Drucksache Nr. 0771/2025:
Initiativen zur kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche 2025

Inhalt der Drucksache:

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Landeshauptstadt HannoverBeschlussdrucksache-ZeichenBeschlussdrucksache
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0771/2025
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Initiativen zur kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche 2025

Antrag,

der unter 4. aufgeführten Vorhaben zur kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche zuzustimmen.

Die Abwicklung erfolgt teilweise über Förderungen und teilweise über Kooperationsverträge zwischen der Landeshauptstadt Hannover (LHH) und kulturellen Einrichtungen bzw. so genannten Bildungspartnerschaften. Dazu kommen auch interdisziplinäre Projekte innerhalb der LHH.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Die Projekte richten sich grundsätzlich an Kinder und Jugendliche aller Geschlechter. Vor Ort werden Lern- und Bildungsformen unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse weitestgehend angepasst und, wo erforderlich, ein geschlechtergerechter Einsatz der Ressourcen vorgenommen. Über die vermittelnden Personen und Themen werden soweit möglich Kinder und Jugendliche in ihrer Unterschiedlichkeit angesprochen. Kinder können etwa in der Vielfalt der Angebote im Sommerferienprojekt „Luftsprünge“, jenseits von gängigen Interessenszuschreibungen neue Horizonte entdecken. Bei Jugendlichen ist das Thema Gender und Identität hoch sensibel. Hier zeigen Projekte wie „Connection Dance Center“ oder „blu:boks Hannover“, wie kulturelle Bildung in kritischen Entwicklungsphasen einen Beitrag zur Bewältigung von Identitätskrisen leisten kann.

Ergebnis der Klimawirkungsprüfung

Der Betrieb der genutzten Räumlichkeiten und die Verwendung der Materialien bedeuten einen geringen Aufwand von Energie und Ressourcen, die Projekte sind nicht klimaneutral. Alle involvierten Personen sind angehalten, nachhaltig mit Materialien und Energieverbrauch umzugehen.

Kostentabelle

Darstellung der zu erwartenden finanziellen Auswirkungen in Euro:
Teilergebnishaushalt 41/51 - Investitionstätigkeit
27303 - Stadtteilultur / 36201 - Kinder- und Jugendarbeit
Angaben pro Jahr
Ordentliche ErträgeOrdentliche Aufwendungen
Zuwendungen und allg. Umlagen €0.00
Sonstige Transfererträge €0.00
Öffentlichrechtl. Entgelte €0.00
Privatrechtl. Entgelte €0.00
Kostenerstattungen €0.00
Auflösung Sonderposten (anteilige Zuwendungen) €0.00
Sonstige ordentl. Erträge €0.00
   
   
Personalaufwendungen €0.00
Sach- und Dienstleistungen €0.00
Abschreibungen €0.00
Zinsen o.ä. (TH 99) €0.00
Transferaufwendungen €52,391.00
Sonstige ordentliche Aufwendungen €119,500.00
   
Saldo ordentliches Ergebnis (€171,891.00)
Außerordentliche Erträge €0.00
   
Erträge aus internen Leistungsbeziehungen €0.00
Außerordentliche Aufwendungen €0.00
  
Aufwendungen aus internen Leistungsbeziehungen €0.00
Die benötigten Haushaltsmittel in Höhe von insgesamt 171.891 € stehen für den Fachbereich Kultur im Teilhaushalt 41 im Produkt 27303 (Teilsumme 119.500 €) in 2025 zur Verfügung. Für den Fachbereich Jugend und Familie steht die Teilsumme von 52.391 € im Sammeltopf für das Projekt/Vorhaben Initiativen zur kulturellen Bildung im Teilhaushalt 51 im Produkt 36201 in 2025 ebenfalls zur Verfügung. Die Bereitstellung der Mittel in der Kostentabelle erfolgt vorbehaltlich der Genehmigung der Haushaltssatzung 2025/2026 durch die Aufsichtsbehörde. Bis dahin gelten die Vorschriften der vorläufigen Haushaltsführung.

Begründung des Antrages

1. Vorbemerkung

Im Rahmen der Beschlüsse zum Haushaltsplan 2007 hatte der Rat die Verwaltung beauftragt zur Umsetzung einer Initiative zur kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche ein Maßnahmenbündel mit dem Ziel zu entwickeln, Ansätze kultureller Bildung zu erproben, die geeignet sind nachhaltige Bildungserfolge zu erzielen und erfolgreiche Ansätze flächendeckend umzusetzen. Mit der Umsetzung beauftragt wurden der Bereich Kinder- und Jugendarbeit des Fachbereichs Jugend und Familie und der Bereich Stadtteilkultur im Fachbereich Kultur.

Die mit dem Beschluss einhergehende finanzielle Ausstattung ist seitdem in den beiden o.g. Produkten verortet und wurde 2021 mit den Beschlüssen vom 22.02.2021 im Jugendhilfeausschuss um insgesamt 75.000 Euro im Bereich Kinder und Jugendarbeit (51.5) herabgesenkt. Mit dem vom Rat beschlossenen Doppelhaushalt 2025/2026 wurde eine Dynamisierung im Bereich Kinder- und Jugendarbeit (51.5) auf insgesamt 52.391€ festgelegt. Die Initiativen der kulturellen Bildung werden von den beiden genannten Bereichen/Fachbereichen organisiert und gesteuert.

Ziel der „Initiativen zur kulturellen Bildung“ ist es, Impulse zu setzen und innovative Ideen zu entwickeln, zu realisieren und Transfer herzustellen. Kooperative Projekte sollen einen Experimentierraum zur Entfaltung bekommen, um in die Stadtteile zu wirken und die vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen im Stadtraum einzubinden, die eine Basis bilden, um nachhaltig wirken zu können. Dabei kommen die unterschiedlichen Methoden und Herangehensweisen der beiden Bereiche den jungen Menschen zugute. Die Zielgruppen können auf diversen Wegen erreicht und angesprochen werden.

Das zentrale Anliegen beider Bereiche ist es gesellschaftliche Teilhabe, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, zu ermöglichen, die auf Grund ihrer Lebenssituation Angebote der kulturellen Jugendbildung eher selten wahrnehmen. Es gilt Chancengleichheit im Hinblick auf Bildung, Persönlichkeitsentwicklung, soziale Interaktionen und Ausdrucksmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Junge Menschen werden dazu ermutigt selbstgesteuert zu lernen, Projekte eigeninitiativ (mit) zu gestalten und ihre Kreativität während der Durchführung auszuleben oder gar neu zu entdecken.

