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Ausgangslage
Mit Beschluss der Drucksache H-0060/2025 wurde die Verwaltung beauftragt, „zu prüfen, wie das Projekt ZeitRaum nach Auslaufen der aktuellen Förderung in seiner bestehenden Form in den derzeitigen Räumlichkeiten fortgeführt werden kann“. Die Verwaltung solle darlegen, wie das Projekt finanziell und organisatorisch abgesichert werden könne.
Aktuell wird das Projekt ZeitRaum durch die Aktion Mensch gefördert – bis Ende des Jahres 2026. Für die Fortführung des Projekts ist eine neue, tragfähige Finanzierung erforderlich.
Mit der vorliegenden Drucksache wird die Bedeutung der Begegnungsstätte ZeitRaum hervorgehoben, die konzeptionelle Ausrichtung des Projektes dargestellt, ein Überblick der aktuellen Angebote gegeben sowie Perspektiven zur Finanzierung aufgezeigt.
Projektbeschreibung
Beim Projekt ZeitRaum handelt es sich um eine Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Behinderung. Sie befindet sich im Erdgeschoss des Servicehauses Läuferweg 20, 30655 Hannover (Stadtteil Groß-Buchholz). Im gleichen Haus befinden sich u.a. Wohngruppen für Menschen mit Behinderung auf drei Etagen und die Diakonie Himmelsthür bzw. deren Angebot „Ambulant Betreutes Wohnen“. Trägerin des Projekts ZeitRaum ist die Genossenschaft „Aktiv DabeiSein Dienstleistungen eG“, deren Ziel nach eigenen Angaben es ist, „Defizite aktiver Teilnahme am gesellschaftlichen Leben auszugleichen“ (Quelle:
www.aktiv-dabeisein-dienstleistungen.de/begegnung).
So können hier Menschen mit und ohne Behinderung „ein regelmäßiges, verlässliches Angebot mit den Säulen Begegnung, Kultur, Freizeit und Austausch wahrnehmen und erleben“ (Quelle: vgl. ebd.). Doch die Zielgruppe des Projekts umfasst nicht ausschließlich Menschen aus dem Quartier, sondern öffnet sich auch dem gesamten Stadtgebiet, weil mit besonderen Veranstaltungsformaten ein inklusiver Raum für niedrigschwellige Begegnungen auch ohne festes Programm geschaffen wurde. Im Bedarfsfall wird Assistenz angeboten. Der Eingang zum ZeitRaum ist stufenlos.
Das Projekt selbst bietet Kurse und Gruppenangebote an, welche programmatisch inklusiv gestaltet sind z.B.:
- Begegnung- und Spielangebote,
- Klön-, Sport- und Kulturangebote,
- „Mittagstisch für alle“,
- Sonntagsfrühstück,
- Workshops, Veranstaltungen, Ausstellungen und Gesprächsformate etc.
In der Regel finden Menschen mit Behinderung vielerorts nur temporäre und räumlich beschränkte Angebote für Begegnungen. Es fehlt hingegen an Möglichkeiten, spontane Aktivitäten, wie sie Menschen ohne Behinderung einfach und selbstverständlich wahrnehmen können, selbstbestimmt zu realisieren. Der ZeitRaum wurde geschaffen, damit Menschen mit und ohne Behinderung ein regelmäßiges, zuverlässiges Programm mit den Säulen Begegnung, Kultur, Freizeit und Austausch erleben können (Quelle: vgl. ebd.).
Die Besonderheit des Projekts ZeitRaum liegt in seiner Niederschwelligkeit. Der einfache Zugang zum ZeitRaum für Menschen mit und ohne Behinderung schafft eine barrierefreie und offene Willkommensatmosphäre, welche weit über den Abbau baulicher Hürden hinausgeht. Denn alle Angebote zielen darauf ab, Begegnungen auf Augenhöhe zu ermöglichen, Teilhabe zu fördern und soziale Isolation zu verhindern.
Aktuelle organisatorische und personelle Voreinstellungen
Die personelle Ausstattung umfasst:
- eine Leitung mit 30 Std./Wo.
- eine Verwaltungskraft mit 10 Std./Wo.
- eine Assistenzkraft mit 10 Std./Wo.
- sowie Ehrenamtliche mit Aufwandsentschädigung (mit variablem
Stundenumfang).
Darüber hinaus wird das Personal durch den lokalen Präventionsrat ehrenamtlich unterstützt.
Die Öffnungszeiten des ZeitRaums umfassen wöchentlich ca. 40 Stunden, an rund 270 Tagen im Jahr. Die Räumlichkeiten stehen Vereinen, Gruppen und Privatpersonen (je nach Anlass von 30 bis zu 60 Personen) zur Verfügung, können bei Bedarf auch angemietet werden.
