Drucksache Nr. 0426/2011:
Straßenbenennungen im Stadtteil Kirchrode

Inhalt der Drucksache:

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Landeshauptstadt HannoverBeschlussdrucksacheBeschlussdrucksache
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0426/2011
1
 

Straßenbenennungen im Stadtteil Kirchrode

Antrag,

folgende Straßenbenennungen im Bereich des Bebauungsplans Nr. 1694 zu beschließen:

1. Die von der Lange-Feld-Straße Richtung Süden abgehende ringförmige Haupterschließungsstraße erhält den Namen Marie-Jorns-Ring.

2. Die östlich des "Marie-Jorns-Ring" von Nord nach Süd verlaufende Erschließungsstraße erhält den Namen Sophie-Küppers-Straße.

3. Die südlich des "Marie-Jorns-Ring" von Ost nach West verlaufende Erschließungsstraße erhält den Namen Wilhelmine-Witte-Straße.


Übersichtskarte s. Anlage 1.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Benennungen von Straßen, Wegen und Plätzen dienen der Ordnungsfunktion und sicheren Auffindbarkeit. Die Straßenbenennung wird erforderlich, um im Neubaugebiet südlich der Lange-Feld-Straße eine zweifelsfreie Adresszuordnung zu erreichen. Damit dient die Straßenbenennung allen Bürgerinnen und Bürgern gleichermaßen.

Die Benennungen nach Frauen mit einem Bezug zu Hannover entsprechen den vom Rat der Landeshauptstadt Hannover 1999 beschlossenen Grundsätzen, welche vorsehen, dass bei Neubenennungen vorrangig weibliche Persönlichkeiten berücksichtigt werden sollen.

Kostentabelle

Darstellung der zu erwartenden finanziellen Auswirkungen in Euro:
Teilfinanzhaushalt 61 - Investitionstätigkeit
Bezeichnung
EinzahlungenAuszahlungen
Zuwendungen für Investitionstätigkeit 0,00 €
Beiträge u.ä. Entgelte für Investitionstätigkeit 0,00 €
Veräußerung von Sachvermögen 0,00 €
Veräußerung von Finanzvermögensanlagen 0,00 €
Sonstige Investitionstätigkeit 0,00 €
  
  
  
Erwerb von Grundstücken und Gebäuden 0,00 €
Baumaßnahmen 0,00 €
Erwerb von bewegl. Sachvermögen 0,00 €
Erwerb von Finanzvermögensanlagen 0,00 €
Zuwendungen für Investitionstätigkeit 0,00 €
Sonstige Investitionstätigkeit 0,00 €
  
Saldo Investitionstätigkeit 0,00 €
0,00 €

Teilergebnishaushalt 61 - Investitionstätigkeit
Produkt 51103
Sonstige Leistungen Geoinformation
Angaben pro Jahr
Ordentliche ErträgeOrdentliche Aufwendungen
Zuwendungen und allg. Umlagen 0,00 €
Sonstige Transfererträge 0,00 €
Öffentlichrechtl. Entgelte 0,00 €
Privatrechtl. Entgelte 0,00 €
Kostenerstattungen 0,00 €
Auflösung Sonderposten (anteilige Zuwendungen) 0,00 €
Sonstige ordentl. Erträge 0,00 €
  
Außerordentliche Erträge 0,00 €
  
Erträge aus internen Leistungsbeziehungen
Personalaufwendungen 2.175,00 €
Sach- und Dienstleistungen 625,00 €
Abschreibungen 0,00 €
Zinsen o.ä. (TH 99) 0,00 €
Transferaufwendungen 0,00 €
Sonstige ordentliche Aufwendungen 0,00 €
  
Saldo ordentliches Ergebnis -2.800,00 €
Außerordentliche Aufwendungen 0,00 €
Saldo außerordentliches Ergebnis 0,00 €
Aufwendungen aus internen Leistungsbeziehungen
Saldo aus internen Leistungsbeziehungen 0,00 €
Saldo gesamt -2.800,00 €
Die Kosten für Straßenbenennungen sind als Durchschnittswerte zu betrachten.

Begründung des Antrages

Für das Neubaugebiet -Bebauungsplan Nr. 1694- südlich der Lange-Feld-Straße liegen erste Bauanträge im Bereich der östlichen Erschließungsstraße vor. Um den geplanten Neubauten möglichst frühzeitig zweifelsfreie Adressen zuordnen zu können wird die Benennung der Straßen jetzt erforderlich.

zu 1.
Marie Jorns: geb. am 28.03.1883 in Hannover, verst. am 01.06.1975 in Hannover. Als ihr Vater starb war Marie Jorns 18 Jahre. Erst danach konnte sie als Externe die Reifeprüfung an einer Schule in Osterode am Harz ablegen. Es folgt ein Studium in Freiburg und Berlin. Fast 40-jährig promoviert Marie Jorns in Kunstgeschichte. Am 01.04.1925 wurde sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kestner-Museum mit dem Schwerpunkt Autographen. Hier erforschte sie in jahrelanger Kleinarbeit das Leben und Werk August Kestners anhand von dessen Briefen und Tagebüchern. 1964 erschien das Resultat ihrer langjährigen Forschungen, das biographische Standartwerk "August Kestner und seine Zeit 1777 - 1853."
Quelle: Hannoversches Biographisches Lexikon; Sophie & Co., Biographische Portraits von Hiltrud Schroeder.

