Informationsdrucksache Nr. 0785/2014:
"Hannover bleibt am Ball" - Fortsetzung des Ausbaus der Kinderbetreuung

Inhalt der Drucksache:

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Landeshauptstadt HannoverInformationsdrucksacheInformationsdrucksache
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In den Verwaltungsausschuss
In die Ratsversammlung
An die Stadtbezirksräte 01 - 13 (zur Kenntnis)
 
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0785/2014
1
 
BITTE AUFBEWAHREN - wird nicht noch einmal versandt

"Hannover bleibt am Ball" - Fortsetzung des Ausbaus der Kinderbetreuung


1. Stand der Betreuungssituation im Krippen- und Kindergartenbereich
Mit Inkrafttreten des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz zum Stichtag 1.8.2013 hatte Hannover rd. 1.700 Plätze (95 %) des fünf Jahre zuvor gestarteten Ausbauprogramms „5 x 300 Plätze“ (Ds. 0049/2008) sowie des zwei Jahre danach vom Rat beschlossenen Ergänzungsprogramms „Plus 300“ (Ds. 1990/2010) realisiert. Weitere rd. 150 Plätze des Rechtsanspruch-Programms sind bis zum Jahresende 2013 hinzugekommen; zum 1.1.2014 sind in diesem Rahmen insgesamt 1.834 Plätze neu geschaffen worden.

Zum Jahresbeginn 2014 standen in Hannover damit insgesamt 5.228 Krippenplätze bzw. Betreuungsplätze in der Kindertagespflege und 13.793 Kindergartenplätze zur Verfügung. Zusammen mit den Angeboten der Tagespflege ergab sich eine Betreuungsquote von
· 55,3 % für Kinder im rechtsanspruchsrelevanten Alter für einen Krippen- bzw. Tagespflegeplatz (1 und 2 Jahre) und
· 100,4 % für Kinder im Kindergartenalter (3-5 Jahre).

Insgesamt ist es mit dieser Kraftanstrengung gelungen, nicht nur die Vereinbarkeit von Kinderwunsch und Berufsleben für zahlreiche hannoversche Familien auch im Kleinkindbereich zu ermöglichen, sondern durch den rechtzeitigen und umfassenden Ausbau der Kinderbetreuung auch eine Vermeidung von Klagen oder Klageandrohungen zu Lasten der Landeshauptstadt zu erreichen.

Trotz dieses Erfolges bleibt jedoch auch zurzeit noch für viele Eltern der Wunsch nach einer für sie passenden Kinderbetreuung unbefriedigt. Auch längere Wartezeiten und –listen bei besonders nachgefragten Einrichtungen oder eine nicht wohnortnahe Betreuung werden ebenso in Kauf genommen wie Tagespflegebetreuung als Übergangslösung.

2. Bedarfsentwicklung bei der Kleinkindbetreuung
Im Krippenbereich tragen zum einen die weiterhin steigende Anzahl von Kindern mit Rechtsanspruch und zum anderen der deutlich zu verzeichnende „Angebotssog“ zu dieser Situation bei:
2.1 Anzahl 1- und 2-Jähriger steigt: Kinder, die z. B. ab April 2015 einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz haben werden, sind inzwischen (April 2014) geboren worden; die Entwicklung der jeweils kommenden 12 Monate kann prognostiziert werden. Grundlage hierfür ist die jeweilige durchschnittliche Veränderung in den Altersgruppen der 1- und 2-Jährigen der vergangenen nunmehr 3 Jahre.
Dabei zeigt sich aktuell, dass die Anzahl der 1 und 2-Jährigen nach einem leichten Rückgang im Sommer zum September 2014 deutlich zum Frühjahr 2015 sehr stark zunehmen wird. Die Zunahme ab Herbst 2014 resultiert daraus, dass es zum Stichtag 30.09.2013 über 200 (!) unter 1-Jährige mehr gab, als jeweils in den vier Quartalen zuvor. Die noch weitergehende Zunahme zum Frühjahr 2015 ist Folge des sich fortsetzenden Geburtenhochs im ersten Quartal 2014 mit rund 150 bis 200 Säuglingen mehr, als in den Quartalen zuvor (vgl. Abb. 1 und Abb. 2).

