Drucksache Nr. 0269/2013:
Neubau Leineufermauer, Schloßbrücke, Hannover-Mitte

Informationen:

Beratungsverlauf:

  • 18.02.2013: Stadtbezirksrat Mitte: Neufassung!
  • Durch Neufassung erledigt: Ausschuss für Umweltschutz und Grünflächen
  • Durch Neufassung erledigt: Stadtentwicklungs- und Bauausschuss
  • Durch Neufassung erledigt: Verwaltungsausschuss

Inhalt der Drucksache:

Bitte beachten Sie, dass der folgende Text eventuell medienbedingte Formatabweichungen aufweisen kann. Eine formatgetreue Abbildung des Inhalts finden Sie in der Anlage "Druckversion.pdf".
Landeshauptstadt HannoverBeschlussdrucksacheBeschlussdrucksache
In den Stadtbezirksrat Mitte
In den Ausschuss für Umweltschutz und Grünflächen
In den Stadtentwicklungs- und Bauausschuss
In den Verwaltungsausschuss
 
Nr.
Anzahl der Anlagen
Zu TOP
 
0269/2013
3
 

Neubau Leineufermauer, Schloßbrücke, Hannover-Mitte

Antrag,

1. der Gesamtplanung für den Neubau der Leineufermauer auf der Höhe der Schloßbrücke in Hannover-Mitte mit Gesamtkosten in Höhe von 2,28 Mio. €, sowie dem Bau des 1. Bauabschnitt und der Inanspruchnahme der Verpflichtungsermächtigung für den 2. Bauabschnitt zu Lasten 2014 zuzustimmen,
2. die Realisierung des 1. Bauabschnitts mit Gesamtkosten in Höhe von 1,05 Mio.vorbehaltlich des Beschlusses des Haushalts 2013 durch den Rat zu beschließen.

- Anhörungsrecht des Stadtbezirksrates gemäß § 94 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 NKomVG in Verbindung mit § 10 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 Hauptsatzung,
- Entscheidungsrecht des Verwaltungsausschusses gemäß § 76 Abs. 2 S. 1 NKomVG.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Genderspezifische Belange wurde bei der Planung des Vorhabens beachtet.
Frauen sind von der geplanten Maßnahme gleichermaßen wie Männer betroffen.

Kostentabelle

Darstellung der zu erwartenden finanziellen Auswirkungen in Euro:
Teilfinanzhaushalt 67 - Investitionstätigkeit
Investitionsmaßnahme I55102.003
"Öffentliches Grün, Mauer Leibnizufer"
EinzahlungenAuszahlungen
Zuwendungen für Investitionstätigkeit €0.00
Beiträge u.ä. Entgelte für Investitionstätigkeit €0.00
Veräußerung von Sachvermögen €0.00
Veräußerung von Finanzvermögensanlagen €0.00
Sonstige Investitionstätigkeit €0.00
  
  
  
Erwerb von Grundstücken und Gebäuden €0.00
Baumaßnahmen €840,000.00
Erwerb von bewegl. Sachvermögen €0.00
Erwerb von Finanzvermögensanlagen €0.00
Zuwendungen für Investitionstätigkeit €0.00
Sonstige Investitionstätigkeit €0.00
  
Saldo Investitionstätigkeit (€840,000.00)
€0.00

Teilergebnishaushalt 67 - Investitionstätigkeit
Produkt 55102
"Öffentliches Grün, Mauer Leibnizufer"
Angaben pro Jahr
Ordentliche ErträgeOrdentliche Aufwendungen
Zuwendungen und allg. Umlagen €0.00
Sonstige Transfererträge €0.00
Öffentlichrechtl. Entgelte €0.00
Privatrechtl. Entgelte €0.00
Kostenerstattungen €0.00
Auflösung Sonderposten (anteilige Zuwendungen) €0.00
Sonstige ordentl. Erträge €0.00
  
Außerordentliche Erträge €0.00
  
Erträge aus internen Leistungsbeziehungen €0.00
Personalaufwendungen €0.00
Sach- und Dienstleistungen €210,000.00
Abschreibungen €26,100.00
Zinsen o.ä. (TH 99) €43,500.00
Transferaufwendungen €0.00
Sonstige ordentliche Aufwendungen €0.00
  
Saldo ordentliches Ergebnis (€279,600.00)
Außerordentliche Aufwendungen €0.00
Saldo außerordentliches Ergebnis €0.00
Aufwendungen aus internen Leistungsbeziehungen €0.00
Saldo aus internen Leistungsbeziehungen €0.00
Saldo gesamt (€279,600.00)

Begründung des Antrages

Anlass
Der Zustand der ca. 70 m langen westlichen Leineufermauer nördlich der Schloßbrücke erfordert grundlegende Instandsetzungs- und Sanierungsmaßnahmen. Größere Abschnitte sind instabil und neigen sich zur Flussseite.
Seit 2008 wird die Lotabweichung regelmäßig kontrolliert. Der Zustand hat sich fortlaufend verschlechtert. Im Gesamtergebnis besteht Einsturzgefahr. Aus Verkehrssicherungsgründen wurde die Leine in diesem Abschnitt gesperrt, damit Wassersportler nicht durch herabfallende Steine verletzt werden.

