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Diese Drucksache hat keine finanziellen Auswirkungen.
Ausgangslage
Im Rahmen der Flüchtlingszuwanderung 2015 wurde die Verwaltung beauftragt, ein Programm zu entwickeln, das sich speziell an Familien mit sehr kleinen Kindern richtet, um die Zeit zwischen Ankunft in einer Flüchtlingsunterkunft und der Vermittlung in institutionelle Kinderbetreuung in Kita oder Krippe zu überbrücken.
Was ist GUGS?
GUGS war ein niedrigschwelliges Angebot für geflüchtete Familien, das vor Ort in den Gemeinschaftsunterkünften oder den Wohnprojekten angeboten wurde. Speziell geschultes semiprofessionelles Personal, so genannte „Elternbegleiter*innen“ wurden dafür eingesetzt.
Die inhaltliche Ausgestaltung von GUGS sah vor, die geflüchteten Familien in Hannover willkommen zu heißen, ihnen Orientierung in Angeboten des Stadtteils zu geben, sie an institutionelle Angebote der Kinderbetreuung anzugliedern und ihnen Unterstützung bei der Einführung der deutschen Sprache in die Familie zu geben. Die Elternbegleiter*innen boten Raum und Gelegenheit für die Mütter erlernte Kenntnisse der deutschen Sprache, z.B. durch Rollenspiele, im Alltag anzuwenden. Sie informierten und begleiteten Angebot mit dem Ziel die Teilnehmer*innen in den Stadtteil anzubinden und in bestehende Angebote des Stadtteils (z.B. Griffbereit, Rucksack, kulturelle Veranstaltungen) Übergänge zu schaffen.
Außerdem bot die Gruppe, insbesondere für Alleinerziehende, die Möglichkeit mit anderen Bewohner*innen in Kontakt zu kommen.
Inhaltliche Durchführung des Projekts im Zeitraum 2016-2020
Die Durchführung des Projekts oblag vorrangig der Verwaltung selbst. An einem Standort wurde einem Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe, der AWO, eine Zuwendung zur Durchführung eines eigenen GUGS-Projekts bewilligt.
Mit Vorlage der Informationsdrucksache 2325/2016 wurde eine erste Übersicht über die Durchführung des Projekts gegeben. Zum damaligen Zeitpunkt (Stand 14.09.2016) lebten 179 Flüchtlingskinder bis 2 Jahre und 143 Kinder bis 5 Jahre in Hannover. Die Gruppe der 6-jährigen Kinder wurde damals in der Flüchtlingsstatistik nicht gesondert erfasst. Die Zielgruppe für das GUGS-Projekt bezog sich auf Kinder (0-6 Jahre) mit den dazugehörigen Eltern, Elternteilen oder Familienangehörigen.
GUGS wurde in 2016 mit Projektstart an den folgenden Standorten angeboten:
· Alt-Vinnhorst (European Homecare), Alt-Vinnhorst 82 E
· Stöcken (Johanniter), Lauckerthof 3,
· Roderbruch (European Homecare), Feodor-Lynen-Straße 3a-d
· Ahlem (DRK), Petit-Couronne-Str. 30
· Vahrenheide (Johanniter), Sahlkamp 30 A-C
· Südstadt (Ev. Freikirchliche Gemeinde), Hildesheimer Str. 161
· Oststadtkrankenhaus (DRK), Pasteurallee 1
Die Träger der Gemeinschaftsunterkünfte fungierten als Kooperationspartner der Verwaltung bei der Organisation und Implementierung des Projekts vor Ort. Organisiert werden mussten Einsatzzeiten der Elternbegleiter*innen, Verfügbarkeit von Räumen, Verfügbarkeit von Materialien etc.
Aufgrund der positiven Resonanz auf das Angebot regten die Betreiber der Flüchtlingsunterkünfte an, das Projekt GUGS auch an weiteren Standorten zu implementieren.
So wurde im Jahr 2017 mit der Drucksache 2031/2017 beschlossen, dass in insgesamt 6 Flüchtlingsunterkünften an den nachfolgenden Standorten „GUGS“ für ein weiteres Jahr fortgeführt werden sollte.
· Ahlem, Am Nordhang 9a-d
· Vahrenheide, Am Sahlkamp 30 A-C
· List, Hebbelstraße 57
· Alt-Vinnhorst 82
· Stöcken Lauckerthof 3,
· Roderbruch, Feodor-Lynen-Straße 3 a,
Darüber hinaus beinhaltete die Drucksache eine Neuimplementierung des Projekts an den neuen Standorten:
· Badenstedt, Herrmann-Ehlers-Allee 100
· Kirchrode, Zweibrückener Straße 72
· Misburg-Nord, Kampstraße 11
Im Projektzeitraum 2017 wurden in den 9 Einrichtungen 85 Familien und insgesamt 115 Kinder erreicht.
