Informationsdrucksache Nr. 0690/2026:
Café Luna - ein geschützter Nachtaufenthalt für Frauen und FLINTA*

Inhalt der Drucksache:

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0690/2026
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Café Luna - ein geschützter Nachtaufenthalt für Frauen und FLINTA*

Die Landeshauptstadt Hannover bietet unterschiedliche Unterstützungsangebote für Menschen in Wohnungsnotfallsituationen an. Dazu gehören auch Notunterkünfte und Notschlafstellen. Auch wenn die Stadt Hannover zwei frauenspezifische Notunterkünfte bereitstellt, entscheiden sich manche Frauen dafür diese nicht aufzusuchen. Die Gründe sind vielfältig. FLINTA*spezifische Notschlafstellen gibt es aktuell noch keine.

Für Menschen, die auf der Straße leben, haben Witterungsbedingungen und Jahreszeiten einen bedeutenden Einfluss auf ihr Leben. Der Winter stellt für betroffene Personen und auch Fachkräfte eine Herausforderung dar. Kälte und Nässe können zu einer Gefahr für die Gesundheit werden, gerade ein geschützter Aufenthalt in der Nacht ist von großer Bedeutung.

Die beiden Nachtcafés „Café Mensch“ der Obdachlosenhilfe Hannover e.V. und „Nachtlicht“ des Diakonischen Werkes Hannover gGmbH haben sich als sinnvolles und notwendiges Angebot der Winternothilfe für obdachlose Menschen bewährt. Gleichzeitig gab es bisher kein spezifisches Nachtangebot für Frauen und FLINTA*.

Frauen bzw. FLINTA* sind beim nächtlichen Aufenthalt im öffentlichen Raum besonders gefährdet.
Sie nutzen aktuell teilweise auch die bestehenden Winter-Nachtcafés. Vor dem Hintergrund der oft gewaltgeprägten Lebensumstände wohnungsloser Frauen besteht die Vermutung, dass nicht alle Frauen ein Angebot aufsuchen, welches sich auch an männliche Wohnungssuchende richtet. Ein „geschützteres“ Setting könnte Frauen den Zugang zu Beratung, Information und gesichertem Nachtaufenthalt erleichtern und so auch die Frauen erreichen, die die bisherigen Angebote nicht nutzen. Mit diesem Angebot sollte erprobt werden, ob über einen geschützten Raum in einem niedrigschwelligen Setting Frauen bzw. FLINTA* erreicht werden können, die sonst während der kalten Jahreszeit städtische Unterbringungsangebote oder die Angebote der Kooperationspartner*innen nicht oder nicht in vollem Umfang nutzen.

Mit diesen Fragen ist Verwaltung im Rahmen der Vorbereitung der Winternothilfe 25/26 auf Anbietende von Angeboten für Frauen zugegangen. Beteiligt waren Mitarbeitende der Ökumenischen Bahnhofsmission Hannover e.V., des Caritasverbandes Hannover e.V., des Diakonischen Werkes Hannover gGmbH, der Selbsthilfe für Wohnungslose e.V., Phoenix und La Strada.

In der Überzeugung, dass ein Bedarf besteht, wurde dieses Kooperationsprojekt entwickelt und durchgeführt.

Projekt „Café Luna“ - Umsetzung Dezember 2025 bis Anfang Februar 2026

In einem Kooperationsprojekt ist von Dezember 2025 bis Anfang Februar 2026 ein Frauen / FLINTA*-Nachtcafé umgesetzt worden. Eine Überleitung in ein regelmäßiges, weiterlaufendes Angebot war bereits vor Beginn des Projektes ausgeschlossen worden, da keine entsprechenden finanziellen Mittel vorhanden waren. Durch die speziellen Witterungsbedingungen Ende Januar wurde zwischen dem Diakonischen Werk Hannover gGmbH und dem Bereich 56.3 der Betrieb bis zum 09.02.2026 verlängert.
Das Projekt hatte insoweit von Anfang an den Charakter eines Modellprojektes zum Testen von Bedarf, Annahme durch die Klient*innen, Praxistauglichkeit etc.