Die bisherige „rechtsanspruchsrelevante“ Geburtenentwicklung zeigt somit fortgesetzt quartalsweise Sprünge, die sich im Jahresvergleich auf bis zu 400 Kinder (!) erhöhen; erst die mehrjährige Betrachtung liefert dann Hinweise auf die dauerhaft erhöhte Jahrgangstärke:
Abbildung 1: Geburten (hier: Säuglinge) nach Quartalen

Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Sachgebiet Bereich Wahlen und Statistik


Abbildung 2: Vorausschätzung der Entwicklung der Anzahl 1 bis 2-Jähriger bis 31.03.2015

Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Sachgebiet Wahlen und Statistik – eigene Berechnung


2.2 Die Nachfrage der Eltern nach Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder ist trotz (oder: gerade wegen) des realisierten Ausbauprogramms deutlich höher, als seinerzeit zur reinen Inanspruchnahme des Rechtsanspruches geschätzt. Das lässt sich insbesondere aus Nachfragen und Anmeldungen im FamilienServiceBüro entnehmen.
Schon mit Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz (1996) war zu beobachten, dass mit zunehmendem Angebot an Betreuungsplätzen zugleich auch die Nachfrage der Eltern und damit die Bereitschaft stieg, Kinder ergänzend außerhalb des häuslichen Umfeldes betreuen zu lassen (so genannter „Angebotssog“). Dieselbe Entwicklung ist heute im Bereich der Kleinkindbetreuung zu beobachten: Das Angebot erhöht auch die Nachfrage! Eine Erfüllungsquote von 55 % kann inzwischen nicht als ausreichend bedarfsdeckend betrachtet werden.
Es zeichnet sich somit auch im mehrjährigen Vergleich ab, dass die inzwischen erreichte Zahl von rd. 9.700 1 – 2jährigen Kindern (statt noch 9.000 – 9.500, wie in der Phase des „Rechtsanspruchsprogramms“ geschätzt) (zunächst) dauerhaft erreicht sein wird und damit ebenso wie der erweiterte „Angebotssog“ Kapazitätsanpassungen erforderlich macht.

3. Situation im Kindergartenbereich (3-6 Jährige)
Zum 1.1.2014 standen in Hannover 13.793 Kindergartenplätze zur Verfügung. Die Versorgungsquote lag bei 100,4 %. Seit dem Jahr 2010 ist jedoch auch in der Altersgruppe der 3- bis 5-Jährigen eine steigende Anzahl von Kindern zu verzeichnen(vgl. Abb. 3). Um diesen gestiegenen Bedarf abzufangen, wurden bereits folgende Maßnahmen eingeleitet:
2011: 394 zusätzliche Kindergartenplätze
2012: Umwandlung von 301 altersübergreifenden Plätzen in reine Kindergartenplätze
2012: Schaffung von 91 neuen Kindergartenplätzen.
Die neu eingerichteten Kindergartenplätze entstanden im Wesentlichen durch im Zuge des Krippenausbaus realisierte Neubauten, in die über 400 neue Kindergartenplätze integriert werden konnten.

Auch im Kindergartenbereich tragen allerdings folgende, aktuelle und sich weiter abzeichnende Entwicklungen zu einem anwachsenden Platzbedarf bei:
1. Durchwachsen jüngst Geborener: Die gegenwärtige Versorgungsquote (1.1.2014) von 100,4 wird bereits im zweiten Halbjahr 2014 deutlich sinken, weil die Zahl der bis dahin 3-jährigen Kinder prognostisch infolge des Durchwachsens von in den Jahren 2011 und später Geborenen ansteigen wird (vgl. Abb. 3).
2. Dreijährige Krippenkinder haben auch unterjährig die Möglichkeit, in den Kindergartenbereich zu wechseln.
3. Sechsjährige im Kindergarten: Die zum 1.10.2013 erfolgte Abfrage in den Kindertagesstätten hat ergeben, dass rd. 200 Kinder, die bereits 6 Jahre alt waren, weiter Kindertagesstätten besuchen, was auch planerisch zu berücksichtigen ist.
4. Betreuungsschlüssel: Nicht alle der aktuell und künftig genehmigten Betreuungsplätze können belegt werden, weil sich die Platzzahl verringert (18 statt 25 Kinder pro Gruppe), sobald zwei Kinder mit einer Behinderung in einer Kindergartengruppe betreut wird, was im Zuge des Inklusionsgedankens vermehrt angestrebt werden wird.
5. Zuwanderung und Wohnungsbau: Es zeigt sich, dass einerseits vermehrt Familien ins Stadtgebiet ziehen und weniger Familien abwandern, sodass auch unterjährig Plätze zur Verfügung gestellt werden müssen. Dieser steigende Bedarf ist eine Folge
· der Zuwanderung von Menschen aus Deutschland oder anderen Ländern Europas,
· des Zuzugs von Asylbewerberfamilien, die zwar einen weitaus kleineren Anteil an dem Gesamtbedarf haben, zahlenmäßig aber voraussichtlich weiterhin steigen werden und
· der sukzessive sich realisierende Wohnbauflächeninitiative, die insbesondere in den kommenden Jahren zu einem weiteren Bedarf an einer wohnortnahen Kinderbetreuung führen wird.
6. Plätze in Betriebskindertagestätten werden auch von Kindern belegt, deren Eltern nicht im Stadtgebiet von Hannover leben.





















