Antrag Nr. 0604/2026:
Antrag der SPD-Fraktion zur Beauftragung eines Gutachtens zur Zukunft des Eisstadions am Pferdeturm sowie zur Prüfung eines möglichen Neubaus

Informationen:

verwandte Drucksachen:

0604/2026 (Originalvorlage)

Beratungsverlauf:

  • 13.04.2026: Ausschuss für Sport Bäder und Eventmanagement: Auf Wunsch der Bündnis 90/Die Grünen in die Fraktionen gezogen
  • Zukünftig: Ausschuss für Haushalt Finanzen Rechnungsprüfung Feuerwehr und öffentliche Ordnung
  • Zukünftig: Verwaltungsausschuss
  • Zukünftig: Ratsversammlung
  • Zukünftig: Ausschuss für Sport Bäder und Eventmanagement

Antragsteller(in):

SPD-Fraktion

Inhalt der Drucksache:

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Antrag der SPD-Fraktion zur Beauftragung eines Gutachtens zur Zukunft des Eisstadions am Pferdeturm sowie zur Prüfung eines möglichen Neubaus

Antrag

Die Verwaltung wird beauftragt, aus den in der Drucksache Nr. H-0347/2025 vorgesehenen Mitteln einen Betrag in Höhe von 100.000 € dem Eislauf-Club Hannover e. V. zur Verfügung zu stellen. Der Verein soll mit diesen Mitteln ein unabhängiges Gutachten beauftragen, das zwei belastbare Kostenschätzungen erarbeitet:

Kostenschätzung für eine umfassende Sanierung des bestehenden Eisstadions am Pferdeturm

Dabei ist darzustellen, welche Maßnahmen erforderlich sind, um das bestehende Stadion infrastrukturell und technisch so zu modernisieren, dass ein nachhaltiger Profispielbetrieb sowie perspektivisch auch ein Aufstieg in höhere Spielklassen möglich wird.

Es ist ebenfalls darzustellen, welche Maßnahmen für den Stammverein im Rahmen des DEB-Sterneprogramms für den Leistungs- und Breitensport perspektivische benötigt werden.

  1. Anforderungen an eine Sanierung des bestehenden Eisstadions

Spielstätte und Eisfläche
  • Installation einer Nebelabzugsanlage unter der Hallendecke
  • Sicherstellung einer dauerhaft hohen Eisqualität
  • Prüfung zusätzlicher Kapazitäten oder infrastruktureller Erweiterungen
  • Prüfung der Errichtung einer zweiten Eisfläche für den Trainings, Turnier- und Spielbetrieb im Nachwuchs / Breitensport

Infrastruktur für den Profibetrieb

Mannschaftskabinen

  • Eigene Toiletten
  • Vergrößerter Duschbereich
  • Moderner Fitnessraum
  • Büroräume für Trainer, Teammanager und sportliche Leitung
  • Raum für Videoanalyse und Taktikbesprechungen
  • Ausreichend großer Materiallagerraum

Gästekabine
  • Fitnessbereich mit Geräten (mindestens drei Ergometer)
  • Trainerraum
  • Eigene Toiletten
  • Modernisierte Duschen

Weitere Funktionsräume
  • Arzt- und Dopingkontrollraum
  • Modernisierung des Schiedsrichterraums einschließlich eigener Toilette
  • Getrennter Zugang der Mannschaften zur Eisfläche

Infrastruktur für den Geschäftsbetrieb
  • Büroräume für Geschäftsführung und Verwaltung
  • Besprechungsräume
  • Empfangsmöglichkeiten für Sponsoren
  • Lagerkapazitäten

Hospitality- und Sponsorenbereiche
  • Dauerhafter, wetterunabhängiger VIP-Bereich
  • Logen und gesonderte Sitzplätze für Hospitality-Gäste
  • Eigene Sanitäranlagen
  • Separate Stadionzugänge
  • Befestigte Parkflächen

Technische Infrastruktur
  • Videowürfel
  • Medienarbeitsplätze
  • Infrastruktur für SPRADE-TV-Liveübertragungen
  • Regieraum und Studioflächen

Zuschauerkomfort
  • Erweiterung der Sitzplatzkapazitäten
  • Austausch der Sitzschalen
  • Verbesserung der Sanitäranlagen
  • Barrierefreie Zugänge

Infrastruktur für den Stammverein:

Funktionsräume für Mannschaften und Trainer

  • Feste Kabinen für die Mannschaften der Altersklassen U17 und U20 gemäß DEB-Sterneprogramm.
  • Trockenräume für die Lagerung von Ausrüstung der Altersklassen U13 und U15, besser wären alternativ bereits in diesen Altersklassen feste Kabinen
  • Allgemeine Lagerräume für Trainingsmaterialien und Ausrüstung
  • 2 Trainerkabinen mit Dusche, WC und Besprechungsbereich
  • 1 Schiedsrichterkabine für 4 Personen mit Duschen und WC
  • 1 Fitnessraum für Nachwuchssportler, ausreichend dimensioniert für mindestens 11 Personen mit entsprechender Ausstattung für Kraft- und Ausdauertraining
  • 2 Räume für Videoanalysen und Teambesprechungen
  • 2 variable Gästekabinen für ca. jeweils 25 Sportler/innen, die für Gastmannschaften bei Jugendturnieren zeitgleich mit genutzt werden können.

