Drucksache Nr. 1007/2026:
Initiativen zur kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche 2026

Inhalt der Drucksache:

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Landeshauptstadt HannoverBeschlussdrucksache-ZeichenBeschlussdrucksache
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1007/2026
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Initiativen zur kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche 2026

Antrag,

den unter 4. aufgeführten Vorhaben zur kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche
zuzustimmen.
Die Abwicklung erfolgt teilweise über Förderungen und teilweise über Kooperationsverträge zwischen der Landeshauptstadt Hannover (LHH) und kulturellen Einrichtungen bzw. so genannten Bildungspartnerschaften. Dazu kommen auch interdisziplinäre Projekte innerhalb der LHH.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Die Projekte richten sich grundsätzlich an Menschen aller Geschlechter. Vor Ort werden Lern- und Bildungsformen unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse weitestgehend angepasst. Über die vermittelnden Personen und Themen werden soweit möglich Kinder und Jugendliche in ihrer Unterschiedlichkeit angesprochen. Kinder können etwa in der Vielfalt der Angebote im Sommerferienprojekt „Eintauchen“ jenseits von gängigen Interessenszuschreibungen neue Horizonte entdecken. Bei Jugendlichen ist das Thema Gender und Identität hoch sensibel. Hier zeigen Projekte wie „Monoton“ oder „Blu:Boks Hannover“, wie kulturelle Bildung in kritischen Entwicklungsphasen einen Beitrag zur Bewältigung von Identitätsfindung leisten kann.

Ergebnis der Klimawirkungsprüfung

Der Betrieb der genutzten Räumlichkeiten und die Verwendung der Materialien bedeuten einen geringen Aufwand von Energie und Ressourcen, die Projekte sind nicht klimaneutral. Alle involvierten Personen sind angehalten, nachhaltig mit Materialien und Energieverbrauch umzugehen.

Kostentabelle

Darstellung der zu erwartenden finanziellen Auswirkungen in Euro:
Teilergebnishaushalt 41/51 - Investitionstätigkeit
Produkt 27303
Stadtteilkultur / Kinder- und Jugendarbeit
Angaben pro Jahr
Ordentliche ErträgeOrdentliche Aufwendungen
   
   
Transferaufwendungen €113,391.00
Sonstige ordentliche Aufwendungen €58,500.00
   
Saldo ordentliches Ergebnis -€171,891.00
   
  
Die benötigten Haushaltsmittel in Höhe von insgesamt 171.891 stehen für den Fachbereich Kultur im Teilhaushalt 41 im Produkt 27303 (Teilsumme 119.500 €) und für den Fachbereich Jugend und Familie im Teilhaushalt 51 im Produkt 36201 (Teilsumme 52.391 €) in 2025 zur Verfügung.

Begründung des Antrages

1. Vorbemerkung

Im Rahmen der Beschlüsse zum Haushaltsplan 2007 hatte der Rat die Verwaltung beauftragt zur Umsetzung einer Initiative zur kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche ein Maßnahmenbündel mit dem Ziel zu entwickeln, Ansätze kultureller Bildung zu erproben, die geeignet sind nachhaltige Bildungserfolge zu erzielen und erfolgreiche Ansätze flächendeckend umzusetzen. Mit der Umsetzung beauftragt wurden der Bereich Kinder- und Jugendarbeit des Fachbereichs Jugend und Familie und der Bereich Stadtteilkultur im Fachbereich Kultur.

Die mit dem Beschluss einhergehende finanzielle Ausstattung ist seitdem in den beiden o.g. Produkten verortet und wurde 2021 mit den Beschlüssen vom 22.02.2021 im Jugendhilfeausschuss um insgesamt 75.000 Euro im Bereich Kinder und Jugendarbeit (51.5) herabgesenkt. Mit dem vom Rat beschlossenen Doppelhaushalt 2025/2026 wurde eine Dynamisierung im Bereich Kinder- und Jugendarbeit (51.5) auf insgesamt 52.391€ festgelegt. Die Initiativen der kulturellen Bildung werden von den beiden genannten Bereichen/ Fachbereichen organisiert und gesteuert.

Ziel der „Initiativen zur kulturellen Bildung“ ist es, auf die sich immer schneller wandelnden Bedarfe einer modernen Stadtgesellschaft reagieren zu können. Hierzu bedarf es die Möglichkeit, neue Formate und Zugänge mit unterschiedlichen Zielgruppen auszuprobieren, um ihre Wirkung in den jeweiligen Stadt- und Sozialraum in Erfahrung zu bringen. Das Vorgehen hierbei wird der Situation angepasst – durch Kooperationen mit freien Trägern und Einzelpersonen, durch Zuwendungen oder eigene Initiativen des Fachpersonals der beteiligten Bereiche. Die Zielgruppen können auf diversen Wegen erreicht und angesprochen werden.

Das zentrale Anliegen beider Bereiche ist es gesellschaftliche Teilhabe, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, zu ermöglichen, die auf Grund ihrer Lebenssituation Angebote der kulturellen Jugendbildung eher selten wahrnehmen. Es gilt Chancengleichheit im Hinblick auf Bildung, Persönlichkeitsentwicklung, soziale Interaktionen und Ausdrucksmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Junge Menschen werden dazu ermutigt selbstgesteuert zu lernen, Projekte eigeninitiativ (mit) zu gestalten und ihre Kreativität während der Durchführung auszuleben oder gar neu zu entdecken.

Als Beispiele für die nachhaltige Etablierung früherer Projekte, die über diese Drucksache „Initiativen zur kulturellen Kinder- und Jugendbildung“ finanziert wurden, zählen u.a. das „Lesementoring“ (seit über 18 Jahren) und die „NetzWerkstatt einfallsreich!“ (seit 2013). Diese Programme erreichen mit ihren Angeboten eine große Anzahl an jungen Menschen und sind fest verankert. Seit 2023 konnten auch zirkuspädagogische Angebote von CircO erstmals als Zuwendungsempfänger in eine nachhaltige Finanzierung durch reguläre Mittel überführt werden. Nachhaltig etablieren konnten sich mithilfe der Unterstützung durch die Drucksache Initiativen kultureller Kinder- und Jugendbildung z.B. das KiezKultur-Festival oder der Kulturhafen. An diesen Beispielen wird deutlich, welch wichtiger Beitrag durch die hier zur Verfügung stehenden Mittel für die Kultur- und Jugendarbeit in Hannover geleistet wird.

