Informationsdrucksache Nr. 0081/2016:
AktionsraumNORD – das hannoversche Projekt im Rahmen des ESF-Bundesprogramms BIWAQ

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Beratungsverlauf:

Inhalt der Drucksache:

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Landeshauptstadt HannoverInformationsdrucksache-ZeichenInformationsdrucksache
In die Kommission Sanierung Stöcken
In die Kommission Sanierung Soziale Stadt Hainholz
In die Kommission Sanierung Soziale Stadt Sahlkamp-Mitte
In den Stadtbezirksrat Herrenhausen Stöcken
In den Stadtbezirksrat Nord
In den Stadtbezirksrat Bothfeld-Vahrenheide
In den Sozialausschuss
In den Ausschuss für Arbeitsmarkt-, Wirtschafts- und Liegenschaftsangelegenheiten
In den Ausschuss für Integration, Europa und Internationale Kooperation (Internationaler Ausschuss)
In den Stadtentwicklungs- und Bauausschuss
 
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0081/2016
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AktionsraumNORD – das hannoversche Projekt im Rahmen des ESF-Bundesprogramms BIWAQ

Unter Federführung des Bereichs Bürgerschaftliches Engagement und soziale Stadtteilentwicklung (50.5) im Fachbereich Soziales hat sich die Stadt Hannover erfolgreich mit dem Projekt „AktionsraumNORD“ für die Teilnahme am ESF - Bundesprogramm Bildung, Arbeit, Wirtschaft im Quartier (BIWAQ) beworben, das für die Förderrunde 2015 bis 2018 vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) ausgelobt wurde.

Mit dem BIWAQ-Programm sollen städtebauliche Investitionen des Programms ‚Soziale Stadt‘ mit arbeitsmarktpolitischen Instrumenten verzahnt werden, um benachteiligte Stadtteile zu stabilisieren und die Quartiere aufzuwerten.

Gefördert werden arbeitsmarktpolitische Projekte in folgenden Handlungsfeldern:

Handlungsfeld 1 (HF 1): Nachhaltige Integration von langzeitarbeitslosen Frauen und

Männern ab 27 Jahre in Beschäftigung

Handlungsfeld 2 (HF 2): Stärkung der lokalen Ökonomie



Über die Verknüpfung mit weiteren Handlungsfeldern der integrierten Stadtentwicklung soll ein zusätzlicher Mehrwert für die Quartiere bewirkt und die innerstädtische Kohäsion verbessert werden.
Voraussetzung für die Förderung ist, dass die Projekte in den Gebieten des Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“ stattfinden, also in städtebaulich, wirtschaftlich und sozial benachteiligten Stadtteilen.
Für die gesamte Förderrunde 2015-2018 stehen bis zu 58,7 Millionen ESF-Mittel und bis zu 35,3 Millionen Bundesmittel des BMUB zur Verfügung. Antragsberechtigt waren für diese Förderrunde ausschließlich Kommunen, die maximale Antragshöhe pro Kommune lag bei 2 Millionen Euro.
Aus 128 Interessenbekundungen wurden 75 Kommunen ausgewählt, 7 davon in Niedersachsen; Hannover konnte bei der Bewerbung mit seiner Projektidee vom „AktionraumNORD“ überzeugen.

Der „AktionsraumNORD“

Die Landeshauptstadt Hannover (LHH) hat auf Basis der Fördervoraussetzungen gemeinsam mit erfahrenen Trägern der Beschäftigungsförderung und aus dem Themenfeld lokale Ökonomie fachübergreifend ein Projekt entwickelt, durch das am Ende der Förderlaufzeit 440 Personen nachhaltig in Beschäftigung integriert werden sollen und der Bestand der lokalen Ökonomie gesichert und weiterentwickelt wird. Das hannoversche Projekt weist als Besonderheit die Größe des Wirkungskreises auf, die Verknüpfung beider Handlungsschwerpunkte und den Projektverbund.

Der Wirkungskreis
Die Soziale-Stadt-Gebiete Stöcken, Hainholz und Sahlkamp-Mitte bilden mit Vahrenheide-Ost als anerkanntem Ergänzungsgebiet die Handlungskulisse für den „AktionsraumNORD“.
Dadurch wird langzeitarbeitslosen Bewohnerinnen und Bewohnern (ab 27 Jahre) aus vier benachteiligten Gebieten die Möglichkeit eröffnet an dem Projekt teilzunehmen. Der sich um die genannten Gebiete ebenfalls in Hannovers Norden schlingende Gewerbegürtel erhöht die Chancen der nachhaltigen Integration in Beschäftigung, bei gleichzeitig gezielter Stärkung der lokalen Ökonomie vor Ort. Mobilität und Flexibilität als heutige Anforderungen des Arbeitsmarkes können durch die große Handlungskulisse zudem gefördert werden, die gebietsübergreifenden Aktivitäten sind vom Fördergeber anerkannt worden.