Als Beispiele für die nachhaltige Etablierung früherer Projekte, die über diese Drucksache „Initiativen zur kulturellen Kinder- und Jugendbildung“ finanziert wurden, zählen u.a. das „Lesementoring“ (seit über 18 Jahren) und die „NetzWerkstatt einfallsreich!“ (seit 10 Jahren). Diese Programme erreichen mit ihren Angeboten eine große Anzahl an jungen Menschen und sind fest verankert. Seit 2023 konnten auch zirkuspädagogische Angebote von CircO erstmals als Zuwendungsempfänger in eine nachhaltige Finanzierung durch reguläre Mittel überführt werden. Das KiezKultur-Festival wiederum hat neue Finanzierungsmöglichkeiten erschlossen, sodass es keine weiteren Mittel aus der Drucksache benötigt.

Dementsprechend haben beide Bereiche gemeinsam Kriterien und Standards zur Verwendung der Mittel und zu den Projekten (siehe unter 2.) definiert, werten die Projekte gemeinsam aus und sichern somit die Qualität der Projekte.

Die Infrastruktur beider Bereiche mit Jugendzentren, Stadtteilkultureinrichtungen und Spielparks erleichtern die systematische und flächendeckende Erprobung und Umsetzung von Projekten und deren nachhaltige Verankerung. Die kulturelle Bildung findet vor Ort statt und erreicht junge Menschen in ihrem Lebensumfeld. Die bestehenden Netzwerke beider Bereiche mit Menschen aus Kunst, Kultur, Bildung und Soziales gründen das Fundament für eine erfolgreiche Initiierung und Implementierung der vielfältigen Ideen und Konzepte. So werden neben aller Unterschiede gemeinsame Schnittstellen genutzt, gepflegt und verbunden.

Die „Initiativen zur kulturellen Bildung“ ermöglichten in den letzten Jahren vielfältige Projekte. Dabei wurde das Augenmerk vermehrt auf die Beteiligung der jungen Menschen bei der Entwicklung oder sogar Initiierung der Projekte gesetzt.

2. Kriterien zur Auswahl der Projekte

1. Zielgruppe der Projekte oder Initiativen sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zu einem Alter von 27 Jahren der Landeshauptstadt Hannover.

2. Die Projekte sollen die Teilhabechancen für Kinder und Jugendliche in der Stadt erhöhen. Hierbei sind insbesondere Kinder und Jugendliche zu berücksichtigen, die bislang kaum oder gar keinen Zugang zu kulturellen oder sozialpädagogischen Angeboten haben.

3. Die Projekte sollen einen kulturpädagogischen, interdisziplinären Ansatz verfolgen und mit künstlerischen Ausdrucksformen, wie Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Film, Fotografie, Literatur, Musik, neue Medien, Tanz oder im weitesten Sinne mit Formen jugendkulturellen Ausdrucks arbeiten, um die kreativen Ressourcen der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen zu fördern.

4. Bevorzugt werden Projekte der non-formalen und informellen Bildung.

5. Die Projekte sollen modellhaft, übertragbar und nachhaltig wirksam sein. Gefördert werden größere Projekte mit langfristiger Wirkung. Die Projektlaufzeit beträgt in der Regel maximal 3 Jahre, wobei Ausnahmen diskutiert und in Betracht gezogen werden können.

6. Umgesetzt werden vor allem herausragende Projekte, die innovativ und partizipativ ausgerichtet sind und eine lebendige Vielfalt der Stadtkultur abbilden. Kinder und Jugendliche sollten an der Projektplanung beteiligt werden und Entscheidungen gemeinsam mit den Erwachsenen treffen.

7. Wenn Projekte von Künstler*innen, der Stadtteilkultur und/oder der Kinder- und Jugendarbeit in Kooperation mit Schule stattfinden, werden innovative neue Formate erwartet.

8. Die sozialräumliche Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Stadtteilkultur und der Jugendhilfe im Sinne eines Vernetzungsgedankens hat Priorität.

9. Außerdem sollen Projekte umgesetzt werden, die sich aktuellen Herausforderungen und Fragestellungen der Stadtgesellschaft stellen.

Nachfolgend werden zunächst die Projekte aufgelistet, die 2024 mit Mitteln der Drucksache durchgeführt wurden. Im Anschluss werden die geplanten Projekte für 2025 skizziert, jeweils mit einem Rückblick auf das Projekt im Jahr 2024.

3. Rückblick auf (vorerst) abgeschlossene Projektvorhaben

Folgende Projekte wurden in 2024 mit Mitteln der Drucksache realisiert und werden planungsgemäß in 2025 nicht erneut gefördert:

Artist in Residence

In Deutschland wird das Konzept „Artist in Residence an Schulen“ – trotz einiger preisgekrönter Einzelprojekte – im internationalen Vergleich noch vergleichsweise wenig umgesetzt. Das Konzept ist ein Zugriff auf die von vielen Bildungsexpert*innen vorgeschlagene Erweiterung von Schulgebäuden hin zu offenen Kulturräumen: Ein*e Künstler*in wird Teil der Schulgemeinschaft mit einem Raum für die eigene Arbeit. Hier können die Schüler*innen innerhalb der Schule einen außerschulischen Kultur- und Kunstraum erfahren. Kunst erscheint nicht als Teil des Unterrichts, sondern als praktischer Teil der außerschulischen Welt.

In Hannover wurde dieses Konzept an der Peter-Ustinov-Schule (Schule mit besonderen Herausforderungen) in besonderer Weise umgesetzt: Ein bis dato nicht nutzbarer defekter Toilettenraum wurde in 2023 in freiwilliger Eigenarbeit durch Schüler*innen in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Frank Schinski in einen offenen Kreativraum verwandelt. In 2024 bezog der Fotograf dann als „Artist in Residence“ diesen Raum einmal wöchentlich als Atelier. Die Schüler*innen waren in dieser Zeit immer willkommen und konnten nach eigenen Vorstellungen mit dem Künstler Projekte angehen. Im Zuge dieser Projekte war das Atelier auch außerhalb des festen Wochentermins für konkrete Anlässe geöffnet. Es entwickelte sich ein großes Interesse innerhalb der Schüler*innenschaft. Dies ist durch zwei ganz unterschiedliche Aspekte beispielhaft dokumentiert: Das große Problem der Schulabstinenz an der Peter-Ustinov-Schule sank bei den teilnehmenden Schüler*innen laut Aussage der Lehrkräfte. Ein anderes Dokument des großen Interesses war ein auf Eigeninitiative der Schüler*innen angebrachtes großes buntes Graffiti am Eingang des Ateliers, mit dem die Mitschüler*innen über den Slogan „Jeden Dienstag“ auf das offene Angebot hingewiesen wurden.