Die beiden für diese Drucksache verantwortlichen Bereiche haben im Laufe ihrer Zusammenarbeit gemeinsam Kriterien und Standards zur Verwendung der Mittel und zu den Projekten (siehe unter 2.) definiert. Hierauf basierend werden die Projekte gemeinsam ausgewertet.

Die Infrastruktur beider Bereiche mit Jugendzentren, Stadtteilkultureinrichtungen und Spielparks erleichtern die systematische und flächendeckende Erprobung und Umsetzung von Projekten und deren nachhaltige Verankerung. Die kulturelle Bildung findet vor Ort statt und erreicht junge Menschen in ihrem Lebensumfeld. Die bestehenden Netzwerke beider Bereiche mit Menschen aus Kunst, Kultur, Bildung und Soziales gründen das Fundament für eine erfolgreiche Initiierung und Implementierung der vielfältigen Ideen und Konzepte. So werden neben aller Unterschiede gemeinsame Schnittstellen genutzt, gepflegt und verbunden. Die „Initiativen zur kulturellen Bildung“ ermöglichten in den letzten Jahren vielfältige Projekte. Dabei wurde das Augenmerk vermehrt auf die Beteiligung der jungen Menschen bei der Entwicklung oder sogar Initiierung der Projekte gesetzt.

2. Kriterien zur Auswahl der Projekte

1. Zielgruppe der Projekte oder Initiativen sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zu einem Alter von 27 Jahren der Landeshauptstadt Hannover.

2. Die Projekte sollen die Teilhabechancen für Kinder und Jugendliche in der Stadt erhöhen. Hierbei sind insbesondere Kinder und Jugendliche zu berücksichtigen, die bislang kaum oder gar keinen Zugang zu kulturellen oder sozialpädagogischen Angeboten haben.

3. Die Projekte sollen einen kulturpädagogischen, interdisziplinären Ansatz verfolgen und mit künstlerischen Ausdrucksformen, wie Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Film, Fotografie, Literatur, Musik, neue Medien, Tanz oder im weitesten Sinne mit Formen jugendkulturellen Ausdrucks arbeiten, um die kreativen Ressourcen der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen zu fördern.

4. Bevorzugt werden Projekte der non-formalen und informellen Bildung.

5. Die Projekte sollen modellhaft, übertragbar und nachhaltig wirksam sein. Gefördert werden größere Projekte mit langfristiger Wirkung. Die Projektlaufzeit beträgt in der Regel maximal 3 Jahre, wobei Ausnahmen diskutiert und in Betracht gezogen werden können.

6. Umgesetzt werden vor allem herausragende Projekte, die innovativ und partizipativ ausgerichtet sind und eine lebendige Vielfalt der Stadtkultur abbilden. Kinder und Jugendliche sollen an der Projektplanung beteiligt werden und Entscheidungen gemeinsam mit den Erwachsenen treffen.

7. Wenn Projekte von Künstler*innen, der Stadtteilkultur und/oder der Kinder- und Jugendarbeit in Kooperation mit Schule stattfinden, werden innovative neue Formate erwartet.

8. Die sozialräumliche Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Stadtteilkultur und der Jugendhilfe im Sinne eines Vernetzungsgedankens hat Priorität.

9. Außerdem sollen Projekte umgesetzt werden, die sich aktuellen Herausforderungen und Fragestellungen der Stadtgesellschaft stellen.

Nachfolgend werden zunächst die Projekte aufgelistet, die 2025 mit Mitteln der Drucksache durchgeführt wurden. Im Anschluss werden die geplanten Projekte für 2026 skizziert, jeweils mit einem Rückblick auf das Projekt im Jahr 2025.

3. Rückblick auf (vorerst) abgeschlossene Projektvorhaben

Folgendes Projekt wurde in 2025 mit Mitteln der Drucksache realisiert und wird planungsgemäß in 2026 nicht erneut gefördert:



BAM-Community – Musikzentrum Hannover
Die BAM-Community ist aus dem Projekt „BAM – Bock auf Musik“ gewachsen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Jugendlichen aus der lokalen Musik- und Kreativ-Szene wurde der Bedarf von jungen Menschen an Kultur und Musik in der Stadt Hannover anhand eines digitalen Fragebogens ermittelt. Über 800 junge Menschen beteiligten sich an dieser Umfrage und es wurde, neben dem Wunsch nach mehr Open-Air-Veranstaltungen, ein deutlicher Bedarf an Vernetzung, Austausch und gemeinsamen Lernen deutlich.
Die BAM-Community soll genau diesen Bedarf decken. Mithilfe einer digitalen Plattform (BAM-Community Board), in welcher sich die Mitglieder der BAM-Community registrieren und ein Profil erstellen können, entsteht somit die Möglichkeit, sich zu vernetzen und auszutauschen.
Der Fokus des BAM-Projektes liegt zukünftig auf der gerechteren Verteilung der kulturellen Teilhabe. Das bedeutet, dass Infrastruktur und Know-How für junge Menschen kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Zudem sollen Orte und Möglichkeiten zum Ausprobieren, zum Vernetzen, zum Neues erlernen und zum Austausch geschaffen werden. Die Vernetzung findet aufgrund der gemeinsamen Interessen und nicht aufgrund demografischer Voraussetzungen statt.
Die individuelle Stärkung der Teilnehmenden und die Hilfe zur Selbsthilfe von Jugendlichen, auch im künstlerischen Bereich, steht hier im Vordergrund. Infrastruktur und Technik sowie Instrumente und die Vermittlung von Wissen sollen kostenlos zur Verfügung gestellt werden, um auch junge Menschen aus prekären Lebensrealitäten den Zugang zu Musik zu erleichtern und somit Teilhabe für alle Interessierten zu schaffen.

Rückblick 2025 BAM-Community
Ressource HUB
Der Ressource HUB nutzt die digitale Plattform der BAM-Community, um die technische Infrastruktur wie Beschallungsanlagen, Beleuchtung und Equipment jungen Menschen kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Die Technik beschränkt sich derzeit noch auf den Fundus des Jugendkultur-Beirats und ein paar Instrumente und technisches Equipment aus Spenden oder eigener Anschaffungen. Das kostenfreie Angebot wurde von vielen jungen Projekten und Einzelpersonen genutzt.