Die Verknüpfung beider Handlungsfelder
Durch die vielfältigen Angebote und Maßnahmen in beiden Handlungsfeldern und deren Verknüpfung soll im „AktionsraumNORD“ die Chance genutzt werden, eine nachhaltige strukturelle Verbesserung aller Gebiete zu erzielen.
Neben der Bestandssicherung und –entwicklung der am Standort ansässigen Kleinstunternehmen und Betriebe ist das Ziel im HF 2, die wirtschaftliche Situation durch imagefördernde und andere Maßnahmen zu stärken. Anrainendes Gewerbe soll z.B. einbezogen werden, um zusätzliche Arbeitsplätze für das HF 1 zu generieren. Durch beide Handlungsfelder findet eine direkte Intervention im Lebensumfeld der Teilnehmerinnen und Teilnehmer statt, die Einfluss auf die Sozialstruktur nehmen wird und die Lebensqualität aller Bewohnerinnen und Bewohnern verbessern soll.

Der Projektverbund
Für das Gesamtprojekt „AktionsraumNORD“ haben sich in der Stadtverwaltung die Bereiche Bürgerschaftliches Engagement und soziale Stadtteilentwicklung, Beschäftigungsförderung, Wirtschaftsförderung und Planung und Stadterneuerung mit sechs Trägern zu einem Projektverbund zusammengeschlossen, um die jeweiligen fachlichen Kompetenzen im Sinne der Zielsetzung einzusetzen:



Durch den Zusammenschluss der LHH mit erfahrenen und in den Gebieten bekannten Trägern bietet das Projekt „AktionsraumNORD“ den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in sieben Teilprojekten (siehe Anlage) eine Vielfalt an Möglichkeiten für den gelungen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt. Dabei sollen zunächst direkt im Wohnumfeld potentielle TeilnehmerInnen aus der Zielgruppe erreicht werden, indem die durch das Programm „Soziale Stadt“ bereits aufgebaute gute soziale Infrastruktur genutzt wird. Bekannte Schlüsselpersonen und -institutionen sollen identifiziert werden und als MultiplikatorInnen Langzeitarbeitslose für das Projekt interessieren und ihnen den niedrigschwelligen Zugang ermöglichen. Die in den Gebieten bereits tätigen städtischen QuartiersmanagerInnen übernehmen dabei die koordinierende und vermittelnde Rolle.

Die Projektstruktur
Die Leitung des Gesamtprojektes obliegt dem Bereich Bürgerschaftliches Engagement und soziale Stadtteilentwicklung im Fachbereich Soziales (50.5). Zu den Aufgaben der dort installierten Projektleitung zählt u. a. die Steuerung des Gesamtprojektes, die Abstimmung und Koordination von Prozessketten und Übergängen, das Zielcontrolling, die Finanzabwicklung und die Evaluation des Projektes.
Durch regelmäßige Arbeitstreffen in den Gebieten und auf Ebene des Gesamtprojektes soll der Erfahrungsaustausch sichergestellt werden und das Ineinandergreifen der Teilprojekte im Sinne der Zielsetzung.
Eine zusätzlich installierte Steuerungsgruppe soll die Zielerreichung des Projektes unterstützen.

Kooperationen
Hauptkooperationspartner ist das Jobcenter Region Hannover, mit dem eine enge Zusammenarbeit vereinbart wurde. Über den allgemeinen Informationsaustausch zu Maßnahmen und Programmen hinaus muss – unter Berücksichtigung des Datenschutzes - ganz konkret eine enge Abstimmung bzgl. der TeilnehmerInnen des BIWAQ-Projektes „AktionsraumNORD“ erfolgen, die im Leistungsbezug des Jobcenters Region Hannover sind, um die individuellen Maßnahmen für die Zielgruppe aufeinander abzustimmen und das gemeinsame Ziel der nachhaltigen Integration in Beschäftigung zu erreichen.
Da auf die vorhandene soziale Infrastruktur in den Projektgebieten aufgebaut werden soll, kommt den dort bereits tätigen Einrichtungen und Akteuren eine besondere Bedeutung zu, mit denen bzgl. ihrer Schlüsselfunktion ebenfalls Kooperationsvereinbarungen geschlossen wurden. Dazu zählen z.B. Kindertagesstätten, Familienzentren und Vereine, die zum Gelingen des Projektes beitragen wollen. Ihre Kooperationsbereitschaft haben zudem viele Gewerberunden/-gemeinschaften erklärt, mit denen insbesondere im HF 2 zusammengearbeitet werden soll.

