Drucksache Nr. 0495/2024:
Stadtbahnstrecke B-Nord: Hochbahnsteig Großer Kolonnenweg - Einleitung des
Planfeststellungsverfahrens

Inhalt der Drucksache:

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0495/2024
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Stadtbahnstrecke B-Nord: Hochbahnsteig Großer Kolonnenweg - Einleitung des
Planfeststellungsverfahrens

Antrag,

zuzustimmen, dass die Infrastrukturgesellschaft Region Hannover GmbH (infra)
die planrechtlichen Voraussetzungen für die barrierefreie Grunderneuerung der Stadtbahnhaltestelle Großer Kolonnenweg einschließlich Verlängerung des Hochbahnsteiges für den Einsatz von 3-Wagen-Zügen auf Grundlage der als Anlagen 1 bis 3 beigefügten Planunterlagen schafft.
- Anhörungsrecht der Stadtbezirke gemäß § 94 (1) NKomVG i.V. mit der Hauptsatzung der Landeshauptstadt Hannover
- Entscheidungsrecht des Verwaltungsausschusses gemäß 76 (2) NKomVG i.V. mit der Hauptsatzung der Landeshauptstadt Hannover

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Im Rahmen der Begleitmobilität mit Kindern sind besonders Frauen und ältere Menschen auf die Nutzung von öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) angewiesen. Ein barrierefreier Ausbau von Stadtbahnhaltestellen bietet eine wesentliche Verbesserung beim Ein- und Ausstieg.

Die vorgelegte Planung berücksichtigt zudem ein besonderes Sicherheitsbedürfnis von Frauen. Neben den Einbauten von Notruf- und Informationssprechzellen erhält der geplante Hochbahnsteig auch barrierefreie Zugänge für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste.

Ergebnis der Klimawirkungsprüfung

Das Ergebnis der Klimawirkungsprüfung wird als positiv bewertet.

Die Angebotsverbesserung im ÖPNV fördert die Verkehrsverlagerung vom motorisierten Individualverkehr auf den Umweltverbund und führt dadurch zu einer Verringerung von Treibhausgasemissionen.

Kostentabelle

Bezüglich des barrierefreien Ausbaus der Stadtbahnhaltestelle Großer Kolonnenweg entstehen keine finanziellen Auswirkungen, da die Stadt Hannover nicht Maßnahmenträgerin ist.

Begründung

1. Ausgangssituation

Der aktuelle Nahverkehrsplan (NVP 2021) der Region Hannover sieht eine Verlängerung von insgesamt 12 Hochbahnsteigen auf den Stadtbahnstrecken B-Nord und B-Süd (Linie 2) in Hannover- Vahrenheide, Hannover-Vahrenwald sowie Laatzen-Grasdorf und Laatzen-Mitte als Maßnahme für die kommenden Jahre vor. Damit soll die Möglichkeit zum Einsatz von 3-Wagen-Zügen auf der Linie 2 geschaffen werden.

Bereits im Fahrplanjahr 2023 musste während der morgendlichen Hauptverkehrszeit ein Verstärkerzug ab dem Endpunkt Alte Heide bis in die Innenstadt verkehren, um die erforderlichen Kapazitäten bereitzustellen, so dass 3-Wagen-Züge auf der Linie 2 bei weiterer Zunahme der Fahrgastzahlen erforderlich werden.

Alle zwölf betroffenen Haltestellen sind bereits seit vielen Jahren mit Hochbahnsteigen ausgerüstet, die jedoch hinsichtlich der Bahnsteiglänge nur 2-Wagen-Züge zulassen.


Die acht Haltestellen vom nördlichen Linienendpunkt Alte Heide bis Großer Kolonnenweg wurden bereits 1979 mit Aufnahme des Stadtbahnbetriebes auf der Strecke B-Nord in Betrieb genommen und entsprechen hinsichtlich der Barrierefreiheit bei Weitem nicht mehr den aktuellen Standards.

So sind z.B. die Bahnsteigrampen zu steil und verfügen weder über die inzwischen vorgeschriebenen Ruhepodeste noch über Radabweiser an den Geländern.

Die von der infra mit der Planung des Vorhabens beauftragte Firma TransTecBau hat zwischenzeitlich eine Machbarkeitsstudie erstellt, in der Varianten für die Hochbahnsteigverlängerungen untersucht, bewertet und mit der Landeshauptstadt Hannover und der ÜSTRA abgestimmt wurden. In diesem Rahmen wurden auch der bauliche Zustand der Bahnsteige auf der Strecke B-Nord untersucht und zahlreiche Mängel in der Barrierefreiheit sowie erkennbare altersbedingte Schäden der Bausubstanz festgestellt.

In einer Gegenüberstellung der Aufwendungen, die jeweils für eine Bahnsteigverlängerung einschließlich Anpassung der Barrierefreiheit und Behebung von Schäden oder alternativ bei einem vollständigen Ersatzneubau der Haltestellen anfallen würden, ergab sich, dass die Kosten sich nur gering unterschieden. Weil bei einer Sanierung der vorhandenen Bahnsteige im weiteren Verlauf jedoch mit weiteren, bisher nicht erkannten Schäden zu rechnen ist, entschied sich die infra bei sieben der acht Haltestellen für eine Grundsanierung in Form von Ersatzneubauten, die gleich für 3-Wagen-Züge ausgelegt sein sollen.