4. Übersicht Projektvorhaben 2025

Projekt Nr.
Projekttitel
Projektmittel
4.1
4*4 Musikzentrum Hannover
15.000 €
4.2
monoton
15.000 €
4.3
blu:boks Hannover
25.000 €
4.4
Wanderungen -
18.000 €
4.5
BE:TwEEN
12.500 €
4.6
Neojungetanzwoche
20.000 €
4.7
Das Kinderparlament – Kindermuseum Zinnober
10.000 €
4.8
FösseLAB
18.000 €
4.9
Kulturprojektwochen in den Sommerferien
20.000 €
4.10
Take a Pic
15.000 €
4.11
HandWerk mal anders
3.391 €
Gesamt
171.891 €

Nachstehend sind die zur Entscheidung vorgelegten Vorhaben und der erbetene Mitteleinsatz dargestellt.

4.1 4*4 – Musikzentrum Hannover
4x4 wird in Quartiere mit besonderem Entwicklungsbedarf Hannovers gehen. 4x4 wird direkten Kontakt im Alltag von Jugendlichen suchen. 4x4 wird Jugendliche in direkten Kontakt mit Künstler*innen, Creater*innen und Aktivist*innen bringen.
Das Projekt stellt die Vier in den Mittelpunkt. Es besucht vier Gegenden Hannovers, an jeweils vier Tagen und wird von vier modernen Ausdrucks- und Gestaltungsformen getragen.
Das Projekt wird maximal niedrigschwellig aufgebaut: vier Tage kommt das MusikZentrum mit seiner mobilen Bühne an einen Standort (derzeit: Mühlenberg, Bornum, Sahlkamp, Vahrenheide). Die Bühne wird als mobiler und offener Kreativraum gestaltet, der an „Rumhängplätzen“ zum Einsatz kommt. Vom Donnerstag bis Sonntag steht das Angebot jeweils für ca. vier Stunden zur Verfügung, am Wochenende auch ein wenig länger. Die Besuche sollen in den Sommerferien stattfinden und auch ein sommerliches Stadtgefühl stärken.
Vor Ort sind:
- TikTok-Filmer (mit Video-Expert*innen und lokalen Influencer*innen)
- DJ´s & Producer*innen (die elektronische Musik und vor allem auch Hip Hop produzieren)
- Rapper*innen
- Tänzer*innen (moderner Bewegungsformen wie Hip Hop, Urban, Two Step)
- Gestalter*innen (die sich in Canva, Comics, beim Zeichnen oder auch in Kalligraphie oder Graffiti/Street Art ausdrücken)
Die Dozierenden haben in ihren Sparten schon etwas erreicht. Sie sollen authentisch mit ihrer Kunst arbeiten und diese vermitteln. Sie werden in einem gemeinsamen Ein-Tages-Workshop auf das Projekt vorbereitet.


Alle Ausdrucksformen sind jugendlichen Ästhetiken und Lebenswelten angepasst. Themen geprägt und bietet so ein reiches Angebot. Die Tagesstruktur ist nicht an jedem Tag gleich. Während an den ersten beiden Tagen niedrigschwellige Angebote oder auch nur darstellende Performances im Mittelpunkt stehen, steigt der Hands-on-Mitmach-Workshop-Anteil an den letzten beiden Tagen. Der Programmtag wird von Abwechslungsreichtum geprägt sein und vier Stunden ohne Pausen füllen. Am Samstag und Sonntag gestalten lokale Initiativen, Workshop-Ergebnisse und Dozierende gemeinsam das Bühnenprogramm.

Nachhaltigkeit und Wirkung:
Die aufsuchende Kunst- und Kulturarbeit in sozialräumlichen Brennpunkten bietet die Möglichkeit zum Erstkontakt mit Musik, angelehnt an die Lebenswirklichkeit der Teilnehmenden. Das geweckte Interesse wird auf Folgeangebote des Musikzentrums sowie aus dem Portfolio der Sachgebiete Jugendzentren – Jugendkulturen und Kulturelle Kinder- und Jugendbildung gerichtet. Vorhandene Infrastrukturen und Angebote der Stadt wie auch freier Träger.*innen werden durch dieses Projekt des Erstkontaktes unterstützt.

Für die Durchführung erhält das Musikzentrum eine anteilige Finanzierung von 15.000 €.

4.2 monoton


Nach dem erfolgreichen ersten Durchgang „Take a seat“ mit der Tanzpädagogin und Performance-Künstlerin Pia Brandt geht die Zusammenarbeit nun in die nächste Runde. Fokussiert werden erneut junge Erwachsene, die auf der Suche nach Identität und ihrem eigenen Lebensweg sind. Sie haben die Schule gerade abgeschlossen und sind mit Themen wie Ausbildung oder Studium und deren Finanzierung beschäftigt. Die Anforderung, einen Weg einzuschlagen, der sowohl ihren Neigungen entspricht, aber auch eine finanzielle Sicherheit bietet, löst bei ihnen Ängste aus, die richtige Entscheidung zu treffen. Hier setzt das Projekt in doppelter Hinsicht an: Zum einen wird das Thema selbst unmittelbar künstlerisch aufgegriffen und ist Produkt der Diskussionen der Teilnehmenden über ihre eigene Situation. Zum anderen gibt das Projekt tiefe Einblicke in die Arbeit als Tänzer*in, freischaffende Kulturpädagog*in sowie angrenzende Berufe im Kulturbetrieb und trägt somit zur Berufsorientierung bei.

Anfangs stehen Austausch und Diskussionen im Vordergrund. Die Teilnehmenden werden ermutigt, sich im geschützten Raum mit den Dingen in ihrem Leben auseinander zu setzen, die sie als Zwang empfinden.

„monoton“ ist eine performative Arbeit und fragt nach der Rolle eigener Entscheidungen im Übergang von Schule und Ausbildung oder Studium.

Für die Durchführung in 2026 stehen diesem Projekt 15.000 € aus Mitteln der Drucksache zur Verfügung.