Das Projekt soll aufgrund der sehr positiven Rückmeldung seitens der Lehrkräfte wie der Schüler*innen auch über die durch die Drucksache finanzierte Pilotphase weitergeführt werden. Hierfür befindet sich die Stadtteilkultur derzeit in Gesprächen mit weiteren Akteur*innen.

Jugendkulturmentoring

Das seit über 20 Jahren sehr erfolgreich in Hannover umgesetzte Programm „Lesementoring“ inspirierte zur Ausweitung auf andere Kompetenzen, die Jugendliche von Lernenden selbst in die Rolle der Vermittelnden bringt. Hierzu wurden Jugendliche für die Vermittlung von kreativer Medienarbeit an Jüngere im Kontext Schule (Roderbruch), die Hilfe für Senior*innen bei der Benutzung digitaler Endgeräte (Vahrenwald) sowie für das Anbieten von Sport und Kultur im eigenen Stadtteil (Kronsberg) an drei Standorten gewonnen. Damit wurden Erfahrungen über spezifische Herausforderungen, über Ansprache, notwendige Begleitung u.v.m. gesammelt, die nun Zwecks der Herausgabe von Standards einer solchen kulturpädagogischen Arbeit ausgewertet werden. Das Ziel ist es, eine gut funktionierende Struktur für das ehrenamtliche kulturelle und soziale Engagement von Jugendlichen wie beim Lesementoring aufzubauen. Zentral hierfür ist, dass, wie beim Lesementoring, die Jugendlichen für ihr Engagement den „Kompetenznachweis Kultur“ der Bundesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung erhalten.

Aufbauend auf den Erfahrungen der drei Pilotprojekte wird derzeit mit Mitteln des Kulturentwicklungsplans ein weiterer Durchgang des Jugendkulturmentorings umgesetzt, der sich von der an den jeweiligen Standort gebundenen Mentoringtätigkeit löst und somit den Jugendlichen größere Wahlmöglichkeiten lässt. Die Veröffentlichung der Ergebnisse ist in 2026 mit Abschluss des derzeitigen Durchgangs geplant.

KiezKultur Festival

Das KiezKultur Festival ist auf dem besten Weg zu einer festen Größe in der bundesweiten Musiklandschaft zu werden. Mit dem Fuchsbau- und dem Sonntag-Festival gibt es in Region und Stadt Hannover mit der KiezKultur nun schon drei innovative Festivals, die komplett von jungen Erwachsenen organisiert werden und eine Strahlkraft weit über die Grenzen Hannovers haben. Dabei unterscheidet sich die KiezKultur wesentlich von klassischen Festivals darin, dass der Stadtraum selbst zum Festivalgelände wird. Als „Kiez“ werden hierbei Linden und die Calenberger Neustadt definiert. Das KiezKultur-Festival war als Selbstorganisation von jungen Erwachsenen unter 27 Jahren, die mit ihrem Kulturmanagement ausdrücklich junge Newcomer*innen aus Deutschland eine Bühne boten. In dem umfangreichen Awareness-Konzept, dem Jugendschutz-Konzept, den begleitenden Musikworkshops und der Kuratierung der Beiträge drückte sich zudem die gesellschaftliche Verantwortung aus, welche die jungen Menschen mit dem Festival übernahmen.

Bandprojekt JEFcon

Der Jugendverband der Evangelischen Freikirchen e.V. sprach mit dem Projekt JEFcon über die im Verband organisierten Jugendzentren gezielt Jugendliche in schwierigen Lebensphasen an – schüchterne, sozial verschlossene junge Menschen, die Scham hatten, sich zu zeigen. Über die Organisation in einer Musikband wuchsen diese Jugendlichen schnell zu einem selbstständigen Zusammenhang, der sich alsbald von der Begleitung durch Erwachsene abnabelte und sich unabhängig machte. Entsprechend werden hier keine weiteren Mittel aus der Drucksache benötigt.

Rap, Beats und Power

Das Rapprojekt „Rap, Beats und Power“ war im Jahr 2024 ein großer Erfolg und erreichte vor allem Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren, die jünger waren als die Teilnehmenden in den Vorjahren. Im Jugendzentrum Posthornstraße fanden wöchentliche Workshops statt, in denen die Jugendlichen ihre Gedanken und Erlebnisse in Raptexten ausdrückten, Beats produzierten und eigene Songs erstellten. Der Fokus lag auf der Stärkung von Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung durch kreative Arbeit.

Im Frühjahr 2024 bildete sich eine feste Gruppe von Teilnehmenden, die intensiv auf den Auftritt bei der Fête de la Musique am 21.06.2024 hinarbeitete. Dieser Auftritt war ein Höhepunkt des Projekts: Die Jugendlichen präsentierten ihre selbst erarbeiteten Songs vor einem großen Publikum und sammelten wichtige Erfahrungen im Bereich der Bühnenperformance. Diese Gelegenheit trug entscheidend dazu bei, ihr Selbstvertrauen und ihre Überzeugung in die eigene Arbeit zu stärken.

Das Projekt förderte interdisziplinäre Kompetenzen in den Bereichen Creative Writing, Musikproduktion, Performance und Tontechnik. Neben der künstlerischen Weiterentwicklung wurden transkulturelle Begegnungen ermöglicht, die den Austausch zwischen Jugendlichen mit unterschiedlichen sozialen und familiären Hintergründen stärkten.

„Rap, Beats und Power“ leistete im Jahr 2024 einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung und zum Empowerment junger Menschen. Es schuf einen kreativen und sicheren Raum, der den Jugendlichen half, ihre individuellen Potenziale zu entfalten und gesellschaftliche Teilhabe zu erfahren.

4. Übersicht Projektvorhaben 2025

Projekt Nr.
Projekttitel
Stadtteilkultur
Jugend und Familie
4.1
BAM-Community – Musikzentrum Hannover

25.000 €
4.2
Meine Hood - Deine Hood: Lass Representen!

