Drucksache Nr. 0572/2026:
Raschplatz Kunst

Informationen:

Beratungsverlauf:

Nachrichtlich:

  • Ausschuss für Sport Bäder und Eventmanagement

Inhalt der Drucksache:

Bitte beachten Sie, dass der folgende Text eventuell medienbedingte Formatabweichungen aufweisen kann. Eine formatgetreue Abbildung des Inhalts finden Sie in der Anlage "Druckversion.pdf".
Landeshauptstadt HannoverBeschlussdrucksache-ZeichenBeschlussdrucksache
In den Stadtbezirksrat Mitte
In den Sozialausschuss
In den Kulturausschuss
In den Ausschuss für Haushalt, Finanzen, Rechnungsprüfung, Feuerwehr und öffentliche Ordnung
In den Verwaltungsausschuss
In die Ratsversammlung
An den Ausschuss für Sport, Bäder und Eventmanagement (zur Kenntnis)
 
Nr.
Anzahl der Anlagen
Zu TOP
 
0572/2026
2 (nur online)
 

Raschplatz Kunst

Antrag,

1. der Umsetzung der künstlerischen Maßnahmen zur Umgestaltung des Raschplatzes (Maßnahmen 1. – 3.) unter Berücksichtigung der Organisation eines Public Viewing im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 (Drucksache 2107/2025 i.V.m. Drucksache 2455/2026) sowie
2. der Annahme einer zweckgebundenen Spende der Sparkasse Hannover für die Beschaffung einer Halfpipe und die Pflege des Bodenkunstwerks am Raschplatz in Höhe von 150.000 Euro für das Haushaltsjahr 2026, sowie je
50.000 Euro für die Folgejahre 2027 und 2028 gemäß § 111 Abs. 8 NKomVG und der Ausstellung entsprechender Spendenbescheinigungen
zuzustimmen

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Gender-Aspekte sind nicht berührt.

Ergebnis der Klimawirkungsprüfung

Das Ergebnis der Klimawirkungsprüfung wird als neutral bewertet.

Kostentabelle

Darstellung der zu erwartenden finanziellen Auswirkungen in Euro:
Teilfinanzhaushalt 42 - Investitionstätigkeit
Investitionsmaßnahme I.27201.901.2
Sonstige Maßnahme
EinzahlungenAuszahlungen
Zuwendungen für Investitionstätigkeit €100,000.00
   
Erwerb von bewegl. Sachvermögen €100,000.00
Sonstige Investitionstätigkeit €250,000.00
   
Saldo Investitionstätigkeit -€250,000.00

Teilergebnishaushalt 42 - Investitionstätigkeit
Produkt 27201
Stadtbibliothek
Angaben pro Jahr
Ordentliche ErträgeOrdentliche Aufwendungen
Zuwendungen und allg. Umlagen €50,000.00
   
   
Sach- und Dienstleistungen €100,000.00
   
Saldo ordentliches Ergebnis -€50,000.00
   
  
Die Umgestaltung des Raschplatzes soll mit einem Beteiligungsprozess begleitet werden (s.u.B) 3.), für den weitere Mittel in Höhe von 60.000 Euro im Ergebnishaushalt des Teilhaushalts 56 benötigt werden. Die Deckung soll über private Spenden oder Sponsoring abgebildet werden. Die Mittel für die Bodenkunst am Raschplatz in Höhe von 250.000 Euro werden aus dem Teilfinanzhaushalt 42 bereitgestellt. Sollte dies im Jahresverlauf dazu führen, dass geplante Investitionen des Fachbereichs 42 nicht umgesetzt werden können, erfolgt hierfür bis zu einer Summe von 250.000 Euro eine gesamtstädtische Deckung. Die Mittel für die Logistik der Halfpipe von der Sophienstraße zum Raschplatz in Summe von bis zu 50.000 Euro werden aus dem Teilhaushalt 42 verauslagt und sollen durch private Spenden gedeckt werden.

