Drucksache Nr. 0053/2023 F1:
Antwort der Verwaltung auf die
Anfrage der SPD-Fraktion: 2022 - ein Boomjahr für die Ehrenamtskarte
in der Ratssitzung am 23.02.2023, TOP 3.1.

Inhalt der Drucksache:

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0053/2023 F1
1
 

Antwort der Verwaltung auf die
Anfrage der SPD-Fraktion: 2022 - ein Boomjahr für die Ehrenamtskarte
in der Ratssitzung am 23.02.2023, TOP 3.1.

Mit der Ehrenamtskarte erhalten deren Inhaber*innen in Hannover sowie in weiten Teilen Niedersachsens und in Bremen eine besondere Anerkennung für ihr bürgerschaftliches Engagement und gleichzeitig hierfür Vergünstigungen. Der DS 2361/2022 ist zu entnehmen, dass in diesem Jahr seit der Ankündigung der neuen Vergünstigung „365-Euro-Ticket für Inhaber*innen der Ehrenamtskarte“ ein Boom an Neuanträgen zu verzeichnen ist.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Verwaltung:

  1. Wie viele Ehrenamtliche haben die Ehrenamtskarte insgesamt erhalten, wie viele Ehrenamtskarten sind zurzeit aktiv, wie hoch ist die Verlängerungsquote unter den aktiven Karten und wie beurteilt die Verwaltung die zahlenmäßige Entwicklung insbesondere in den verschiedenen Altersgruppen?
  2. In welcher Form wirbt die Landeshauptstadt Hannover bei ehrenamtlich Tätigen, besonders bei Jüngeren, für die Ehrenamtskarte?
  3. Wie erfolgreich und in welchen Abständen erfolgt die Anwerbung von Vergünstigungspartner*innen in der hannoverschen Wirtschaft und in der Kultur-, Freizeit-, Bildungs- und Sportszene und besteht zur Anwerbung von Vergünstigungspartner*innen eine Kooperation mit der Region Hannover?

Text der Antwort

Ratsanfrage der SPD-Fraktion zu „2022 – ein Boomjahr für die Ehrenamtskarte“ (Drucksache-Nr. 0053/2023)

Vorbemerkung:
Im Jahr 2007 wurde vom Land Niedersachsen die Ehrenamtskarte eingeführt und damit den Kommunen die Möglichkeit gegeben, sich der Vergabe dieses niedersachsenweiten Anerkennungsformats anzuschließen. Seitens der Stadtverwaltung Hannover wurde die Einführung der Ehrenamtskarte zunächst nicht weiterverfolgt, da u. a. durch das Land keine Personalkostenerstattung für die Bearbeitung der Anträge in den Kommunen vorgesehen wurde.

Im Rahmen des „Konzeptes für Formen der Anerkennung von bürgerschaftlichem Engagement“ (DS 0843/2009) wurde jedoch die Einführung der Ehrenamtskarte als ein wichtiger Baustein einer wertschätzenden Anerkennungskultur seitens der Stadtverwaltung empfohlen und 2009 vom Rat beschlossen. Personal- und Sachkosten wurden für diese neue Aufgabe nicht zur Verfügung gestellt, die Bearbeitung der Ehrenamtskarte wurde dem Fachbereich Soziales, Bereich Bürgerschaftliches Engagement und soziale Stadtteilentwicklung (50.5) organisatorisch als neue Aufgabe zugeordnet.
Die Verwaltung berichtet regelmäßig über die Antragszahlen zur Ehrenamtskarte im Berichtswesen zum wesentlichen Produkt (Finanzbericht).

Dies vorausgeschickt werden die Fragen wie folgt beantwortet:

Frage 1: Wie viele Ehrenamtliche haben die Ehrenamtskarte insgesamt erhalten, wie viele Ehrenamtskarten sind zurzeit aktiv, wie hoch ist die Verlängerungsquote unter den aktiven Karten und wie beurteilt die Verwaltung die zahlenmäßige Entwicklung insbesondere in den verschiedenen Altersgruppen?

