Informationsdrucksache Nr. 0810/2013:
Weiterentwicklung der sozialen Arbeit im Quartier Hinrichsring/Gorch-Fock-Straße

Inhalt der Drucksache:

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Landeshauptstadt HannoverInformationsdrucksacheInformationsdrucksache
An den Stadtbezirksrat Vahrenwald-List (zur Kenntnis)
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In den Sozialausschuss
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0810/2013
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Weiterentwicklung der sozialen Arbeit im Quartier Hinrichsring/Gorch-Fock-Straße

Die Verwaltung informiert über die Entwicklung der letzten Jahre im Gebiet Hinrichsring/ Gorch-Fock-Straße, über den aktuellen Sachstand und die Perspektiven für die soziale Arbeit in diesem Quartier.

1. Ausgangslage

Das Quartier Hinrichsring/Gorch-Fock-Straße im Stadtbezirk Vahrenwald/List ist gekennzeichnet durch eine eher einfache Bebauung mit räumlicher Isolierung zum angrenzenden Stadtteil und einer Wohnbevölkerung mit einem hohen Anteil von Kindern. Überdurchschnittlich viele Menschen mit Migrationshintergrund aus unterschiedlichen Nationen leben in diesem Wohngebiet. Ein damit verbundenes hohes Armutsrisiko trifft wiederum vor allem Kinder und Jugendliche, Migrantinnen und Migranten. Ebenfalls überdurchschnittlich ist der Anteil Bewohnerinnen und Bewohner, die Transferleistungen erhalten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Vor diesem Hintergrund wurde Handlungsbedarf gesehen, die Bürgerinnen und Bürger dieses Quartiers zu aktivieren und durch gezielte Maßnahmen zu einer nachhaltigen Stabilisierung des Wohngebietes beizutragen. Ziel aller Aktivitäten war und ist es, mit und für die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers das soziale Zusammenleben zu fördern und dadurch die Lebensqualität zu verbessern.

2. Entwicklung der letzten Jahre

Zur Stabilisierung und Verbesserung der Wohnqualität hat die Verwaltung seit Sommer 2010 folgende Maßnahmen initiiert bzw. unterstützt:

Mitte 2010 wurden vom Fachbereich Planen und Stadtentwicklung zusammen mit der Gesellschaft für Bauen und Wohnen (GBH) befristet für zwei Jahre Mittel zur Verfügung gestellt, um Aktivitäten zur Verbesserung der Wohnqualität in diesem Quartier zu unterstützen. Die Entwicklung von Nachbarschaftsarbeit sei hier beispielhaft genannt, die vom zuständigen Bereich Bürgerschaftliches Engagement und soziale Stadtentwicklung fachlich begleitet wurde.

Es wurde ein „Runder Tisch“ einberufen, um gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren vor Ort einen Dialog über mögliche Verbesserungen der sozialen Infrastruktur zu eröffnen.

Im August 2011 wurde unter der Trägerschaft der Schreberjugend e.V. das Nachbarschaftsbüro im Hinrichsring eingerichtet, das vielfältige Aktivitäten für die Bewohnerinnen und Bewohner anbietet und Projekte im Quartier organisiert. Vor allem niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote werden stark nachgefragt. Im September 2012 hat der Fachbereich Soziales die Trägerschaft übernommen.



Eine begleitende Untersuchung, die eine Sozialdatenerhebung und mehrere Umfragen im Quartier beinhaltete, zeigte im Ergebnis, dass das Quartier einerseits über Merkmale verfügt, die für Wohngebiete mit besonderem sozialen Entwicklungsbedarf typisch sind. Andererseits wurde deutlich, dass bereits nachhaltige Ansätze zur Verbesserung der Situation für die Bewohnerinnen und Bewohner im Quartier vorhanden waren. Deutlich wurde jedoch auch, dass eine Abstimmung der Angebote aufeinander bisher fehlte und die Koordination der Angebote verbessert werden muss.

2. Bestand an sozialer Arbeit im Quartier

Direkt im Quartier sind folgende Einrichtungen vertreten:

  • Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Region Hannover Gorch-Fockstraße
    (25 Plätze)
  • Lückekindereinrichtung „Die Wellenbrecher“ vom Kreisjugendwerk der AWO Region Hannover mit einem Angebot für Grundschul-und Lückekinder (8 bis 14 Jahre)
  • Jugendtreff „GoHin“ der Schreberjugend Hannover e.V. mit Angeboten für Jugendliche der Altersgruppe 14 bis 24 Jahre
  • Mitmachzentrum „MiZe“ - ehrenamtlich betrieben
  • Seniorenarbeit des Diakonischen Werks
  • Nachbarschaftsbüro im Hinrichsring
  • Dienststellen des Kommunalen Sozialdienstes (KSD) und des Kommunalen Seniorenservice (KSH)

Weiter sind in diesem Quartier tätig die Jugendbildungskoordination des Fachbereichs Jugend und Familie, das Stadtbezirksmanagement, der Jugendschutz/Straßensozialarbeit (alle Landeshauptstadt Hannover) sowie die Polizeidirektion Hannover.
Im näheren Umfeld gibt es darüber hinaus folgende Einrichtungen
  • Nachbarschaftstreff List-NordOst in Trägerschaft der Schreberjugend
  • Familienzentrum der AWO Gottfried-Keller-Straße
  • Grundschule Brüder Grimm inklusive Hortgruppe,
  • Kindertagesstätte des Caritasverbandes St. Franziskus
  • Kindertagesstätte der Gethsemanegemeinde e. V.
  • und Sportvereine.
Es bestehen Stadtteilgremien wie die Stadtteilrunde List-NordOst und die Go-Hin-Runde, in denen Aktivitäten geplant, Problemlagen erörtert und gemeinsam Lösungsansätze erarbeitet werden. Die Gestaltung von Stadtteil-und Hoffesten unter Einbeziehung engagierter Bürgerinnen und Bürger ist wiederkehrender Bestandteil der Arbeit vor Ort.