Aufgrund der großen Zahl an die größere Nutzlänge anzupassender Haltestellen und der sich abzeichnenden Möglichkeit, bis 2030 Fördermittel des Bundes und des Landes für die Grunderneuerung einschließlich Bahnsteigverlängerung erhalten zu können, sollen die Planungen zur Realisierung in Paketen von drei bis vier Haltestellen pro Jahr fortgesetzt werden.

Das zuerst umzusetzende Haltestellenpaket besteht aus den Haltestellen Großer Kolonnenweg, Vahrenheider Markt und Alte Heide. Die Ergebnisse für die Haltestelle Großer Kolonnenweg sind in dieser Drucksache zusammengefasst. Bevor die infra den entsprechenden Antrag zur Einleitung des Planfeststellungsverfahrens einreicht, sind die politischen Gremien der Landeshauptstadt Hannover damit zu befassen.



2. Beschreibung der Maßnahme

Die Haltestelle Großer Kolonnenweg befindet sich auf der Stadtbahnstrecke B-Nord zwischen den Haltestellen Büttnerstraße und Reiterstadion im Stadtteil Hannover-Vahrenwald. Die Haltestelle wird durch die Stadtbahnlinie 2 (Alte Heide – Rethen, ab Sommer 2024 bis Gleidingen) bedient.

Nach Erhebungen der ÜSTRA aus dem 1. Quartal 2019 wird die Stadtbahnhaltestelle von insgesamt ca. 1.900 Fahrgästen je durchschnittlichem Werktag genutzt. Die Haltestelle soll in Bestandlage und ohne Anpassung der Gleistrassierung neu gebaut werden. Dabei erhält die Haltestelle Großer Kolonnenweg wieder Seitenbahnsteige, neu mit 70 m Länge für den Einsatz von 3- Wagen-Zügen der Serien TW2000 und TW3000. Die Bahnsteighöhe liegt 81,5 cm über der Schienenoberkante. Die Bahnsteige werden mit Witterungsschutz, Sitzmöglichkeiten, Fahrkartenautomat, Notruf- und Infosäulen sowie Zugzielanzeigern ausgestattet.

An beiden Bahnsteigenden werden Rampen und signalisierte Querungsmöglichkeiten über die Gleise angeordnet, die für Menschen mit Sehbehinderung mit einer optischen und akustischen Signalanlage ausgestattet sind. Die Querung des Großen Kolonnenweges erfolgt mit gleicher Ausstattung auf Höhe des südlichen Bahnsteigzugangs.

Neben dem stadtauswärtigen Bahnsteig sollen im Seitenraum neue Fahrradabstellmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Die genaue Lage der Fahrradbügel wird in der Ausführungsplanung festgelegt. Für diese Vorzugsvariante entfällt ein Baumstandort, der haltestellennah ersetzt wird.

3. Kosten und Finanzierung

Für den barrierefreien Ersatzneubau der Stadtbahnhaltestellen Großer Kolonnenweg plant die infra, im Mai 2024 bei der LNVG den Finanzierungsantrag zur Förderung durch den Bund und das Land Niedersachsen nach dem GVFG Bundesprogramm zu stellen. Danach sollen 50 % der zuwendungsfähigen Kosten vom Bund und 40 % vom Land getragen werden. Die verbleibenden 10 % der zuwendungsfähigen sowie 100 % der nicht zuwendungsfähigen Kosten (größtenteils Planungskosten) stellen den Finanzierungsanteil der Region Hannover dar.



4. Weiteres Verfahren, Realisierung

Die Planung des Vorhabens erfolgt durch die Infrastrukturgesellschaft Region Hannover GmbH (infra) in enger Abstimmung mit der Region Hannover, der LHH und der ÜSTRA Hannoversche Verkehrsbetriebe.

Der Regionsausschuss hat in seiner Sitzung am 12.12.2023 den Beschluss über die Einleitung der Planfeststellung gefasst.

Die infra erstellt gegenwärtig die Genehmigungsunterlagen und wird zeitnah die Planfeststellung für die Haltestelle Großer Kolonnenweg bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) als Genehmigungsbehörde beantragen.

Nach Einleitung der Planfeststellungsverfahren durch die NLStBV erfolgt eine öffentliche Auslegung der Planunterlagen. Alle betroffenen Anliegerinnen und Anlieger können im Rahmen der Verfahren ihre Einwände vorbringen. Sollten sich im Verfahren grundlegende Änderungen ergeben, so werden die politischen Gremien der LHH informiert. Die Planung der infra sieht vor, 2024 mit vorbereitenden Maßnahmen und 2025 mit dem eigentlichen Neu- und Ausbau zu beginnen. Die Inbetriebnahme des Hochbahnsteiges soll zum Ende des Jahres 2025 erfolgen.

Für die Einhaltung der Termine ist neben der Beschlussfassung durch die politischen Gremien auch entscheidend, dass das Planfeststellungsverfahren zügig durchgeführt werden kann und dass die Zuwendungsbescheide der LNVG rechtzeitig vorliegen.



5. Anlagen

Anlage 1 Übersichtslageplan
Anlage 2 Lageplan
Anlage 3 Ausbauquerschnitt
66.11 
Hannover / Feb 27, 2024