Rückblick 2025
Das Vorgängerprojekt „Take a seat“ war eine intensive Weiterentwicklung von sieben jungen Frauen im Alter 20 – 24, die bereits mehrere Jahre Tanzerfahrung hatten. In einem Zeitraum von elf Monaten wurde sich jede Woche getroffen, um persönliche Anliegen in einem geschützten Umfeld zu besprechen und für diese einen künstlerischen Ausdruck zu finden. Aus Schüler*innen wurden eigenständige Künstler*innen, die in der Lage waren, persönliche Emotionen derart in Kunst umzusetzen, dass ein fremdes Publikum durch sie berührt wurde. Als Folge des Projektes entschied sich eine Teilnehmende, die Ausbildung als Tanzpädagogin zu beginnen, eine andere entwickelte sich in Richtung Requisite weiter.

Aufführungen fanden im Rahmen der Ostertanztage 2025 des Staatsballetts Hannover sowie auf der Bühne am Lindener Markt im Sommer 2025 statt.

4.3. blu:boks HANNOVER

Blu:boks HANNOVER ist ein neuer lokaler Träger der Kulturellen Kinder- und Jugendbildung. Durch die Zusammenarbeit mit der LHH im Rahmen der Drucksache konnte die Übertragung des ursprünglich in Berlin und Brandenburg entwickelten Konzeptes aus Selbstbestimmung einerseits, dem Eröffnen neuer Horizonte durch pädagogische Teams andererseits in Hannover etabliert werden. Von den eigenen Räumen in der Südstadt aus, die sowohl für Tanz-, Theater- und Zirkusproben wie auch für Bandproben und Musikaufnahmen in einem professionellen Studio geeignet sind, werden Angebote für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren im gesamten Stadtgebiet angeboten. Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit fokussiert sich z.B. auf die Stadtteile Mühlenberg und Döhren, wo die Angebote an Schulen und städtischen Jugendzentren durchgeführt werden.

Der Ansatz der blu:boks HANNOVER zeichnet sich dadurch aus, dass die Teilnehmenden ein Thema entwickeln, zu dem sie künstlerisch arbeiten wollen, und hierzu aus den Angeboten kultureller Bildung seitens der Trägerin wählen können. So existieren Teams aus je zwei pädagogischen Fachkräften (Erzieher*innen, Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen) zu den Kunstformen Tanz, Musik, Theater, Zirkus und kreativem Schreiben. In offenen Runden – Barcamps genannt – können Teilnehmende neu dazukommen und individuelle Themen entwickeln. Dabei werden sie durch die pädagogischen Fachkräfte unterstützt. In der Regel werden dann biographisch besetzte Themen, wie etwa Umzug, Freundschaft, Liebe o.ä. bearbeitet. Die Teilnehmenden entwickeln eine Idee mit dem Ziel, das Thema später bei einer Aufführung präsentieren zu können. Dazu können sie sich aus dem oben benannten Angebot der blu:boks frei bedienen und z.B. Zirkus mit kreativem Schreiben und dem Erlernen eines Instruments verbinden. In den nach Alter organisierten Gruppen entstehen neue Bindungen zwischen den Teilnehmenden, die sich nach inhaltlichen und künstlerischen Gesichtspunkten in einem außerschulischen Kontext kennenlernen.

Das Ziel für das Jahr 2026 ist die Ausweitung des Angebotes wie auch der Bekanntheit der blu:boks Hannover und insgesamt die Etablierung in der hannoverschen Kultur- und Bildungslandschaft. Hierfür arbeitet die blu:boks eng mit den Sachgebieten Jugendzentren – Jugendkulturen sowie Kulturelle Kinder- und Jugendbildung zusammen.

Nachhaltigkeit und Wirkung:

Der selbstbestimmte Ansatz unterscheidet das Angebot stark von Kursangeboten. Die Teilnehmenden werden intrinsisch motiviert, das eigene Projekt umzusetzen. In den Gruppen entstehen Freundschaften und es findet aufgrund der Eigenregie eine starke Auseinandersetzung mit den eigenen Themen statt. Die Möglichkeit des Ausprobierens verschiedener Kunstrichtungen unterstützt zudem dabei, die eigenen Neigungen und Talente zu erforschen und ermöglicht das Erfahren von Selbstwirksamkeit.

Für die weitere Festigung dieses neuen Trägers kultureller Kinder- und Jugendbildung in Hannover werden aus den Mitteln der Drucksache 25.000 € zur Verfügung gestellt.

Dem Projektpartner stehen aus den Mitteln der Drucksache 25.000 € in 2026 zur Verfügung.

Rückblick 2025

Die blu:boks HANNOVER eröffnete im August 2025 in ihrem Studio in der Südstadt. In Workshops an Schulen und in städtischen Jugendzentren in Mühlenberg, Döhren und Linden wurden bis zum Ende des Jahres ca. 100 Jugendliche im Alter von 13 – 15 Jahren am Standort erreicht. An den Barcamps im Studio in der Südstadt nahmen ca. 50 Kinder und Jugendliche in der Alterspanne von 6 – 18 teil. 21 von diesen Teilnehmenden fanden sich zu insgesamt fünf festen Gruppen zusammen, die bis heute regelmäßig an ihren Themen unter künstlerischer Anleitung arbeiten.

4.4 Wanderungen The Heads Ensemble & Mónica García Vicente

Hier handelt es sich um ein interdisziplinäres Projekt, in der kulturelle Bildung mit Jugendlichen zu den Kunstformen Musik und Tanz zusammenkommt. The Heads sind eine Initiative, die junge Menschen in der Orientierungsphase zwischen Schule und Ausbildung/Studium/Beruf die Möglichkeit gibt, sich in einem professionellen Setting mit Musikproduktion zu beschäftigen. Ist ein Studium der Musik oder die Ausbildung als Tontechniker*in, ein musikpädagogischer Weg oder ähnliches der richtige Weg für mich? Oder bleibt Musik mein liebstes Hobby? Mit diesem, auf intensivem Training für drei Monate ausgelegten Schwerpunkt passt die Arbeitsweise von The Heads sehr gut zu dem artverwandten Ansatz von Mónica Garcia Vicente, die mit dem „Connecting Dance Center“ in Hannover im Bereich des Tanzes vielen jungen Menschen Einblicke in die Welt des professionellen Kunst- und Kulturbetriebes gab. Beide Schwerpunkte werden im Projekt „Wanderungen“ nun kombiniert, in dem zwei größere Gruppen gemeinsam für Auftritte proben – die Musik wird für eine Choreographie, die Choreographie für die Musik entwickelt.