Geschäftsstelle und Verwaltung

Für die Organisation des Vereinsbetriebs besteht derzeit keine feste Geschäftsstelle im Stadion. Sämtliche Abläufe werden dezentral im Homeoffice der Vorstandsmitglieder und der ehrenamtlichen Helfer, sowie der Trainer und Betreuer abgewickelt. Für eine effiziente Verwaltung, Koordination und Betreuung der Nachwuchssportler ist die Einrichtung von:

  • mindestens 2 Büroräumen mit jeweils min. 30 m² für Vereinsgeschäftsstelle und Jugendleitung notwendig
  • Ebenso zwingend notwendig sind 2 Besprechungs-/ Schulungsräume mit je ca. 30-40 m².

2. Kostenschätzung für den Neubau eines Eisstadions

Es soll eine Kostenschätzung für den Neubau eines Eisstadions mit mindestens 6.000 Zuschauerplätzen erstellt werden, das alle Anforderungen für professionellen Eishockeysport erfüllt.

Als Standort soll dabei insbesondere das Gelände des Forstbetriebshofes untersucht werden.

Anforderungen an einen Neubau

Sportliche Infrastruktur

  • Wettkampftaugliche Eisfläche nach internationalen Standards
  • Zweite Eisfläche für Training und Nachwuchs
  • Moderne Mannschafts- und Gästekabinen
  • Medizinische Räume einschließlich Dopingkontrollraum
  • Fitness- und Trainingsbereiche
  • Räume für Videoanalyse

Zuschauerbereiche
  • Mindestens 6.000 Zuschauerplätze
  • Moderne Sitzplatzbereiche
  • Barrierefreie Zugänge
  • Ausreichende Gastronomie- und Sanitärbereiche

Hospitality und Vermarktung
  • VIP-Bereiche
  • Logen
  • Business-Seats
  • Veranstaltungsräume

Medien und Technik
  • Videowürfel
  • Medienarbeitsplätze
  • Infrastruktur für TV- und Streamingproduktionen

Nachhaltigkeit
  • Energieeffiziente Bauweise
  • Nachhaltige Kühltechnik

In beiden Varianten soll berücksichtig werden:

Frauen- und Mädchen-Eishockey

  • Infrastruktur für Frauen- und Mädchenmannschaften des Eislauf-Club Hannover
  • Bereitstellung geeigneter Kabinenkapazitäten für Frauen- und Mädchenmannschaften
  • Trainingsmöglichkeiten für Mädchen- und Frauenteams im Leistungs- und Nachwuchsbereich
  • Perspektivische Berücksichtigung des wachsenden Frauen-Eishockeys im internationalen und nationalen Wettbewerb

Das Gutachten soll zudem prüfen, welche infrastrukturellen Voraussetzungen notwendig sind, um langfristig höherklassigen Frauen-Eishockeysport am Standort Hannover zu ermöglichen. Der internationale Frauen-Eishockeysport befindet sich in einer dynamischen Entwicklung. Auch in Ländern mit bislang geringer Eishockeytradition beispielsweise Indien, wo Frauenmannschaften inzwischen in internationalen Wettbewerben sowie regionalen Ligen organisiert sind wächst die Bedeutung des Frauen-Eishockeys kontinuierlich. Eine zukunftsfähige Sportstätte sollte diese Entwicklung berücksichtigen.

Eislaufen und Eiskunstlauf

Neben dem Eishockey ist das Eislaufen ein zentraler Bestandteil der Vereinsarbeit des Eislauf-Club Hannover. Das Gutachten soll daher auch die infrastrukturellen Anforderungen für folgende Nutzungen berücksichtigen:

  • Trainingsmöglichkeiten für Eiskunstlauf und Breitensport-Eislaufen
  • geeignete Eiszeiten für Kinder- und Jugendtraining
  • Trainingsflächen für Einzelsportlerinnen und Einzelsportler
  • geeignete Umkleide- und Trainingsräume
  • Flächen für Athletik- und Balletttraining im Eiskunstlauf
  • Durchführung von Eislaufkursen und Breitensportangeboten

Ziel ist es, die Infrastruktur so zu entwickeln, dass alle Eissportarten des Vereins – Eishockey, Frauen-Eishockey, Nachwuchsarbeit sowie Eislaufen/Eiskunstlauf langfristig gesichert werden können.

Nach Vorlage des Gutachtens

Nach Vorlage des Gutachtens und der darin enthaltenen Kostenschätzungen für die untersuchten Varianten entscheidet der Eislauf-Club Hannover e. V. über die weiterzuverfolgende Variante (Sanierung des bestehenden Eisstadions oder Neubau).
Der Verein wird ermächtigt, auf Grundlage dieser Entscheidung die weiteren erforderlichen Planungsleistungen bis einschließlich Leistungsphase 4 gemäß Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) zu beauftragen. Die Finanzierung dieser Planungsleistungen erfolgt aus den in der Drucksache Nr. H-0347/2025 vorgesehenen Mitteln.