Die Projektbeteiligten haben die Zielgruppe „Frauen“ im Sinn von Frauen und FLINTA* definiert, d.h. der Nachtaufenthalt „Café Luna“ richtete sich an Frauen sowie an Personen, die sich als Teil der FLINTA*-Gruppe (Frauen*, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, transgeschlechtliche und agender Personen) identifizieren. Ein speziell zugeschnittenes Nachtangebot für diese Zielgruppe wohnungsloser Personen besteht im gegenwärtigen Hilfesystem in Hannover nicht.

Das Diakonische Werk Hannover gGmbH stellte die Räumlichkeiten in der Berliner Allee zur Verfügung, die tagsüber für das Angebot „DüK“ genutzt werden. Das Angebot „Cafè Luna“ war täglich – 7 Tage die Woche - auch an allen Feiertagen, von 20.00 Uhr bis 6.00 Uhr geöffnet (eine Nacht war wegen Personalmangels im Sicherheitsdienst geschlossen).
Der Schwerpunkt des Nachtcafés lag auf dem Vorhalten eines Schutz- und Ruheraums für Frauen und FLINTA*. Daher wurde das Angebot der Nachtbegleitung von weiblich gelesenen Mitarbeitenden eines Sicherheitsdienstes umgesetzt. Sie standen im engen Austausch mit der Projektleitung, den Sozialarbeitenden des Tagesaufenthalts DüK, der Hilfen für Frauen und FLINTA* von der SeWo e.V. und der Straßensozialarbeit.

Der geschulte Sicherheitsdienst stellte während des Betriebs den Schutz- und Ruheraum für alle Nutzer*innen sicher. Sie achteten dabei auf die Wahrung einer ruhigen Atmosphäre und arbeiteten deeskalierend. Durch diese Arbeitsweise konnten präventiv Konflikte vermieden werden. Wenn nötig, griffen sie ein, um Konflikte zu lösen und die körperliche Unversehrtheit aller Personen sicherzustellen.

Den Besucher*innen wurden warme Getränke, Mineralwasser und eine heiße Brühe sowie eine Notversorgung mit Kleidung, Hygienemitteln, Schlafsäcken und Isomatten angeboten.

An vier Tagen in der Woche waren bis 22 Uhr zwei Sozialarbeiterinnen anwesend, um bei Bedarf Erstberatungen und Krisengespräche zu führen.

Um ein durchgehendes Angebot zu gewährleisten, wurde der Tagesaufenthalt der Caritas am Leibnizufer 13-15 im Projektzeitraum in der Regel bereits um sieben Uhr morgens geöffnet.

Das Projekt sollte gleichzeitig die bestehenden beiden Nachtcafés durch die zusätzlichen Kapazitäten entlasten.


Evaluation des Projektzeitraums (Bericht von der Diakonie)

Die Erfahrungen aus der Durchführung des Café Lunas zeigen, dass der Bedarf für ein entsprechendes Projekt da ist.

Im Nachtcafé Luna konnten insgesamt 492 Kontakte (Ø ca. 8 pro Tag) erfasst werden. Angesichts der erstmaligen Durchführung des Projekts sowie der besonders schutzbedürftigen Zielgruppe sind diese Zahlen bemerkenswert. Gerade für diesen Personenkreis ist der Aufbau eines längerfristigen Vertrauensverhältnisses entscheidend.

Nach einem zunächst ruhigen Beginn haben sich die Kontaktzahlen im zweiten Projektmonat verdoppelt. Bei einer kontinuierlichen Fortführung ist daher von einer weiter steigenden Inanspruchnahme auszugehen.

Zudem gelang es, das Projekt in den frühen Abendstunden an mehreren Tagen pro Woche durch Sozialarbeiterinnen zu begleiten sowie Krisen- und Entlastungsgespräche anzubieten.