Inhaltlich geht es um die Zeit, die nun vor den teilnehmenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegt, um Aufbrüche, Suche, Orientierungslosigkeit, Hoffnung, Furcht und Vertrauen. Das Thema findet auch örtlich eine Entsprechung – ein Partnerprojekt wird auch in Bremen durchgeführt, mit Mitteln des Bremer Senats. Beide, das bremersche und das hannoversche Projekt, werden sich gegenseitig besuchen und füreinander Aufführung in der jeweiligen Stadt organisieren. Mittel aus der Drucksache verbleiben jedoch zu 100% in Hannover.

Die Tanzgruppe soll bis zu 20 junge Menschen im Alter von 14 bis 27 umfassen. Vorerfahrungen sind für die Teilnahme notwendig, da es auch um die Frage geht, ob der Einstieg in die professionelle Tanzwelt ein Weg für die Teilnehmenden sein kann. Es ist jedoch kein Talentwettbewerb, bei dem es um eine Fähigkeitsprüfung für ein Tanzstudium geht. Vielmehr wird der professionelle Kulturbetrieb in seiner Gänze kennengelernt, was Horizonte öffnet, zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt und vielfach auch über das Genre Tanz Einsichten in Berufsmöglichkeiten aufzeigt.

Die Musikgruppe wird bis zu 15 junge Menschen ebenfalls im Alter vom 14 bis 27 umfassen. Sie sind bereits Musiker*innen verschiedener Stilrichtungen und mit verschiedenen Instrumenten. Sie werden vor die Aufgabe gestellt, sich mit der Zusammensetzung, die sie vorfinden, derart zu organisieren, dass sie die Choreographie musikalisch gut begleiten können. Damit unterscheidet sich das Projekt stark von einem Band Projekt und gibt Einblicke in die Arbeit von Ensembles oder von Freelancern.

Beide Gruppen erarbeiten nicht bloß die Aufführungen in Hannover und Bremen, sie erhalten auch jeweils Workshops in der anderen Disziplin, um sich so besser aufeinander beziehen zu können.

Dem Projektpartner stehen aus den Mitteln der Drucksache 18.000 € in 2026 zur Verfügung.

Nachhaltigkeit und Wirkung:

The Heads und Mónica Garcia Vicente beraten alle Teilnehmenden individuell zu Möglichkeiten, in der Kunst- und Kulturwelt Fuß zu fassen.





4.5 BE:TwEEN

Mit BE:TwEEN hat das Sachgebiet Kulturelle Kinder- und Jugendbildung ein Kulturjahr für die sogenannten Lückekids im Alter von 11 – 14 Jahren entwickelt. Hier geht es noch nicht um eine Orientierung für die Zeit nach der Schule. Vielmehr werden sie in der Phase des Übergangs vom Kind ins jugendliche Alter derart begleitet, dass sie die Welt der Kunst und Kultur kennenlernen und sich die Stadt Hannover mit ihren Möglichkeiten, Kulturorten und Szenen selbstbestimmt aneignen können. Es ist ein Alter, in dem viele Dinge mit Scham und Ängsten belegt sind. Social Media ist gerade in diesem Alter häufig eine große Gefahr, wenn Selbstpositionierung in der Welt über die verzerrte Darstellung auf den Plattformen als defizitär erlebt wird. Das Bedürfnis nach Anerkennung durch das außerfamiliäre Umfeld prallt auf Ängste vor eigener Unzulänglichkeit, vor Mobbing und dem noch Unbekannten. Hier möchte BE:TwEEN einen verlässlichen Raum für Begegnung und Austausch bieten, in dem sich gegenseitig und sich selbst kennengelernt werden kann, um gemeinsam die Welt zu erkunden.

Hierfür treffen sich an zwei Standorten – dem Lister Turm und dem Gymnasium Limmer – eine feste Gruppe von zwölf „Lückekids“ wöchentlich. Jede zweite Woche erfahren sie Kunst und Kultur - entweder unternehmen sie Exkursionen zu Kulturorten, vom Theater über Musikclubs bis zum Kunstatelier und bekommen dort Einsichten hinter die Kulissen, oder sie erhalten an ihrem Standort Workshops zu verschiedenen kulturellen Themen, von Schauspiel über kreatives Schreiben bis hin zu Philosophie. Im anderen zwei Wochentakt reflektieren sie die zuvor gemachten Erfahrungen, tauschen sich aus, vertiefen selbstbestimmt die Dinge, die sie interessieren und kommen über sich und ihre Welt ins Gespräch. Nach einem Jahr steht ein großes Abschlussfest an, das die Teilnehmenden selbst organisieren.

Kooperationen: Schulen in der Stadt Hannover, Universität Hildesheim (Evaluation)

Nach dem ersten erfolgreichen Durchlauf steht nun das zweite von insgesamt drei BE:TwEEN Jahren in der Pilotphase mit einer neuen Gruppe an.

Für dieses Projekt werden im Jahr 2026 12.500 € aufgewendet.

Nachhaltigkeit & Wirkung:
Das Ziel, die Selbstsicherheit und Selbstwirksamkeit der Teilnehmenden zu fördern, wird durch Studierende der Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim im Rahmen einer Masterarbeit evaluiert. Der für Jugendliche in dem Alter lange Durchführungszeitraum, die Kontinuität und Verlässlichkeit ist für eine positive, nachhaltige Wirkung des Projektes äußerst wertvoll.

4.6 Biennale [Neo ]jungetanzwoche

Zusammen mit dem EISFABRIK e.V. wurde durch Mittel der Drucksache das Festival [Neo ] jungetanzwoche in der hannoverschen wie auch überregionalen Tanzszene etabliert, anfänglich noch unter dem Namen [Neo]tanz:OFFensiv.

Das Festival ist als Biennale aufgelegt und findet – im zwei-Jahre-Rhythmus durch die Covid-Pandemie unterbrochen - nun zum dritten Mal statt. Vom 07.03. – 14.03.2026 eröffnet die [Neo ]jungetanzwoche einen Großraum rund um das Kunstformat Tanz, in dem Jugendförderung, kunstpädagogische Vermittlung, Multiplikator*innen-Schulung, internationale Vernetzung von Kunstschaffenden und hochklassige Tanzdarbietung zusammen kommen. Workshops adressieren sowohl Lehrkräfte und Pädagogen sowie Jugendliche. Die Verbindung von inhaltlicher Auseinandersetzung mit dem Dualismus aus Bewegung und Musik ist bei den Vermittlungsformaten leitgebend: Unmittelbarer Ausdruck ohne Sprache von Emotionen und universellen Themen wie Freundschaft, Liebe, Furcht, Diskriminierung und Zusammenhalt als großes Potential für schulischen Unterricht, außerschulische Bildung und kulturelle Selbstorganisation von jungen Menschen. Die Workshops finden in deutscher und türkischer Sprache statt.