Hintergrund – denkmalpflegerische Einordnung
Die westlichen Ufermauern der Leine in Höhe der Schloßbrücke sind in Teilen Überreste der letzten ehemaligen Leineinselbebauung, die vermutlich bis auf die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts zurückzuführen ist. Die ehemaligen aufstehenden Gebäude wurden nach den Kriegszerstörungen des II. Weltkrieges erst in den 1950 bis 1960er Jahren abgebrochen und die Fläche als Parkplatz am Leibnizufer angelegt. Die jetzt noch sichtbaren Natursteinmauerfragmente sind Teile der ursprünglichen Kelleraußenwände. Im Untergrund werden noch weitgehend erhaltene Kellerräume vermutet, die mit Bauschutt verfüllt sind.
Die Maueranlage wird als Einzeldenkmal gemäß Niedersächsischem Denkmalschutzgesetz geführt. Das Landesamt für Denkmalpflege erwartet zudem historische Siedlungsbefunde unterhalb der noch vorhandenen historischen Gebäudefragmente aus der Zeit des Hochmittelalters, also dem 12. / 13. Jahrhundert. Es handelt sich damit um ein archäologisches Bodendenkmal von hoher stadtgeschichtlicher Bedeutung.

Konzept Abbruch und Neubau der Ufermauer
Unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes, einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Baukonstruktion sowie von funktionalen und stadtgestalterischen Aspekten wird der Abbruch der schadhaften Ufermauer und Neubau in Stahlbetonbauweise mit anschließender Verblendung unter weitgehender Verwendung des vorhandenen Natursteinmauerwerks vorgeschlagen.
Ziel ist eine dauerhafte konstruktive Standsicherheit der Mauer zu gewährleisten, die eine künftige städtebauliche Entwicklung der oberen, zurzeit als Parkplatz genutzten Flächen auf Grundlage der im Stadtdialog HannoverCity 2020+ formulierten Zielsetzungen nicht behindert und den denkmalpflegerischen Zielen nicht widerspricht.
Das jetzt vorliegende Entwurfskonzept berücksichtigt die künftige Entwicklung im Sinne der City 2020+-Leitziele, den Stadtraum am Leineufer konzeptionell weiterzuentwickeln und die historische Verbindung von Wasser und Stadt wieder stärker erlebbar zu machen. Es wurde in enger Abstimmung mit Vertretern der Denkmalpflege entwickelt.

Bei Abbruch und Neubau der Ufermauer sind aufgrund der sensiblen stadtgeschichtlichen Bedeutung umfangreiche baubegleitende archäologische Untersuchungen und Dokumentationsschritte in aufeinander aufbauenden Bauphasen erforderlich:
1. Abbruch und Dokumentation
Zunächst werden im rund 2.500 m² großen Baufeld die Oberflächen freigelegt. Im Zuge des steingerechten lagenweisen Abtrags der historischen Natursteinmauersteine werden die verschütteten Kellerräume schonend freigelegt, die Auffüllungen gesichtet, bauhistorisch bewertet und die Räume und Mauern denkmalfachlich vermessen und dokumentiert.

2. Archäologische Grabung und Dokumentation
Eine fachkundige Grabungsfirma wird in enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden den Untergrund bis zur Zieltiefe der künftigen Neubaugründung von ca. 6,50 m archäologisch untersuchen, die Befunde sichern und dokumentieren.
3. Herstellung der Baugrube
Zur wassersicheren Vorhaltung der Baugrube unter dem Leinewasserspiegel wird wasserseitig in Fließrichtung der Leine eine Stahl-Spundwand eingebracht. Ebenso werden die stirnseitigen Baugrubenflanken an der Nordseite und der Südseite parallel zur Schloßstraße gesichert, während die westliche Seite der rund 6,50 m tiefen Baugrube als offene Böschung ausgebildet wird. Eine Wasserhaltung während der Bauphase wird falls notwendig vorgesehen.