Die räumliche Ausstattung der Begegnungsstätte besteht aus:
- einem Begegnungs-(Aufenthalts-/Veranstaltungs-) raum mit Tischen und Stühlen sowie einem Tresen mit Geschirr, Kühlschrank, Warmhaltemöglichkeiten etc.,
- einer barrierefreien Toilette (gemäß DIN 18040-1),
- einem Lagerraum.
Auf Anfrage kann Veranstaltungs- und Seminartechnik bereitgestellt werden.
Konzeptionelle Ausrichtung
Im ZeitRaum wird wertvolle Arbeit im Sinne der Inklusion und Quartiersentwicklung geleistet und durch vielfältige und produktive Kontakte eröffnen sich neue Perspektiven für alle Beteiligten. Die Genossenschaft selbst beschreibt den ZeitRaum als einen Ort „der Zeitverbringung, eine inklusive Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung [
ermöglicht], in der die Menschen ein regelmäßiges, verlässliches Angebot mit den Säulen Begegnung, Kultur, Freizeit und Austausch wahrnehmen und erleben können.“
In der Folge entstehen aus diesem Miteinander kleine und große Projekte, die das Leben im Quartier Groß-Buchholz und weit darüber hinaus aktiv mitgestalten, die Nachbarschaft lebendig werden lassen und in denen sich Bürger*innen ehrenamtlich engagieren können. Dieser Standort bildet somit einen Raum ab, der sich gut für die Begegnung und gemeinsame Aktivitäten unterschiedlicher Bevölkerungs- und Interessengruppen eignet und der vor Ort die Chance bietet, den sozialen Zusammenhalt zu stärken, die gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und die Lebensqualität zu erhöhen.
Besonderen Stellenwert findet das Nachbarschaftsprojekt „Mittagstisch für alle“, welches Menschen durch Austausch und gemeinsames Kochen zusammenbringt und so der sozialen Isolation und Altersarmut entgegenwirkt. Dieser wird bereits jetzt mit der finanziellen Unterstützung des Fachbereichs Senioren der LHH und weiterer Kooperationspartner*innen durchgeführt.
Die Verwaltung spricht sich dafür aus, dass auf Basis der vorliegenden Beschreibung das bestehende Konzept für den ZeitRaum mit den vielfältigen niedrigschwelligen Angeboten fortgeführt und erweitert werden sollte. Hierfür ist für das Projekt eine langfristige Perspektive von entscheidender Bedeutung.
Bedeutung des ZeitRaums
In den letzten Jahren hat sich hier ein Projekt etabliert, welches als regelmäßige und niedrigschwellige Anlaufstelle sehr geschätzt wird. Die barrierefreie Begegnungsstätte ZeitRaum entspricht den inklusionspolitischen Zielen der Landeshauptstadt Hannover, da hier teilhabeorientierte Arbeit geleistet wird und Spaß an der Gemeinschaft im Vordergrund steht.
Finanzielle Situation
Aktuell wird das Projekt ZeitRaum durch die Aktion Mensch gefördert. Die Förderung umfasst jährlich 62.427,43 Euro, inklusive Netto-Kaltmiete für den ZeitRaum in Höhe von 19.041,48 Euro. Wie bereits ausgeführt endet diese Förderung endet zum 31.12.2026. Danach entsteht eine errechnete Finanzierungslücke in Höhe von 65.000,00 Euro pro Jahr. Die jährlichen Gesamtausgaben belaufen sich auf 109.000,00 Euro, davon muss die Genossenschaft 44.000,00 Euro erwirtschaften – siehe beigefügter Kosten- und Finanzierungsplan.
Bezüglich der künftigen finanziellen Absicherung bzw. zur Anpassung der Miete hat die Genossenschaft Gespräche mit der Vermieterin geführt. Im Ergebnis ist eine Absenkung der Miete nicht zu erwarten, bestenfalls soll diese konstant bleiben. Ohne eine abgesicherte Folgefinanzierung wird die Genossenschaft das Projekt zum Ende des Jahres 2026 beenden, d.h. den Mietvertrag auflösen und die Mitarbeitenden fristgerecht kündigen (beides jeweils zum 31.12.2026). Damit würde ein Angebot entfallen müssen, welches in den nordöstlichen Stadtbezirken Hannovers nicht kompensiert werden kann.
Ausrichtung als Inklusionsbetrieb
Mit dem Projekt ZeitRaum möchte die Genossenschaft „Aktiv DabeiSein Dienstleistungen eG“, Trägerin des Projektes, auch in Zukunft an den Arbeitsschwerpunkten wie z.B. Vermeidung von Einsamkeit der Menschen im Quartier und im städtischen Umfeld, Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung, Stärkung des Ehrenamtes bei Menschen mit und ohne Beeinträchtigung im ZeitRaum festhalten.