Mit dem Antrag der Drucksachen-Nr. 15-2583/2017 wurde die Unterkunft in der Zweibrückner Str. zum Jahresende 2017 geschlossen. Daher erschien es notwendig den Umzug der Unterkunftsbewohner*innen in die neue Modulunterkunft in Anderten am Annateich zu veranlassen.
Die Drucksache 0774/2018 beinhaltete die Fortführung des Projekts bis zum 31.12.2018.
Im Projektzeitraum 2018 wurden in den 9 Einrichtungen durchschnittlich 60 Familien und insgesamt 60 Kinder erreicht
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Der Sachstand der betriebenen Standorte im Jahr 2018 (Stand September 2018) vorgelegt mit der Drucksache 2132/2018 sah aus wie folgt:
· Vahrenheide, Am Sahlkamp 30 A-C
· List, Hebbelstraße 57
· Badenstedt, Woermannstraße 47
· Badenstedt, Herrmann-Ehlers-Allee 100
· Badenstedt, Albrecht-Schaeffer-Weg
· Lahe, Rendsburger Straße
· Roderbruch, Feodor-Lynen-Straße 3 a,
· Roderbruch, Baumschulenallee
· Roderbruch, Nikolaas-Tinbergen-Weg
Mit Stand Dezember 2020 waren die folgenden Standorte im Projekt (siehe Anlage 1 dieser Drucksache):
· Alt-Vinnhorst 82
· Badenstedt, Herrmann-Ehlers-Allee 100
· Badenstedt, Woermannstraße 47
· Kronsberg, Wülferoder Str. 30 a-c
· Lahe, Rendsburger Straße 15 A-D
· Roderbruch, Baumschulenallee 31 A-D
· Roderbruch, Nikolaas-Tinbergen-Weg 8
· Roderbruch, Feodor-Lynen-Straße 3 a
· Ledeburg, Mecklenheidestraße 27 a-c
Im Dezember 2020 partizipierten in den 9 Einrichtungen 50 Familien und insgesamt 36 Kinder am Projekt GUGS. Nicht immer waren dabei Kinder zu den Gruppenterminen anwesend gewesen, da aufgrund freier Platzkapazitäten auch Frauen ohne Kinder eine Teilnahme ermöglicht wurde.
Personaleinsatz des Projekts
Im Jahr 2016 wurden die in den Gemeinschaftsunterkünften eingesetzten Elternbegleiter*innen aus den Programmen „Rucksack“ und „Griffbereit“ angesprochen und bei Interesse speziell für den Einsatz in Flüchtlingsunterkünften geschult.
Alle siebzehn Elternbegleiter*innen von GUGS waren in den Anfängen des Projekts parallel auch in KiTas tätig und konnten so ein Stück Vermittlung übernehmen. Im Unterschied zu den Rucksackgruppen war konzeptionell verankert, dass bei GUGS immer im Tandem gearbeitet würde, um unter anderem eine möglichst breite sprachliche Abdeckung zu leisten.
Mit Einführung der neuen Landesförderrichtlinie, „QuiK“ im Jahr 2018, nutzte ein Teil der Elternbegleiter*innen aus dem Projekt GUGS die Möglichkeit in eine Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistent*in zu gelangen und stand dadurch dem Projekt GUGS nicht mehr zur Verfügung. Diesen Effekt hatte auch die Einführung des Gute-Kita-Gesetzes im Jahr 2019, die den Quereinstieg in die Erzieherausbildung, insbesondere für Personen mit Zuwanderungsgeschichte vereinfachte. Dies erschwerte seitdem dauerhaft die Akquise und Neuausbildung von Elternbegleiter*innen für GUGS. Zudem stiegen die Anforderungen an die Elternbegleiter*innen in Bezug auf die benötigten Sprachkenntnisse (von ursprünglich vorrangig Arabisch und Farsi, sind es mit Stand Dezember 2020 über 10 benötigte Sprachen). Auch dies erschwerte zusätzlich die Nachbesetzung ausfallender Elternbegleiter*innen.
Im Projektzeitraum 2016-2020 wurden 5 Qualifizierungsdurchgänge in Kooperation mit der VHS Hannover und einer externen Referentin durchgeführt. Von den Teilnehmer*innen konnten insgesamt 49 Personen eine Zertifizierung erlangen.
