Drucksache Nr. 0954/2015:
Änderung des Namens der Pflegeeinrichtung „Altenzentrum Eichenpark“ in „Anni-Gondro-Pflegezentrum im Eichenpark“

Inhalt der Drucksache:

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0954/2015
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Änderung des Namens der Pflegeeinrichtung „Altenzentrum Eichenpark“ in „Anni-Gondro-Pflegezentrum im Eichenpark“

Antrag,

der Änderung des Namens der Pflegeeinrichtung „Altenzentrum Eichenpark“ in „Anni-Gondro-Pflegezentrum im Eichenpark“
zuzustimmen.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Die Stadtverwaltung ist bemüht, bei Namens-Ehrungen Männer und Frauen gleichmäßig zu würdigen.
Die Umbenennung würdigt mit Anni Gondro ausdrücklich die Verdienste der am 05.11.2014 Verstorbenen.

Kostentabelle

Es entstehen nur geringfügige finanzielle Auswirkungen, die den Wirtschaftsplan des Netto-Regiebetriebes „Städtische Alten- und Pflegezentren“ betreffen.

Begründung des Antrages

Am 05. November 2014 verstarb im Alter von 95 Jahren Anni Gondro. Mit ihrem eigenen Renteneintritt 1979 begann Anni Gondro, sich besonders in der Seniorinnen- und Seniorenarbeit zu engagieren. Sie gründete den gewerkschaftlichen Arbeitskreis „Altenpolitik sozial gestalten“ und gewann den damaligen Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg, später seinen Nachfolger Stephan Weil, für die Schirmherrschaft.
Besonders am Herzen lagen ihr dabei die Alten- und Pflegeheime, auch weil es in der überwiegenden Zahl Frauen sind, die dort ihren letzten Lebensabschnitt verbringen.
Der besondere Einsatz von Anni Gondro galt jetzt den Interessen der Seniorinnen und Senioren der Stadt Hannover. Sie setzte sich unter anderem mit großem Engagement für die städtischen Alten- und Pflegezentren ein.

Anni Gondro wurde am 24. August 1919 geboren und wuchs im oberschlesischen Neustadt auf.
Bereits kurz nach dem Krieg begann Anni Gondro, sich gewerkschaftlich zu engagieren und sich für die Rechte insbesondere der Arbeitnehmerinnen einzusetzen. 1947 tritt sie in die Vorläuferorganisation der ÖTV ein. 1951 wechselte sie in die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV). Ab 1947 war sie für mehrere Jahre Mitglied im Bremer Rundfunkrat. 1952 wurde sie stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei Karstadt. 1953 wurde Anni Gondro erste ehrenamtliche Arbeitsrichterin am Amtsgericht Bremen. 1954 trat sie in die SPD ein. 1957 zog Anni Gondro nach Hannover.
Als Beschäftigte der LVA-Hannover engagierte sie sich für die Gewerkschaft ÖTV. In der Folgezeit wurde sie Vorsitzende des Gesamtpersonalrates der LVA. In der ÖTV übernahm sie Ämter auf verschiedenen Ebenen und wurde unter anderem Mitglied der Großen Tarifkommission für den Öffentlichen Dienst.
Anni Gondro war über 65 Jahre Mitglied und Funktionärin der ÖTV und später der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, deren älteste Gründungsdelegierte sie war.

Dynamik, soziales Bewusstsein, aber auch Durchsetzungskraft zeichneten Anni Gondro aus.
Aufgrund ihres besonderen Einsatzes für soziale Belange wurde Anni Gondro im Laufe ihres Lebens mehrfach ausgezeichnet.
1981 wird Anni Gondro für ihren Einsatz in der Personalvertretung das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
1997 wird Anni Gondro auf Vorschlag des damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder den Niedersächsischen Verdienstorden 1. Klasse verliehen.
2001 erhält sie für die Verdienste um die Landeshauptstadt Hannover die Stadtplakette Hannover.

Zur Geschichte des Altenzentrums Eichenpark:

Auf dem Gelände in Langenhagen, auf dem das Altenzentrum Eichenpark steht, werden seit über 150 Jahren Pflegeeinrichtungen betrieben. Bis ins zwanzigste Jahrhundert lag der Schwerpunkt in der Versorgung und Verwahrung von „geistesschwachen“ und psychiatrischen Personen.
1938 übernimmt die Stadt Hannover die Trägerschaft und betreibt es als zentrales Pflegeheim für hilfs- und pflegebedürftige Personen. Es erfolgte eine Trennung von Alten- und Pflegeheim mit einer angeschlossenen Abteilung für „Geistesschwache“ (insgesamt ca. 830 Betten) einerseits und eine Spezialeinrichtung für Nervenkranke andererseits.
In der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft fiel eine unbekannte Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner der Tötung in den Vernichtungslagern zum Opfer.
1979 erfolgten die Eröffnung des Hauses „Sonneneck“ mit 192 Pflegeplätzen und die Umbenennung der Einrichtung in „Altenzentrum Eichenpark“. Das Altenzentrum Eichenpark verfügt in dieser Zeit über 605 Pflegeplätze in verschiedenen Häusern auf dem Klinikgelände.
In den Neunziger Jahren werden die alten Gebäude sukzessive aufgegeben.1997 besteht das Altenzentrum Eichenpark nur noch aus dem Haus „Sonneneck“.
2002 wurde im Zuge der Gründung der Region Hannover das Klinikum Region Hannover gegründet. In der Folge wird das Altenzentrum Eichenpark aus dem Klinikumsverbund herausgelöst und ab 01.01.2003 als Netto-Regiebetrieb durch die Landeshauptstadt Hannover geführt.
Anfang 2006 wurde der Netto-Regiebetrieb „Städtische Alten- und Pflegezentren“, bestehend aus den Einrichtungen Pflegezentrum Herta-Meyer-Haus, Pflegezentrum Heinemanhof, Seniorenzentrum Willy-Platz-Heim, Altenzentrum Geibelstraße mit Außenstelle Pflegeheim Stadionbrücke mit dem „Altenzentrum Eichenpark“ organisatorisch zu einem Betrieb zusammengefasst.

Insbesondere zu den städtischen Alten- und Pflegezentren pflegte Anni Gondro enge Kontakte. Deshalb möchte die Landeshauptstadt Hannover diese besondere Beziehung mit der Umbenennung in "Anni-Gondro-Pflegezentrum im Eichenpark" ehren. Von Seiten des Eichenparks besteht ebenfalls der große Wunsch, eine bleibende Erinnerung an Anni Gondro mithilfe einer veränderten Namensgebung zu erreichen.

Derzeit finden in der Einrichtung umfangreiche bauliche Umgestaltungsmaßnahmen statt, um die Aufenthaltsqualität für die Bewohnerinnen und Bewohner zu erhöhen. Im Rahmen dieser Maßnahmen ist beabsichtigt, die Umbenennung zu vollziehen und im Geschäftsgang ab Oktober 2015 zu realisieren.
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Hannover / Apr 28, 2015