Die künstlerischen Darbietungen sind teilweise im Bereich der frühkindlichen Bildung für Kinder im Vor- und Grundschulalter konzipiert, teilweise für Jugendliche und teilweise für junge Erwachsene. Das Programm bestreiten Compagnien aus Hannover, dem Bundesgebiet, Ungarn, Marokko und Palästina. Dabei wird Tanz in Form modernem Tanztheaters, Choreographien und Kunstperformances als vielseitige Ausdrucksform zielgruppenspezifisch dargestellt.

Zudem bietet die [Neo]jungetanzwoche am 12.03. mit dem Programmpunkt NEWCOMER eine Plattform für junge choreografische Positionen. Den Abschluss gestaltet die hannoversche Nachwuchscompagnie „Futura 2.0“, die aus der pädagogischen Arbeit der Eisfabrik hervorgegangen ist.

Dem Projektpartner stehen aus den Mitteln der Drucksache 20.000 € in 2026 zur Verfügung.


Nachhaltigkeit und Wirkung:

Über Multiplikator*innen Schulungen im Rahmen des Festivals wird die Anwendung von Tanz- und Kunstpädagogik in unterschiedlichen Bildungssettings unterstützt. Die Aufführungen für das frühkindliche Publikum verstehen sich als „onboarding“ für den Erlebnisraum Tanz und die Eisfabrik. Mit der Newcomer-Plattform und den Workshops für Jugendliche wird eine Brücke zu jungen Tanzinteressierten gebaut.

4.7 „Das Kinderparlament“

Teilhaben, mitreden, gemeinsam entscheiden – Ausstellung zur Demokratiebildung von und mit Kindern

Nachhaltigkeit und Wirkung:

Die geplante Ausstellung will Kindern anschaulich und konkret Wissen über und Erfahrungen mit Demokratie und politischen Zusammenhängen vermitteln, ihnen demokratische Prozesse beispielhaft erfahrbar machen. Anhand von Mitmach-Stationen und einem „Kinderparlament“ lernen sie, gemeinschaftlich über ihre Belange oder Fragen nachzudenken, Argumente auszutauschen, gemeinsam und mehrheitlich zu entscheiden und selbstwirksam zu handeln.

Kinder wachsen in Gemeinschaften auf. Sie erleben in der Familie, in der Kita und in der Schule und in ihren Freizeitaktivitäten täglich vielfältige Umgangsweisen im Miteinander. Erwachsene und ihre Einstellungen ihnen gegenüber, prägen die Erfahrungen der Kinder. Im Sinne eines demokratischen Verständnisses sollen sie einen achtsamen und wertschätzenden Umgang erfahren, der sie in die Gemeinschaft bei Entscheidungen einbezieht, sie respektiert, ihre Fragen beantwortet und ihre Selbstverantwortung stärkt.

Geplante inhaltliche Schwerpunkte der Ausstellung sind:

Planspiel „Kinderparlament“

Kinderrechte nach der UN - Charta

Die Umsetzung der Kinderrechte

Teilhabe an gesellschaftlichen Entscheidungen

Definition Demokratie und ihre Grundsätze

Das Grundgesetz und die Verfassung in Deutschland

Gewaltenteilung

Wahlen, Volksvertretung und Parlamente

Bausteine der Demokratie - Aufbau demokratischer Strukturen und Einrichtungen

Im Vorfeld sind zur Vorbereitung der Ausstellung partizipative Formate geplant, wie etwa eine schriftliche Evaluation zu Fragen und Themenwünsche der jungen Besucher*innen im Kindermuseum, sowie ein Beteiligungsprojekt mit Kindern mit dem Arbeitstitel „Kinderreporter*innen fragen nach Demokratie“. Die Ausstellungsvermittlung wird zudem als offener Prozess verstanden, so dass während der Laufzeit, neue Impulse von Kindern und Inhalte aufgegriffen werden können. Zur Ausstellung wird ein Begleitprogramm geplant, das Inhalte vertieft und Expertise von außen einbringt.

Zielgruppen

Kinder von 3 bis 13 Jahren

Familien mit Kindern

Jugendliche bei Interesse

Kindergruppen aus Einrichtungen

Schulklassen aller Schulformen, von der Grundschule bis Sek I

Multiplikatoren

Interessierte Erwachsene

Kooperationspartner*innen (Anfragen)

Verein „Politik zum Anfassen“ (mündliche Zusage)

GS Am Lindener Markt (Anfrage)

Schulen im Stadtteil und aus der Stadt Hannover

FZH - Linden, Landeshauptstadt Hannover, Fachbereich Kultur, Kulturelle Kinder- und Jugendbildung/Stadtteilkultur

Zur Durchführung in 2026 werden 10.000 € aus Mitteln der Drucksache aufgewendet

Nachhaltigkeit und Wirkung

Das Kindermuseum Zinnober verfügt über eine langjährige Expertise in der kulturellen Vermittlung von Sachthemen aus Naturwissenschaften, Technik, Wirtschaft und Gesellschaft. Das große Netzwerk, dass auch diesmal an der Ausstellung beteiligt ist, verstärkt diese Kompetenzen zusätzlich. Als Institution der kulturellen Kinderbildung hat das Zinnober eine große Breitenwirksamkeit in die Stadtbevölkerung. Die Vermittlung ist derart, dass über die haptischen und spielerischen Zugänge Kinder mit unterschiedlichen Sprachzugängen teilhaben können.

4.8 FösseLAB

Im FösseLAB wird partizipative kulturelle Bildung in neuen Settings erprobt. Hier entsteht ein weitgehend selbst organisierter Experimentierraum für kunst- und kulturinteressierte, kreativ aktive Jugendliche und junge Erwachsene. Die Zielgruppe befindet sich im Zwischenraum von Schule und Ausbildung bzw. Studium und strebt einen Beruf im kreativen Feld an, ist aber diesbezüglich noch unsicher oder befindet sich in einer Bewerbungsphase.