Über Elternbildungskonferenzen und Elterninterviews wurden der aktuelle Bestand sowie der Bedarf zur Stärkung elterlicher Kompetenz erhoben und um Elternstadtteilpläne für den Stadtteil ergänzt. Organisiert wurde dies unter Federführung der Stelle Elternbildung im Bereich Jugend-und Familienberatung der LHH in Kooperation mit dem Familienzentrum, Kitas, dem Mitmachzentrum, dem Elterncafé der AWO, den Wellenbrechern, der Nachbarschaftsarbeit und weiteren Engagierten vor Ort.

4. Perspektiven der sozialen Arbeit im Quartier Hinrichsring/Gorch-Fock-Straße

Aus den Erfahrungen vor Ort und der Reflexion bisheriger Ansätze der sozialen Arbeit im Quartier resümieren Fortschreibungen von Angeboten, die gut angenommen wurden und mittlerweile etabliert sind, für die Zukunft. Neue Handlungsansätze erweitern das Spektrum der Maßnahmen, die weiter zu einer Stabilisierung des Quartiers beitragen sollen.

So wurde z. B. ein hoher Bedarf an niedrigschwelligen Beratungs- und Unterstützungsangeboten von Eltern festgestellt. Deshalb arbeitet die Stelle Koordination Elternbildung des Fachbereichs Jugend und Familie seit Januar 2012 neu im Quartier. Ziel ist, mit spezifischen Angeboten Familien vor Ort zu fördern, strukturelle und kulturelle Barrieren abzubauen, um den Bildungserfolg von Eltern und Kinder zu befördern, Eltern zu stärken und ihnen Hilfen zur Selbsthilfe an die Hand zu geben.

Folgende weitere Maßnahmen sind vorgesehen:

  • Der Fachbereich Planen und Stadtentwicklung unterstützt in Absprache mit der GBH den Fachbereich Soziales bei der Nachbarschaftsarbeit Hinrichsring durch einmaliges zur Verfügung stellen von Projektmitteln aus dem Maßnahmenpaket „Quartiersmanagement in Nichtfördergebieten“.
  • Der Bereich Bürgerschaftliches Engagement stellt für das 1. Halbjahr 2013 die Besetzung des Nachbarschaftsbüros mit einer Honorarkraft im Umfang von 10 Wochenstunden sicher; ab Mitte 2013 soll die Arbeit mit der Kapazität einer halben Stelle Gemeinwesenarbeit weitergeführt werden.
  • Im Rahmen primärer Prävention von Elternbildung und -beratung wird vom Fachbereich Jugend und Familie ein Elterntreff als zentrale Anlaufstelle und Beteiligungsort für Mütter und Väter zur offenen Begegnung eingerichtet.
  • Sobald ausreichend große Räume gefunden wurden, soll der Elterntreff in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt Region Hannover an 5 Tagen die Woche geführt werden.
  • Es wird eine Fachkraft als persönliche AnsprechpartnerIn für Eltern zur Koordination passgenauer Angebote und Maßnahmen von Elternbildung und Beratung sowie für aktive Netzwerktätigkeit im Umfang einer halben Stelle eingesetzt. Die dafür nötigen personellen Ressourcen werden vorbehaltlich der endgültigen Mittelfreigabe über beantragte Landesmittel der Familienförderung realisiert.
  • Im Rahmen der Neuorganisation der Kinder-und Jugendarbeit werden auch die Angebote in diesem Quartier für die Zielgruppen überprüft und unter Umständen neu aufgestellt (ab Anfang 2014). Sowohl das Kreisjugendwerk der AWO als auch die Schreberjugend beklagen für den Betrieb ihrer Jugendeinrichtungen „Wellenbrecher“ und „Go-Hin“ schon jetzt Grenzen ihrer räumlichen, personellen und finanzielle Ressourcen, um dem Bedarf entsprechende Angebote zur Verfügung.
  • Über die Nachbarschaftsarbeit wird der Kontakt zu den Wohnungsbaugesellschaften/Eigentümern gesucht, in deren wirtschaftlichem Interesse - über die sozialen Aspekte hinaus - die Verbesserung der Situation im Quartier Hinrichsring/Gorch-Fock-Straße liegen sollte.

Die Drucksache wurde unter Federführung der Jugendbildungskoordination und des Stadtbezirksmanagements sowie unter besonderer Mitwirkung der Bereiche Bürgerschaftliches Engagement und soziale Stadtentwicklung, Elternbildung und Stadterneuerung erarbeitet.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Die beschriebenen Maßnahmen richten sich grundsätzlich an beide Geschlechter. Unterschiedliche Lebenslagen von Jungen und Mädchen, männlichen und weiblichen Jugendlichen sowie Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers werden in den verschiedenen Maßnahmen spezifisch aufgegriffen und bei der Angebotsplanung entsprechend berücksichtigt. Angebote im Rahmen der Elternbildung werden explizit auch Väter in den Fokus nehmen, weil deutlich ist, dass deren Repräsentanz durch differenzierte Ansprache erhöht werden muss.

Es findet eine besondere Ansprache in Schrift, Wort und Methoden Verwendung, die eine Ausgrenzung des jeweils anderen Geschlechts vermeidet. Hierzu gehört es, Eigenständigkeit und unterschiedliche Ausdrucksweisen zu beachten und zu fördern.

Kostentabelle

Es entstehen keine finanziellen Auswirkungen.

51.5 
Hannover / Apr 11, 2013