12.000 €
4.3
blu:boks Hannover
20.000 €
5.000 €
4.4
Connecting Dance Center – Monica Garcia Vincente
20.000 €

4.5
BE:TwEEN
10.000 €

4.6
TAKE A SEAT
1.500 €
10.391 €
4.7
Zinnober
10.000 €

4.8
FösseLAB
18.000 €

4.9
Kulturprojektwochen in den Sommerferien
20.000 €

4.10
HandWerk mal anders
20.000 €


Gesamt
171.891 €


4.1 BAM-Community – Musikzentrum Hannover

Die BAM-Community ist aus dem Projekt „BAM – Bock auf Musik“ gewachsen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Jugendlichen aus der lokalen Musik- und Kreativ-Szene wurde der Bedarf von jungen Menschen an Kultur und Musik in der Stadt Hannover anhand eines digitalen Fragebogens ermittelt. Über 800 junge Menschen beteiligten sich an dieser Umfrage und es wurden, neben dem Wunsch nach mehr Open-Air-Veranstaltungen, ein deutlicher Bedarf an Vernetzung, Austausch und gemeinsamen Lernen deutlich.

Die BAM-Community soll genau diesen Bedarf decken. Mithilfe einer digitalen Plattform (BAM-Communityboard), in welcher sich die Mitglieder der BAM-Community registrieren und ein Profil erstellen können, entsteht somit die Möglichkeit sich zu vernetzen und auszutauschen.

Der Fokus des BAM-Projektes liegt zukünftig auf der gerechteren Verteilung der kulturellen Schöpfungsmöglichkeiten. Das bedeutet, dass Infrastruktur und Know-How für junge Menschen kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Zudem sollen Orte und Möglichkeiten zum Ausprobieren, zum Vernetzen, zum Neues erlernen und zum Austausch geschaffen werden. Die Vernetzung findet aufgrund der gemeinsamen Interessen und nicht aufgrund demografischer Voraussetzungen statt.

Die individuelle Stärkung der Teilnehmenden und die Hilfe zur Selbsthilfe von Jugendlichen, auch im künstlerischen Bereich, steht hier im Vordergrund. Infrastruktur und Technik sowie Instrumente und die Vermittlung von Wissen sollen kostenlos zur Verfügung gestellt werden, um auch junge Menschen aus prekären Lebensrealitäten den Zugang zu Musik zu erleichtern und somit Teilhabe für alle Interessierten zu schaffen. Zur Durchführung des Projektes wird das MusikZentrum Hannover mit 25.000 Euro im Jahr 2025 gefördert.

Rückblick 2024 BAM-Community

Die Aktivität des BAM Projektes lässt sich für 2024 auf zwei Projekte aufteilen:

1. Resourse HUB

Der Resourse HUB nutzt die digitale Plattform der BAM-Community, um die technische Infrastruktur wie Beschallungsanlagen, Beleuchtung und Equipment jungen Menschen kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Die Technik beschränkt sich derzeit noch auf den Fundus des Jugendkultur-Beirats. Das Projekt wurde 2024 als Test installiert und ist auf breites Interesse gestoßen.

2. Enter the Night:

Das Jahr 2024 war der Auftakt des neuen Jugendbeteiligungsprojekt „Enter the Night“, welches inhaltlich an das erfolgreiche Projekt „Made by:Self“ anknüpft und junge Menschen an eine verantwortungsvolle und aktive Teilhabe an Hannovers Nachtkultur ermächtigen soll. BAM hat dieses Projekt in einem großen Bündnis inhaltlich und organisatorisch mitgestaltet sowie die Bewerbung und Akquirierung der Teilnehmer*innen übernommen.

4.2 Meine Hood, deine Hood

In der Sprache des HipHop steht „Hood“ für die Nachbarschaft, das Umfeld und die eigene Lebenswelt. „Representen“ bedeutet sich zu zeigen. In diesem Projekt soll diese - die Teilnehmenden umgebende Welt - sichtbar gemacht werden. Es soll Jugendlichen die Möglichkeit geben, Einblicke in ihre Lebenswelt zu geben und die eigene Perspektive auszudrücken.

Das Ziel des Projekts ist es Jugendlichen durch Rap-Musik die Möglichkeit zu geben, ihre Gefühle, Gedanken und Erfahrungen kreativ auszudrücken. Dabei geht es um mehr als Musik: Es geht um das Eintauchen in Lebenswelten, die oft im Verborgenen bleiben. Die Jugendlichen lernen, ihre Stimmen zu nutzen, ihre Geschichten zu erzählen und ihre Umwelt bewusst wahrzunehmen. Das stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern vermittelt auch Selbstwirksamkeit, also das Wissen, dass die eigene Perspektive zählt und etwas bewirken kann.

Unterstützt werden die Teilnehmer*innen von dem erfahrenen Rapper Spax, der sie als Mentor begleitet. Spax bringt nicht nur sein künstlerisches Know-how ein, sondern auch seine Fähigkeit, junge Menschen auf Augenhöhe zu erreichen und zu inspirieren. Mit seiner Hilfe entwickeln die Jugendlichen eigene Texte und Beats, die ihre Lebensrealität widerspiegeln. Umgesetzt werden soll das Projekt in verschiedenen städtischen Jugendzentren, die sozialraumorientiert handeln.

Dank professioneller Audio-Aufnahmemöglichkeiten entstehen hochwertige Songs, die das Potenzial der Teilnehmenden sichtbar machen. Die fertigen Stücke werden später auf einer noch nicht festgelegten Plattform präsentiert, bei der die Jugendlichen ihre „Hood“ stolz präsentieren und zeigen können, was in ihnen steckt.

„Meine Hood – Deine Hood: Lass Representen!“ verbindet kreative Ausdrucksformen mit gesellschaftlicher Teilhabe und zeigt, wie Rap-Musik Brücken zwischen Lebenswelten schlagen kann – für mehr Sichtbarkeit, Verständnis und Empowerment.

Zur Durchführung des Projekts wird „Meine Hood – Deine Hood: Lass Representen!“ im Jahr 2025 mit 12.000 € gefördert.