Der Großteil der Besuchenden wollte weder eine Notschlafstelle noch eine andere Unterkunftsform in Anspruch nehmen. Fahrkarten wurden regelmäßig angeboten. Menschen ohne festen Wohnsitz, die sich rund um den Hauptbahnhof aufhalten, bleiben auch nachts in dessen Nähe, da dort die Versorgungsmöglichkeiten leichter zugänglich sind und Einrichtungen des Hilfesystems tagsüber schneller erreicht werden können. Auch der öffentliche, belebte Raum fungiert für viele als Sicherheits- und Schutzmechanismus.

Auffällig waren der häufig schlechte Gesundheitszustand, körperliche Einschränkungen sowie psychische Auffälligkeiten vieler Besuchender.

Während des gesamten Projektzeitraumes wurden Evaluationsbögen ausgelegt und von insgesamt 16 Besucher*innen ausgefüllt.

Die Besucher*innen betonen dabei die Notwendigkeit eines geschlechterspezifischen Schutzraumes und begründen dies insbesondere durch das hohe Sicherheitsgefühl, welches ihnen dieser Raum bietet.

Dabei spiele auch der stets kompetente Umgang der Sicherheitskräfte eine große Rolle.
In den Evaluationsbögen wird die Fortsetzung des Projekts als essenziell betrachtet, um Frauen und FLINTA*-Personen in der Nacht Schutz zu bieten. Aus den Evaluationsbögen wird die Notwendigkeit durch Betroffene bestätigt.


Statistik

Kontakte
Dezember 2025
134
Januar 2026
291
Februar (01.02.-09.02.26)
67





Kosten und Finanzierung für die Durchführung von Dezember 2025 bis Anfang Februar 2026
Die für den Betrieb des „Café Luna“ erforderlichen Mittel bestanden zum überwiegenden Teil aus Kosten für den Sicherheitsdienst, es wurden dabei Aufwendungen für 2 Beschäftigte / Nacht kalkuliert.

Die Region Hannover beteiligte sich pro Monat mit jeweils 2.000 € an den Kosten. Die Übernahme der für den Betrieb erforderlichen Kosten von 66.100 Euro (für die Monate Dezember 2025 bis Ende Januar 2026) erfolgte nach Beschluss der Drucksache Nr. 2299/2025 aus Mitteln des Projekt- und Interventionsfonds Wohnungslosigkeit. Auf Grund der extremen Witterungslage wurde das Angebot bis zum 09.02.26 verlängert. Die dafür erforderlichen Mittel wurden vom Fachbereich Gesellschaftliche Teilhabe kurzfristig zur Verfügung gestellt. Die Abrechnung des Projekts ist noch nicht erfolgt.


Perspektiven für den kommenden Winter

Das Projekt hatte von Anfang an den Charakter eines Modellprojektes zum Testen von Bedarf, Annahme durch die Klient*innen, Praxistauglichkeit etc. Die Ergebnisse zeigen, dass es sinnvoll ist das Angebot weiter fortzusetzen.

Aktuell nehmen die Gespräche für eine Finanzierung in den Monaten November und Dezember 2026 einen positiven Verlauf. Danach ist die Fortführung des Cafés Luna offen, weil die finanziellen Ressourcen bisher nicht vorhanden sind.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Die beiden Nachtcafés „Café Mensch“ der Obdachlosenhilfe Hannover e.V. und „Café Nachtlicht“ des Diakonischen Werkes Hannover gGmbH haben sich als sinnvolles und notwendiges Angebot der Winternothilfe für obdachlose Menschen bewährt und wurden vorgehalten im vergangenen Winter vom 01.11.2025 bis 31.03.2025. Diese beiden Angebote werden auch von Frauen / FLINTA* genutzt, ein spezielles Angebot für Frauen / FLINTA* existiert bisher nicht. Mit dem neuen Angebot „Café Luna“ erprobten die Verwaltung und Träger*innen der Wohnungslosenhilfe ein neues, ergänzendes Angebot in den Monaten Dezember 2025 und Anfang Februar 2026. Weitere Informationen zu diesem Projekt und Genderaspekten enthält der Text der Informationsdrucksache.

Kostentabelle

Es entstehen keine finanziellen Auswirkungen.

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Hannover / Apr 7, 2026