zu 2.
Sophie Küppers: geb. Schneider, geb. am 1.11.1891 in Kiel, wuchs in München auf, verst. am 10.12.1978 in Russland. Schon in der Höheren Mädchenschule zeigte sich Sophies Kunstinteresse, später bekam sie Unterricht vom Kustos der Pinakothek in München und studierte anschließend in München Kunstgeschichte. Dort lernte sie Paul Erich Küppers kennen, den sie 1916 heiratete. Mit Paul Erich Küppers, dem Mitbegründer und ersten Leiter der Kestner-Gesellschaft, kam Sophie 1916 nach Hannover. Das Ehepaar Küppers führte in Hannover ein für Künstler offenes Haus. So entstanden u.a. Verbindungen zu Lotte und Otto Gleichmann, Käte Steinitz sowie Kurt Schwitters. Aufgrund Sophies untrüglichen Instinkts für Künstlerpersönlichkeiten erwarben die Küppers schon früh Arbeiten von Emil Nolde, Paul Klee, Marc Chagall und vielen anderen. Viele ihrer Kunstwerke überließ Sophie als Leihgabe dem Provinzial-Museum Hannover, dem heutigen Landesmuseum. Durch ihre autobiographischen Aufzeichnungen war Sophie Küppers neben Käte Steinitz eine der wichtigsten Zeitzeuginnen der hannoverschen Kunstszene in den 1920er Jahren. Paul Erich Küppers starb am 07.01.1922. Kurz darauf lernte Sophie den russischen Künstler El Lissitzky kennen. Sie heirateten 1927 und kehrten zusammen nach Russland zurück. Als El Lissitzky 1941 starb, kümmerte sich Sophie um seinen Nachlass und schrieb seine Biographie, die 1967 in Dresden erschien. Nach dem Tod El Lissitzkys wurde Sophie nach Sibirien verbannt. Trotz ihrer Bemühungen blieb ihr die dauerhafte Rückkehr nach Deutschland versagt. So verstarb sie am 10.12.1978 in Russland.
Quelle: Die geraubten Bilder, die abenteuerliche Geschichte der Sophie Lissitzky-Küppers und ihrer Kunstsammlung von Ingeborg Prior; Hannoversches Biographisches Lexikon.

zu 3.
Wilhelmine Sophie Elisabeth Witte: geb. Böttcher, geb. am 17.11.1777 in Hannover, verst. am 17.09.1854 in Hannover, heiratete 1802 Friedrich Christian Witte. Die mathematisch hochbegabte Wilhelmine Witte erwarb 1815 ein Fraunhofer-Refraktor, ein Fernrohr, welches alle bisher auf dem Markt vorhandenen weit übertraf. Dieses Fernrohr ermöglichte Wilhelmine Witte Messungen auf der Mondoberfläche. Anhand dieser Messungen und mit Hilfe der Mädlerschen Mondkarten fertigte sie einen naturgetreuen Reliefglobus des Mondes an. Hierbei war sie auf eigene Versuche und künstlerisches Geschick angewiesen, was mechanische Vorrichtungen, Werkzeuge, Material und Ausgestaltung betraf. Es ist nicht überliefert wann sie ihr erstes vorzeigbares Modell fertigstellte. Mitte 1838 konnte Wilhelmine Witte aber dem in Hannover weilenden Astronomen John Herschel ein erstes Ergebnis vorstellen. Aufgrund der positiv kritischen Bemerkungen Herschels fertigte sie ein weiteres größeres, viel genaueres Model mit einem Durchmesser von 34 Zentimetern an, welches im September 1839 auf der Naturforscherversammlung in Pyrmont vom Astronomen Johann Heinrich Mädler einem staunenden Publikum vorgeführt wurde. Mädler heiratete später Minna Witte, die Tochter von Wilhelmine, welche er während dieser Versammlung kennenlernte. Anfang 1840 gelangte der Globus dann nach Berlin, wo Mädler ihn Naturwissenschaftlern und Geografen sowie Mitgliedern des preußischen Königshauses vorführte. Bei der königlichen Familie erregte er so viel Beifall, dass im Januar 1841 die Königliche Kunstkammer den Mondglobus erwarb. Im Herbst 1844 hatte Wilhelmine Witte wieder einen Globus mit weiteren Verbesserungen ausgearbeitet. John Herschel stellte diesen Mondglobus 1845 in Cambridge der Gesellschaft für den Fortschritt der Naturwissenschaft vor, wo er ebenfalls große Anerkennung fand. Eine Vervielfältigung ihrer Arbeit war nicht möglich, so sehr dies auch gewünscht wurde. Mit dem Tod Minna Mädlers 1891wurde dieser Globus dem Kestner-Museum vermacht, von wo er 1972 in das Historische Museum gelangte.
Quelle: Acta Historica Astronomiae, von Wolfgang R. Dick und Jürgen Hamel, Beiträge zur Astronomiegeschichte, Sonderdruck Wilhelmine Witte.
61.21 
Hannover / 02.03.2011