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Kulturcard für Hannover
Informationsdrucksache
Im Rahmen seiner Beratungen zum Haushaltskonsolidierungskonzept V beschloss der Rat am 26.02.2004 (DS 0199/2004):
„Die Verwaltung wird beauftragt, ein Konzept zur Einführung einer Kulturcard für die kulturellen Einrichtungen der Stadt und der Region zu erarbeiten. Dabei sind insbesondere die Museen, Bibliotheken, Theater, Veranstaltungen in den Herrenhäuser Gärten etc. zu berücksichtigen. Parallel dazu wird geprüft, inwieweit diese Form der Kulturförderung mittels eines Kultursponsoring-Projektes finanziert werden kann. Dieses Konzept ist dem Fachausschuss bis Ende dieses Jahres vorzustellen.“
Nach Prüfung durch die Kulturverwaltung unter Beteiligung von Fachfirmen wurden mehr als 40 Vertreterinnen und Vertreter aller infrage kommenden Kulturinstitutionen, Veranstalter etc. informiert und nach ihrer grundsätzlichen Bereitschaft gefragt, an der Entwicklung eines Konzeptes für eine Kulturcard mitzuarbeiten.
Dabei wurden zwei denkbare Varianten vorgestellt:
„Belohnungsvariante“
Inhaber einer Kulturcard sammeln durch häufigen Besuch kultureller Einrichtungen und Veranstaltungen nach einem bestimmten System Bonus-Punkte, die ab einem bestimmten Wert zu „Belohnungen“ führen, z.B. in Form von befristeten freien Eintritten, Gratifikationen o.ä.
Organisatorisch müssten alle beteiligten Institute und Veranstalter solche Karten vorhalten und ausgeben, sowie durch nicht vernetzte Lesegeräte die technische Ansammlung von Bonuspunkten auf den nicht-übertragbaren Karten ermöglichen.
„Ermäßigungsvariante“
Für Kulturcards wird ein entsprechender Preis erhoben, der sofort für einen bestimmten Zeitraum zur einer fühlbaren Ermäßigung der Eintrittspreise aller angeschlossenen Veranstalter und Institute führt. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Kulturcard werden nach einem bestimmten Schlüssel aufgeteilt.
Der technische Aufwand hierbei ist gering, da z.B. keine Lesegeräte o.ä. notwendig wären. Die Kulturcards müssten aber bei allen Veranstaltern und Instituten zum Verkauf angeboten werden.
Etwa die Hälfte der angeschriebenen Institutionen, Veranstalter usw. äußerte sich zur Initiative positiv und favorisierte insbesondere die so genannte „Ermäßigungsvariante“.
An einem anschließenden Plenum im Neuen Rathaus am 15. November 2004 nahmen zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kulturszene Hannovers, die unterschiedlichste Einrichtungen und Veranstalter repräsentierten, teil. Dazu gehörten sowohl Museen, Theater, Bibliotheken wie auch Konzertagenturen/-veranstalter, Buchhandlungen, der Kunstverein u.a.
Begrüßt wurde die mit dem Ratsbeschluss zur Einführung einer Kulturcard verbundene Absicht, den Besuch kultureller Veranstaltungen und Institute attraktiver zu machen. Erfolge solcher Modelle, vor allem im kommerziellen Bereich (Einzelhandel u.ä.), legten solche Überlegungen nahe. Allerdings sei die Situation im Kultursektor unterschiedlich zu wirtschaftlichen Sektoren zu sehen.
Übereinstimmung herrschte auch in der Beurteilung der Quantität des hannoverschen Kulturlebens. Nach Einschätzung der Anwesenden sind die Angebote für das städtische und regionale Publikum in ihrer Menge und im Vergleich zu anderen Städten und Regionen sehr hoch. Parallel-Veranstaltungen, die identische Publikumsgruppen ansprechen, kämen nicht selten vor. Nehme man auch das nicht-kulturelle städtische Veranstaltungsprogramm (z.B. Sportveran-
staltungen) hinzu, sei das Angebot zeitweise zu groß.
Ob eine Kulturcard in dieser Situation helfe, müsse sorgfältig hinterfragt werden. Das Kultur-Publikum ließe sich bei seinen Entscheidungen nicht unbedingt in erster Linie vom Preis einer Veranstaltung leiten. Dies erkenne man daran, dass häufig teure Karten für eine bestimmte Veranstaltung „von vorn“ (also „die teuren zuerst“) verkauft würden – eine Kulturcard ziele aber in erster Linie auf den wirtschaftlichen Vorteil.
Demgegenüber stehen Erfahrungen z.B. des Staatstheaters, das mit Rabattaktionen eine überraschend hohe Nachfrage erzielt.
Nicht vorstellbar war für die Teilnehmer/-innen der Runde, dass eine Kulturcard zu höheren Einnahmen führe: Die eingeräumten Ermäßigungen würden voraussichtlich nicht durch die Einmalzahlungen für eine solche Card kompensiert.
Übereinstimmend sprachen sich die Diskussionsteilnehmer/-innen dafür aus, Ermäßigungen mit Marketingaktivitäten zu verbinden. Das Beispiel Lübecks (Kampagne „Geist ist geil“), aber auch die „Langen Nächte“ der Museen und Theater zeigten, dass zeitweise angebotene Ermäßigungen gut mit einer Marketingkampagne verbunden werden könnten. In einer solchen Kombination seien erkennbare Effekte zu erzielen und es könne damit gerechnet werden, dass auch bisher nicht erreichtes Publikum interessiert werde. Voraussetzung sei ein unter Werbe-Gesichtspunkten professionelles Vorgehen (z.B. ein guter Slogan usw.), an dem sich möglichst alle in Frage kommenden Veranstalter und Institute in Stadt (und ggf. Region) beteiligen müssten.
Abschließend herrschte damit Einvernehmen über folgende Ergebnisse des Plenums:
· Die Kulturcard ist in erster Linie ein Marketinginstrument. Sie müsste in einer entsprechenden Kampagne unter intensiver Beteiligung aller infrage kommenden Institutionen gegenüber der Öffentlichkeit in Stadt, Region und Umland kommuniziert werden.
· Das Kulturcard-Konzept, insbesondere in Gestalt der so genannten „Ermäßigungsvariante“, wird nicht zu einer Erhöhung der Einnahmen der beteiligten Institute führen.
· Sinnvoll ist eine professionelle Marketingkampagne unter einem einheitlichen Slogan, die temporäre Eintrittsermäßigungen für die gesamte hannoversche Kulturlandschaft mit gezielter und breiter Werbung kombiniert. Hieran sollten sich möglichst viele Institute und Veranstalter und weitere Partner (Hannover Marketing Gesellschaft) beteiligen.
Die Kulturverwaltung beabsichtigt, ihre Aktivitäten in diesem Sinne fortzusetzen.
Berücksichtigung von Gender-Aspekten
Gender-Aspekte werden von der vorstehenden Informationsdrucksache nicht berührt.
Kostentabelle
Es entstehen keine finanziellen Auswirkungen.