Die Fachverwaltung (Dez Jugend, Familie und Sport) prüft derzeit parallel, wie der Ratsauftrag, während der Fußball-WM 2026 auf dem Raschplatz ein Public Viewing durchzuführen, umgesetzt werden kann. Grundsätzlich sind dabei die Erfahrungen aus 2024 (Fußball-Europameisterschaft) und insbesondere die Anforderungen an die Sicherheit sowie die besonderen Rahmenbedingungen aufgrund der Zeitverschiebung zu berücksichtigen. Derzeit steht eine Regelung zum Lärmschutz durch den Bund noch aus. Ein Referentenentwurf, der Public Viewing grundsätzlich auch während der Nachtzeiten ermöglicht, liegt jedoch bereits vor („WM2026LärmSchV“, Verordnung über den Lärmschutz bei öffentlichen Fernsehdarbietungen im Freien über die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2026“). Es ist jedoch nach dem jetzigen Stand nicht auszuschließen, dass die Auswahl der Spiele, die gezeigt werden, eingeschränkt sein wird. Einerseits endet der überwiegende Teil der Spiele erst nach Mitternacht bzw. findet in den Nacht- oder frühen Morgenstunden statt (nur ca. 10 % der Spiele enden vor 22:00 Uhr). Aus Sicherheitsgründen können nur solche Spiele gezeigt werden, bei denen die zu erwartenden Besucher*innenströme mit den Beschränkungen des Sicherheitskonzepts vereinbar sind. Das Genehmigungsverfahren wird eine Prüfung von Fragen der Statik, ein Sicherheitskonzept, sowie die Beteiligung aller Anlieger*innen am Raschplatz beinhalten. Für den Betrieb ist ein Interessenbekundungsverfahren vorgesehen, aus dem sich die konkreten Durchführungskosten ergeben.

Begründung des Antrages

A) Ausgangslage
Mit der Drucksache 57/2026, Titel „Mit Sicherheit zusammen“ schlug die Stadtverwaltung vor, eine kontinuierliche Nutzungskultur zu etablieren – mit Formaten, die sowohl im Sommer als auch im Winter tragfähig sind. Ziel ist eine strukturierte, vorhersehbare und dauerhaft sichtbare Präsenz, die den Platz sozial stabilisiert und seine Nutzungsmuster positiv verändert. Die angedachte Maßnahme zur Attraktivierung des Raschplatzes, die als Zwischenlösung bis zum Umbau des Platzes in 2028 das Sicherheitsgefühl verbessern soll, wird in dieser Beschlussdrucksache konkretisiert.
Der Raschplatz als Durchgangsort direkt hinter dem Bahnhof gilt seit einiger Zeit als ein Platz, an dem das Sicherheitsgefühl der Menschen besonders gering empfunden wird. Zahlreiche wohnungslose und suchterkrankte Personen suchen dort täglich den Kontaktladen Mecki und andere soziale Einrichtungen auf, halten sich direkt vor den Eingängen des Bahnhofs und vorzugsweise an den Treppen zum Platz runter auf.
Um diese Probleme abzumildern und eine langfristige Steigerung des Sicherheitsgefühls an dem Ort herzustellen, sollen nun Kunst, Kultur und Bewegung nach Vorbild des Andreas-Hermes-Platzes zum Einsatz kommen und die Aufenthaltsqualität nachhaltig verbessern. Dabei sollen ähnliche Maßnahmen von Kunst und Kultur Hand in Hand mit sozialer Arbeit ergriffen werden, um bei den Menschen am Platz ein Verantwortungsgefühl hervorzurufen.