4. Neubau der Ufermauer
Die neue Ufermauer wird nach statischen Erfordernissen als Stahlbeton-Schwerlastwand in Flachgründung mit einem rückseitigen Sporn hergestellt.
Leitmotiv für die Maueransichten ist es, die ursprüngliche Kleinteiligkeit der historischen Bebauung der Leineinsel an dieser markanten stadträumlichen Stelle beim Wiederaufbau der Flussmauer wieder zu zeigen. Durch eine annähernd vollständige Wiederherstellung der vorhandenen ca. 32 m langen Sandsteinansichten mit original historischen Steinen bleibt die bisherige Anmutung dieses Mauerabschnitts annähernd erhalten.
Der nördlich anschließende ca. 28 m lange Wandabschnitt, der zurzeit aus einem einfachen, in Teilen verputzten und ausgebesserten Ziegelmauerwerk besteht, also nicht mehr im Originalzustand ist, wird dagegen um etwa 3 m nach Westen versetzt und anschließend ebenfalls mit neuen ortstypischen Sandsteinplatten verkleidet. Durch einen neuen Treppenabgang entsteht so eine ca. 70 m² große Aufenthaltsfläche unmittelbar an der Wasserlinie. Hier besteht künftig die Möglichkeit, eine Anlegestelle für Wassersportler anzubieten, die ihre Boote wegen der Leine-Staustufe am Friederikenplatz hier umsetzen können.
In diesem Bereich weitet sich das westliche Flussufer der Leine Richtung Norden auf. Bisher nicht erschlossene Blickbeziehungen in die Flussachse sowohl in den kanalartigen Oberlauf am Leinschloss wie auch in den breiteren Unterlauf Richtung Martin-Neuffer-Brücke und die besondere Erlebbarkeit unmittelbar am Fluss mitten in der Stadt werden dabei ermöglicht. Der Abflussquerschnitt der Leine wird durch den um ca. 3 m nach Westen versetzen Mauerabschnitt begünstigt.
Eine barrierefreie Erschließung der flussnahen Aufenthaltsfläche ist aufgrund des erheblichen Höhenunterschiedes von mehr als 3 m in diesem Bauvorhaben nicht möglich. Im Rahmen der Zielsetzungen von HannoverCity 2020+ ist eine barrierefreie Erreichbarkeit der westlichen, parkartigen Leineuferseite und damit auch eine Anbindung der oben genannten Aufenthaltsfläche vorgesehen. Die Realisierung dieser Planungen kann zurzeit noch nicht terminiert werden.
5. Wiederherstellung und Neugestaltung der Oberflächen
Die von der Baugrube betroffenen Parkplatzflächen und der beleuchtete Fußweg werden vollständig wiederhergestellt. Entlang der Mauerkante wird anstelle des derzeitigen unbefestigten Vegetationsstreifens eine gestaltete Promenade mit Pflasterplatten und Natursteinbändern angelegt. Sitzbänke und ein neu gepflanzter Baum lockern die Fläche auf.
Die Brüstungsbereiche sollen mit neuer Sandsteinverblendung und Sandsteinabdeckung und in Teilbereichen mit Füllstabgeländern analog der Ufermauern am Hohen Ufer gestaltet werden. Ein überkragender Promenadenbalkon ermöglicht Blickbeziehungen entlang der Wasserlinie.

Zeitplanung
Abbruch, archäologische Grabung und Herstellung der Baugrube werden ab Herbst 2013 bis ca. Ende des 1. Quartals 2014 erfolgen. Abhängig vom derzeit noch nicht absehbaren archäologischen Untersuchungsumfang kann darauf aufbauend der Neubau der Ufermauer ab Frühjahr 2014 begonnen werden. Eine endgültige Fertigstellung wird dann zum Jahresende 2014 angestrebt. Im gesamten Bauzeitraum steht der Parkplatz für den wöchentlichen Flohmarkt nicht zur Verfügung. Ausweichmöglichkeiten in der Nähe werden rechtzeitig mit den Betreibern einvernehmlich geklärt.

Kostenzusammenstellung
Die Gesamtkosten für den Neubau der Leineufermauer, Schlossbrücke betragen
rund 2,28 Mio. Euro.
Für den 1. Bauabschnitt betragen die Kosten 1.050.000,- € (brutto) und setzen sich folgendermaßen zusammen:

Historische Standortrecherchen
(archäologische und bauhistorische Dokumentation) 210.000,- €



Baukosten 1. Bauabschnitt:
Vorarbeiten und Sicherungsmaßnahmen 120.000,- €
Rückbau Ufermauer 310.000,- €
Erdarbeiten 230.000,- €
Summe Baukosten 1. BA 660.000,- € 660.000,- €

Planungs-/Ingenieurleistungen 80.000,- €
Summe Planungs- und Baukosten 1. BA 840.000,- € 840.000,- €

Gesamtsumme (brutto) 1. BA einschl. Planungskosten 1.050.000,- €
Baukosten 2. Bauabschnitt:
Mauerneubau 910.000,-€
Rückbau Baugrube, Wiederherstellung der Oberflächen
Befestigte Flächen - Wegebauarbeiten 320.000,- €

Gesamtsumme (brutto) 2.280.000,- €
67.22 
Hannover / Feb 6, 2013