Finanzierung und Personalausstattung
Für den Förderzeitraum vom 1.6.2015 bis 31.12.2018 wurden für das gesamte Projekt „AktionsraumNORD“ Kosten in Höhe von annähernd 2 Mio. EURO ermittelt. Zur Anrechnung kommen Personalkosten bei allen Teilprojektträgern und der LHH als Antragstellerin im Umfang von insgesamt 9 Vollzeitstellen, auf die 26% pauschale Sachkosten gerechnet werden.
Die Finanzierung erfolgt in Höhe von 40% über Bundesmittel, aus ESF-Mitteln werden 50% der Projektkosten finanziert. 10% der Finanzierung müssen als Eigenmittel von allen Teilprojektträgern und der LHH eingebracht werden.
Die LHH hat als Antragstellerin mit den nichtstädtischen Trägern Verträge geschlossen, die die Weiterleitung der Zuwendungen aus ESF- und Bundesmitteln für die Teilprojekte entsprechend des Zuwendungsbescheides regelt und den an der Zuwendungshöhe ausgewiesenen Eigenanteil.

Durch die Förderung über den Europäischen Sozialfonds (ESF) und den Bund werden für den städtischen Haushalt Drittmittel in Höhe von 1,8 Millionen EURO ausgelöst.

Sachstand zur Umsetzung
Seit Bewilligung der Zuwendungen für das BIWAQ-Projekt konnten die Teilprojekte in den Gebieten sukzessive aufgebaut werden, Personal wurde eingestellt und eingearbeitet und die Arbeitsstrukturen für den „AktionsraumNORD“ in den Teilprojekten geschaffen. Eine Kick-Off-Veranstaltung mit allen Trägern und dem Jobcenter Region Hannover hat stattgefunden, erste Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten für Teilprojekte aktiviert werden, erste Schlüsselpersonen und -einrichtungen in den Quartieren wurden identifiziert. Kontakte zu Gewerbetreibenden wurden aufgenommen und erste, imagefördernde Veranstaltungen bereits gemeinsam geplant und durchgeführt.
Der Schwerpunkt der Umsetzung liegt zur Zeit auf der Abstimmung von Prozessketten der Teilprojekte aufeinander und der Bekanntmachung des Projektes in den Stadtgebieten, damit Langzeitarbeitslosen die Möglichkeiten bekannt werden und sie die Chance wahrnehmen am „AktionsraumNORD“ teilzunehmen.

Vor dem Hintergrund der Flüchtlingszuwanderung wurde seitens des BMUB nachgesteuert, sodass auch Flüchtlinge, die in den Quartieren einen Wohnsitz haben, an den Projekten im „AktionsraumNORD“ teilnehmen können. Allerdings hat das BMUB deutlich gemacht, dass sich das Angebot trotzdem in erster Linie an die ursprüngliche Zielgruppe "Langzeitarbeitslose" richtet.

Berücksichtigung von Gender-Aspekten

Der „AktionsraumNORD“ ist mit seinen Teilprojekten grundsätzlich offen für Frauen und Männer mit und ohne Migrationshintergrund, Voraussetzung ist das Merkmal Langzeitarbeitslosigkeit.
Sowohl bei Erstkontakten, in Beratungssettings als auch bei der Aufstellung individueller Hilfe-/Unterstützungspläne muss die Geschlechterperspektive eingenommen werden, um individuelle Förderpläne entwickeln zu können und passgerechte Beratungs-, Begleitungs- oder Qualifizierungsangebote für die Frau/den Mann im AktionsraumNORD zu finden. Der notwendige Unterstützungsbedarf zur Umsetzung eines Förderplans und damit die Sicherung der Kontinuität der Teilnahme, sind extrem davon abhängig, ob z.B. genderspezifische Hemmnisse berücksichtigt worden sind.
Auf Basis der Sozialdaten wurden für die Gebiete konkrete Zielgruppen identifiziert. Frauen werden nach wie vor stärker benachteiligt bei der Integration in den Arbeitsmarkt, ebenso ältere Männer. Deshalb richtet sich das hannoversche Projekt besonders an diese beiden Zielgruppen.

Kostentabelle

Es entstehen außer den genannten keine finanziellen Auswirkungen.

50 /50.5
Hannover / Jan 14, 2016