Drucksache Nr. 0760/2019:
Antrag auf Zuwendung für das Haushaltsjahr 2019 an das FORUM AGOSTINO STEFFANI zur Durchführung der 4. Festwoche

Inhalt der Drucksache:

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0760/2019
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Antrag auf Zuwendung für das Haushaltsjahr 2019 an das FORUM AGOSTINO STEFFANI zur Durchführung der 4. Festwoche

Antrag,

zu beschließen, das FORUM AGOSTINO STEFFANI für die Durchführung der 4. Festwoche vom 13.-15. Juni 2019 mit

10.000 €

aus dem Produkt 26201, Musikpflege, Projektförderung zu fördern.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Die Maßnahme richtet sich gleichermaßen an alle Geschlechter.

Kostentabelle

Darstellung der zu erwartenden finanziellen Auswirkungen in Euro:
Teilfinanzhaushalt 41 - Investitionstätigkeit
Bezeichnung
EinzahlungenAuszahlungen
Zuwendungen für Investitionstätigkeit €0.00
Beiträge u.ä. Entgelte für Investitionstätigkeit €0.00
Veräußerung von Sachvermögen €0.00
Veräußerung von Finanzvermögensanlagen €0.00
Sonstige Investitionstätigkeit €0.00
  
  
  
Erwerb von Grundstücken und Gebäuden €0.00
Baumaßnahmen €0.00
Erwerb von bewegl. Sachvermögen €0.00
Erwerb von Finanzvermögensanlagen €0.00
Zuwendungen für Investitionstätigkeit €0.00
Sonstige Investitionstätigkeit €0.00
  
Saldo Investitionstätigkeit €0.00
€0.00

Teilergebnishaushalt 41 - Investitionstätigkeit
Produkt 26201
Musikpflege
Angaben pro Jahr
Ordentliche ErträgeOrdentliche Aufwendungen
Zuwendungen und allg. Umlagen €0.00
Sonstige Transfererträge €0.00
Öffentlichrechtl. Entgelte €0.00
Privatrechtl. Entgelte €0.00
Kostenerstattungen €0.00
Auflösung Sonderposten (anteilige Zuwendungen) €0.00
Sonstige ordentl. Erträge €0.00
  
Außerordentliche Erträge €0.00
  
Erträge aus internen Leistungsbeziehungen €0.00
Personalaufwendungen €0.00
Sach- und Dienstleistungen €0.00
Abschreibungen €0.00
Zinsen o.ä. (TH 99) €0.00
Transferaufwendungen €10,000.00
Sonstige ordentliche Aufwendungen €0.00
  
Saldo ordentliches Ergebnis (€10,000.00)
Außerordentliche Aufwendungen €0.00
Saldo außerordentliches Ergebnis €0.00
Aufwendungen aus internen Leistungsbeziehungen €0.00
Saldo aus internen Leistungsbeziehungen €0.00
Saldo gesamt (€10,000.00)

Begründung des Antrages

Das Kulturprojekt FORUM AGOSTINO STEFFANI (im Folgenden „FAS“) führt die Festwoche seit 2014 unter der künstlerischen Leitung von Prof. Lajos Rovatkay durch. Träger*innen sind die Gottfried Wilhelm Leibniz Stiftung an der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis sowie der Verein der Freunde und Förderer FORUM AGOSTINO STEFFANI e.V.

Das FAS vermittelt kulturelle Konzepte und ist Musikfestival, es verbindet musikalische Praxis mit international vernetzter Forschung und beinhaltet pädagogische Vermittlungsprogramme, Konzerte, Vorträge, multimediale Workshops und Publikationen sowie Kooperationen mit den Chortagen, dem Knabenchor und der Clemenskirche Hannover. Die Arbeit des FAS erfasst pionierhaft die gesamte musikalische Kulturüberlieferung des hannoverschen Welfenhofes. Hier sind noch viele weitere „Welfenschätze“ von europäischer Dimension zu heben, die bisher unerschlossen für die Musikwelt in Archiven liegen.

Für die Finanzierung der Festwoche FAS 2019 (Gesamtetat 119.567,- EUR) ist die Einwerbung von Drittmitteln in erheblichem Umfang notwendig. Eine ausgewogene Finanzierung zwischen Stadt, Land und Stiftungen sowie ein nicht unerheblicher Anteil von Eigenerlösen (Karteneinnahmen) ist die Voraussetzung, um die Drittmittelgeber*innen für eine anteilige Finanzierung gewinnen zu können. Der kommunale Anteil ist mit insgesamt 15.000 EUR, und damit unter 10 % der Gesamtkosten, angesetzt und ein Mindestförderbetrag, um diese notwendigen Drittmittel auslösen zu können.

Die notwendige Fördersumme von 15.000 EUR setzt sich zusammen aus dem im Zuwendungsverzeichnis aufgenommenen Haushaltsansatz in Höhe von 5.000 €, die mit dem Haushaltsbeschluss H-0427-2019 zur finanziellen Absicherung der Festwoche FAS zusätzlich in den Haushalt eingestellt wurden. Mit dem vorliegenden Beschlussvorschlag stellt die Landeshauptstadt dem FAS eine weitere Zuwendung in Höhe von 10.000 EUR aus dem Verschiedenes-Ansatz im Produkt Musikpflege zur Verfügung. Die sich somit ergebene Summe von 15.000 EUR entspricht der in 2018 ursprünglich beantragten und benötigten Fördersumme.