Zum Einsatz in den Unterkünften kamen pro Projektjahr
2016/17 14 Elternbegleiter*innen
2017/18 16 Elternbegleiter*innen
2018/19 15 Elternbegleiter*innen
2019/20 11 Elternbegleiter*innen
2020 10 Elternbegleiter*innen
Finanzierung des Projekts
Die Kostenaufteilung des Projekt GUGS stellt sich wie folgt dar:
Qualifizierung: 8.000,-€
Personalkosten: 50.000,- €
Honorarkosten: 29.000,- €
Material: 12.000,- €
Insgesamt: 99.000,- €
Die Kosten in Höhe von 99.000,- Euro im Projektjahr 2016 wurden komplett durch eine Spende finanziert (Vertrauliche DS 0078/2016).
Für das Projektjahr 2017 wurden mit der Drucksache 2031/2017 die Kosten des Projekts im Förderzeitraum 01.08.2017 bis 31.07.2018 in Höhe von 94.768,- Euro bewilligt.
Für das Projektjahr 2018 wurden mit der Drucksache 0774/2018 Kosten des Projekts im Förderzeitraum 01.08.2018 bis 31.12.2018 in Höhe von 67.000,00 Euro bewilligt worden.
Für den Doppelhaushalt 2019/2020 wurden mit der Drucksache 2123/2018 Kosten des Projekts im Förderzeitraum 01.01.2019 bis 31.12.2020 in Höhe von 109.000,00 Euro pro Jahr bewilligt.
Gesamtfazit
GUGS konnte über den Zeitraum der vergangenen 4 Jahre als ein sinnvolles niedrigschwelliges Angebot implementiert werden. Es gelang, Kontakt mit geflüchteten Familien herzustellen und sie bedarfsorientiert zu unterstützen und zu beraten. Die Beratungsschwerpunkte in GUGS lagen in zwei Themenfeldern. Einerseits berieten die Elternbegleiter*innen über die institutionellen Strukturen der kommunalen Kinderbetreuung. Häufig ist zugewanderten Familien nicht deutlich, was eine Kindertagesstätte ist und wie Kinderbetreuung in Deutschland funktioniert. So stellten die Elternbegleiter*innen das Familienservicebüro und Kindertagesstätten vor und berieten, wie die Familien einen Betreuungsplatz erhalten können. Durch GUGS konnte sehr gut die Anbindung an die institutionelle Kinderbetreuung vermittelt werden. Es hatte eine Lotsenfunktion für Familien, denen das institutionalisierte Bildungssystem in Deutschland nicht bekannt ist.
Darüber hinaus war der an Rucksack und Griffbereit angelehnte Inhalt ein Hauptelement von GUGS. Die Elternbegleiter*innen berieten und schulten die Eltern in Erziehungskompetenz. Sie stellten Methoden vor, wie Kinder sprachlich auch im Alltag gefördert werden können, ohne viel Material- oder Finanzeinsatz der Familien. Hierzu nutzten die Elternbegleiter*innen unter anderem das zertifizierte Schulungsmaterial von Rucksack Kita.
Zu den Familien konnte durch den Einsatz von Elternbegleiter*innen, die als Semiprofessionelle eine Schlüsselfunktion einnahmen, gut Kontakt aufgenommen und eine Vertrauensbasis im Verlauf des Programms aufgebaut werden. Dies ließ sich insbesondere daran ablesen, dass die Gruppen, die teilweise über Jahre bestanden, einen festen Teilnehmer*innenkreis aufwiesen.
Erfahrungen mit der Umsetzung des Programms GUGS zeigten früh, dass der Betreuungsbedarf in Flüchtlingsunterkünften sehr groß ist, um beispielsweise die Teilnahme an Deutschkursen zu realisieren, die eine zwingende Grundlage für die Partizipation am Arbeitsleben sind. Aufgrund der mangelnden Kinderbetreuung in Deutschkursen waren die Teilnehmer*innen dort oft abgelenkt und nutzten so die GUGS-Gruppe um hier inhaltliche Fragen zu den Hausaufgaben zu stellen und diese nachzuarbeiten.
Dennoch verzeichnete das Projekt GUGS eine deutliche Verringerung der Teilnehmer*innenzahl um fast 2/3 seit Beginn des Projekts. Dies entsprach auch der ursprünglichen Planung, dass das Projekt als eine Ersatz- bzw. Behelfsmaßnahme für die Überführung in institutionalisierte Regelsysteme (Kindertagesstätten, Schulen etc.) vorgesehen war und daher grundsätzlich zeitlich befristet angelegt war.
Mit Auslaufen des Projekts zum 31.12.2020 wird GUGS planmäßig beendet. Sofern sich die Lage in der Flüchtlingszuwanderung wieder ändert, wäre eine Neuauflage des Projektes erstrebenswert.