4.3. blu:boks Hannover

blu:boks ist ein hochgradig auf Selbstbestimmung ausgelegter Vermittlungsansatz kultureller Bildung für Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahre. Inhalte, Zusammenarbeit und Ausdrucksformen entstehen aus der Vernetzung der Teilnehmenden in einem offenen Barcamp untereinander. Sie bestimmen den Einsatz der zur Verfügung gestellten Ressourcen. Anschließend erlernen sie in kostenlosen, wöchentlichen Workshops in den Bereichen Musik/Sound- & Recording, Theater & Zirkus, Tanz und Film/Fotografie die grundlegenden Fähigkeiten, um ihre künstlerischen Projekte umsetzen zu können. Jeder Workshop wird von einem Tandem, bestehend aus einer pädagogischen Fachkraft und einer künstlerischen Leitung, betreut. Diese Kombination ermöglicht es sowohl auf pädagogische Bedürfnisse als auch auf künstlerische Interessen einzugehen.

Als gemeinsames Projekt der kulturellen Bildung der Fachbereiche 41 und 51 stehen für die Ansprache der Jugendlichen die notwendigen Strukturen und Netzwerke zur Verfügung, die es braucht, um diese besondere Form der kulturellen, sozialen und auch demokratischen Bildungsarbeit jenen zugänglich zu machen, denen bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben häufig Barrieren begegnen. Die Jugendarbeit in den Jugendzentren und die Fachkräfte für Kulturarbeit in den Stadtteilkultureinrichtungen verfügen über die entsprechenden Netzwerke und das pädagogische Know-How, um diesen Anspruch umsetzen zu können.

Die blu:boks Hannover soll als eigenständige Institution der ästhetischen Bildung und als Anlaufstelle für Jugendliche fungieren. Die regelmäßige und vertrauensvolle Arbeit der Workshopleitungen ermöglicht es den Teilnehmenden, Selbstwirksamkeitserfahrungen zu machen. Sie haben die Chance, Resilienzfaktoren aufzubauen und können aktiv und stark an der Gesellschaft teilhaben.

Für diese Kooperation wird aus Mitteln dieser Drucksache 25.000 € aufgewendet.

Kooperationen:

Für die Kooperation zwischen der blu:boks Hannover mit den Fachbereichen Jugend und Familie und Kultur gibt es eine Vereinbarung mit Pubic Hair Records, deren Räumlichkeiten und Studioequipment für das Projekt genutzt werden können. Darüber hinaus sind Kooperationen mit Schulen geplant.

Veranstaltungen:

Ein großer Showcase ist geplant, bei dem die Teilnehmenden die gewonnenen Fertigkeiten und die Fortschritte ihrer eigenen Projekte vor Publikum zeigen können.

Nachhaltigkeit & Wirkung:

Nach dem 18. Lebensjahr ist es möglich als Junior Mitarbeiter*in die Workshops zu betreuen und weitere wichtige und prägende Erfahrungen aus der Anleiter*innenperspektive zu sammeln.

4.4 Connection Dance Center Mónica García Vicente

Connection-Dance-Center (CDC) richtet sich an Nachwuchs-Tänzer*innen und umfasst 20 Teilnehmende im Alter von 16 bis 27 Jahren. In den letzten beiden Durchgängen wurde in kurzer Zeit ein hoher Grad an Professionalität erreicht, was viele Teilnehmende motivierte anschließend eine Ausbildung oder ein Studium im Bereich Tanz oder angrenzenden Kultursparten aufzunehmen.

Die Arbeit im Tanzbereich und Berufsorientierung/Try-out erfolgt in Kooperation mit der Stadtteilkultur. Im Tanz ist es notwendig, dass die Gruppe für die Choreografie zusammenarbeitet. Das vielseitige Training hat den Vorteil, dass die Teilnehmenden sich sowohl als Tänzer*in als auch als Person kennenlernen und so eine Atmosphäre der Intimität und des Vertrauens geschaffen wird. Jede*r Jugendliche erkennt seine*ihre Fähigkeiten und Potenziale sowie den individuellen Lern- und Verbesserungsbedarf. Die Gruppe steht jedem Beteiligten bei der Überwindung von Schwächen zur Seite.

Der CDC-Durchgang für 2025 wird die Figur der Hannoveranerin Mary Wigman als Künstlerin und Frau in den Fokus rücken, welche die Art und Weise, wie wir Tanz sehen und verstehen, maßgeblich verändert hat. Mary Wigman legte besonderen Wert auf den Ausdruck des Inneren jedes Einzelnen durch den Tanz. Im Gegensatz zu anderen Stilrichtungen legte sie weniger Wert auf die Form als auf die Ausdruckskraft. Sie stellte stets die These auf, dass Bewegung mehr wert sei als viele Worte und nannte ihre Produktion "absoluten Tanz".

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Berufsorientierung in die Kunst- und Kulturwelt auch jenseits einer Tanzausbildung. Hierzu wird ein Netzwerk von Tanzorten in Hannover eingebunden, an denen sich die Teilnehmenden mit den vielen Gewerken, die im Tanz zusammenkommen - Kostüm, Bühnenbau, Musik, kreatives Schreiben u.v.w. - beschäftigen. Die hier mitwirkenden Profis sind Mentor*innen für die jungen Menschen und zeigen die Arbeitsmöglichkeiten in der Welt der Kultur.

Orte: Tanzhaus AhrbergViertel / Staatsoper Hannover / Eisfabrik / Pavillon / Kunstverein / Rampe / Move Your Town 2025

Zeitraum: März bis Oktober 2025 (sechs Monate – zweimal pro Woche, einen Monat Pause dazwischen).

Für diese Kooperation wendet der Bereich Stadtteilkultur im Jahr 2025 20.000 Euro auf.