Im FösseLAB werden Jugendliche und junge Erwachsene selbstverantwortlich für die Inhalte und die Fortschritte ihrer kulturellen Bildung. Sie organisieren zusammen die für ihre künstlerische Weiterentwicklung notwendigen Expertisen und die für ihre Tätigkeiten notwendigen Materialien. Sie stellen die Regeln für die gemeinschaftliche Nutzung des FösseLABs auf und verhandeln deren Einhaltung. Sie arbeiten im Sinne eines Co-Working-Space sowohl zusammen als auch individuell an Projekten und unterstützen sich in ihren Lernfortschritten. Das FösseLAB ist ein Open Space mit Bildungsanspruch.

Eingangs werden über einen Open Call etwa 20 Jugendliche und junge Erwachsene angesprochen, die an einem intensiven Workshop-Tag an der konkreten Entwicklung des Open Space mitwirken. Dabei stehen nur wenige Bausteine bereits im Vorfeld fest: Das FösseLAB ist ein Raum mit freiem Zugang zur ausschließlichen Nutzung durch die Jugendlichen innerhalb noch zu bestimmender Öffnungszeiten. Es ist angedockt an einen bestehenden Kunstort. Es gibt einen allgemeinen freien Zugang zu Kunstmaterialien, Medien und Technik.

Dem Projektpartner stehen aus den Mitteln der Drucksache 18.000 € in 2026 zur Verfügung.

4.9 Kulturprojektwochen in den Ferien

Dank der Mittel aus der Drucksache konnte die Stadtteilkultur in den letzten Jahren ein stark nachgefragtes, qualitativ hochklassiges Ferienprogramm etablieren. Als Initiative neuer Formate wird das Programm fortwährend im Werkstattgespräch, dem Austausch- und Evaluationsformat der kulturellen Kinder- und Jugendbildung im Gesamtzusammenhang Stadtteilkultur mit allen Einrichtungen, ausgewertet und bezüglich der Ergebnisse alle drei Jahre neu aufgelegt. Unter dem Namen „Eintauchen“ werden nun weiterhin kulturelle Fertigkeiten in konzentrierter Form an Kinder von 6 – 15 Jahren vermittelt. Die Konzepte der durchführenden Kulturpädagog*innen werden nun in Zusammenarbeit mit den lokalen Stadtteilkultureinrichtungen noch stärker auf lokale Bezüge und Begebenheiten ausgearbeitet. Dies kann die Gestaltung des Stadtraums, das kreative Verarbeiten von stadtteilbezogenen Themen oder künstlerische Exkursionen umfassen.

Neu ist zudem, dass auch die Möglichkeit eingeräumt wird, Angebote in den Herbstferien durchzuführen. Dies wurde an einzelnen Standorten nachgefragt, da viele Familien dort in den Sommerferien mit Besuchen von Angehörigen ausgelastet sind und somit nicht die Möglichkeit haben, die Ferienangebote dann wahrzunehmen.

Die Struktur wird aufgrund des Erfolges der letzten Jahre beibehalten:

In den Stadtteilkultureinrichtungen finden über das Stadtgebiet verteilt ca. 20 Angebote von je 3-5 Tagen zu 4-5 Stunden statt. Somit haben viele Kinder die Möglichkeit, entweder wohnortnah an einem Ferienangebot teilzunehmen, oder aber einen neuen Stadtteil zu entdecken. Die intensive Arbeit mit bislang unbekannten Anderen erweitert den eigenen Sozialraum der teilnehmenden Kinder.

Die Kulturprojektwochen in den Sommerferien werden vom Sachgebiet Kulturelle Kinder- und Jugendbildung koordiniert und gemeinsam mit den Einrichtungen der Stadtteilkultur und der Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Hannover beworben. Die Kooperation mit der Feriencard hat den Effekt, dass keine Konkurrenz, sondern ergänzende Angebote entstehen.

Für das Jahr 2026 werden für das Projekt 20.000 Euro aufgewendet, um das Sommerferienprogramm durchzuführen.

Rückblick 2025 Kulturprojektwochen

Kooperationen:


Kulturelle Kinder- und Jugendbildung und die Einrichtungen im Bereich Stadtteilkultur der Stadt Hannover

Stadtteil: Stadtweit

Erreichte Teilnehmer*innen: 219 Kinder und Jugendliche zwischen 5-12 Jahren, davon 124 Mädchen und 95 Jungen

Nachhaltigkeit und Wirkung:


Im Rahmen des Ferienprogramms findet ein gegenseitiges Kennenlernen von Kindern aus unterschiedlichen Stadtteilen in den Stadtteilkultureinrichtungen statt. Hierdurch werden soziale Horizonte erweitert. Zudem ist das Ferienprogramm von Bedeutung für die Vernetzung mit den Kulturschaffenden der hannoverschen Kreativszene.

4.10. Take A PIC

TAKE A PIC ist ein Fotoprojekt mit Jugendlichen im Stadtteil Sahlkamp, dass das Jugendzentrum Sahlkampmit dem Film- und Fotokünstler Matthias Max Herrmann durchführt. Es besteht zudem ein Austausch mit dem Stadtteilzentrum Sahlkamp, dieses auch für Treffen und Präsentationen im Projekt zu nutzen.

Es geht in diesem Projekt um das Erlebnis des Fotografierens. Eintauchen in das Bild, wenn nur das zu sehen ist, was das Objektiv sieht. Subjektiv, poetisch, selektiv. Der Blick durch Kamera eröffnet Welten. Für diejenigen, die ihre vertraute Umgebung plötzlich mit anderen Augen sehen, aber auch für jene, die den Stadtteil meiden, weil er nachhaltig mit klischeebehafteten Vorstellungen besetzt ist. In einer Ausstellung, nicht nur im Stadtteil selbst, sollen die Bilder einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Jugendlichen bekommen Kameras in die Hand, mit denen sie sich auf eine eigene Reise begeben können. Begleitet, aber auch alleine. Sie werden vertraut gemacht mit den technischen Anforderungen, die entstandenen Bilder werden fortlaufend besprochen, im Hinblick auf mögliche Verbesserungen oder Variationen. Auch die gemeinsame Bearbeitung der Bilder wird Teil des Projekts sein. Es geht um den Prozess. Wie stark sich Jugendliche mit dem eigenen Stadtteil identifizieren, ihn mit Stolz gegen Kritik verteidigen und enttäuscht auf das negativ besetzte Image in der Außenwahrnehmung reagieren, ist dem durchführenden Künstler Matthias Max Herrmann bereits in vorausgegangenen Projekten aufgefallen. Hier gilt es, anzusetzen.