Begründung


Begründung:

Der Eislauf-Club Hannover e. V. gehört zu den traditionsreichsten Eissportvereinen in der Landeshauptstadt Hannover. Seit vielen Jahrzehnten prägt der Verein den Eissportstandort Hannover und bietet sowohl im Leistungs-, Nachwuchs- als auch im Breitensport ein umfangreiches sportliches Angebot. Insbesondere das Eishockey besitzt in Hannover eine große sportliche, gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung.

Der Standort Eisstadion am Pferdeturm ist dabei weit mehr als nur eine Sportstätte. Er ist ein traditionsreicher Ort des hannoverschen Sports und ein wichtiger Treffpunkt für Sportlerinnen und Sportler, Fans, Familien sowie zahlreiche ehrenamtlich Engagierte. Die Heimspiele haben eine lange Tradition und ziehen regelmäßig viele Zuschauerinnen und Zuschauer an. Für viele Menschen in Hannover und der Region sind die Spiele ein fester Bestandteil des sportlichen Lebens und tragen wesentlich zur Identifikation mit dem Sportstandort Hannover bei.

Der Eislauf-Club Hannover leistet darüber hinaus eine wichtige Arbeit in der Nachwuchsförderung. Neben dem Eishockey gewinnt auch der Frauen- und Mädchenbereich im Eissport zunehmend an Bedeutung. International entwickelt sich der Frauen-Eishockeysport dynamisch und wird in immer mehr Ländern strukturiert organisiert. Auch in Staaten ohne lange Eishockeytradition – etwa in Indien – entstehen Frauenmannschaften und Wettbewerbsstrukturen, die den internationalen Austausch im Eissport stärken. Eine moderne Eissportinfrastruktur muss dieser Entwicklung Rechnung tragen und Perspektiven für Frauen- und Mädchenmannschaften schaffen.

Darüber hinaus spielt das Eislaufen und der Eiskunstlauf eine wichtige Rolle für den Breitensport sowie für die Nachwuchsförderung im Eislauf-Club Hannover. Viele Kinder und Jugendliche beginnen ihre sportliche Laufbahn zunächst im Eislaufen, bevor sie sich gegebenenfalls für eine Spezialisierung im Eishockey oder im Eiskunstlauf entscheiden. Eine leistungsfähige Infrastruktur für den gesamten Eissport stärkt daher sowohl den Breitensport als auch den Leistungsbereich und trägt zur nachhaltigen Entwicklung des Eissportstandortes Hannover bei.

Zahlreiche Kinder und Jugendliche werden hier an den Eissport herangeführt und erhalten die Möglichkeit, sich sportlich zu entwickeln. Diese Nachwuchsarbeit ist ein bedeutender Bestandteil der Sportlandschaft in Hannover und fördert neben der sportlichen Entwicklung auch Werte wie Teamgeist, Fairness, Integration und ehrenamtliches Engagement. Die aktuelle Infrastruktur führt dazu, dass der Verein Kinder, Jugendliche und Erwachsenen nicht als Mitglieder aufnehmen kann.

Gleichzeitig weist das Eisstadion am Pferdeturm in seiner derzeitigen Infrastruktur erhebliche Defizite auf. Technische Probleme, begrenzte Kapazitäten, fehlende moderne Funktionsräume sowie infrastrukturelle Defizite im Bereich Medien, Sponsoring und Zuschauerkomfort erschweren einen zeitgemäßen Trainings- und Spielbetrieb. Im Vergleich zu anderen Standorten im deutschen Eishockey, an denen in den vergangenen Jahren modernisierte oder neu errichtete Arenen entstanden sind, droht Hannover zunehmend ins Hintertreffen zu geraten.

Ohne eine grundlegende Modernisierung der bestehenden Anlage oder eine langfristige strukturelle Lösung durch einen Neubau besteht die reale Gefahr, dass der Profispielbetrieb in Hannover mittelfristig nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Dies hätte nicht nur sportliche Auswirkungen, sondern würde auch den Nachwuchsbereich, das ehrenamtliche Engagement sowie die Attraktivität des Eissportstandortes Hannover insgesamt erheblich beeinträchtigen.

Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen, die sowohl die Kosten einer umfassenden Sanierung des bestehenden Eisstadions am Pferdeturm als auch die Perspektiven eines modernen Neubaus mit größerer Kapazität und zeitgemäßer Infrastruktur transparent gegenüberstellt.

Das beantragte Gutachten soll dem Rat der Landeshauptstadt Hannover eine belastbare Grundlage für eine langfristige Entscheidung zur Zukunft des Eissportstandortes Hannover

geben. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass der Eislauf-Club Hannover auch künftig leistungsfähige Strukturen für Profi-, Nachwuchs- und Breitensport vorfindet und der traditionsreiche Eissportstandort Hannover nachhaltig gesichert werden kann.

Kerstin Klebe-Politze/ Dr. Bala S. Ramani (Fraktionsvorsitzende)