anzahlung für die zweite Bauphase von 20% der veranschlagten Kosten. Nach Fertigstellung der vier Toiletten zahlte die Stadt Blantyre die ausstehenden Mittel am 4. April 2024 aus.
Zusätzlich zu den Toiletten wurden an der Grundschule Namatete ein Dach eines Schulgebäudes sowie die Decke eines Klassenzimmers erneuert, dass durch den Zyklon Freddy zerstört wurde. Die Zahlung für die Baumaßnahmen erfolgte am 16. März 2024 durch die Stadt Blantyre.
Es liegen eine Belegliste sowie die Belege im Original vor. Nach Prüfung der Belege wurde die dritte Rate angewiesen.
4. Bauphase 3
Die Zahlungsanweisung für die dritte Rate der Soforthilfe wurde am 10. Juni 2024 vom Kulturbüro angewiesen.
Im dritten Bauabschnitt errichtete Daalo Building Contracter insgesamt vier Mädchentoiletten an den Grundschulen Mbayani 2, Yolodani, Chirimba und Mpingwe. Die Kosten pro Toilette beliefen sich auf 11.216,98€. Am 16. Juni 2024 erhielt der Bauunternehmer eine Anzahlung für die dritte Bauphase von 20% der veranschlagten Kosten. Nach Fertigstellung der vier Toiletten zahlte die Stadt Blantyre die ausstehenden Mittel am 26. Juni 2024 aus.
Zusätzlich zu den Toiletten wurden an der Grundschule South Lunzu drei Toiletten durch Daalo Building Contractor in Stand gesetzt. An der Grundschule Catholic Institute wurde die Decke eines Klassenzimmers erneuert, dass durch den Zyklon beschädigt wurde. Die Zahlung für die Baumaßnahmen erfolgte am 16. Juni 2024 durch die Stadt Blantyre.
Es liegen eine Belegliste sowie die Belege im Original vor.
5. Monitoring
Die Gesamtaufsicht über das Projekt wurde vom Oberbürgermeister des Stadtrats von Blantyre und in technischer Hinsicht seitens des Chief Executive Officer der Stadt Blantyre wahrgenommen. Vor Ort verwaltete Anita Kaliu, Direktorin für Bildung, Jugend und Sport, das Projekt. Anita Kaliu leitete das bereits abgeschlossene NAKOPA-Projekt sowie das aktuelle. Ein 12-köpfiges Projektteam der Stadtverwaltung Blantyre, das ebenfalls das NAKOPA-Projekt durchführte, unterstützte Anita Kaliu technisch bei der Konstruktion, Beschaffung, Durchführung und Überwachung sowie bei der Berichterstattung an die Landeshauptstadt Hannover.
Die einzelnen Bauabschnitte wurden in einem Monitoringverfahren des Projekt-Teams erfasst und die Qualitätstandards geprüft. Das Projektteam war regelmäßig auf den Baustellen vor Ort. Am Ende einer jeden Bauphase wurde ein Kurzbericht über den Verlauf des Projekts und Fotodokumentationen an das Kulturbüro geschickt. Die Aufwendungen hierfür wurden von der Stadt Blantyre getragen.
Die errichteten Toiletten werden von den schulischen Verwaltungskomittees betreut, die von Anfang an in die Umsetzung eingebunden sind. Regelmäßige Wartungsarbeiten werden mit Mitteln der Schulen und unter Anleitung der Schulleitungen durchgeführt. Durch die Verwendung von Schlössern, die an den Verwaltungsgebäuden angebracht werden, wird sichergestellt, dass die Toiletten nicht von Passant*innen genutzt werden.
Fazit
Das „Hannover-Blantyre Grundschulen Zyklon Freddy Wiederaufbauprojekt“ stellt ein erfolgreiches Beispiel für internationale Zusammenarbeit bei der Wiederherstellung von Bildungsinfrastrukturen nach Naturkatastrophen dar. Durch den Wiederaufbau der Toiletten und die Instandsetzung von Schulgebäuden konnte nicht nur die Infrastruktur verbessert werden, es wurden auch nachhaltige Auswirkungen auf das Lernumfeld und die Hygienebedingungen erzielt. Das Verhältnis von Schüler*innen zu Toiletten wurde von 1:130 auf 1:80 gesenkt. Die Schüler*innen müssen nun nicht mehr in langen Schlangen während der Pausen warten. Dies hat positive Auswirkungen auf die Anwesenheitsquote insbesondere der weiblichen Schülerinnen, die häufig während der Menstruation nicht am Schulleben teilnahmen. Zudem ging die Zahl an Cholerafällen an den Schulen zurück, da nun auch wieder mehr Handwaschbecken zur Verfügung stehen.
Das Projekt trägt somit wesentlich zur langfristigen Verbesserung der Bildungsbedingungen in Blantyre bei und ist ein Beispiel für die gute und wichtige Zusammenarbeit der Partnerstädte Blantyre und Hannover angesichts globaler Krisen.
Das Hannover-Blantyre Grundschulen Zyklon Freddy Wiederaufbauprojekt hat positive Auswirkungen auf die Anwesenheitsquote insbesondere der weiblichen Schülerinnen, die häufig während der Menstruation nicht am Schulleben teilnahmen.