Rückblick 2024 Connection Dance Center

Kooperationen:

Mónica García Vicente, Kulturelle Kinder- und Jugendbildung im Bereich Stadtteilkultur, Kulturbüro, Tanzhaus im Ahrbergviertel, Compagnie Fredeweß, Eisfabrik

Stadtteil: Stadtweit

Erreichte Teilnehmer*innen: 16

Erreichte Zuschauer*innen:


- 01.04.2024 im Rahmen Generation Tanz an der Staatsoper Hannover Zuschauer*innenzahl: 1.000

- 26.05.2024 im Rahmen Tanzoffensive Eisfabrik Zuschauer*innenzahl: 100

- 02.06.2024 im Rahmen Tanz Momente im Rathaus Linden als Teil des Blauen Wunders - Lindener Butjermeile Zuschauer*innenzahl: 150


Veranstaltungen:

Zweimal wöchentlich Proben über fünf Monate, Hospitation im Staatsballett Hannover bei zwei Proben, im Ballettstudio sowie einer Generalprobe, diverse Aufführungen

Nachhaltigkeit & Wirkung:

Es entstand unter den Teilnehmenden ein starker Verbund, der über das Projekt hinaus die Nachwuchstänzer*innen in der Szene Hannovers wirken lässt. Zudem wurde die Berufsfindung bei vielen Teilnehmenden unterstützt. Beispiele:


- Einige Teilnehmenden führten Teile des Stückes am 25.05.2024 im Rahmen Tanzoffensive Tanz Lokal in der EISFABRIK Teile von „Identität“ auf

- Eine Teilnehmerin nahm an einer Hospitation an der Staatsoper Hannover teil

- Vier Teilnehmende unterstützten die Proben von Mónica Garciá Vicentes neuem Stück Ellas ab August 2024

- Eine Teilnehmerin begann im September 2024 ihre Ausbildung bei PERA Dance BA in Zypern. Eine andere tanzt bei der Start-Erika-Klütz-Schule für Theatertanz und Tanzpädagogik in Hamburg.

- Vom CDC-Durchlauf 2023 ist eine Teilnehmerin mittlerweile professionelle Tänzerin in der Freien Szene.


4.5 BE:TwEEN

Dieses neue Projekt wendet sich an die sogenannten Lückekinder im Alter von 11 – 14 Jahren. Sie entwachsen gerade dem kindlichen Alter, sind aber je nach individueller Entwicklung noch nicht im jugendlichen Abnabelungsprozess vom Elternhaus angekommen. Oftmals fällt diese schwer zu greifende Gruppe durch das Raster von Angeboten: Nicht mehr verspielt genug für die Einen, aber noch nicht reif genug für die Anderen. Diesem besonderen Lebensabschnitt mit all seinen Orientierungsbedürfnissen und schöpferischen Potenzialen möchte das Projekt BE:TwEEN gerecht werden.

BE:TwEEN- Hannover ermöglicht je Standort und Durchgang ca. 12 Teilnehmenden, ein Jahr lang - in wöchentlichen Treffen - ihre Fragen an sich und die Welt zu formulieren. Regelmäßig bieten professionelle Künstler*innen und Philosoph*innen Workshops an. Kontinuierlich begleitet werden die Teilnehmer*innen durch junge Menschen des FSJ-Kultur sowie durch Sozialarbeitende im Anerkennungsjahr. Zum Programm gehören auch Besuche verschiedener Kulturorte in Hannover, bei denen die Jugendlichen neue Bekanntschaften mit ihrer Stadt machen.

Neben den Kulturerlebnissen geben die wöchentlichen Treffen Raum für Diskussion, Reflexion, Freundschaften und viel gemeinsamen Spaß. Hierdurch wird ein Beitrag für die Stadtgemeinschaft von morgen und wider Vereinzelung und Radikalisierung geleistet.

BE:TwEEN ist für drei Durchgänge an bis zu drei Standorten geplant.

Für dieses Projekt werden in 2025 10.000 € aufgewendet.

Kooperationen:

Schulen in der Stadt Hannover, Universität Hildesheim (Evaluation)

Nachhaltigkeit & Wirkung:

Das Ziel die Selbstsicherheit und Selbstwirksamkeit der Teilnehmenden zu fördern, wird durch Studierende der Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim im Rahmen einer Masterarbeit evaluiert. Der für Jugendliche in dem Alter lange Durchführungszeitraum und die Kontinuität und Verlässlichkeit ist für eine positive, nachhaltige Wirkung des Projektes äußerst wertvoll.

4.6 TAKE A SEAT

TAKE A SEAT ist ein Tanzprojekt für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 27 Jahren, das sich mit der gesellschaftlichen Rollenverteilung und deren Einfluss auf das individuelle Selbstverständnis beschäftigt. In vielen alltäglichen Situationen werden Menschen aufgrund äußerer Einschätzungen, sei es durch Familie, Freunde, Lehrkräfte oder die Gesellschaft im Allgemeinen, in bestimmte Rollen gedrängt. Manchmal lässt sich diese Rolle annehmen, oft wird sie jedoch hinterfragt. Ziel des Projekts ist es den Teilnehmenden zu ermöglichen, sich mit diesen zugewiesenen Rollen auseinanderzusetzen und zu reflektieren, inwiefern sie diese aktiv annehmen oder ablehnen möchten.

Die Arbeit mit den Teilnehmenden erfolgt über Erfahrungsberichte, Diskussionen und gezielte Körperarbeit. Dabei sollen die Proben nicht nur ein Ort der Reflexion über die eigenen Erfahrungen sein, sondern auch ein starkes Selbstwertgefühl und eine tiefere Selbsterkenntnis fördern. TAKE A SEAT wird sich gemeinsam mit den Teilnehmenden auf den Weg machen die Wahrnehmung von sich selbst im Vergleich zur Wahrnehmung von außen zu hinterfragen. Durch diese Auseinandersetzung mit der eigenen Identität und den sozialen Erwartungen wird der Prozess der Selbststärkung und -verwirklichung angestoßen.

Das Projekt richtet sich an junge Erwachsene, die bereits Erfahrungen mit den Herausforderungen und Stolpersteinen der Gesellschaft gemacht haben, sich jedoch möglicherweise noch nicht vollständig mit diesen auseinandergesetzt haben oder noch nicht gelernt haben, achtsam mit diesen Situationen umzugehen. Die Teilnehmenden sollen ermutigt werden, ihre Geschichten und Perspektiven einzubringen, um gemeinsam ein künstlerisches Werk zu erschaffen, das ihre individuellen Erfahrungen reflektiert, ohne sie plakativ darzustellen. Der kreative Ansatz wird es ermöglichen Raum für Eigeninterpretation zu lassen und das Thema auf eine subtile aber kraftvolle Weise zu vermitteln.

Die Proben werden wöchentlich stattfinden und sich anfangs auf Diskussionen, Erfahrungsberichte sowie Übungen zur Körperwahrnehmung konzentrieren. Im Laufe des Projekts wird ein roter Faden entwickelt, der eine künstlerische Dramaturgie für die Abschlussaufführung ermöglicht. Diese soll dem Publikum neue Perspektiven eröffnen und zur Reflexion anregen, gleichzeitig aber den Teilnehmenden eine Form der Selbstarbeit bieten, um mit einem gestärkten Selbstbewusstsein und einer klareren Vorstellung von ihrer eigenen Identität durch das Leben zu gehen.