Seit Einführung der Ehrenamtskarte im Jahr 2010 wurden für das Stadtgebiet Hannover seitens der Verwaltung insgesamt 4.167 Karten ausgestellt, davon 2.640 Neuanträge und 1.527 Verlängerungen. Aktuell sind lt. der Datenbank des FreiwilligenServers Niedersachsen 1.008 aktive Ehrenamtskarten im Stadtgebiet Hannover im Umlauf. Die Quote der Verlängerungsanträge in der LHH beträgt seit 2010 ca. 37 %.

Während im Jahr der Einführung der Karte für Hannover (2010) insgesamt 718 Ehrenamtskarten ausgestellt wurden, sank die Anzahl im Folgejahr auf 248 Karten. In den Folgejahren 2012 bis 2022 wurden durchschnittlich 291 Ehrenamtskarten (Neuanträge + Verlängerungen) beantragt. Eine detaillierte Übersicht können Sie der schriftlichen Beantwortung dieser Ratsanfrage entnehmen.

Wie bereits in der DS 2361/2022 zur Engagement-Förderung in der LHH ausgeführt, hat schon die Ankündigung der neuen Vergünstigung „365-Euro-Ticket für Inhaber*innen der Ehrenamtskarte“ einen Boom an Neuanträgen ausgelöst, der die bearbeitende Stelle vor große Herausforderungen stellt. Während im 1. und 2. Quartal 2022 insgesamt lediglich 39 Neuanträge gestellt wurden, waren es im 3. Quartal 216 und im 4. Quartal 196 Anträge. Im Jahr 2022 wurden somit 451 Ehrenamtskarten neu beantragt und 122 Anträge auf Verlängerung gestellt.

Gefragt nach einer Beurteilung der Verwaltung zur zahlenmäßigen Entwicklung der Ehrenamtskarte, insbesondere in verschiedenen Altersgruppen, ist zunächst festzuhalten, dass die vom Land Niedersachsen gesetzten Voraussetzungen zum Erhalt der Ehrenamtskarte eine Würdigung speziell für Ehrenamtliche mit einem besonders/ überdurchschnittlich hohen zeitlichen Einsatz und einer Kontinuität vorsehen. Die Karte erhalten ausschließlich Menschen, die ihr Engagement mindestens 5 Stunden pro Woche oder 250 Stunden im Jahr ausüben und deren Engagement bereits seit mindestens 3 Jahren dauerhaft in diesem Umfang besteht. Darüber hinaus können seit Ende 2022 auch alle Inhaber*innen einer Juleica (JugendleiterCard) die Ehrenamtskarte beantragen, erste Anträge sind im Fachbereich Soziales bereits eingegangen.

Die Verwaltung geht davon aus, dass die geforderte hohe Stundenzahl nicht in jeder Lebensphase problemlos erreicht werden kann. Insbesondere für junge Menschen, die nicht die Juleica besitzen, und/oder für Personen, die in Vollzeit berufstätig sind, sich in Familiengründung befinden oder Care- und Pflegearbeiten im familiären Umfeld ausüben, dürfte es schwerer sein, die Voraussetzungen für den Erhalt der Ehrenamtskarte zu erfüllen.

Trotzdem zeichnet sich eine Tendenz in der Entwicklung der Altersgruppen ab: Während im Einführungsjahr 2010 und den ersten Folgejahren die Altersgruppen von 56 bis 85 Jahren die Inanspruchnahme der Ehrenamtskarte klar dominierten, zeigt sich in den letzten Jahren eine Zunahme auch bei jüngeren Altersgruppen, die sich durch die Juleica-Inhaber*innen vermutlich fortsetzen wird. Eine grafische Darstellung wird dem Protokoll beigefügt.

Die Verwaltung sieht die Ehrenamtskarte nach wie vor als einen wichtigen Baustein einer wertschätzenden Anerkennungskultur für bürgerschaftliches Engagement, weist aber zugleich auf die vielen unterschiedlichen Maßnahmen der Engagementförderung der LHH hin, mit denen Engagierte erreicht werden, die entweder kein Interesse an der Ehrenamtskarte haben oder die Voraussetzungen nicht erfüllen. So wurden z. B. mit dem kommunalen „Förderfonds für Dank- und Anerkennungsformen für bürgerschaftliches Engagement“ im Jahr 2022 131 unterschiedliche Organisationen mit annähernd 5.150 Ehrenamtlichen erreicht.