Für „Take A PIC“ ist das Jugendzentrum Sahlkamp der zentrale Ort der Begegnung. Hier sind zahlreiche Kontakte zu Jugendlichen entstanden, die sich über das letzte Jahr hinweg mehr und mehr intensiviert haben. So wird auch bei diesem Projekt in einer offenen Form gearbeitet, ohne exakt definierte Zeiträume, was dem Alltag am Jugendzentrum am ehesten gerecht wird. Für eine Präsentation kommt zunächst der Stadtteiltreff Sahlkamp in Betracht, darüber hinaus sind weitere Orte geplant, auch im Innenstadtbereich, die das Projekt im Sinne des Austauschs zwischen dem Sahlkamp und der übrigen Stadtgesellschaft prominent platzieren.

Nachhaltigkeit und Wirkung:

Matthias Max Herrmann ist bereits mit mehreren Projekten im Sahlkamp aktiv und ist verschiedenen Jugendszenen dort ein Begriff. Er kennt die Themen und Probleme des Stadtteils auch durch seine eigene Biographie und Familie dort und hat hierüber einen besonderen Zugang zu den Jugendlichen. Zu den Mitarbeiter*innen des Jugendzentrums Sahlkamp bestehen bereits längere Kontakte. Die Aneignung des Stadtteils mit künstlerischen Mitteln wird als Format der Kultur- und Jugendarbeit durch dieses Projekt weiter unterstützt und etabliert.

Für die Durchführung stehen in 2026 15.000 € aus Mitteln der Drucksache zur Verfügung.

4.11 „HandWerk mal anders“ – Berufsorientierung in der Kultur- und Kreativwirtschaft mit zwei Bausteinen

„HandWerk mal anders“ ist ein sehr erfolgreiches Projekt der kulturellen Kinder- und Jugendbildung. Hier gelingt es, die kreative Veranlagung von Jugendlichen, die auf dem ersten Bildungsweg keine Möglichkeit für ein Kunststudium erhalten werden, für die Berufsorientierung nutzbar zu machen. In den vergangenen drei Jahren wurden pro Jahr in zwei Durchgängen im Frühjahr und Herbst die Jahrgänge der Klassen 8-10 der Peter-Ustinov-Schule und der IGS Badenstedt – beides Schulen mit besonderen Herausforderungen – Jugendliche mit Künstler*innen und Handwerker*innen zusammengebracht. In interdisziplinären Teams erlernten sie künstlerische Fähigkeiten bei Malertätigkeiten, in der Tischlerei oder bei Maurertätigkeiten.

Nun steht ein letzter Durchgang an der IGS Badenstedt im Frühjahr 2026 an. Das Sachgebiet Kulturelle Kinder- und Jugendbildung versucht, jenseits der Mittel aus der Drucksache neue Finanzierungsmöglichkeiten für dieses Programm zu erschließen. Hier besteht z.B. Kontakt zur Langeschen Stiftung.

Für den letzten Durchgang an der IGS Badenstedt werden aus den Mitteln der Drucksache 3391 € zur Verfügung gestellt.

Rückblick „HandWerk mal anders“ 2025

Kooperationen:


IGS Badenstedt (seit 2023), Peter-Ustinov-Schule (ab 2024), Zusammenarbeit an beiden Schulen mit Schulleitung, Lehrkräften, Schulsozialarbeit

Stadtteile: Ricklingen und Badenstedt

Veranstaltungen:


Zwei jeweils 2-wöchige Workshops à 60 Std. im kreativ-handwerklichen Bereich, ein 2-wöchiger Workshop (60 Std.) zur Vermittlung künstlerisch-kreativer Skills

Erreichte Teilnehmer*innen: insgesamt 40 Jugendliche der Jahrgangstufen 8-10

Nachhaltigkeit & Wirkung:


Für den Großteil der Teilnehmenden ermöglichte das Projekt den Erstkontakt mit Künstler*innen und künstlerischer Arbeit in professionellen Kontexten. Angebunden an die Pflichtpraktika, konnte den Teilnehmenden ein positiv-bestärkender Eindruck ihrer eigenen Fähigkeiten vermittelt werden. Viele Teilnehmenden waren durch ihre bisherigen Lernerfahrungen demotiviert und in ihrem Selbstwert getroffen. Das Projekt konnte in kurzen, aber intensiven Wochen hier durch die Wertschätzung ihrer kreativen Arbeit einen Gegenpunkt setzen und sie ermuntern, sich bei der Berufsorientierung auf die eigenen Stärken zu besinnen.

Ausblick

Die Bereiche 41 & 51 werden künftig inhaltliche Schwerpunkte für die Drucksache Initiativen Kulturelle Kinder- und Jugendbildung setzen und darüber sowohl den Austausch zwischen den Bereichen als auch die Transparenz der Entscheidungsfindung für die Verwendung der Mittel stärken. Für das Jahr 2027 wird die Übertragung von digitalen Ästhetiken und Erlebnisräumen in analoge Ausdrucksformen für einen Teil der Mittel in den Blick genommen. Die digital geprägten Lebenswelten aus den Bereichen Gaming, Social Media und Streaming-Diensten sollen als Inspirationsquelle für eigenes analoges künstlerisches Schaffen der adressierten Kinder und Jugendlichen dienen und sie so an kulturelle Bildung heranführen. Wie schon bei einigen Projekten dieser Drucksache, ist auch hier der Erstkontakt von Kindern und Jugendlichen mit kultureller Bildung das Ziel dieses Schwerpunktes. Die Drucksache Initiativen kultureller Kinder- und Jugendbildung wird somit als Türöffner für die Strukturen der Kulturellen Bildung und der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt, jene Zielgruppen zu erreichen, die für die alltägliche Arbeit bislang nur schwer zugänglich waren.

41.5 / 51.5
Hannover / May 8, 2026