Mittelfristig könnte die Ausrichtung des ZeitRaums zum Inklusionsbetrieb mit entsprechender Förderung eine Möglichkeit zur Absicherung darstellen. Voraussetzung ist, dass mindestens 30% der in einem solchen Betrieb beschäftigten Menschen eine Schwerbehinderung haben. Werden bei der Gründung eines Unternehmens oder bei der Erweiterung eines bestehenden Unternehmens neue Arbeitsplätze in entsprechender Anzahl für diese Zielgruppe geschaffen, können sie mit finanziellen Mitteln aus der Ausgleichsabgabe sowie Bundesmitteln und Eingliederungszuschüssen der Arbeitsagenturen gefördert.
Der Ausbau der Qualifizierungs- und Ehrenamtsstrukturen ist ebenfalls zu prüfen. Es bedarf, im Hinblick auf ehrenamtliche Strukturen, der kontinuierlichen Begleitung durch hauptamtliches Personal. Dieser Bereich hat im ZeitRaum großes Potential, weil im Quartier Groß-Buchholz viel Bereitschaft besteht, sich in der Begegnungsstätte ZeitRaum freiwillig zu engagieren und Verantwortung für das gesellschaftliche Miteinander zu übernehmen. Dies ist jedoch nur umsetzbar, wenn professionelle Begleitung langfristig gewährleistet ist. Der ZeitRaum könnte auf lange Sicht ein beispielhaftes Projekt werden, und unter Beweis stellen, welche entscheidende Rolle das Ehrenamt für die Gesellschaft spielt. Im ZeitRaum wirkt das ehrenamtliche Engagement schon jetzt als Brücke zur Teilhabe und fördert so den sozialen Zusammenhalt.
Die Verfügungsstellung eines Platzes für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder von Praktikumsstellen ist, mit der entsprechenden Personaldecke, ebenfalls denkbar. Insbesondere für die kulturellen Angebote des ZeitRaums, wie bereits für andere Projekte der Genossenschaft, sollten jedoch auch Drittmittel und Spenden z.B. über Stiftungen oder regionale Unternehmen eingeworben werden, um so bspw. eine Veranstaltungsreihe zu finanzieren. Auch hierfür ist für das Projekt zunächst eine langfristige Perspektive zu schaffen.
Weitere mögliche Vorgehensweise zur finanziellen Unterstützung
Für die Zeit ab 2027 stehen folgende Fördermöglichkeiten zur Verfügung:
- LHH / FB Senioren - Mittagstisch für alle (mindestens 2.400€ jährlich bis zu 10.000€ möglich)
- LHH / FB Soziales - Förderfonds für Formen der Anerkennung von bürgerschaftlichem Engagement – speziell zur Förderung/Weiterleitung direkt an Freiwillige, max. 1.000 € alle zwei Jahre.
Bei den über Bund und Land weitergeleiteten EU-Fördermitteln ist sehr oft auch die Kommune einer der Projektpartner. Etwaige Fördermöglichkeiten über europäische Fonds und Programme der EU setzen voraus, dass der Verein über eine Grundfinanzierung abgesichert ist und über entsprechende organisatorische und personelle Voreinstellungen verfügt, um die beantragte Maßnahme umzusetzen. In der Regel sind mehrere Projektpartner notwendig.
Netzwerkarbeit
Bei gesicherter Förderung könnte die Trägerin durch Intensivierung der Netzwerkarbeit mit Vereinen und Einrichtungen im Stadtbezirk sowie durch gezielte Kooperation mit anderen Einrichtungen im Stadtgebiet (bspw. Kontakt zum HannoNetz für Engagement und/oder Freiwilligenzentrum zur Gewinnung Ehrenamtlicher und zur Schulung dieser) den ZeitRaum als inklusive Einrichtung weiter etablieren und diesen als Standort des nachbarschaftlichen Zusammenhalts noch erfolgreicher aufstellen.
Kommunikation
Die Nutzung sozialer Medien zur Kommunikation der Öffnungszeiten der Begegnungsstätte ZeitRaum sowie die Ankündigung der Veranstaltungen und Aktionen sollte von der Genossenschaft weiter ausgebaut werden. Gezielte Öffentlichkeitsarbeit sorgt für mehr Sichtbarkeit, spricht zusätzlich an einem Ehrenamt interessierte Bevölkerungsschichten an und trägt bei zur Förderung von Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung.
Die Umsetzung der Inklusion nach UN-BRK hat die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für alle Menschen - mit und ohne Behinderung, unabhängig vom Alter, Geschlecht oder Nationalität - zum Ziel. Das hier vorgestellte Projekt entspricht diesem Zweck.
Durch die vorliegende Informationsdrucksache entstehen keine direkten finanziellen Auswirkungen. Die erforderlichen Haushaltsmittel zur finanziellen Absicherung des Projekts ZeitRaum werden über den Haushaltsentwurf 2027/28 nicht bereitgestellt werden können. Eine detaillierte Übersicht zu den jährlichen Projektausgaben enthält der beigefügte Kosten- und Finanzierungsplan (Anlage 1).