B) Drei Maßnahmen für bessere Aufenthaltsqualität

1. Kunst trifft Subkultur: Raschplatz wird Raum für Bewegung und Begegnung
Im Frühjahr 2026 erfährt der Raschplatz ein umfassendes künstlerisches Make-Over. Der
bislang vor allem als Durchgangsort wahrgenommene Platz entwickelt sich zu einem
lebendigen Stadtraum, der Bewegung, Begegnung und kulturellen Ausdruck miteinander verbindet. Zentrales Element ist eine neu entstehende Halfpipe, die als urbaner Bewegungsraum fungiert und zugleich Teil eines großflächigen Street-Art-Konzepts wird. Die nach DIN Norm konzipierte Halfpipe wird von der Künstlerin Florentina Holzinger eigens für die Stadt Hannover entworfen, gebaut und von der Stadt angeschafft. Unter dem Titel „Holy Grail / Crash Pipe (2026)“ wird die Halfpipe durch alte Schrottautos gekennzeichnet, die sie stützen und das urbane Thema des Platzes aufgreifen.
Die Halfpipe bietet für die Skater-Szene einen Anreiz, den einst doch gern genutzten Ort zwischen Hauptbahnhof und Andreas-Hermes-Platz wieder für sich einzunehmen. Die Sportart ist niedrigschwellig und bietet auch jungen Zielgruppen eine attraktive Freizeitbeschäftigung. Initiiert vom Kunstverein Hannover wird die Halfpipe bereits Ende März 2026 auf der Sophienstraße direkt unter dem Kronleuchter stehen, um anschließend Ende Mai auf den Raschplatz transportiert zu werden. Für das Vorhaben auf der Sophienstraße wird die Straße im Streckenabschnitt zwischen Landschaftsstraße und Prinzenstraße für den Zeitraum gesperrt.
2. Kollektives Bodenkunstwerk mit Hola Utopia
Ergänzt wird die Halfpipe durch ein rund 4.000 m2 großes Bodenkunstwerk, das zu den größten seiner Art in Norddeutschland zählt. In gemeinsamer Arbeit verschiedener Künstler*innen aus Europa entsteht hier ein vielschichtiges Street-Art-Werk, das die Ästhetik urbaner Subkulturen sichtbar macht und den Raschplatz neu definiert. Dabei tritt das Graffiti-Festival-Team Hola Utopia als Partner auf, welches bereits im Vorjahr, ausgehend von seiner Festival-Basis am Andreas-Hermes-Platz, einige Flächen am Raschplatz gestaltet und somit gute Kenntnisse über die vorherrschenden Umstände am Platz hat.
3. Teilhabe schafft Identifikation und Verantwortungsgefühl
Ein Teil der Fläche wird gemeinsam mit Menschen gestaltet, die den Raschplatz täglich nutzen. Diese aktive Beteiligung fördert Identifikation mit dem Ort und stärkt das Verantwortungsgefühl für den öffentlichen Raum. In der Regel entsteht durch die Beteiligung an der Gestaltung ein besonderes Bewusstsein für den Erhalt und die Pflege des Geschaffenen. Inwiefern sich daraus auch Formen der freiwilligen Mitwirkung bei der Pflege der künstlerischen Elemente ergeben könnten, ist im Projektverlauf zu prüfen.
Erfahrungen aus vergangenen Projekten am Andreas-Hermes-Platz zeigen, dass gemeinsames künstlerisches Arbeiten neue Perspektiven eröffnet, Barrieren abbaut und das soziale Miteinander stärkt. Hier wurde bereits in 2025 gemeinsam mit einem Graffiti-Künstler in einem 5-Tägigen Workshop ein Container mit fünf Menschen aus der wohnungslosen Szene gestaltet, was sinnstiftende Momente geschaffen und den Beteiligten neue Perspektiven eröffnet hat. Die Verbindung aus Street Art, Bewegung und offener Nutzung verändert spürbar die Atmosphäre des Raschplatzes. Wo zuvor Anonymität und Durchgang dominierten, entsteht ein Ort mit Aufenthaltsqualität, klarer Gestaltung und sichtbarer sozialer Kontrolle. Die erhöhte Präsenz von Nutzer*innen, die Belebung durch Sport und Kultur sowie die neue, wertige Gestaltung tragen dazu bei, das subjektive Sicherheitsgefühl am Raschplatz zu verbessern. So wird der Raschplatz zu einem urbanen Treffpunkt, an dem Kunst nicht nur betrachtet, sondern erlebt wird – als Teil des Alltags, als Ausdruck von Vielfalt und als Impuls für einen positiven Wandel im Stadtraum.

C) Zeitplan 2026

- März – Ende Mai Entstehung Bodenkunstwerk inkl. Teilhabe
- 28. März Eröffnung Halfpipe Sophienstraße
- Anfang Juni Eröffnung Bodenkunstwerk und Halfpipe Raschplatz


D) Finanzierung

Die Halfpipe wird dank großzügiger Spende der Sparkasse Hannover realisiert. Die Mittel für die Bodenkunst am Raschplatz in Höhe von 250.000 Euro werden aus dem Teilfinanzhaushalt 42 bereitgestellt. Sollte dies im Jahresverlauf dazu führen, dass geplante Investitionen des Fachbereichs 42 nicht umgesetzt werden können, erfolgt hierfür bis zu einer Summe von 250.000 Euro eine gesamtstädtische Deckung. Für eine jährliche Auffrischung des Kunstwerks und Instandhaltung der Halfpipe sorgt eine weitere Förderung durch die Sparkasse Hannover. Die Zuwendung der Sparkasse Hannover in Höhe von 150.000 Euro wird in Form einer Festbetragsfinanzierung als nicht rückzahlbarer Zuschuss gewährt und ist zweckgebunden für die Anschaffung einer Halfpipe für den öffentlichen Raum (Sophienstraße und dann langfristiger auf dem Raschplatz) zu verwenden. Die Zuwendung kann jährlich auf die verschiedenen Ausgabepositionen bedarfsorientiert aufgeteilt werden. Daran schließen sich zwei weitere Zuwendungen der Sparkasse Hannover für die Jahre 2027 und 2028 an mit je 50.000 Euro für die Instandhaltung sowie Pflege des Bodenkunstwerks und der Halfpipe am Raschplatz. Die Sparkasse Hannover ist als Anliegerin des Raschplatzes sehr an der positiven Entwicklung des Umfeldes interessiert und begrüßt die Maßnahmen, die die Landeshauptstadt Hannover zur Belebung des Raschplatzes 2026 bis 2028 entwickelt hat. Die Finanzierung für den Anteil des Teilhabe-Projekts mit 60.000 Euro und Logistik der Halfpipe bis zu 50.000 Euro werden durch Unterstützung privater Spender*innen gedeckt. Die Verwaltung ist dazu im Austausch mit potentiellen Spender*innen/Sponsor*innen.
VII-K 
Hannover / Mar 9, 2026