Die bereits erwähnte Drucksache zur Engagementförderung zeigt weitere Aktivitäten auf, mit denen der Vielfalt des bürgerschaftlichen Engagements seitens der LHH entsprochen wird, und welche Themen – auch mit Blick auf jüngere Ehrenamtliche – aktuell bearbeitet werden.


Frage 2: In welcher Form wirbt die Landeshauptstadt Hannover bei ehrenamtlich Tätigen, besonders bei Jüngeren, für die Ehrenamtskarte?

Über die Verteilung von Flyern in städtischen Einrichtungen, bei Organisationen und an wichtigen Engagement-Orten wie z.B. dem Freiwilligenzentrum Hannover hinaus wird auf der städtisch betreuten Website freiwillig-in-hannover.de für die Ehrenamtskarte geworben. Zudem weist die LHH in regelmäßigen Abständen primär Multiplikator*innen, d.h. Verantwortliche von Vereinen und Organisationen im Stadtgebiet sowie städtische Stellen, die mit Ehrenamtlichen (jüngeren wie älteren) arbeiten, auf die Ehrenamtskarte hin, damit diese die Information an ihre Aktiven und Engagierten streuen und weiterkommunizieren. Dies geschieht bspw. im Rahmen von Treffen des Netzwerks Bürgermitwirkung Hannover, dem nach aktuellem Stand ca. 80 Initiativen angehören, oder durch Hinweise im städtischen Newsletter für Vereine und gemeinnützige Organisationen.

Darüber hinaus werden größere Veranstaltungen wie z.B. die Freiwilligenbörse genutzt, um auf die Ehrenamtskarte aufmerksam zu machen, ebenso wie Kooperationen mit dem Stadtjugendring oder der Hannoverschen Sportjugend, um besonders die Zielgruppe Jüngerer zu erreichen.

Um die Attraktivität der Ehrenamtskarte im Stadtgebiet weiter zu steigern, stellt die LHH seit Anfang 2022 auf der Website freiwillig-in-hannover.de auch eine interaktive Online-Stadtkarte zur Verfügung, auf der Inhaber*innen der Ehrenamtskarte alle Vergünstigungen im Stadtgebiet lokal verorten können.

Frage 3: Wie erfolgreich und in welchen Abständen erfolgt die Anwerbung von Vergünstigungspartner*innen in der hannoverschen Wirtschaft und in der Kultur-, Freizeit-, Bildungs- und Sportszene und besteht zur Anwerbung von Vergünstigungspartner*innen eine Kooperation mit der Region Hannover?

Im Jahr 2022 fanden zwei Maßnahmen zur Anwerbung neuer Vergünstigungspartner*innen statt. Mit einem persönlichen Schreiben der Sozialdezernentin wurden Einrichtungen und Unternehmen direkt angeschrieben, um diese für eine Kooperation im Rahmen der Ehrenamtskarte zu gewinnen. In Folge dessen konnten für die Ehrenamtskarte folgende neue Vergünstigungspartner*innen gewonnen werden:
· Bahlsen Outlet Hannover,
· dm-drogerie markt,
· Hannoversche Kaffeemanufaktur,
· Kestnergesellschaft,
· NDR Radiophilharmonie
· Zoo Hannover mit seinem Souvenir-Shop.

Darüber hinaus wurde im September 2022 die städtische Veranstaltung „Hannover Marktplatz“ genutzt, um bei den 52 teilnehmenden Organisationen und Unternehmen für eine Kooperation zu werben.

Unternehmen, die eine neue Vergünstigung zur Ehrenamtskarte anbieten möchten, haben seit dem Frühjahr 2022 die Möglichkeit, dies direkt und unkompliziert über ein entsprechendes Online-Formular auf der Website freiwillig-in-hannover.de auf den Weg zu bringen.

Eine Kooperation mit der Region Hannover zur Anwerbung von Vergünstiger*innen ist bisher nicht erfolgt.