4. Festwochen des FAS 2019: "HENRICO LEONE 300+30"

Die Niedersächsische Staatsoper Hannover hat 1989 zum 300. Jahresjubiläum der Oper die Wiederaufführung von "Henrico Leone" ins Zentrum ihrer Jubiläumsfeierlichkeiten gestellt. Prof. Lajos Rovatkay brachte mit dem derzeitigen Opernintendanten H. P. Lehmann das Werk, das bis dahin unbeachtet als handschriftliche Partitur im Archiv der British Library geblieben war, mit großem Erfolg zur neuzeitlichen Erstaufführung. Zum 30-jährigen Jubiläum dieses Ereignisses plant das FAS das Werk unter der Formel "300 + 30" zweimal in halbszenischer Version im Galeriegebäude Herrenhausen wieder erklingen zu lassen. Zusätzlich sind zwei Kindervorführungen der Oper, in Bearbeitung durch die Konzertpädagogin Britta Riedmiller, geplant. Das Aufgreifen und Weiterentwickeln dieses für die europäische Musikgeschichte bedeutsamen Werkes wird einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Hannover überregional als Musikstadt weiter zu profilieren.

Historisch informierte Aufführungspraxis:

Die Arbeit des FAS ist auch immer eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit der „Historisch informierten Aufführungspraxis“. Hannover spielt innerhalb Deutschlands eine markante Rolle in der Durchsetzung dieser bedeutenden europäischen Bewegung. Musikhochschulen, Konzertagenturen und Wettbewerbe werden heute nicht zuletzt daran gemessen, wie sie mit dieser Entwicklung Schritt halten und ihr neue Impulse vermitteln. Es geht gleichermaßen um fundiertes Wissen über die künstlerischen Gestaltungsmittel der jeweiligen Zeit als auch um lebendige Auseinandersetzung mit der Musik.

Das FAS beruft sich also gleich auf zwei bedeutende kulturgeschichtliche Lokaltraditionen: die des hochbarocken Welfenhofs und die der in Hannover beispielhaft verorteten historisch informierten Aufführungspraxis. Beides zusammen führt zu der „Doppelidentität“ Hannovers als „Werkstatt Europäischer Musik“, die durch das FAS sichtbar gemacht und weiterentwickelt wird. Alle an den Festwochen und Projekten des FAS beteiligten Musiker*innen sind Spezialist*innen der historisch informierten Aufführungspraxis. Mit u.a. der Hannoverschen Hofkapelle, dem Ensemble Alta Ripa und dem Ensemble "la festa musicale" verfügt Hannover über namhafte und hochqualifizierte Spitzenensembles, die bundesweit für die Qualität der Musikstadt Hannover stehen.


Kulturelles Erbe des Hochbarock/Agostino Steffani

Die inhaltliche Auseinandersetzung des FAS konzentriert sich auf die Glanzzeit, die Hannover im Hochbarock erlebte. Neben Gottfried Wilhelm Leibniz war Agostino Steffani (1654-1728) die bedeutendste Gestalt am Welfenhof. Er war Hofkapellmeister, Komponist, Diplomat, geistlicher Würdenträger und späterer Bischof. Weichenstellungen mit so entscheidender Tragweite wie die Kurwürde für das Welfenhaus und die spätere Personalunion mit England (ab 1714) gehen auf sein diplomatisches Wirken zurück. Mit der Errichtung der Clemenskirche für Hannover hat er auch architektonisch ein bleibendes Denkmal gesetzt und steht gleichzeitig für religiöse Toleranz.

Steffanis in Hannover entstandene Opernwerke sind für die Entwicklung der europäischen Musik von größter Bedeutung. Der Komponist schuf in ihnen eine Fusion der italienischen und französischen Musikstile und begründete damit die "deutsche" Tonsprache des Spätbarock und damit auch die kompositorische Entwicklung etwa von Johann Sebastian Bach und G.F Telemann. Der in Hannover nur kurz im Dienst stehende Georg Friedrich Händel schöpfte sein ganzes Leben lang aus den Werken Steffanis. Auch die Vermittlung Händels an den Welfenhof Hannover, eine Verbindung die Händel zeitlebens prägte, geht auf die Vermittlung und den Einsatz Steffanis zurück.

Zusammenfassung

Mit dem FAS und Prof. Lajos Rovatkay ist in Hannover eine besondere Kulturinitiative aktiv, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das zu lange kaum beachtete musikalisch-kulturelle Erbe Hannovers des 17. und 18. Jahrhunderts zur Geltung zu bringen. Dieses Erbe hat europäische Dimension, zumal Steffani ein wesentlicher Wegbereiter der Tonsprache etwa Händels, Bachs und Telemanns war. Die musikalischen Meisterwerke Steffanis, die seinerzeit einem exklusiven höfischen Publikum vorbehalten waren, sollen heute für alle Bürger*innen der Stadt zugänglich gemacht werden und haben, wie es etwa die Aufführungen der Musik Steffanis in Berlin, Düsseldorf und München zeigen, das Potenzial, eine breite Hörerschaft zu begeistern. Die im Hochbarock selbstverständliche Globalisierung des europäischen musikalischen Kulturerbes ist beeindruckend und ist mit Blick auf die Vernetzung unserer Zeit besonders interessant. Es ist eine wichtige Aufgabe, diese prägende Phase in der Geschichte der Landeshauptstadt und Europas zu erkennen, zu würdigen und ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen.






41.1 
Hannover / Mar 11, 2019