TAKE A SEAT wird am Ende des Projekts auf der Bühne präsentiert, als eine Einladung an das Publikum, sich mit dem Thema der sozialen Rollen auseinanderzusetzen und den Teilnehmenden die Möglichkeit zu geben, ihre persönliche Entwicklung und Stärke zu zeigen.

Zur Durchführung dieses Projekts wird TAKE A SEAT mit 11.891 € im Jahr 2025 gefördert.

4.7 Lauscher, Löffel, Labertaschen – Hör-Erlebnisse im Kindermuseum

Die neue Ausstellung des Kindermuseums Zinnober wird voraussichtlich im September 2025 starten und bis zum Frühjahr 2026 andauern. Die Ausstellung beleuchtet folgende thematische Schwerpunkte: Grundlagen des Ohres, Herleitung des Schalls und Akustik; Bioakustik; Gesundheit & Inklusion sowie Sprache & Stimme. Neben Ausstellungsobjekten vom Mobilen-Musik-Museum von Michael Bradke und weiteren spannenden Exponaten zum selber ausprobieren wird ein umfangreiches Begleitprogramm im Kindermuseum und darüber hinaus in Stadt und Region durchgeführt.

Ein Begleitprogramm mit Workshops, Ferienaktionen und besonderen Veranstaltungen wie Lesungen und Aufführungen für Kinder, Familien und Kindergruppen oder Schulklassen wird zu Inhalten der Ausstellung erarbeitet und im Verlauf der Ausstellung umgesetzt. So werden Erkundungen des Ohres, das Erraten von Geräuschen (Tiere-Laute) sowie das Hören/akustische Wahrnehmen von Tieren z.B. Fledermäusen und Walen thematisiert. Aber auch die Übertragung von Schall in der Luft, im Wasser oder im Universum wird anschaulich erklärt.

Die Kinder können Lautstärke nachempfinden und selbst Klänge erzeugen. Die eigene Stimme, und der Zusammenhang zwischen Sprachen, Rhythmus und Bewegung wird erlebbar.

Ein weiterer Themenschwerpunkt ist Prävention und Hörgesundheit: Wie fühlt es sich an wenig oder gar nichts zu hören und wie können wir uns anders, z.B. über Gebärden, verständigen?

Auch das Zuhören und Wahrnehmen von Kindern wird unterstützt, naturwissenschaftliche und technische Fähigkeiten werden gefördert. So sollen besondere Hörerfahrungen Kinder dafür sensibilisieren wie individuell Tiere und Menschen mit und ohne Einschränkungen hören und die Entwicklung sozial-emotionaler Kompetenzen unterstützen.

Kooperationen:

Hör-Region Hannover, Musikschule Hannover, Team Sozialpädiatrie und Jugendmedizin der Region Hannover, Stadtteilkultur, kulturelle Kinder- und Jugendbildung, Hartwig-Claußen-Schule, Cochlear Implant Centrum „Wilhelm Hirte“, Stiftung Tierärztliche Hochschule, Norddeutsche Museum für HiFi- und Studiotechnik

Nachhaltigkeit und Wirkung:

Das Kindermuseum Zinnober verfügt über eine langjährige Expertise in der kulturellen Vermittlung von Sachthemen aus Naturwissenschaften, Technik, Wirtschaft und Gesellschaft. Das große Netzwerk, das auch diesmal an der Ausstellung beteiligt ist, verstärkt diese Kompetenzen zusätzlich. Als Institution der kulturellen Kinderbildung hat das Zinnober eine große Breitenwirksamkeit in die Stadtbevölkerung. Die Vermittlung ist derart, dass über die haptischen und spielerischen Zugänge Kinder mit unterschiedlichen Sprachzugängen teilhaben können.

Für dieses Projekt werden in 2025 10.000 € aufgewendet.

4.8 FösseLAB

Im FösseLAB wird partizipative kulturelle Bildung in neuen Settings erprobt. Hier entsteht ein weitgehend selbst organisierter Experimentierraum für Kunst- und Kulturinteressierte, kreativ- aktive Jugendliche und junge Erwachsene. Die Zielgruppe befindet sich im Zwischenraum von Schule und Ausbildung bzw. Studium und strebt einen Beruf im kreativen Feld an, ist aber diesbezüglich noch unsicher oder befindet sich in einer Bewerbungsphase.

Im FösseLAB werden Jugendliche und junge Erwachsene selbstverantwortlich für die Inhalte und die Fortschritte ihrer kulturellen Bildung. Sie organisieren zusammen die für ihre künstlerischen Tätigkeiten notwendigen Materialien. Sie stellen die Regeln für die gemeinschaftliche Nutzung des FösseLABs auf und verhandeln deren Einhaltung. Sie arbeiten im Sinne eines Co-Working-Space sowohl zusammen als auch individuell an Projekten und unterstützen sich in ihren Lernfortschritten. Das FösseLAB ist ein Open Space mit Bildungsanspruch.

Eingangs werden über einen Open Call etwa 20 Jugendliche und junge Erwachsene angesprochen, die an einem intensiven Workshop-Tag an der konkreten Entwicklung des Open Space mitwirken. Dabei stehen nur wenige Bausteine bereits im Vorfeld fest: Das FösseLAB ist ein Raum mit freiem Zugang zur ausschließlichen Nutzung durch die Jugendlichen innerhalb noch zu bestimmender Öffnungszeiten. Es ist angedockt an einen bestehenden Kunstort. Es gibt einen allgemeinen freien Zugang zu Kunstmaterialien, Medien und Technik.

Kooperationen: ArTig e.V.

Für das FösseLAB werden m Jahr 2025 18.000 € aufgewendet.

4.9 Kulturprojektwochen in den Sommerferien

In den Sommerferienprojektwochen der Stadtteilkultur unter dem Namen „Luftsprünge“ werden kulturelle Fertigkeiten in konzentrierter Form an Kinder von 6 – 12 Jahren vermittelt. In den Stadtteilkultureinrichtungen finden über das Stadtgebiet verteilt ca. 20 Angebote von je 3-5 Tagen zu 4-5 Stunden statt. Somit haben viele Kinder die Möglichkeit, entweder wohnortnah an einem Ferienangebot teilzunehmen, oder aber einen neuen Stadtteil zu entdecken. Die intensive Arbeit mit bislang unbekannten Anderen erweitert den eigenen Sozialraum der teilnehmenden Kinder.

