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Neufassung: Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen + Volt + Piratenpartei zur Einrichtung eines lokalen Fonds für Erinnerungskultur
Antrag
Die Verwaltung wird beauftragt zu prüfen, ob und wie ein lokaler Fonds zur Unterstützung von Projekten der Erinnerungskultur und Demokratiebildung insbesondere im Bereich der Vermittlungnach dem Vorbild der Stiftung EVZ - Erinnerung Verantwortung Zukunft gebildet werden kann. Der Fonds soll aus Mitteln großer sowie mittelständischer in Hannover tätiger Unternehmen gebildet werden und jährlich mit mindestens 100.000 Euro zivilgesellschaftliche Projekte sowie das Zeitzentrum Zivilcourage und die Gedenkstätte Ahlem unterstützen. Ziel ist dabei, eine aktive Zivilgesellschaft im Bereich der Demokratiebildung und Erinnerungskultur bei Bildung und Vermittlung zu unterstützen. Insbesondere junge Menschen sind dabei als zentrale Akteure zu adressieren, somit ist auch der Fachbereich Schule und KiJu verwaltungsseitig einzubeziehen.Zu prüfen ist dabei eine Kooperation mit der Region Hannover, der Sparkasse Hannover sowie größeren hannoverschen Traditionsunternehmen, die an einer Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte Interesse haben oder sich dieser schon gewidmet haben. Die Ausschüttung von Mitteln des Fonds soll durch eine fachlich besetzte Jury erfolgen, die es zu berufen gilt.
Begründung
In der jüngeren Vergangenheit haben sich zwei große hannoversche Traditionsunternehmen, Bahlsen und Continental der Erforschung ihrer Geschichte, insbesondere ihrer Verstrickungen in die NS-Zwangsarbeit und Kriegswirtschaft gewidmet. Zugleich hat sich die Stadt Hannover mit einem Beirat zur Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe Hannovers und zur Entwicklung eines dekolonialisierenden Konzeptes auf den Weg gemacht, die lokale Erinnerungskultur um wichtige Aspekte zu erweitern. Doch auch zur Geschichte Hannovers im Nationalsozialismus, nicht zuletzt auch des hannoverschen Mittelstands, sowie der Kontinuitäten und rechtsextremer Gewalt nach 1945 sowie der ambivalenten Demokratiegeschichte ist noch viel Bildungsarbeit sowie Forschung zu leisten. Immer wieder fehlt es an Geld, um zivilgesellschaftliche Netzwerke und Projekte und damit eine wichtige Säule lokaler Erinnerungskultur zu fördern und ggf. zu professionalisieren. Dies gilt insbesondere im Bereich der historisch-politischen Wissensvermittung und Demokratiebildung. Neben der Forschung ist auch Dabei ist die Geschichte im öffentlichen Raum und die Entwicklung und Finanzierung neuer pädagogischer Angebote relevant von zentraler Bedeutung. Zugleich fehlt es immer wieder an Ressourcen unterschiedlichster Art in den beiden hannöverschen Erinnerungsorten, der Gedenkstätte Ahlem sowie dem Zeitzentrum Zivilcourage. Sollte ein derartiger Fonds eingerichtet werden können, wäre dies ein neuer und einzigartiger Ansatz, um gesamtgesellschaftlich Verantwortung für eine aktive und professionelle sowie zugleich partizipative Erinnerungskultur zu übernehmen. Hannover würde hier bundesweit eine Vorreiterrolle einnehmen.