Abbildung 3: Vorausschätzung der Entwicklung der Zahl von Kindern im Kindergartenalter (3 bis 5 Jahre) bis 31.03.2015

* ohne Berücksichtigung von 2 und 6-Jährigen im Kindergarten
Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Sachgebiet Wahlen und Statistik, eigene Berechnungen

4.“Hannover bleibt am Ball!“ Ausbauperspektive: 1.400 Plätze plus
Für Hannover ist es - auch in Perspektive - prioritäres Ziel der Stadtpolitik, in der Kinderbetreuung ein bedarfsgerechtes Versorgungssystem vorzuhalten – im Krippen- wie im Kindergartenbereich. Um über das aktuelle Planungsjahr hinaus gewappnet zu sein, sollen deshalb frühzeitig Weichen gestellt werden. Die Realisierung einer Kindertagesstätte von der Idee bis zur Eröffnung nimmt – bei störungsfreiem Verlauf – mindestens 24 Monate in Anspruch!

Aus den o. g. Gründen legt die Stadt deshalb in diesem Jahr ein weiteres Ausbau-Programm „Hannover bleibt am Ball!“ auf, mit welchem den weiter gestiegenen Ansprüchen sowie dem absehbaren Bevölkerungswachstum begegnet werden soll.

Nach gegenwärtigem Planungsstand wird dazu eine Größenordnung von weiteren 900 Krippenplätzen und 500 zusätzlichen Kindergartenplätzen bis zum Beginn des Kindergartenjahres/Jahresmitte 2017 angestrebt.
In Abschnitten sind vorgesehen:
Krippenplätze Kindergartenplätze
2014/2015: 577 265
2016 ff: 323 235
900 500 | 1.400 zusätzliche Plätze

Für dieses und das nächste Jahr stehen dazu bereits über 20 konkrete Aus- bzw. Neubauprojekte für Krippen fest, mit denen 577 Plätze geschaffen werden können (Anlage; Tab. 1). Schwerpunkte sind dabei die besonders nachgefragten Bezirke Mitte und Vahrenwald-List mit 100 bzw. 75 zusätzlichen Plätzen sowie Stöcken mit 75 Plätzen (davon zwei öffentlich geförderte Krippengruppen) in der neuen VW-Betriebskindertagesstätte.
Ab 2016 sollen dann weitere Projekte mit rd. 330 Plätzen umgesetzt werden, wobei rd. 50 % davon bereits jetzt – in unterschiedlichem Planungsstand – konkretisiert sind (Anlage; Tab. 2). Schwerpunkte werden in den Bezirken Südstadt und Ricklingen gesetzt werden.
Die noch ausstehenden Projekte in diesem Rahmen sollen insbesondere im Rahmen der Fertigstellung des bis dahin absehbaren Wohnungsbaus aus der Wohnbauflächeninitiative der Stadt realisiert werden.

Im Kindergartenbereich sind ebenfalls für 2014/15 bereits 265 neue Plätze durch konkrete Projekte belegt (Anlage; Tab. 3). Weitere 235 Plätze sollen ebenfalls im Zuge der Wohnbauflächeninitiative – je nach Fertigstellung/Bezug der Wohnungen – realisiert werden.

Für die zusätzlichen 900 Krippenplätze werden - bei vollständiger Inbetriebnahme - ca. 3,8 Mio. € jährlich zusätzlich aufgewandt werden; 1,5 Mio. € für 400 neue Kindergartenplätze. Darüber hinaus ist für das Gesamtprogramm über alle Jahre ein investiver Aufwand von rd. 34 Mio. berechnet.

Die – jetzt absehbare – Bevölkerungsentwicklung als anhaltend unterstellt lässt sich damit bis 2017 eine Bedarfsdeckungsquote für Krippenplätze von ca. 65 % erreichen; im Kindergartenbereich wird von einer durchgängigen Vollbetreuung (98 – 100 %) ausgegangen.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten


Mit dem Ausbauprogramm trägt die Stadt Hannover dazu bei, den Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen bzw. zu erleichtern. Der Ausbau der Kinderbetreuung orientiert sich an den Bedarfen der Eltern und Kinder. Eine ausgewogene Belegung der Gruppen sowie die Berücksichtigung familiärer Hintergründe werden durch die Aufnahmekriterien grundsätzlich sichergestellt.

Kostentabelle

Vgl. die o. g. Ausführungen; Veranschlagungen erfolgen kontinuierlich in den Haushaltsplanentwürfen.

Dez. III 
Hannover / Apr 15, 2014