In einem mehrstufigen Modell erlangen die Kinder Grundkenntnisse der jeweiligen Tätigkeit, entwickeln sodann eine eigene Idee, setzen diese unterstützt durch eine*n Künstler*in um und präsentieren das Ergebnis schließlich der Gruppe, ihren Verwandten und/oder Freund*innen. Hierdurch entsteht ein intensiver Aneignungsprozess. Die Inhalte variieren zwischen kreativer Mediennutzung, Bühnenbau, Akrobatik, Theater, kreativem Schreiben u.v.a..

Die Kulturprojektwochen in den Sommerferien werden vom Sachgebiet Kulturelle Kinder- und Jugendbildung koordiniert und gemeinsam mit den Einrichtungen der Stadtteilkultur und der Kinder- und Jugendarbeit der LHH beworben. Die Kooperation mit der Feriencard hat den Effekt, dass keine Konkurrenz, sondern ergänzende Angebote entstehen.

Für das Jahr 2025 werden für das Projekt 20.000 Euro aufgewendet, um das Sommerferienprogramm durchzuführen.

Rückblick 2024 Kulturprojektwochen

Kooperationen:

Kulturelle Kinder- und Jugendbildung und die Einrichtungen im Bereich Stadtteilkultur der Stadt Hannover, FerienCard der LHH, Kindermuseum Zinnober, Sprengelmuseum Hannover, Kulturschaffende aus Hannover u.a.

Stadtteil: Stadtweit

Erreichte Teilnehmende: 167 Kinder und Jugendliche zwischen 5-12 Jahren, davon 109 Mädchen und 58 Jungen

Nachhaltigkeit und Wirkung:

Im Rahmen des Ferienprogramms findet ein gegenseitiges Kennenlernen von Kindern aus unterschiedlichen Stadtteilen in den Stadtteilkultureinrichtungen statt. Hierdurch werden soziale Horizonte erweitert. Zudem ist das Ferienprogramm von Bedeutung für die Vernetzung mit den Kulturschaffenden der hannoverschen Kreativszene.

4.10 „HandWerk mal anders“ – Berufsorientierung in der Kultur- und Kreativwirtschaft mit zwei Bausteinen

Kreativität als Teil der Berufsorientierung wird häufig im Kontext von akademischen Berufen gedacht und somit im schulischen Kontext auf die Zielgruppe von Abiturient*innen fokussiert. Hier setzt das Projekt „HandWerk mal anders“ an. An der IGS Badenstedt und der Peter-Ustinov-Schule - zwei sogenannte „Schulen mit besonderen Herausforderungen“ - kommen im Rahmen der regulären Praktikumszeiten Schüler*innen mit Handwerksbetrieben in Kontakt, bei denen später eine Ausbildung möglich ist. Sie erlernen erste Grundkenntnisse in den jeweiligen Tätigkeiten. Dabei sind jedoch bereits Künstler*innen anwesend. Mit diesen setzen sie das Erlernte dann in überraschender kreativer Weise um. Das Malerhandwerk wird genutzt, um Schulflure in Ausstellungsräume zu verwandeln, Maurern wird zur Innenarchitektur, Tischlern zu plastischem Kunsthandwerk.

Die kreativen Potentiale von Schüler*innen, denen ein Kunst- oder Designstudium verwehrt bleiben wird, wird bei „Handwerk mal anders“ in Bezug auf die Berufsorientierung aktiviert und nutzbar gemacht. Dass die Gestaltung von Räumen, Wänden, Möbeln u.v.m. weit über die körperlich-technische Arbeit hinausgeht, ist vielen Jugendlichen nicht bewusst. Design und Kunst sind aber wesentliche Komponenten solcher Tätigkeiten und machen die Attraktivität einer solchen Arbeit aus. Somit werden die kreativen Berufe, auf die im Sachgebiet der kulturellen Kinder- und Jugendbildung unter dem Titel „Creative Native“ aufmerksam gemacht wird, um handwerkliche Berufe ergänzt.

Für die Umsetzung des letzten Durchgangs von „Handwerk mal anders“ werden im Jahr 2025 20.000 € aufgewendet.

Rückblick „HandWerk mal anders“ 2024

Kooperationen:

IGS Badenstedt (seit 2023), Peter-Ustinov-Schule (ab 2024), Zusammenarbeit an beiden Schulen mit Schulleitung, BO-Verantwortlichen, Lehrkräften, Schulsozialarbeit

Stadtteile: Ricklingen und Badenstedt

Veranstaltungen:

Zwei jeweils 2-wöchige Workshops à 60 Std. im kreativ-handwerklichen Bereich, ein 2-wöchiger Workshop (60 Std.) zur Vermittlung künstlerisch-kreativer Skills

Erreichte Teilnehmer*innen: insgesamt 40 Jugendliche der Jahrgangstufen 8-10

Nachhaltigkeit & Wirkung:

Für den Großteil der Teilnehmenden ermöglichte das Projekt den Erstkontakt mit Künstler*innen und künstlerischer Arbeit in professionellen Kontexten. Angebunden an die Pflichtpraktika konnte den Teilnehmenden ein positiv-bestärkender Eindruck ihrer eigenen Fähigkeiten vermittelt werden. Viele Teilnehmenden waren durch ihre bisherigen Lernerfahrungen demotiviert und in ihrem Selbstwert getroffen. Das Projekt konnte in kurzen intensiven Wochen durch die Wertschätzung ihrer kreativen Arbeit einen Gegenpunkt setzen und sie ermuntern, sich bei der Berufsorientierung auf die eigenen Stärken zu besinnen.

Ausblick

In der vorliegenden Drucksache sind Projekte enthalten, die neue Wege der Partizipation kultureller Bildung erproben. Durch die dabei gesammelten Erfahrungen können die Ziele der Fachbereiche 41 und 51 effizienter erreicht werden. Darauf wird die Drucksache 2026 aufbauen, um Kinder und Jugendliche weiterhin in zeitgemäßer Art und Weise dabei zu unterstützen, sich die Welt mit den Mitteln der Kultur zu erschließen.

51.5 / 41.5
Hannover / Apr 14, 2025